Wer als Geschäftsmensch hin und wieder in der Schweiz ist, und sei es nur, um den Kontostand abzufragen, der oder die weiß: Wenn Schweizer uns Schwaben (= Deutsche) ausgrenzen wollen, dann gleiten sie ab in ihr unverständliches Idiom, das allein 22 verschiedene Vokale kennt, die alle irgendwo im Rachen liegen. Und wer beim Geschäft mit den Schweizer Nachbarn choin hinterschi mache (= keinen Verlust machen) will, der oder die lernt gopferdammi (= verdammt noch mal), Schweizerdeutsch zu verstehen. Sprechen? Vergessen Sie’s, wir lernen das nie.
Zum besseren Verständnis des Bergvolks gibt es jetzt das Wörterbuch „Schweizerdeutsch – Deutsch“, herausgebracht von Haffmans (Zürich) bei Zweitausendeins (Frankfurt a.M.). Außen schaut es aus wie ein Schweizer Pass (Rot mit weißem Kreuz, weiß mit rotem Kreuz ist für Staatenlose…). Wie Verleger Gerd Haffmans erlebt hat, werden Leute, die dieses Büchlein in der Hand halten, auch schon mal gerne an der deutsch-schweizerischen Grenze durchgewunken.
„Kafka empfand, als er zusammen mit Max Brod im Jahre 1911 in Zürich weilte, das Schweizerdeutsche als ein ‚mit Blei ausgegossenes Deutsch‘. Im Schweiz-Führer einer gewissen Josefine Mann hätte er nachlesen können: ‚Aber wer lange genug hier lebt, kann erfahren, dass die Rauheit der Sprache mit Zuverlässigkeit und Aufrichtigkeit des Charakters zusammengeht. Empfindliche Menschen verwechseln bisweilen die durch Dialekt und Landessitte bedingte eigenartige Ausdrucksweise mit bewusster Unhöflichkeit‘. So kundig angeleitet, dürfen Ausländer bei uns gewiss sein: je grober man sie anschnauzt, um so freundlicher ist es gemeint.“
Josef Estermann, Zürcher Stadtpräsident a.D.
CHLIINI IIFÜHRIG (= KLEINE EINFÜHRUNG)
Die Betonung liegt in der Regel auf der ersten Silbe; dies gilt auch für die aus dem Französischen entlehnten Begriffe: Lávabo, Ápero, Bíllet.
Das ch entspricht dem ach-Laut.
Das e wird in der Regel sehr offen ausgesprochen (und in Einzelfällen auch als ä notiert).
Die Vokalfolgen ie, ue, und üe sind echte Diphtonge, so in Zvieri („Zviäri“), en Guete („Guäte“), Büezer („Büäzer“); ei wird je nach Dialekt bald äi, bald ai ausgesprochen, wie in Seich (Berndüütsch: „Säich“, Züridüütsch: „Saich“).
Die Konsonantenfolgen st und sp werden grundsätzlich wie scht und schp („Feister“, „Chasperli“) ausgesprochen, wo es nicht ohnehin schon so notiert wurde („Züschtig“).
Der Doppelkonsonant gg bezeichnet ein weiches aspirationsloses k (wie im französischen coq, qui): „Schoggi“.
k wird immer kch gesprochen, so in Anke („Ankche“) oder Kino („Kchino“).
Mit einem Vorwort des Zürcher Stadtpräsidenten Josef Estermann und einem Nachwort von Fritz Senn. Mit fünf Zeichnungen von Volker Kriegel.
Wörterbuch Schweizerdeutsch – Deutsch
Broschur.
60 Seiten. 10 x 14,5 cm.
2,50 €.
ISBN 978-3-942048-00-2