“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / August, 2010


Und aßen den besten Käsekuchen, den ich je gegessen habe


/ August 11th, 2010 | Pepys

11. August 1667

Sonntag. Gegen 4 Uhr aufgestanden und uns fertiggemacht, da wir noch vor 5 Uhr zusammen mit Mrs. Turner losfahren wollten, was uns auch gelang. Und so machten wir uns auf den Weg und erreichten gegen 7 Uhr den Gesundbrunnnen bei Barnet, wo bereits viele Leute waren, um Wasser zu trinken. Am Morgen war es sehr kalt gewesen, und wir hatten die ganze Fahrt über in der Kutsche gefroren. Trafen dort Joseph Batelier und ich unterhielt mich mit ihm. Auch W. Hewer und sein Onkel Steventon waren dort. Nachdem ich drei Gläser getrunken hatte und die Frauen nichts, fuhren wir mit der Kutsche zurück nach Barnet zum Red Lion. Gingen hinein und nach oben in den großen Saal. Dort tranken wir etwas und aßen den besten Käsekuchen, den ich je gegessen habe. Dann bestiegen wir wieder die Kutsche, und W. Hewer begleitete uns zu Pferd. Wir fuhren nach Hatfield ins dortige Gasthaus, das sich gleich neben dem Haus von Lord Salisbury befindet. Dort ruhten wir uns ein wenig aus, tranken etwas und bestellten unser Mittagessen. Da es gerade Kirchenzeit gingen wir zum Gottesdienst. Dort begegneten wir Lord und Lady Sandys sowie weiteren vornehme Damen der Familie. Viele schöne Gesichter und elegante Personen waren in der Kirche, und die Predigt gefiel mir außerordentlich gut. Eine sehr inbrünstige Predigt. Der Pfarrer sprach darüber, wie man die Anzeichen der seligmachenden Gnade im Menschen erkenne. Und er sagte, wo die seligmachende Gnade sei, da sei auch die Gnade des Gebets, was er sehr schön abhandelte. In der Kirche liegt der frühere Lord von Salisbury, Cecil, begraben, in einem sehr kostbaren Grabmal. Als der Gottesdienst vorüber war, gingen wir zu unserem Gasthof und aßen dort sehr vergnügt zu Mittag. Nach dem Essen gingen wir im Park spazieren. Wir gingen über einen schönen, mit Bäumen gesäumten Weg zum Weingarten, den ich ihnen zeigte. Er wird jetzt wieder gut gepflegt und ist ein wirklich herrlicher Ort. All dies bereitete uns das allergrößte Vergnügen, und als wir in unseren Gasthof zurückkehrten (recht erschöpft, weil ich sie ziemlich weiter herumgeführt hatte) vergnügten sich die Frauen damit, einige Strohhüte auszuprobieren, die dort in der Gegend hergestellt werden. Sie standen ihnen sehr gut, vor allem meiner Frau. Nachdem wir uns eine Weile ausgeruht hatten, nahmen wir wieder die Kutsche und fuhren zurück nach Barnet, wo uns W. Hewer in seine Unterkunft einlud. Er hat es dort sehr schön und bewirtete uns ganz ausgezeichnet mit Käsekuchen, Rahm, Pasteten und anderen guten Dingen. Dort im Haus sah ich unter anderem ein Buch über Oliver Cromwell, in dem sein Leben als Soldat und Politiker gewürdigt wird. Es war aber das erste Buch, das ich gesehen habe, in dem er auch als Rebell gewürdigt wird, und es ist gut geschrieben.* Dann gingen wir ein wenig im Garten spazieren, was sehr schön war. Ich füllte mir dort die Taschen mit Haselnüssen, und danach stiegen wir sehr zufrieden wieder in die Kutsche. Gelangten bei gerade einbrechender Dunkelheit wieder nach Hause. Und gleich als wir nach Hause kamen, aßen wir etwas und gingen dann zu Bett – überaus zufrieden mit dem Verlauf dieses Tags.

*Eventuell „The Perfect Politician, or A full view of the life and actions military and civil of Oliver Cromwell.

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Und die ganze Zeit kämmte Deb mir das Haar


/ August 10th, 2010 | Pepys

10. August 1668

Aufgestanden und mit dem Boot nach Whitehall zu Sir W. Coventry, aber er war bereits sehr früh ausgefahren. Also weiter zu Lord Arlington, den ich das erste Mal besuchte, seit er Goring House bezogen hat, ein sehr schönes und prächtiges Haus. Er empfing mich in Anwesenheit einiger Lords mit großer Höflichkeit. Ich berichtete ihm von meiner Reise. Lord Orrery nahm mich später beiseite und sprach mit mir über Wandteppiche und die Verbesserung unserer Schiffe. Ich wußte gar nicht, daß er mich kannte, doch tatsächlich lobte er sehr meine große Umsicht und Klugheit, was mich sehr stolz macht. Er spricht ganz ausgezeichnet. Von dort zur Westminster Hall und weiter mit der Kutsche zur alten Börse, wo ich verschiedenes erledigte. Zum Mittagessen nach Hause, dann in die Duck Lane, wo ich la belle femme des Buchhändlers sah, aber keine Gelegenheit hatte, para hablar con ihr. Dann weiter zu Cooper. Verbrachte dort den ganzen Nachmittag mit meiner Frau und dem Mädchen, während er das Porträt vollendete. Ich war sehr zufrieden damit, obwohl es leider nicht so ähnlich ist, wie erwartet – auch nicht das blaue Kleid. Es ist aber dennoch ganz hervorragend gearbeitet. Er bekommt 30l für das Bild und 8l 3s 4d für Glas, Goldrahmen und Schatulle. Ich schickte es ihm gleich abends, um es erledigt zu haben. Von dort fuhren sie nach Hause und ich zur Westminster Hall, wo ich eine Kleinigkeit zu erledigen hatte. Dann mit dem Boot nach Hause zum Abendessen. Meine Frau las mir aus einem lächerlichen Buch vor, das ich heute kaufte – über die Geschichte der Schneidergilde.* Und die ganze Zeit kämmte Deb mir das Haar und ich konnte tocar sie mit meiner mano para mi großen Freude. Dann zu Bett.

*„The Honour of Merchant-Taylors, wherein is set forth the noble acts, valliant deeds, and heroic performances of Merchant-Taylors in former ages. Their honourable loves, and knightly adventures“ von William Winstanley.

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Die Stadt sei beinahe entvölkert


/ August 9th, 2010 | Pepys

9. August 1666

Aufgestanden und im Amt meine Unterlagen für die Sitzung vorbereitet – nachdem ich mich von Reeves verabschiedet und ihm 5l auf eines der Fernrohre angezahlt hatte. Unsere Sitzung verlief ergebnislos, da alle nur noch Geld von uns wollen, aber niemand uns mehr Waren liefert. Dann zu Mittag gegessen und wieder ins Amt, sehr zufrieden mit einem Bild der heiligen Jungfrau, das meine Frau gerade zeichnet.

Gegen Abend in die Lombard Street, weil ich Geld abheben möchte, um Sir G. Carteret die 3000l auszahlen zu können, die er mir als Mitgift für seinen Sohn und Lady Jemima anvertraut hat. Gott sei Dank kann ich das Geld auch kurzfristig bekommen.

Unterwegs erfuhr ich, daß Mrs. Rawlinson an der Pest gestorben ist. Auch ihrem Dienstmädchen geht es immer noch sehr schlecht, und ihren Mann hat man aus dem Haus gebracht. Ich traf auch Mr. Evelyn auf der Straße, der mir von den traurigen Zuständen in Deptford berichtete. Noch schlimmer sei es in Deale, wo er als Kommissar für die kranken und verwundeten Seeleute ebenfalls tätig ist. Die Stadt sei beinahe entvölkert.

Dann nach Hause und einige Dinge im Amt erledigt. Spät zu Abend gegessen und zu Bett, müde, weil ich letzte Nacht zu wenig Schlaf bekommen hatte, obwohl ich nach dem Mittagessen versucht hatte, eine Stunde zu schlafen, aber vergeblich.

Nach Hause und zu Bett.

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Wir schliefen dort sehr gut, und morgens lag ich meiner Frau bei


/ August 9th, 2010 | Pepys

8. August 1660

Im Amt hatten wir Sitzung. Danach zum Essen nach Hause, und von dort mit meiner Frau im Boot zu Kate Sterpin, wo wir saßen und mit ihr und ihrer Elizabeth Pye, ihrer Herrin, über Kates Hochzeit mit Monsieur Petit sprachen, wobei ihre Herrin und ich ihr dringend rieten, die Hochzeit hinauszuschieben, bis Monsieur Petit eine Stelle hat, die ihm seinen Lebensunterhalt sichert, damit er nicht nur von ihrer Mitgift lebt. Von dort zu Mr. Butler, um seine Töchter zu besuchen, und es war das erste Mal überhaupt, daß wir sie besuchten. Die Töchter waren sehr hübsch. Oberst Dillon war auch dort, ein sehr fröhlicher und kluger Mann. Doch ich glaube, obwohl sie es sich recht gut gehen lassen, verfügen sie nur über wenig Geld. Von dort wollten meine Frau und ich Mrs. Blackborne besuchen, die vor ein oder zwei Tagen meine Frau besuchen wollte, als sie niemanden empfangen konnte. Da sie aber nicht zu Hause war, ging meine Frau zu ihrer Mutter und ich ins Siegelamt. Abends gingen Mr. Woodson und Mr. Jennings und ich von dort in die Sun. Von dort spät am Abend zum gnädigen Herrn, wo ich meine Frau abholte. Und nachdem ich mit dem gnädigen Herrn einige Arbeiten erledigt hatte, gingen sie und ich zu Mrs. Hunt, die darauf bestand, daß wir heute in ihrem Haus übernachten, da es, wie sie meinte, für den Heimweg schon zu spät war.

Wir schliefen dort sehr gut, und morgens lag ich meiner Frau bei – das erste Mal war, seit sie von ihrem Leiden befreit ist.

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Daß wir wahrlich wie ein Haufen Dummköpfe dastanden


/ August 9th, 2010 | Pepys

7. August 1665

Aufgestanden und mit großem Vergnügen die Zeichnungen meiner Frau angesehen. Danach zu Lady Penn, die ich, seit sie hier ist, noch nicht gesehen habe. Wir scherzten eine Weile miteinander, dann mußte sie fort. Ich blieb noch eine Weile und unterhielt mich mit Mrs. Peg, sah mir ihre Zeichnungen an und lobte sie auch, doch im Vergleich zu denen von meiner Frau taugen sie wirklich nichts. Danach zu meiner Frau und bis mittags mit ihr geplaudert, bis Mr. Andrews vom Land eintraf, um mit mir verschiedene Angelegenheiten für Tanger zu besprechen. Nachdem wir dies erledigt und zu Mittag gegessen hatten, mit dem Boot nach Hause und mich mit Dr. Twysden, Mr. Povey, Mr. Lawson und Stockdale getroffen, um ihren Streit um das Geld beizulegen. Doch herrschte ein so großes Durcheinander und so große Uneinigkeit, daß wir wahrlich wie ein Haufen Dummköpfe dastanden. Ärgerte mich sehr, so viel Zeit und Mühe darauf verschwendet zu haben.

Nachdem sie fort waren, erschien der Bootsbauer Rayner im Amt und brachte einen Silberteller mit, den ich aber zurückwies, da der arme Mann aufgrund unserer bisherigen Zusammenarbeit keinen Grund für Geschenke hat. Anschließend kam Llewellyn, um mit mir über Mr. Derings Lieferung von Planken zu sprechen und einen Vertrag aufzusetzen, wofür er mir zwanzig Goldstücke bot, wie Dering selbst es auch schon wiederholt getan hat. Lehnte auch diesmal wieder ab, weil ich mich bei Aufträgen nicht bestechen lassen will. Werde den Auftrag aber bei nächster Gelegenheit in die Wege leiten.

Sobald er fort war, zu Abend gegessen und dann zu Bett.

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Und seine Frau, häßlich wie die Nacht, hat aber Geld in die Ehe mitgebracht


/ August 6th, 2010 | Pepys

6. August 1663

Aufgestanden und mich darüber geärgert, daß Hannah das Haus nicht besser in Ordnung hält. Es ist zur Zeit schmutziger, als wenn alle anwesend sind.

Dann ins Amt. Hatten den ganzen Vormittag Sitzung, an der auch Mr. Coventry und Sir W. Penn teilnahmen. Mr. Coventry lieh sich heute mein Buch über die Marine aus.

Mittags ging ich zur Börse. Traf mich mit Sir W. Warren und ging mit ihm in ein Kaffeehaus, wo wir den Vertrag über Masten abschlossen. Von dort zu meiner Base Mary Joyce. Sie hatte eine große Gesellschaft eingeladen, und es ging sehr fröhlich zu. Auch einer der königlichen Falkner war da, der bei St. Paul wohnt, und seine Frau, häßlich wie die Nacht, hat aber Geld in die Ehe mitgebracht. Man sprach über Falken, und er erzählte, daß sie ein Rebhuhn mit solcher Kraft zu Boden werfen, daß es noch meterweit über den Boden geschleudert wird, und er sowie ein gewisser Ballow, ein wohlhabender Mann und Mitglied der Lederhändlergilde, der auch die Brüder Joyce angehören, nannten die Gründe dafür, und es war sehr interessant zu hören. Ich nutzte die Gelegenheit, Ballows Frau, eine hübsche und vornehme Frau, mehrmals zu küssen, und sie war sehr wohlwollend, trank mir zu und begegnete mir mit großer Hochachtung. Nach dem Essen wurde geplaudert und viel gelacht. Ich trank keinen Wein, sondern nur Wasser, da das Bier nicht gut war. Man ließ einen Geiger kommen, und eine gewisse Mrs. Lurkin, eine Nachbarin, ein lustiges Ding, aber sehr hochgewachsen, tanzte dazu und machte sehr vergnügliche Possen. Noch besser tanzte eine Tochter von Mr. Bromfield, eine Schwarzhaarige, aber von schönem Wuchs und sehr sittsam. Ich tanzte mit ihr “La Duchesse”, was mir nicht ganz fehlerfrei gelang, aber ich schlug mich recht wacker und machte ihr viele Komplimente, küßte sie und begleitete sie mit ihrem Vetter Anthony und ihrer Base Kate Joyce nach Hause (Kate war sehr hübsch heute, hatte sich herausgeputzt, und ich war sehr freundlich zu ihr und küßte sie nach Herzenslust, was sie sehr gut aufnahm). Dort verließ ich sie – nachdem wir, obwohl es schon 9 Uhr war, unterwegs in Lincoln’s Inn Fields noch ins Puppentheater gegangen waren. Sahen “Judith und Holofernes” mit mechanischen Figuren,* sehr gut.

Am Theater trafen wir Mr. Samuel Lawrence (nach dem meine Base Joyce anscheinend ihr Kind benannt hat), einen sehr höflichen Mann, sowie seine hübsche Gattin – beide hatten Kate Joyce dabei geholfen, das heutige Fest auszurichten. Ich wollte sie einladen, was mich 16s gekostet hätte, aber sie wollten es keinesfalls zulassen. Von dort nach Hause, sehr zufrieden mit dem heutigen Abend, da mir an einem guten Verhältnis zur Joyce-Sippe sehr gelegen ist, denn man weiß nie, wozu es gut ist. Schrieb zu Hause noch Briefe für die Post, an meine Frau und an meinen Vater, dann zum Abendessen. Ein wenig mit meinem Bruder unterhalten und zu Bett.

* Vermutlich Puppen nach Vorbild deutscher Uhrwerkfiguren.

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Ich ritt durch die City, nicht wenig stolz darauf, auf einem so prächtigen Tier gesehen zu werden


/ August 5th, 2010 | Pepys

5. August 1664

Sehr früh aufgestanden und den Maler angewiesen, das neue Musikzimmer teils zu kalken, teils farbig anzustreichen. War mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Kleidete mich gegen 10 Uhr an und stieg zu Pferd – Sir W. Warren hatte mir, wie gestern versprochen, eine schöne Stute bringen lassen. Ich ritt durch die City, nicht wenig stolz darauf, auf einem so prächtigen Tier gesehen zu werden. Ritt zu Vetter W. Joyce, der ebenfalls sein Pferd bestieg, und dann ritten wir gemeinsam zur Stadt hinaus Richtung Highgate. In Kentish Town zeigte er mir die Stelle, wo Clun getötet und in einen Graben geworfen worden war, und erzählte mir in allen Einzelheiten, wie die Tat begangen wurde und daß seine Wunde eigentlich nicht tödlich gewesen sei (er habe nur eine Stichwunde im Arm gehabt), sondern daß er bei dem Versuch sich zu befreien, verblutet sei – und daß er sich sehr spät auf dem Heimweg gemacht habe, nachdem er mit seiner Hure noch etwas getrunken hatte – und auch wie der Täter schließlich gefaßt wurde.

Dann ritten wir weiter nach Barnet und tranken dort etwas. Ritten spät abends weiter nach Stevenage. Es regnete ein wenig, aber nicht stark. Zu meiner großen Bestürzung erfuhr ich dort, daß meine Frau nicht angekommen war und daß diese Woche überhaupt keine Kutsche aus Stamford gekommen sei. Nach dem Abendessen zu Bett. War verärgert und erschöpft und hatte auch wieder die üblichen Schmerzen. Nachdem ich eine Weile geschlafen hatte, kam W. Joyce im Nachthemd zu mir ins Zimmer, zusammen mit einem Boten, der eine Nachricht von meiner Frau brachte. Darin schreibt sie, daß sie die Kutsche aus York genommen habe und nach Biggleswade gefahren sei und daß sie morgen früh bei uns sein werde. Ich schlief dann sehr beruhigt bis zum nächsten Morgen und war sehr zufrieden damit, wie klug sie in dieser Sache gehandelt hatte.

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Es seien Hofleute der übelsten Sorte, die fluchten, wie er es noch nie in seinem Leben gehört hätte


/ August 4th, 2010 | Pepys

4. August 1661

Sonntag. Stand auf und ging mit Vetter Roger in den Garten, wo ich etwas Obst pflückte. Sprach dann mit ihm über die Angelegenheit, um derentwillen ich gekommen war, nämlich das Testament meines Onkels. Er beglückwünschte mich, sagte aber auch, daß noch große Schwierigkeiten auf mich zukommen würden, und er erklärte mir in allen Einzelheiten, was nun zu tun sei.

Zur Kirche, zusammen mit Onkel Talbot. Als wir die Kirche betraten, erhoben sich die Landleute sehr ehrerbietig. Als der Pfarrer anhob, redete er uns mit “Euer Wohlgeboren“ und „lieben Herren“ an. Die Predigt war einfach und gut.

Nach Hause zum Mittagessen, das sehr gut war, danach wieder in die Kirche. Hinterher ein kleiner Spaziergang, sodann zum Abendessen und im Anschluß ein Gespräch mit Roger über die öffentlichen Angelegenheiten. Roger (dessen besonnene Art ich im Verlauf unseres Gesprächs mehr und mehr zu schätzen lernte) berichtete mir, auf welch niederträchtige Weise die jungen Kavaliere im neuen Parlament die Bemühungen aller rechtschaffenden Abgeordneten zunichte gemacht hätten. Es seien Hofleute der übelsten Sorte, die fluchten, wie er es noch nie in seinem Leben gehört hätte, so daß er fürchtet, daß sie noch alles verderben und einen neuen Bürgerkrieg lostreten könnten.

Dann zu Bett.

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Das geschieht derzeit immer häufiger, was mich sehr betrübt


/ August 3rd, 2010 | Pepys

3. August 1667

Aufgestanden und ins Amt und dort den ganzen Vormittag sehr beschäftigt. Mittags zum Essen nach Hause und dann wieder ins Amt. Schloß dort unseren großen Rechenschaftsbericht ab und begab mich daher zu den Lordkommissaren des Schatzamts. Wurde dort auch hineingebeten, sollte ihnen allerdings nur den Gesamtbetrag nennen, auf den sich die Schulden der Flotte am 25. Mai dieses Jahres belaufen – es sind bis dato über 950 000l. Als ich eintrat, gab es eine erregte Debatte unter ihnen, die 3d Pfundgeld für unseren neuen Kämmerer betreffend. Auch über die neue Verpachtung der Zolleinnahmen herrschte unter ihnen große Uneinigkeit. Dann mit der Kutsche wieder nach Hause, und dort bis spät abends sehr fleißig gearbeitet – bis meine Augen mir den Dienst versagten. Das geschieht derzeit immer häufiger, was mich sehr betrübt. Spät nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

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Denn ich hatte wegen der Schmerzen in meinen Hoden Bedenken, mich aufs Pferd zu setzen


/ August 2nd, 2010 | Pepys

2. August 1662

Früh aufgestanden und meine Reitkleider angezogen. Dann ins Amt, wo ich Briefe an meinen Vater und meine Frau für die Post am Abend schrieb. Dann Dienstliches erledigt. Fuhr anschließend mit Will im Boot nach Greenwich, aber Hauptmann Cocke war nicht zu Hause, was mich ärgerte. Ging daher im Park spazieren, bis er eintraf. Ebenso ärgerte es mich, daß Will vergessen hatte, meine Reitstiefel mitzunehmen, so daß ich gezwungen war, das Boot zurückzuschicken und sie holen zu lassen. Schließlich kam Hauptmann Cocke und wir gingen zu ihm zum Essen. Seine Frau ist wahrlich eine große Schönheit, aber auch diesmal war sie leider nicht so zuvorkommend, wie ich gehofft. Es gab ein einfaches, gutes Mahl. Wie es scheint, leben sie recht sparsam. Aß unter anderem Maulbeeren, die ich zuletzt vor vielen Jahren in Ashtead bei meinem Vetter John Pepys gegessen habe. Danach bestiegen wir das Boot und hatten eine angenehme Fahrt bis nach Gravesend, aber es war 9 Uhr, als wir eintrafen, so daß wir nicht recht wußten, ob wir dort bleiben oder weiterreisen sollten, denn ich hatte wegen der Schmerzen in meinen Hoden Bedenken, mich aufs Pferd zu setzen. Aber als Mr. Hempson und Leutnant Carteret von der Foresight zu mir in den Swan kamen, lieh ich mir Mr. Hempsons Pferd, er nahm ein anderes, und so ritten wir bei Dunkelheit nach Rochester, wo in der Crown die Herren Gregory, Barrow und andere auf mich warteten. Nach einem Glas Wein bestiegen wir die Barke, die man mir besorgt hatte, und fuhren weiter bis nach Chatham, wo wir im Hill House bald zu Bett gingen. Bevor wir einschliefen, erzählte ich Hauptmann Cocke noch, wie man mir den Stein herausgeschnitten hatte, was ihm sehr gefiel. Dann eingeschlafen.

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