“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

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Archiv: / Juli, 2010


Den ganzen Tag Schlafrock, Schlafmütze und Halsbinde anbehalten


/ Juli 30th, 2010 | Pepys

30. Juli 1665

Sonntag. Aufgestanden und den ganzen Tag Schlafrock, Schlafmütze und Halsbinde anbehalten und mich ohne Verzögerung in meinem Zimmer an meine Bücher für Tanger gesetzt und bis zum Abend alles in Ordnung gebracht, worüber ich von Herzen froh bin – nicht nur über die getane Arbeit, sondern auch, weil jetzt alles stimmt und ich damit schon gar nicht mehr gerechnet habe, nachdem ich sie so lange vernachlässigt habe. Dem Herrn im Himmel sei Dank.

Will war heute bei mir und ist wieder gesund. Dennoch war es bedrückend, immer wieder das Totengeläut zu hören, entweder wegen eines neuen Sterbefalls oder wegen einer Beerdigung zu hören – bestimmt fünf oder sechs Mal.

Abends erschöpft von der vielen Arbeit, aber auch sehr erleichtert, es endlich hinter mir zu haben, zu Bett, da ich morgen wegen der Hochzeit in Dagenham früh aufstehen muß. Befürchte, daß ich mir eine Erkältung zugezogen habe, weil ich den ganzen Tag in der dünnen Kleidung herumgelaufen bin.

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Ich saß wie auf heißen Kohlen, gemartert von Tausend Hoffnungen, Befürchtungen.


/ Juli 29th, 2010 | Pepys

29. Juli 1666

Sonntag. Aufgestanden und den ganzen Vormittag in meinem Zimmer die Abrechnungen meines Vaters und meines Bruders durchgesehen und mit meinen Büchern abgeglichen. Mittags traf ein (an mich adressierter) Brief von der Flotte für Sir W. Batten ein, den ich zu ihm nach Hause schickte, da er noch in der Kirche war. Ich saß wie auf heißen Kohlen, gemartert von Tausend Hoffnungen, Befürchtungen. Zuletzt war der Gottesdienst endlich vorbei, und als er nach Hause kam, wurden bereits überall die Glocken geläutet. Ich ging sogleich zu Sir W. Batten, doch stand in dem Brief nichts vom Ausgang der Schlacht. Dennoch kursierten überall in der Stadt Siegesmeldungen. Wenig später erfuhr ich aus einem Brief von Sir W. Coventry von unserem Sieg. Die Holländer wurden bis in die Scheldemündung bei Vlissingen zurückgedrängt. Wir hatten zwei ihrer großen Schiffe erobert, doch wurden sie auf Befehl der Generäle in Brand gesetzt. Für das Aufeinandertreffen zweier großer Flotten schien mir das ein sehr mageres Resultat, und ich hätte nach vier Tagen ohne Nachrichten gern noch mehr erfahren, mußte mich aber mit dem wenigen zufrieden geben. Dann nach Hause und mit Mr. Spong und Mr. Reeves zu Mittag gegessen, die ich eingeladen hatte, um mir von ihnen die Funktionsweise eines Mikroskops erklären zu lassen. Gingen anschließend ins Amt, um in einem abgedunkelten Raum verschiedene Linsen auszuprobieren, mit denen man die unglaublichsten Dinge sehen kann. Den ganzen Nachmittag betrachtete ich verschiedene Objekte durch die Gläser, darunter auch einen meiner Kupferstiche, dessen feinste Linien so deutlich sichtbar wurden, wie man es nicht für möglich gehalten hätte.

Danach sehr zufrieden wieder nach Hause. Sprachen bis zum Abend noch über viele interessante Dinge. Nachdem sie fort waren, ging ich zu Sir W. Batten, bei dem der Leutnant des Tower und Sir J. Mennes waren. Allerdings erfuhr ich auch dort wenig neues, außer daß unser blaues Geschwader die meiste Zeit gejagt und so in ein eigenes Gefecht verwickelt wurde. Der junge Seymour ist gefallen – das einzige Opfer unter den Kapitänen. Die Resolution ist verbrannt, doch soll ein Großteil der Besatzung und der Kommandant gerettet worden sein. Das ist alles. Immerhin befindet sich die Flotte noch auf See, was auf einen Sieg hindeutet, oder zumindest nicht auf eine Niederlage. All das ist aber noch kein Grund zum Jubeln, weiß Gott. Dann zu Abend gegessen und zu Bett.

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Der ich mich nach der genossenen Erholung nun mit verstärktem Eifer widmen will


/ Juli 28th, 2010 | Pepys

28. Juli 1663

Sehr gut geschlafen. Aufgestanden und ins Amt und das Tagebuch der letzten drei Tage geführt. Machte mich dann an meine Arbeit, der ich mich nach der genossenen Erholung nun mit verstärktem Eifer widmen will.

Den ganzen Vormittag im Amt. Mittags zu Wise gegangen wegen der Gambe, die er mir baut. Dann nach Hause zum Mittagessen und wieder ins Amt, wo wir den ganzen Nachmittag Sitzung hatten. Blieb anschließend noch bis spät abends. Jane und ihr Bruder Will suchten mich auf, um mich zu bitten, den Wayneman wieder in meine Dienste zu nehmen, aber ich wollte davon nichts wissen, obwohl ich es ihr zuliebe am liebsten getan hätte. Doch der Junge kommt mir nicht mehr ins Haus. Sie bat, daß ich ihn zur See schicke, und wenn ich es könnte, würde ich es tun, aber es laufen zur Zeit keine Schiffe aus. Das arme Mädchen weinte die ganze Zeit, und wollte gar nicht wieder gehen und blieb wohl zwei Stunden bis 10 oder 11 Uhr. Doch ins Haus kommt der Junge mir nicht. Schließlich ging sie, schweigend und weinend. Von dort nach Hause, wo meine Sickergrube geleert wurde, und sie machten ihre Arbeit, entgegen meinen Befürchtungen, sehr gründlich. Ich hielt mich eine Weile bei ihnen auf. Da ich aber wußte, daß Mr. Coventry mich früh am Morgen zu sich bestellen würde, ging ich zu Bett und überließ es den Dienstmädchen, sich um die Leute zu kümmern. Dann zu Bett.

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Ich finde, daß die neue Gitarrenmusik bestenfalls Geklimper ist


/ Juli 27th, 2010 | Pepys

27. Juli 1661

Nach Westminster, wo ich in Mr. Mountagus Zimmer einen Franzosen hörte (einen Freund von Monsieur d’Esquier), der ganz ausgezeichnet Gitarre spielte, obwohl ich finde, daß die neue Gitarrenmusik bestenfalls Geklimper ist. Weiter nach Westminster Hall. Das Parlament sollte heute auf zwei, drei Monate vertagt werden, aber aus irgendeinem Grund kommen sie seit ein oder zwei Tagen nicht dazu. In der Vorhalle sprach ich mit Mr. George Mountagu, den ich wegen eines Schiffs beriet, das Lord Hinchingbrooke und die anderen jungen Herren nach Frankreich bringen soll. Sie haben sich dazu entschieden, in einem gemieteten Schiff von Rye aus zu segeln und nicht in einem Kriegsschiff. Er berichtete außerdem, daß der Lordkanzler viele Neider habe und daß viele einflußreiche Männer, wie etwas der Herzog von Buckingham und der Graf von Bristol, versuchen, seine Stellung zu untergraben. Allerdings glaubt er nicht, daß sie Erfolg haben werden, weil der König (obwohl dieser ihm nicht so freundlich begegnet wie den jungen Höflingen, mit denen er seinen Vergnügungen nachgeht) auf ihn und seine Dienste angewiesen ist.

Dann zur Kleiderverwaltung, wo ich meine Frau traf, denn heute war der Geburtstag von Lord Sandwich, und es waren viele Freunde gekommen, Mr. Townshend mit seiner Frau, die Gattin von Hauptmann Ferrer sowie Kapitän Isham. Wir waren sehr fröhlich und aßen eine gute Wildpastete. Auch Mr. Pargiter, der Kaufmann, war da.

Nach dem Essen erhielt Mr. Townshend Besuch von Hauptmann Cooke, und wir drei suchten ein nahegelegenes Wirtshaus auf, wo er uns einige Arien vorsang. Er ist zweifellos einer der großartigsten Sänger, die es gibt. Zurück zu meiner Frau, und dann mit den jungen Damen Jem und Pall mit dem Boot unter der Brücke durch. Zeigte ihnen mit großem Vergnügen die Schiffe und dann mein Haus (kürzlich war ihre Mutter bereits allein dort gewesen, um es sich anzusehen und meine Frau zu besuchen, als ich in Brampton war). Wir bewirteten sie großzügig und waren sehr vergnügt. Dann fuhren wir durch die Brücke zurück und brachten sie sicher nach Hause, woraufhin ich mit meiner Frau in der Kutsche heimkehrte. Schrieb noch einen Brief an meinen Vater nach Brampton. Der Ärmste ist dort ganz allein, und ich habe von ihm seit meiner Abreise nichts mehr gehört, was mir Sorgen bereitet. Dann zu Bett.

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Und ich zahlte für alle und erfuhr viel Wissenswertes über meine Arbeit dort


/ Juli 26th, 2010 | Pepys

26. Juli 1660

Früh morgens nach Whitehall, wo die leitenden Beamten des Flottenamts zu einer Sitzung beim gnädigen Herrn zusammenkommen sollten, doch er war verhindert, weil er an diesem Tag ins Oberhaus eingeführt werden sollte, nachdem ihm seine Ernennungsurkunde nun ausgestellt worden war, die er dem Präsidenten kniend darreichte. Dann wurde sie vor dem Haus verlesen, und er nahm seinen Platz ein.

Ich war mit Mr. Hooper im Siegelamt, wo er mich mit Mr. Crofts vom Handsiegelamt bekanntmachte, und ich lud sie zum Essen ins Leg in der King’s Street ein. Dort aßen wir, und ich zahlte für alle und erfuhr viel Wissenswertes über meine Arbeit dort. Anschließend zu Mr. Pearse, wo ich hoffte, etwas zu essen zu bekommen, doch es gab nichts. Traf dort Mr. Shipley und W. Howe, und wir tranken sehr viel und trennten uns dann. Ich ging zu Dr. Castle, einem der vier leitenden Beamten des Siegelamts, und erzählte ihm von meiner und des gnädigen Herrn Ernennung, was er sehr erfreut aufnahm. Heute hörte ich, daß Hartgill Baron wider Erwarten und wider alle rechtlichen Gepflogenheiten den Posten im Siegelamt bekommen habe, und ich frage mich, ob er bereits nächsten Monat Dienst tun will. Der gnädige Herr meinte, er werde gewiß darauf bestehen.

Abends traf ich T. Doling, der mich zum St.-James-Jahrmarkt begleitete. Dort traf ich W. Symons und seine Frau und Llewellyn und D. Scobells Frau und seine Base. Wir gingen in Woods Schenke in der Pall Mall (dieselbe, in der früher unser wöchentlicher Umtrunk stattfand). Dort blieben wir bis 10 Uhr abends. Dann schickte ich zum gnädigen Herrn und ließ meinen Schreiber Will kommen, und dann mit einer Fackel nach Hause und zu Bett. Kommissar Willoughby hatte heute alle seine Möbel abholen lassen, was ein Jammer ist, aber besser, als sie ihm für viel Geld abzukaufen.

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Denn so werde ich mein Glück machen


/ Juli 26th, 2010 | Pepys

25. Juli 1662

Den ganzen Vormittag im Amt, wo ich Mr. Hollonds Abhandlung über die Marine las, die mir Mr. Turner geliehen hatte. Sie gefällt mir außerordentlich gut, denn sie benennt genau die Mißstände, an denen die Flotte auch heutzutage noch krankt. Ich werde dafür sorgen, daß Abschriften gemacht und an möglichste viele Leute verteilt werden.

Heute morgen kam Sir W. Batten ins Amt und wünschte mit mir zu sprechen. Zunächst sagte er, daß er in letzter Zeit zwischen uns eine Fremdheit verspürt habe und gern den Grund dafür wüßte. Und er sagte, er habe gehört, daß ich empört darüber sei, daß er außerhalb des Amts Verträge mit Lieferanten abschließe. Ich erwiderte, ich hätte darüber mit Sir W. Penn gesprochen, als Freund, nicht um ihn zu kritisieren, und ihn gebeten, ihm, Sir W. Batten, bei Gelegenheit von diesem Gespräch zu berichten. Damit war er zufrieden, doch hat sich Sir W. Penn ganz offensichtlich wieder einmal wie ein hinterhältiger Schuft benommen und die Angelegenheit genutzt, mich bei Sir W. Batten anzuschwärzen. Sir W. Batten sagte ferner, er habe gehört, daß für Unmut gesorgt habe, daß er seine Frau auf seiner Dienstreise nach Portsmouth mitgenommen habe, auf Kosten des Amts, aber ich sagte, daß ich mit niemandem darüber gesprochen hätte, was auch der Wahrheit entsprach. Schließlich wünschte er, daß der Streit zwischen unseren Frauen nicht zum Streit zwischen uns führen solle, was ich mit großer Freude hörte, denn es zeigt mir, daß mein Diensteifer Früchte trägt. Möge Gott mich darin bestärken, weiterhin diesen Weg zu gehen, denn so werde ich mein Glück machen. Aß zu Hause und war den ganzen Nachmittag im Amt. Am Abend nach Hause und zu Bett.

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Meine Frau war in muffeliger Laune, aber ich tat, als bemerke ich es nicht


/ Juli 26th, 2010 | Pepys

24. Juli 1667

Am frühen Morgen erhielt ich einen Brief des Werftvorstehers von Gravesend, worin es hieß, daß die holländische Flotte gestern mittag mit allen Schiffen bis nach Hope vorgedrungen sei und daß sie sich von diesem Moment an bis 7 Uhr abends mit unseren Schiffen ein Gefecht geliefert habe. Sie haben 12 unserer Brander zerstört, und wir haben eines ihrer Schiffe erobert und 5 ihrer Brander zerstört. Als ich aufstand und zu Sir W. Batten ging, erzählte mir dieser, daß wir eines ihrer Kriegsschiffe niedergebrannt hätten und daß ein weiteres ihrer Schiffe explodiert sei, ich weiß allerdings nicht, ob es stimmt. Aber diese Holländer haben wahrlich Mut. Der Ostwind hat ihre Fahrt noch begünstigt, so konnten wir sie nicht mit unseren Brandern behelligen. Überhaupt scheinen sie über die Winde zu gebieten, und jetzt kommt ihnen noch die Springflut zu Hilfe. Sie scheinen zu allem entschlossen.

Ging dann ins Amt und war den ganzen Vormittag sehr fleißig, sehr zu meiner Zufriedenheit. Brachte das Register meines Vertragsbuchs auf den neusten Stand, was ich aufgrund des Krieges über zwei Jahre lang nicht getan hatte. Denn ich habe mir vorgenommen, bis das Parlament zusammentritt alle meine Bücher in Ordnung zu bringen, so daß ich mich, wenn es eine Untersuchung geben sollte, jederzeit rechtfertigen kann.

Mittags zum Essen nach Hause. Meine Frau war in muffeliger Laune, aber ich tat, als bemerke ich es nicht. Ging statt dessen nach dem Essen gleich wieder ins Amt und arbeitete mit Mr. Harper fleißig an der Aufstellung der Kosten des gegenwärtigen Kriegs, die wir dem Parlament bereits im letzten Jahr vorgelegt hatten, die aber noch nicht auf den neusten Stand gebracht worden war. Jetzt habe ich sie aber vervollständigt, und das beruhigt mich sehr. Da ich von der Arbeit erschöpft war, nahm ich um 5 Uhr das Boot, das ich in Rotherhithe zur Gig hatte umbauen lassen, und fuhr bis nach Gravesend. Eine sehr angenehme Fahrt. Las die ganze Zeit in Boyles Buch über die Hydrostatik, und je mehr ich darin lese und davon verstehe, desto mehr bewundere ich es. Als wir uns Gravesend näherten, hörten wir deutlich den Kanonendonner, doch als wir eintrafen, hatte der Gefechtslärm aufgehört. Es wurde jetzt auch dunkel, deshalb ging ich an Land (wir hatten mittlerweile Flut). Ging ins Ship und prach dort mit dem Wirt. Das, was ich heute vormittag gehört hatte, daß die Holländer zwei Kriegsschiffer verloren hätten, konnte er mir nicht bestätigen, er sagte, sie hätten vielmehr nur mehrere Brander verloren. Und er sagte, daß die Holländer unsere Schiffe heute nachmittag zum Rückzug gezwungen hätten, daß sie sich jetzt aber selbst bis nach Sell Haven zurückgezogen hätten. Was es mit Gefechtslärm heute abend auf sich hatte, wußte er nicht, aber er vermutete, daß nicht viel geschen sei, man habe wohl nur aus großer Distanz aufeinander gefeuert. Was die Stadt betrifft und das Ufer weiter flußabwärts, so scheint man sich vor dem Feind sehr sicher zu fühlen. Die Befestigungen seien sehr gut und die Kanonen zahlreich. Er sagte allerdings auch, daß sich die Leute über Sir Edward Spragge beschweren, denn er habe rein gar nichts unternommen, und mehr noch über Sir W. Jenings, der auf seinem Schiff nicht einmal die Propfen von den Kanonen entfernt habe. Nachdem ich mich mit ihm unterhalten und etwas getrunken und ein wenig kaltes Wildbret gegessen hatte, ging ich fort, nahm das Boot und fuhr sehr gemächlich wieder zurück, denn der Mond schien und es war ein schöner, angenehm kühler Abend. Gelangte eine halbe Stunde nach Mitternacht an, dann zu Bett.

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Es war recht amüsant zu beobachten, wie gerissen das Frauenzimmer vorging


/ Juli 23rd, 2010 | Pepys

23. Juli 1664

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt. Gegen Mittag zur Börse, wo ich Mr. Coventry traf und die Gelegenheit ergriff, ihm von der Sache mit dem Baumbestand des Lordkanzlers zu berichten. Er sagte, daß er bis vor kurzem gar nicht gewußt habe, daß der Lordkanzler etwas mit der Sache zu tun habe, bis Sir G. Carteret bei Tisch davon gesprochen habe, aber da sei es bereits zu spät gewesen. Inzwischen habe er vom Herzog gehört, daß Sir G. Carteret gesagt haben soll, er an der Stelle des Lordkanzlers würde lieber 2 oder 3000l in den Wind schreiben, als sich nachsagen zu lassen, dem König vorzuenthalten, was diesem rechtmäßig zusteht, wo der Park bis vor kurzem ohnehin noch Lord Albemarle gehört habe. „Denn,“ so sagte er, „er ist eine hochgestellte Person, und alle hochgestellten Personen haben Feinde, die nur darauf warten, sich so etwas zu nutze zu machen.“

Ich sagte ihm, daß es seltsam sei, daß Sir J. Mennes und Sir G. Carteret, die ja wußten, daß der Park sich im Besitz des Lordkanzlers befand, uns nicht umgehend davon in Kenntnis gesetzt hatten, worauf er antwortete: was Sir J. Mennes betrifft, so wird er als ein unterhaltsamer Gesellschafter allseits geschätzt, aber niemand von der City bis nach Whitehall erwartet von ihm, daß er sich durch besonderen Diensteifer hervortut. Und er glaubt auch nicht, daß der Lordkanzler ihm je von der Angelegenheit erzählt hat. Sir G. Carteret hingegen dürfte in der Tat von der Sache gewußt haben, denn er und Sir J. Shaw, der Händler, seien schließlich die engsten Vertrauten des Kanzlers.

Was ihn selbst betrifft, sagt Mr. Coventry, so werde er kein Blatt vor den Mund nehmen werde, denn er fühle sich in dieser Sache niemandem verpflichtet, und er wolle mit dem Herzog sprechen und erwirken, daß er und Sir G. Carteret damit beauftragt werden, mit dem Lordkanzler in dieser Angelegenheit zu sprechen.

Das beunruhigt mich sehr, und ich wußte nicht, was ich dazu sagen sollte. Denn ich stehe inzwischen dem Lordkanzler im Wort – halte ich es, dann bekomme ich Schwierigkeiten mit Mr. Coventry, breche ich es, bekomme ich Ärger mit dem Lordkanzler. Am besten werde die Angelegenheit zunächst einfach ruhen lassen und mich so wenig einmischen, wie ich nur kann.

Von dort zu Fuß nach Westminster. Und da ich nichts zu tun hatte, lockte mich die Versuchung und ich ging durch die Fleet Street, wo an einer der Türen ein sehr schönes Frauenzimmer stand. Ich ging dort noch ein wenig umher, aber ich weiß nicht, ob es an meinem Ehrgefühl oder meinem Gewissen lag, auf jeden Fall ging ich nicht hinein. Gegen meinen eigenen Willen nahm ich dort aber eine Kutsche und fuhr zur Westminster Hall, wo ich Mrs. Lane aufsuchte und mit ihr verabredete, ans andere Ufer zu fahren. Wir trafen uns daher beim Anleger in der Cannon Row und fuhren zu unserem alten Wirtshaus in der Lambeth-Marsch. Dort aßen und tranken wir etwas, und ich vergnügte mich zweimal mit ihr. Sie ist wirklich sonderbar, manchmal spricht sie sehr liebevoll von ihrem Mann, dann wieder sagt sie, sie liebe ihn überhaupt nicht – und doch ist sie so willig und läßt mich mit ihr tun, was ich tun will. Ich gab 5 oder 6s aus und konnte mit ihr tun, was ich tun wollte. Nachdem wir über eine Stunde dort geblieben waren, fuhren wir wieder zurück und ich setzte sie an der selben Stelle wieder ab, fuhr selbst weiter zur Fleet Street und ging noch einmal in die Fleet Alley – es kam einfach über mich. Ich betrat das Haus und stellte wieder einmal fest, wie unverschämt sie einem dort das Geld aus der Tasche ziehen. Man wird dort sofort gezwungen, etwas auszugeben. Die Frau ist wirklich ausgesprochen schön, aber ich hatte keinen Mut, mich mit ihr einzulassen, denn ich hatte Angst, daß sie nicht ganz gesund sein könnte. Also tat ich, als hätte ich nicht genug Geld bei mir. Es war recht amüsant zu beobachten, wie gerissen das Frauenzimmer vorging. Kaum daß sie wußte, daß ich kein Geld hatte, schiene sie jedes Interessen an mir zu verlieren. Dann sagte sie mir, ich würde nicht wiederkommen, und dann wieder, sie sei sicher, daß ich wiederkomme. Ich hoffe allerdings bei Gott, daß ich es nicht tun werde, denn obwohl sie eine der schönsten Frauen ist, die ich je gesehen habe, so fürchte ich doch, daß sie mich nur übers Ohr hauen würde.

Dann, in der Hoffnung, daß Gott mir diesen lasterhaften Müßiggang vergeben möge, nach Hause. Unterwegs holte ich Bücher vom Buchhändler ab und ließ sie mir von seinem Burschen nach Hause tragen. Ich zahlte ihm 10l für Bücher, die ich schon vor längerem beiseite gelegt hatte, und hoffe, vorerst keine Bücher mehr zu kaufen.

Dann ins Amt und Briefe geschrieben. Anschließend nach Hause und zu Bett. Ich war erschöpft von den Vergnügungen des heutigen Tages, doch der Gedanken daran beschämte mich.

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Zum Abendessen ließ ich mir ein gutes Hühnchen ganz für mich allein kommen


/ Juli 22nd, 2010 | Pepys

22. Juli 1665

Gleich nach dem Aufstehen zu den Goldschmieden Sir R. Vyner und Colville und für meine Kerbhölzer 10 000l ausgezahlt bekommen. Danach sogleich zu Mr. Mervin. Ließ auch die anderen Händler kommen, die noch offene Rechnungen hatten, Kapitän Hewitt &c. Ließ nach Mr. Jackson schicken, der aber nicht in der Stadt war. Den ganzen Vormittag im Amt verbracht, sehr spät zu Mittag gegessen und danach noch einmal zu Sir R. Vyner (der mich am Morgen zu sich gebeten hatte), und weitere 5000l von ihm bekommen, so daß vom heutigen Tag an die ganzen oder beinahe ganzen 15 000l verzinst werden müssen. Danach mit dem Boot nach Westminster, doch war der Herzog von Albemarle zum Mittagessen bei Lord Canterbury in Schloß Lambeth. Begab mich dorthin und sah mir die neue Halle an, die im alten Stil wiederaufgebaut wird und für die Bischof Juxon das Geld bereitgestellt hat. Da ihm mein Besuch ungelegen kam, ging ich nach Vauxhall und spazierte durch die Neuen Gärten, doch traf ich nicht einen Besucher. Die ganze Stadt scheint so leer, daß keiner mehr hierher kommt. Nur einmal begegnete ich einer Frau, die mit dem Vorsteher des Pesthauses schimpfte, weil sie offenbar eine Verwandte, die kürzlich an der Pest gestorben war, auf dem Friedhof und nicht in einer der Pestgruben beerdigen wollte.

Zurück nach Whitehall und kurz mit dem Herzog von Albemarle geredet und dann mit der Kutsche nach Hause. Auf der ganzen Fahrt von Whitehall bis nach Hause begegneten mir nur zwei Kutschen und zwei Fuhrwerke und man sieht auch kaum Menschen auf den Straßen.

Heute Mittag traf ich Dr. Burnet, der mir erzählte, die Geschichte, nach der sein Diener nicht an der Pest starb, sondern von ihm selbst umgebracht wurde, sei ein übles Gerücht. Er legte mir auch ein Schreiben des Pesthauses vor, in dem bestätigt wurde, daß sein Diener an einer Schwellung in der linken Leiste starb und zwei Flecken auf der rechten Hüfte hatte, was eindeutig auf die Seuche hinweist. Gleiches steht auch in einem Zeitungsartikel, den er an der Börse ausgehängt hat.

Im Amt bis spät Briefe geschrieben und mich auf die morgige Sitzung in Hampton Court vorbereitet. Zum Abendessen ließ ich mir ein gutes Hühnchen ganz für mich allein kommen und danach sehr spät zu Bett.

Überall ist zu hören, daß wir jetzt auch noch Frankreich gegen uns haben, da die Franzosen sich auf die Seite der Holländer schlagen. Und es heißt, Ratsherr Backwell sei mit viel Geld dorthingereist und Ostende sei in unseren Besitz übergegangen. Aber kurios, was man dem armen Backwell in seiner Abwesenheit alles unterstellt. Und Mr. Shaw, seine rechte Hand, ist krank. Die Abwesenheit des Bankiers sorgt für große Verunsicherung bei den Leuten, die alle Angst um ihr Geld haben, wie auch Sir G. Carteret mir vor zwei Wochen berichtete.

Unsere Flotte unter Lord Sandwichs Kommando befindet sich (was ein streng gehütetes Geheimnis ist) auf etwa 55,5° nördlicher Breite in den Gewässern vor Texel.

Sehr spät zu Bett. Auf dem Weg nach Hause ging ich bei Sir W. Turner und Mr. Shalcross vorbei (der selbst nicht da war, aber seine Rechnung bei Sir W. Turner hinterlassen hatte), damit nachher niemand sagen kann, ich hätte nicht alle Rechnungen umgehend bezahlt, nachdem ich Geld bekommen hatte.

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Am Nachmittag wieder Geschäftliches erledigt


/ Juli 21st, 2010 | Pepys

21. Juli 1661

Sonntag. Den ganzen Morgen im Hause, wo ich meine Unterlagen in Ordnung brachte und auch andere Dinge erledigte, weil ich morgen heimreise. Hatten ein gutes Mittagessen. Stankes und seine Frau aßen mit uns. Am Nachmittag wieder Geschäftliches erledigt. Am Abend kamen die Trice-Brüder, Mr. Greene und Mr. Phillips. Wir berieten uns und einigten uns schließlich darauf, daß meine Tante 10l erhält, dafür aber das Haus verlassen muß. Alles übrige wollen wir den Rechtsgelehrten zu entscheiden überlassen. Damit waren alle zufrieden, und so gingen wir in gutem Einvernehmen auseinander.

Abends kamen Mr. Barnwell und J. Bowles zum Essen. Nach dem Essen verabschiedeten sie sich, und ich ging, nachdem ich alles für morgen vorbereitet hatte, zu Bett.

Am Nachmittag war der alte William Luffe gekommen und hatte seine 20l bezahlt, und ich händigte ihm dafür in Gegenwart von Mr. Phillips, R. Barnwell und Mr. Pigott die Übertragungsurkunde von Stirtloe aus, die mein Onkel, wie er den Anwesenden bestätigte, seinerzeit ausgestellt hatte.

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