“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / August, 2010


Was seinem Ruf als dem größten Vielfraß auf Erden nur gerecht wird


/ August 23rd, 2010 | Pepys

21. August 1665

Früh am Morgen traf eine Nachricht von Lord Brouncker ein, daß alle Beamten des Flottenamts am Vormittag beim Herzog von Albemarle zu einer Sitzung einbestellt seien. Sehr müde aufgestanden und vor allen anderen dort eingetroffen, so daß ich mich noch mit ihm unterhalten konnte. Gingen mit einigen anderen Herren im Park spazieren, wo er offenbar sehr viel Zeit verbringt, weil er sonst nirgendwo hin kann. Er erzählte davon, daß er gestern einige Presbyterianer bei einer geheimen Versammlung in Covent Garden verhaften ließ und ihnen anbot, sie freizulassen, wenn jeder 5l für die Armen spenden würde. Sie hätten jedoch erwidert, sie würden keinen Penny zahlen, worauf er sie ins Gefängnis von Whitehall sperren ließ. Kurz darauf erschienen auch die anderen Beamten und wir gingen ins Haus und hielten dort unsere Sitzung. Anschließend mit Sir W. Batten ins Amt, wo ich verschiedene Dinge erledigte, und dann zu Sir W. Batten zum Mittagessen. Auch Hauptmann Cocke war dort, für dessen unersättlichen Appetit noch einige Rebhühner geholt wurden, was seinem Ruf als dem größten Vielfraß auf Erden nur gerecht wird.

Nach dem Essen mit dem Boot zu Sir W. Warren nach Rotherhithe und zwei Stunden über seine und meine Geschäfte geredet. Unter anderem gab er mir einige gute Ratschläge, wie ich Sir G. Carterets Verbundenheit mir gegenüber gewinnbringend nutzen kann, warnte mich aber davor, es nicht zu übertreiben und ihn mir nicht zu sehr zu verpflichten, indem ich mich in seine privaten Angelegenheiten einmische, was für mich ein Leichtes wäre.

Danach zu Lord Brouncker und Sir J. Mennes nach Greenwich, um die neuen Räumlichkeiten für unser Amt in Augenschein zu nehmen, die mir allerdings ganz und gar nicht zusagen, da ringsum die Handwerker und Bauleute arbeiten und die Gegend genauso unsicher wie London ist. Mr. Hugh May, ein sehr kluger Mann, mit dem ich gern näher bekannt werden möchte, zeigte uns die Räume. Danach zu Fuß im Dunkeln zu Sir J. Mennes und dort eine Stunde vor der Tür gewartet und geplaudert, während Laufburschen sich bemühten, für mich ein Boot nach Woolwich aufzutreiben, allerdings vergebens. Machte mich daher um zehn Uhr in Begleitung von Sir J. Mennes’ Diener George zu Fuß auf nach Woolwich. Unterwegs hatten wir große Angst vor den Hunden des dortigen Gutshofs, Combe geheißen, mehr noch vor Wegelagerern in der Umgebung, am meisten aber vor der Pest, die das Gut befallen hat. (Was seltsam ist, da es sich um ein alleinstehendes Gutshaus handelt, weitab von der Stadt, doch hatten sie offensichtlich die Angewohnheit, Bettler bei sich übernachten zu lassen (zu ihrer eigenen Sicherheit), und die haben die Seuche eingeschleppt.) Gott sei Dank kam ich gegen 11 Uhr wohlbehalten in Woolwich an, gab George 4s für seine Mühen und ging zu meiner Frau. Nachdem ich ihre jüngste Zeichnung betrachtet hatte, die sie seit unserer letzten Begegnung (vor sieben oder acht Tagen) angefertigt hat und die mir ganz ausgezeichnet gefällt, sehr zufrieden, aber auch sehr müde zu Bett.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Sah zum ersten Mal die Wollkissen &c., auf denen sie sitzen


/ August 20th, 2010 | Pepys

20. August 1660

Ins Flottenamt. Während Sir W. Penn und ich im Garten einen Spaziergang machten, kam ein Bote vom Herzog von York, der mich zum Lordkanzler bringen sollte. Da ich Besuch von Mrs. Turner und ihrer Tochter Theophila hatte, die mit mir über einen Freund von ihnen sprechen wollte, der zur See geschickt werden soll, fuhr ich mit ihr in ihrer Kutsche bis zum Worcester House mit. Doch der Lordkanzler war ins Oberhaus gegangen. Ich ging also dorthin und kam (da vor den Lords eine Gerichtsverhandlung stattfand) problemlos hinein und blieb den ganzen Vormittag dort. Sah zum ersten Mal die Wollkissen &c., auf denen sie sitzen.

Als die Verhandlung zu Ende war, sprach ich mit dem Lordkanzler und erhielt von ihm die Anweisung, am Abend zu ihm zu kommen. Heute früh gab mir Mr. Creed die Unterlagen, die Ernennung des gnädigen Herrn zum Vize-Admiral betreffend, Mr. Creed selber ging heute in See, um sich um die Gratifikation der Seeleute zu kümmern. Nachmittags im Siegelamt, wo ich mit Mr. Moore unsere Abrechnung machte. Er zahlte mir 100l aus, worüber ich mich ungemein freute, denn soviel hatte ich allenfalls im ganzen Monat erhofft.

Abends ging ich allein ins Harper etwas trinken, wo ich die Tochter von Mrs. Crisp traf, und ich setzte mich zu ihr und ihren Freunden und trank mit ihnen. Dann in der Kutsche mit W. Hewer zum Worcester House, wo ich ausstieg und ihn mit den 100l, die ich heute erhalten hatte, nach Hause schickte. Ich wartete eine Weile im großen Saal, bis der Lordkanzler eintrat, und es war erstaunlich, wie viele Menschen gekommen waren, um ihm beim Siegeln zuzusehen.

Bevor er mit irgend etwas anderem anfing, nahm er meine Papiere mit der Aufstellung der Schulden der Flotte entgegen und sah sie vor allen Leuten durch und gab mir dann im Vertrauen Ratschläge, wie wir es anstellen sollen, um vom Parlament soviel Geld zu bekommen wie möglich.

Danach ging ich nach Hause. Meine Sachen von See waren angekommen (die mir Mr. Dunn auf meinen Wunsch hin geschickt hatte), worüber ich froh bin, denn viele meiner Sachen haben durch die Feuchtigkeit bereits gelitten, weil meine Kajüte nicht dicht ist. Ich verbrachte am Abend viel Zeit damit, die Sachen auszupacken und fortzuräumen, und dann zu Bett.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Das wäre nicht nur eine große Ehre, sondern würde vielleicht auch einigen Gewinn abwerfen


/ August 19th, 2010 | Pepys

19. August 1662

Früh aufgestanden, um zu sehen, wie die Arbeiten vorangehen. Dann kam Mr. Creed, mit dem ich ein, zwei Stunden, bis 8 Uhr, im Garten auf und ab ging. Wir sprachen über unsere gemeinsamen Abrechnungen und danach über die öffentlichen Angelegenheiten. Unter anderem sagte er mir, daß der gnädige Herr mich in einen Ausschuß für Tanger berufen hat, dem auch der gnädige Herr sowie viele andere Adlige angehören. Das wäre nicht nur eine große Ehre, sondern würde vielleicht auch einigen Gewinn abwerfen, und ich bin sehr froh darüber.

Dann kamen wir zur Sitzung zusammen, und Mr. Coventry erzählte uns von dem Duell von Mr. Jermin, dem Neffen von Lord St. Albans, und Oberst Giles Rawlins, bei dem letzterer getötet und ersterer tödlich verwundet wurde, wie es heißt. Sie hatten gegen Kapitän Thomas Howard, den Bruder von Lord Carlisle, und eine weitere, unbekannte, Person gekämpft. Diese sollen Rüstungen getragen haben, so daß sie nicht verwundet werden konnten und eins der Schwerter am Heft abbrach. Sie hatten Pferde dabei und sind geflohen. Sehr merkwürdig ist jedoch, daß Howard zwar Jermin herausgefordert und sich mit ihm gestern auf der alten Mail-Bahn am St.-James-Palast, duelliert habe, ihm aber nicht habe sagen wollen, worum es überhaupt ging. Und auch sonst kennt niemand den Grund. Am Hof ist man wegen der Sache sehr beunruhigt, was mich freut, denn so steht zu hoffen, daß es bald zu Gesetzen kommt, die derlei verbieten.

Nach der Sitzung gingen Sir W. Carteret und ich einige Zeit im Garten spazieren. Er erzählte mir, Sir W. Batten habe sich bei ihm darüber beschwert, daß einige von uns ihm Übel wollten. Aber anscheinend ist Sir George nicht dieser Meinung, sondern eher gegen ihn eingestellt. Er drückte mir erneut seine Verbundenheit aus und berichtete mir, daß er auch mit dem Lordkanzler über mich gesprochen habe, so daß Lord Sandwich auch von dieser Seite nur Gutes über mich hören werde. Darüber bin ich sehr froh, und zweifellos entwickeln sich die Dinge für mich von Tag zu Tag besser.

Aß zu Hause allein, dann ins Amt, wo ich bis spät abends arbeitete. Aß zu Hause noch eine Kleinigkeit und ging dann zu Bett.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Dabei trug sie einen Schlafrock und keine Perücke, war ungeschminkt und ihr Haar war hinten zu einem Knoten zusammengebunden


/ August 18th, 2010 | Pepys

18. August 1667

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt verbracht, wo wir Sitzung hatten. Ich mußte die ganze Zeit an Carkesse, der heute vormittag vom Kronrat angehört wurde, und er hat mindestens 30 Zeugen mitgebracht. Doch sonderbar, ich hatte gehört, die meisten von ihnen wollten eher gegen ihn aussagen als für ihn. Er muß verrückt geworden sein.* Mittags zum Essen nach Hause, und gleich danach gingen meine Frau, ich und Sir W. Penn ins Königliche Theater, das ungewöhnlich voll war – der König und der Herzog von York waren gekommen, um das neue Stück zu sehen, „Queen Elizabeth’s Troubles, and the History of Eighty-Eight“.** Ich habe die traurige Geschichte der Königin bereits mit der Muttermilch aufgesogen, deshalb blieb es nicht aus, daß mir an einigen Stellen die Tränen kamen. Aber das Stück selbst ist wohl lächerlichste Stück, das je auf die Bühne gebracht wurde – ein reine Prozession. Immerhin tragen Königin Maria und Königin Elisbeth historische Kostüme, so wie man sie von den Gemälden kennt. Aber das Ganz ist bloß Puppentheater mit lebendigen Puppen, auch was die Handlung und den Text betrifft. Und es gibt sogar jemanden, der am Bühnenrand steht und uns die Bedeutung des Geschehens erklärt. Das einzige, was mir gefiel, war Knepp, die zusammen mit den Milchmädchen tanzte und einmal für Königin Elisabeth ein Lied sang. Dabei trug sie einen Schlafrock und keine Perücke, war ungeschminkt und ihr Haar war hinten zu einem Knoten zusammengebunden – die reizendste Aufmachung, in der ich sie je gesehen habe. Machten uns dann auf den Heimweg und fuhren mit Sir W. Penn bis nach Mile End, wo seine Kutsche auf ihn wartete, denn er wollte weiter zu seinem Landhaus nach Walthamstow. Nachdem wir dort im Rose and Crowne etwas getrunken hatten, verabschiedeten wir uns – ein gutes Wirtshaus, denn man bekommt dort Bier von Ratsherrn Bide. Dann nach Hause. Im Amt schrieb ich meine Briefe zu Ende, dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

* James Carkesse wurde später tatsächlich verrückt und ins Irrenhaus eingewiesen. 1679 veröffentlichte er aus der Irrenanstalt heraus einen Gedichtband, in dem sich auch ein Spottgedicht auf Peyps findet, „who has my Rival been / For the Duke’s favour, more than years thirteen.“

**„If you know not me, you know nobody, or The Troubles of Queen Elizabeth“, Historiendrama von Thomas Heywood.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Meine Frau und ich waren sehr verdutzt, denn plötzlich war kein einziges Mädchen mehr im Haus


/ August 17th, 2010 | Pepys

17. August 1663

Nach dem Aufstehen sprachen meine Frau und ich mit Ashwell. Wohl oder übel mußte ich ihr mitteilen, daß wir wünschen, daß sie uns verläßt, und doch bin ich im Grunde froh, daß ich die Ausgaben sparen kann. Sie wird also noch heute zurück zu ihrem Vater gehen. Verließ beide, obwohl sie noch erhitzt stritten, und fuhr mit Sir J. Mennes und Sir W. Batten in der Kutsche zum St.-James-Palast zu unserer üblichen Sitzung beim Herzog. Anschließend nach Whitehall, wo ich Mr. Moore traf, der mir erzählte, daß das junge Frauenzimmer in Chelsea den gnädigen Herrn noch ins Verderben stürzen werde, was mich sehr beunruhigt. Bin entschlossen, mit ihm darüber zu reden, sobald sich die Möglichkeit dazu ergibt.

Von dort nach Hause, wo ich allein mit meiner Frau zu Mittag aß. Nach Tisch kam Susan, unser früheres Dienstmädchen. Sie suchte ein Halstuch, das sie hier liegengelassen haben will. Wie sich herausstellte, hatte Hannah, unser jetziges Küchenmädchen, das Tuch nicht nur an sich genommen, sondern es sogar umgebunden, denn als Susan hereinkam, nahm sie es eilig ab, aber ich hatte es bemerkt, sagte es ihr auf den Kopf zu und sagte, ich hätte nicht übel Lust, sie zu entlassen. Da fuhr sie auf und sagte, wenn ich ihr den Lohn auszahlte, würde sie noch heute gehen, womit meine Frau und ich nur einverstanden waren, und so holte ich ihren Lohn. Da ich fürchtete, sie könne in ihren Sachen etwas verstecken und heimlich fortschaffen, ließ ich meine Frau sie durchsuchen – und eine Viertelstunde später war sie fort. Meine Frau und ich waren sehr verdutzt, denn plötzlich war kein einziges Mädchen mehr im Haus, abgesehen von Ashwell, die wir ebenfalls entlassen haben, und auch kein Bursche, und nach einer Stunde, die wir so allein im Haus verbracht hatten, wurde ich sehr schwermütig. Ging daraufhin zu Mrs. Holden, mit der ich schon früher darüber gesprochen hatte, daß wir ein Dientsmädchen suchen. Suchte in dieser Angelegenheit auch Mrs. Standing auf und außerdem meinen Bruder Tom, den ich in einer Schenke in der Popinjay Alley fand. Und als ich eben mit ihm am Tor zur Gasse stand, kam Ashwell vorbei. Verabschiedete mich von Tom und begleitete sie fast bis nach Hause und sprach mit ihr über ihre Entlassung. Sie war sehr verständnisvoll (obwohl meine Frau ihr anscheinend erzählt hatte, daß es vor allem mein Wunsch sei, sie zu entlassen, und weniger der ihre, was eine Unverschämtheit ist), und ich sagte ihr, in Anbetracht der Tatsache, daß sie und meine Frau nicht miteinander auskämen, sei es für alle Beteiligten das beste, wenn sie ginge, und selbst wenn sie meine Schwester wäre, würde ich nicht anders entscheiden. Worauf sie nur entgegnete, meine Frau suche gewiß ein Mädchen, von dem sie sicher sein kann, daß es nicht hinter ihrem Rücken mit mir über sie spreche, denn das unterstelle meine Frau ihr. Wie auch immer, ich muß mich bemühen, daß es zu solchen Verdächtigungen keine Veranlassung gibt.

Kurz vor dem Haus trennten wir uns und vereinbarten, daß ich erst geraume Zeit nach ihr heimkehren würde. Doch als ich das Haus betrat, bedrückte mich die Leere und die Stille.

Zu Abend gegessen, gebetet und zu Bett. Als wir zu Bett gehen wollten, sprach meine Frau Ashwell an und fragte sie, ob sie bereits eine neue Stelle habe. Sie erwiderte, wenn wir wollten, könne sie zu jemandem im Flottenamt in Stellung gehen, wogegen wir nichts einzuwenden hatten. Daraufhin sagte sie: nein, sie werde nur eine Stellung annehmen, wo sie Kinder unterrichten könne, denn sie wolle wieder das tun, was sie gelernt habe, und zum Zimmermädchen, bei uns oder sonstwem, eigne sie sich nicht. Was zeigt, daß sie eine schlaue Person ist und sehr wohl geeignet wäre, jeder hohen Dame im Land als Gesellschafterin zu dienen. Dann ruhig eingeschlafen – kalt war es in der Nacht.

Aber ich weiß nicht, wie ich mich um die Amtsgeschäfte kümmern soll, solange die Verhältnisse in meinem Haushalt nicht in Ordnung gebracht sind, was hoffentlich bald der Fall sein wird. Bei Mrs. Holden kaufte ich heute einen neuen Biberhut mit niedrigem Kopf, wie es jetzt Mode ist. Er wird morgen ins Haus geliefert.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

So hatten wir alle unseren Spaß


/ August 16th, 2010 | Pepys

16. August 1666

Aufgestanden, nachdem ich sehr gut geschlafen hatte, mein Tagebuch nachgetragen und danach ins Amt. Sir W. Coventry kommt seit geraumer Zeit nicht mehr ins Amt, da wir zur Zeit ohnehin nichts tun können, als die Leute abzuweisen, die ihr Geld fordern. Mittags mit Lady Penn und W. Hewer eine gekochte Wildkeule gegessen. Waren sehr vergnügt. Nur meine Frau verdarb mir ein wenig die Laune, weil sie Geld von mir haben und sich davon mit Lady Penn an der Börse etwas kaufen wollte. Dann ins Amt und auf höchst anschauliche Weise erlebt, wie schnell man mit seiner Arbeit ins Hintertreffen geraten kann. Zunächst hatte ich nur mißmutig dagesessen und nach einem Vorwand gesucht, außer Haus zu gehen, doch dann traf plötzlich ein Auftrag nach dem anderen ein und ich hatte alle Hände voll zu tun. Und nachdem ich einmal angefangen hatte, entwickelte ich einen immer größeren Eifer und setzte alles daran, auf meinem Schreibtisch und in meinen Büchern Ordnung zu schaffen und alle Arbeiten zu erledigen, so daß ich am liebsten die ganze Nacht durchgearbeitet hätte. Schließlich wurde ich von Lady Penn, Peg und meiner Frau zum Essen gerufen und ging zu ihnen hinüber. Auch Nan Wright, jetzt Mrs. Markham, war dort und saß neben Mrs. Penn am Tisch. Sehr vergnügt zu Abend gegessen, dann nach Hause und zu Bett.

Sir W. Batten zeigte uns heute im Amt einen Brief von Sir Th. Allin, aus dem hervorgeht, daß wir (nach unserem jüngsten Erfolg auf See) noch zehn oder zwölf weitere Schiffe erobert haben, die Hanf, Flachs, Teer und Planken geladen haben. Kurz darauf erschien Sir G. Carteret und fragte uns vergnügt, wieviel uns eine gute Nachricht wert wäre. Darauf Sir W. Batten: „Ich wette, wir haben die bessere Nachricht.“ Und sie wetten um 6d, und Lord Brouncker und ich setzten ebenfalls jeder einen Sechser. Sir W. Batten wiederholte die Nachricht von den zehn oder zwölf Schiffen, und dann erzählte Sir G. Carteret, in Amsterdam seien die Leute vor de Witts Haus gezogen, als die Nachricht vom Überfall auf die Schiffe und die Stadt bekannt geworden war, und er hätte sich zu Prinz Wilhelm von Oranien flüchten müssen, der sich wegen der Hochzeit seiner Schwester gerade in Kleve befände. Dies hielten wir einstimmig für die bessere Nachricht, und Sir W. Carteret bekam das Geld, das er Mr. Smith in die Hand drückte, der es den Armen geben soll. So hatten wir alle unseren Spaß.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Soll sie die Suppe ruhig auslöffeln, die sie sich eingebrockt hat


/ August 16th, 2010 | Pepys

15. August 1664

Aufgestanden und mit Sir J. Mennes in der Kutsche zum St.-James-Palast zu unserer üblichen Sitzung beim Herzog. Die Anzeichen mehren sich, daß es bald zum Krieg kommen wird. Der Herzog sagte, daß wir umgehend eine Flotte nach Guinea aussenden müssen, denn dort wird der Krieg seiner Meinung nach beginnen. Die Holländer haben ihrerseits bereits Schiffe entsendet. Dann mit Sir J. Mennes wieder nach Hause. Unterwegs erzählte er, wie er unter dem früheren König zur See gefahren sei und sich auch als Arzt betätigt habe. Vor allem die Syphilis sei unter den Seeleuten stark verbreitet gewesen. Und unter anderem hatte er Sir J. Denham geheilt, der an einem rätselhaften Geschwür litt, das sein ganzes Gesicht überzogen hatte.

Ging dann ins Kaffeehaus und danach eine Weile zur Börse. Von dort mit Creed zum Mittagessen zu mir nach Hause. Anschließend nahmen wir eine Kutsche. Ich setzte ihn beim Temple ab und fuhr mit meiner Frau zu Mr. Blagrave. Da er selbst nicht zu Hause war, ließ ich meine Frau dort. Ging in die Westminster Hall und von dort in die Trumpet, wo ich mit Mrs. Lane verabredet war. Als sie kam, klagte sie mir ihr Leid, nämlich daß ihr Mann ein Tunichgut ist, was mir bereits klar war, und daß sie schwanger ist und verloren sei, wenn ich ihm keine Stelle besorge. Ich vergnügte mich mit ihr, und das törichte Ding tat mir schön, aber nur weil ich ihrem Mann einen Gefallen tun soll. Doch ich denke gar nicht daran, und will auch nichts mehr mit ihr zu tun haben. Soll sie die Suppe ruhig auslöffeln, die sie sich eingebrockt hat. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte sie Hawley geheiratet, aber sie wollte ja nicht auf mich hören. Nachdem wir etwas getrunken hatten, trennten wir uns. Ich ging zurück zu Blagrave und unterhielt mich dort mit Mrs. Blagrave über ihre Nichte, die, wie es scheint, häufig kränkelt und zur Schwermut neigt. Anscheinend trauert sie ihrem Geliebten nach, der verstorben ist. Und Mrs. Blagrave sagte uns auf ihre treuherzige Art, daß ihre Nichte deshalb wohl nicht zu uns kommen könne, denn wir hätten nicht viel Freude an ihr. Das finde ich bedauerlich, denn ich glaube, sie hätte uns gefallen. Dann kam Mr. Blagrave zu uns, zusammen mit der Nichte, und sie sangen uns etwas vor, aber sie singt nicht gut. Von dort noch einmal zur Westminster Hall und dann mit der Kutsche zurück. Machten unterwegs in Charing Cross halt, wo wir uns den Riesen aus Holland ansahen, der vor kurzem nach England gekommen ist. Ich konnte mich mit aufgesetztem Hut unter seinen Arm stellen, und ich kam, als ich mich ausstreckte, mit den Fingerspitzen nicht höher als bis zu seinen Augenbrauen. Er ist ein gutaussehender Mann und von schöner Gestalt, aber seine Frau ist ganz klein und zierlich. Es stimmt, daß er Schuhe mit hohen Absätzen trägt, aber so hoch sind sie nun auch wieder nicht, und für gewöhnlich trägt er einen Turban, was ihn noch größer erscheinen läßt, aber dennoch, er ist wirklich riesig. Von dort zurück und ins Amt. Kurz darauf zum Abendessen und dann noch einmal ins Amt. Spät nach Hause und zu Bett. Meine Frau und ich sind ein bißchen besorgt, daß wir noch immer keine Gesellschafterin für sie haben.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Wo ich bis spät abends mit meiner Frau plauderte, Flöte spielte und mich an unserem Kaminsims erfreute


/ August 16th, 2010 | Pepys

14. August 1668

Aufgestanden und im Boot nach Whitehall und zum St.-James-Palast zu Sir W. Coventry, um mit ihm über unser Amt zu sprechen und die Mißstände, die nach wie vor dort herrschten. Ich berichtete ihm auch, was Cocke mir erzählt hatte. Er sagte jedoch, an der Sache sei nicht viel dran. Zwar wisse er, daß einige Leute große Umwälzungen in der Marine beabsichtigten, und gewiß werde es auch Veränderungen geben, denn das liege in der Luft, er glaube aber nicht, daß es wirklich so weit kommen werde, wie ich es geschildert hatte.

Von dort nach Whitehall, wo ich eine Weile vor der Ratskammer wartete und mit verschiedenen Leuten redete. Dann wieder im Boot zurück. Zu Hause war Simpson dabei, meinen neuen Kaminsims im großen Zimmer zu bauen. Er wird sehr schön, wird mich aber auch einiges kosten. Doch das ist es mir wert.

Dann zurück nach Whitehall, noch einmal zum Rat, danach mit Mr. Wren zu Sir S. Fox, der uns zum Essen eingeladen hatte. Mr. Ashburnham, der Kämmerer des königlichen Haushalts, und Sir E. Savage waren ebenfalls da. Hörte viele gute Geschichten über die Vorfahren und den Besitz vieler Familien in Cheshire und Umgebung, die viel bedeutender sein sollen als die meisten Familien in und um London.

Seine Frau aß ebenfalls mit uns, eine sehr freundliche Dame. Die ganze Familie ist so vornehm und gesittet, daß es eine Wohltat ist.

Hinterher fuhren der Kämmerer, Sir Stephen und ich zu den Lordkommissaren des Schatzamts, wo ich sie verließ und zum Herzog von York ging, der mich nach dem Bericht über die Mißstände und Mängel im Flottenamt fragte, den ich ihm versprochen hatte. Ich sagte, er solle ihn nächste Woche bekommen, und war froh, daß er danach fragte, denn er ist offenbar wirklich entschlossen, etwas zu unternehmen – schon allein, um sich selbst zu schützen, denn der feindliche Teil des Parlaments will ihn ganz offensichtlich verdrängen. Nachmittags traf sich das Flottenamt zur üblichen Sitzung bei ihm. Der Herzog sprach von seiner Absicht, bald nach Dover zu fahren, um sich als Lordaufseher der fünf Häfen vereidigen zu lassen, eine sehr würdige Zeremonie. Fuhr von dort mit Mr. Wren zum Ersten Kronanwalt zum Temple, aber er war nicht da. Fuhr daher nach Hause, wo ich bis spätabends mit meiner Frau plauderte, Flöte spielte und mich an unserem Kaminsims erfreute. Dann zu Bett.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Sie ist wirklich furchtbar einfältig geworden


/ August 13th, 2010 | Pepys

13. August 1661

Am Morgen ins Siegelamt. Zum Mittagessen in die Kleiderverwaltung, wo ich meine Frau antraf. Der junge Herr ist weiterhin sehr krank, so daß die gnädige Frau beabsichtigt, ihre drei Söhne, Sidney, Oliver und John, zu mir zu schicken, aus Angst vor den Pocken. Ging nach dem Essen zu meinem Vater, der zu Hause war und seine Unterlagen aufräumte, da er sich jetzt darauf vorbereitet, meinem Bruder das Haus zu überlassen. Ich fand dort einige alte Briefe aus der Zeit, als meine Frau und ich uns zerstritten hatten,* und nahm sie an mich. Nachdem Pall fort war, teilte ich meinem Vater meine Absicht mit, sie nicht länger bei mir zu behalten und erklärte ihm warum, und er wurde sehr wütend auf Pall. Doch dann mischte sich meine Mutter ein, und es wäre fast zu einer Auseinandersetzung zwischen ihr und mir gekommen, denn sie ist wirklich furchtbar einfältig geworden.

Später kam Mrs. Cordery, um von meinem Vater Abschied zu nehmen, weil sie gehört hatte, daß er demnächst aufs Land ziehen werde. Sie sagte, daß wir sie vorher unbedingt besuchen sollen.

Dann ging ich mit meinem Vater wie vereinbart ins Mitre zu Onkel Thomas, der in Begleitung seiner beiden Söhne kam, und Onkel Wight. Dort verlasen wir das Testament, schilderten ihnen die Lage in Brampton und versprachen, uns gegenüber Onkel Thomas erkenntlich zu zeigen, wenn er uns keine Schwierigkeiten bereite und seinen Einspruch zurückziehe. Er versprach dies zu tun und schien mit allem sehr zufrieden.

Nachdem wir etwas getrunken hatten, zahlten wir und gingen. Zu Hause traf ich die drei Söhne der gnädigen Frau an, und ich bin froh, daß ich in der Lage bin, ihr und dem gnädigen Herrn einen solchen Dienst erweisen zu können. Große Sorgen mache ich mir allerdings weiterhin um die Gesundheit von Lord Sandwich.

*In den ersten Jahren ihrer Ehe war es nach einem Krach zu einer vorübergehenden Trennung gekommen, während der Elizabeth Pepys bei Bekannten oder Verwandten in Charing Cross wohnte.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren

Wohin ich ihm nicht folgen möchte, da sie dort alle Angst vor mir haben


/ August 12th, 2010 | Pepys

12. August 1665

Da wir bis auf weiteres nur noch donnerstags Sitzung im Amt haben, den ganzen Vormittag zu Hause geblieben und meine Papiere und andere Dinge geordnet und eine ganze Weile an den Abrechnungen für Dr. Twysden gearbeitet. Mittags ließ Sir G. Carteret nach mir schicken. Ich solle mich mit ihm und Lord Hinchingbrooke in Deptford treffen. Doch kam der junge Herr gar nicht nach Deptford, sondern setzte in Gravesend nach Dagenham über, wohin ich ihm nicht folgen möchte, da sie dort alle Angst vor mir haben. Sir G. Carteret erzählte aber, er sei ein in jeder Hinsicht prächtiger Jüngling. Allerdings war Sir G. Carteret kurz angebunden, weil er zum Herzog von Albemarle und zum Erzbischof mußte, so daß ich vorschlug, unser Gespräch zu vertagen. Nachdem er fort war, ging ich nach Greenwich und schickte die Bezan fort, mit der ich eigentlich heute abend zur Royal Sovereign zur Nore-Boje fahren wollte. Auf dem Heimweg nach Deptford begleitete mich der alte Bagwell ein Stück des Wegs und lud mich dann ins Haus seiner Tochter ein. Sobald er dehors gegangen war, hatte ego mein volunté de su hija. Etwas gegessen und getrunken und dann nach Hause. Noch kurz ins Amt, dann nach Hause und weitere Unterlagen geordnet und spät zu Bett.

Die Menschen sterben so zahlreich, daß man sie jetzt auch tagsüber beerdigen will, da die Nächte nicht mehr ausreichen. Und der Bürgermeister hat angeordnet, daß alle Gesunden um neun Uhr ihre Häuser aufgesucht haben müssen, damit dann auch die Kranken an die frische Luft können (angeblich). Auch bei der Flotte hat es einen Todesfall gegeben, in Deptford, an Bord des Branders Providence, der soeben seefertig gemacht wurde. Man versicherte mir aber heute, es gebe keine weiteren Infizierten an Bord. Außerdem erfuhr ich von W. Bodham, auch in Woolwich habe es einen Toten unweit der Seilerei gegeben. Und bei Hof in Salisbury ist die Frau eines Stallknechts gestorben, woraufhin der König und die Königin eiligst nach Wilton geflohen sind. Gott schütze uns alle.

/ Weiterlesen

/ Jetzt Kommentieren