“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



/ HOME >  / AKTUELL >  /pepys >  /Er schleppte mich in eine schlimme Spelunke, wo zwei unansehnliche Frauenzimmer zu uns an den Tisch kamen

Er schleppte mich in eine schlimme Spelunke, wo zwei unansehnliche Frauenzimmer zu uns an den Tisch kamen


/ August 31st, 2010 | Pepys

31. August 1661

Am Vormittag zu Hause und dann ins Amt. Am Mittag mit Llewellyn ins Wirtshaus und von dort zum Bartholomäus-Jahrmarkt. Er schleppte mich in eine schlimme Spelunke, wo zwei unansehnliche Frauenzimmer zu uns an den Tisch kamen. Es waren Huren, und ich fand sie so abstoßend, daß mir ihre Gegenwart unangenehm war und ich nur den Wunsch hatte, den Ort so schnell wie möglich wieder zu verlassen, bevor mich noch jemand sah. Dann gingen wir in Richtung Ludgate, wo wir uns trennten. Ging allein zum Jahrmarkt zurück und traf dort die Töchter des gnädigen Herrn in Begleitung von Mr. Pickering und Mademoiselle le Blanc, ihrer Erzieherin. Sie wollten sich gerade den Affentanz ansehen. Kurios, was man diese Tiere alles anstellen läßt, aber mir gefiel das derbe Volk nicht, das um mich herum saß. Danach gingen wir zum Christ-Hospital, wo Mr. Pickering den jungen Damen kleine Geschenke kaufte. Ich schenke beiden eine Glaskugel, in der kleine Gegenstände hingen, was ihnen gut gefiel.

Mit ihnen in ihrer Kutsche zurück zur Kleiderverwaltung, wo die gnädige Frau mich zu sich rufen ließ und wohl eine Stunde lang mit mir plauderte. Die Gute berichtete in aller Unschuld, daß Mrs. Crisp ihr versprochen habe, mit Hilfe einer Dame, die sich in ihrem Haus aufhält, den König dazu zu bewegen, Pate des Mädchens zu werden, mit dem die gnädige Frau gerade im Kindbett liegt, und sie sprach mit einer solchen Begeisterung davon, daß sie zu glühen anfing, und ihre kindliche Freude und Einfalt rührten mich ganz über die Maßen.

Ging dann wieder nach unten, um mit den jungen Damen zu Abend zu essen. Auf dem Heimweg begleitete mich Mr. Moore bis zum Mitre in der Fenchurch Street (weil wir uns nie trennen können), wo wir noch ein Glas Wein tranken. Dann ging ich nach Hause und zu Bett.

((Leerzeile))

So endet der Monat. Unser Hausmädchen Jane ist fort, und so muß Pall die ganze Arbeit verrichten, bis ein neues Mädchen kommt, was erst dann der Fall sein wird, wenn Pall mit meiner Mutter aufs Land zieht. Meine Frau und ich sind bei guter Gesundheit. Lord Sandwich befindet sich im Mittelmeer und hat sich in Alicante von seiner schweren Krankheit erholt. Mein Vater ist nach Brampton gezogen. Ich selbst habe viel damit zu tun, unsere Erbschaftsangelegenheit zu unserer Zufriedenheit zu regeln. Von Übel ist, daß ich mich seit einiger Zeit vornehmlich für das Theater interessiere und zuviel Geld für schöne Gegenstände und andere Vergnügungen ausgebe und darüber meine Pflichten im Dienst vernachlässige, was unbedingt anders werden muß.

Da kein Geld hereinkommt, bin ich gezwungen gewesen, größere Summen zu borgen, für mich selbst, aber auch für die Belange meines Vaters. Sorgen macht mir auch mein Bruder Tom, der jetzt das Geschäft meines Vaters übernimmt, weil ich fürchte, daß die Sache schiefgehen könnte, da er nicht über die nötige Klugheit und Umsicht verfügt.

Am Hof herrschen traurige Zustände, Neid und Armut, wo man hinsieht, und es wird geflucht, getrunken und gehurt. Der Klerus ist so hochmütig, daß von allen Seiten dagegen protestiert wird. Kurz, überall herrscht eine große Unzufriedenheit.

Auch die Spendensammlung für den König führt zu nichts, sondern sorgt nur für weiteren Unmut, so daß man sie besser gar nicht aufgebracht hätte. Ich selbst werde wohl 20l spenden. In unserem Amt ist alles ruhig, nur fehlt das Geld, weshalb alles verkommt. Unsere eigenen Schuldscheine werden an der Börse mit 10 Prozent Verlust verkauft. Unser Amt soll um die Räumlichkeiten von Sir R. Fords Haus vergrößert werden, was gewiß schon bald zu neuem Ärger führen wird, was die Aufteilung der Zimmer betrifft, aber auch wegen der zusätzlichen Miete von 200l per annum, so daß ich bezweifle, daß das Vorhaben wirklich in die Tat umgesetzt wird.

Die Jahreszeit beschert uns viele Krankheitsfälle, die Leuten sterben an einem unbekannten, tödlichen Fieber.




Kein Kommentar zu "Er schleppte mich in eine schlimme Spelunke, wo zwei unansehnliche Frauenzimmer zu uns an den Tisch kamen"


Jetzt kommentieren


Name (erforderlich)
E-Mail (erforderlich)