“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / Juli, 2010


Doch unter allen schönen Frauen wurde meine Frau von vielen für die schönste erachtet


/ Juli 12th, 2010 | Pepys

10. Juli 1660

Heute zog ich zum ersten Mal meine neuen seidenen Kleider an – die ersten meines Lebens. Heute morgen besuchte mich Mr. Hall, der Mann von Nan Pepys, der jüngst in die Stadt gekommen ist – ich hatte ihn nie zuvor gesehen. Ich nahm ihn, zusammen mit Mr. Eglin, mit in den Swan, wo wir unseren Morgentrunk einnahmen. Nach Hause, wo ich meine Frau abholte und sie mit zu Dr. Clodius nahm und vor dort zu der großen Hochzeitsfeier von Nan Hartlib mit Mijnheer Roder, die im Goring House stattfand, mit großem Gepränge und zahlreicher vornehmer Gesellschaft. Doch unter allen schönen Frauen wurde meine Frau von vielen für die schönste erachtet. Nach dem Essen verließ ich die Gesellschaft und brachte meine Frau zu Mrs. Turner. Ich ging zum Oberstaatsanwalt und bezahlte sieben Goldstücke für den Ernennungsbescheid. Holte dann meine Frau ab und brachte sie nach Hause. Ging dann zum gnädigen Herrn und traf ihn im Garten von Whitehall an und bat ihn, zum Staatssekretär zu gehen, was er auch tat, und er beantragte, daß sein und mein Ernennungsbescheid vom König unterzeichnet werde.

Seine Ernennung erhebt ihn nun zum Grafen von Sandwich, Vizegrafen Hinchingbrooke und Baron von St. Neots.

Dann nach Hause. War recht guter Dinge und ging zu Bett und nicht, wie ich versprochen hatte, noch einmal zum Fest, um die Braut zu Bett zu geleiten.

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Es gab sofort eine Auseinandersetzung, die mir kein gutes Omen zu sein scheint


/ Juli 9th, 2010 | Pepys

9. Juli 1664

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt. Am Nachmittag mit der Kutsche zu Sir J. Mennes nach Whitehall und dann zu einer Sitzung des Fischereiausschusses, wo es nur um unsere Vereidigung ging. Es gab sofort eine Auseinandersetzung, die mir kein gutes Omen zu sein scheint. Einige sagten, wir sollten schwören, daß wir „mit all unserer Kraft“ dem Ausschuß dienen wollen, andere „nach bestem Wissen und Gewissen“, was nichts anderes bedeutet, als daß niemand gezwungen ist, Pflichten im Ausschuß zu übernehmen, sondern es seinem Gutdünken anheimgestellt ist. Und die letztere Formel wurde tatsächlich gewählt und beschlossen.

Anschließend trat der Guinea-Ausschuß zusammen. Dann trafen wir uns noch einmal zu einer Sitzung des Tanger-Ausschusses. Dort brachte ich die Erstattung der Frachtkosten von Lord Peterborough zur Sprache sowie auch meine eigenen Auslagen für Tanger. Dann nach Hause. Holte auf dem Weg meinen Chaucer und einige andere Bücher ab. Sie waren schöner geraten als die anderen, was mich freute. Dann bis spät im Amt, um Briefe zu schreiben. Anschließend nach Hause zu meiner Frau, zum Abendessen und zu Bett – hatten wegen des heißen Wetters seit einer ganzen Weile nicht mehr beieinander gelegen, taten es aber jetzt, weil sie im Begriff ist, aufs Land zu fahren.

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Es ärgert ihn aber, daß wir für nichts und wieder nichts Ärger bekommen


/ Juli 8th, 2010 | Pepys

8. Juli 1668

Früh mit dem Boot zu Sir W. Coventry, wo wir verschiedene Dinge besprachen. Er ist sehr besorgt wegen der neuen Untersuchung der Neunerkommission, obwohl er keine Gefahr für sich und uns sieht. Es ärgert ihn aber, daß wir für nichts und wieder nichts Ärger bekommen. Morgen will er London verlassen, um in Banbury eine Trinkkur zu beginnen. Ging von dort zum Herzog von York, der sehr offen mit mir sprach und bestrebt ist, die Mißstände in der Marine selbst zu beheben, und das nicht anderen überlassen will. Dann nach Hause zum Essen und anschließend mit meiner Frau zu Cooper, wo sie Modell saß. Er ist wirklich ein Meister seines Fachs. Dann nach Whitehall zum Herzog zu unserer üblichen Sitzung im Kleidersaal, wo wir drei Stunden tagten. Es ging um die Sache der Schiffbaumeistergehilfen in der Werft in Chatham und um den Magazinverwalter in Woolwich, und er ist fest entschlossen, sie alle zu entlassen, so sehr will er jetzt seinen eisernen Willen demonstrieren. Es ist Pech für sie, daß ihre Fälle gerade jetzt untersucht werden. Dann fuhr ich zu Unthank und holte meine Frau und Deb ab. Zum Abendessen und zu Bett.

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Zwei Fässer Claret, zwei Viertelfässer süßen Kanarenwein, ein kleineres Fäßchen Sekt, eins mit spanischem Tinto und eins mit Malaga und noch eins mit Weißwein


/ Juli 7th, 2010 | Pepys

7. Juli 1665

Aufgestanden und meinen Nachbarn Mr. Hudson, den Küfer, kommen lassen, um ein Faß Wein abzuzapfen, von dem ich etwas meiner Frau schicken will. Verließ dann das Haus und mußte daran denken, in welch glückliche Lage ich durch Gottes Güte gekommen, denn gegenwärtig habe ich in meinem Weinkeller zwei Fässer Claret, zwei Viertelfässer süßen Kanarenwein, ein kleineres Fäßchen Sekt, eins mit spanischem Tinto und eins mit Malaga und noch eins mit Weißwein – so viel hat wohl wie kein lebendes Mitglied aus meiner Familie je besessen hat.

Nach Westminster und dort mit Mr. Povey und Creed verschiedene Dinge für Tanger besprochen. Nach einer Weile nahm ich Creed beiseite und vertraute ihm an, was ich gestern von Sir G. Carteret über Blackwell erfahren hatte, weil auch er Geld bei ihm hat. Dann nach Hause und unterwegs neue Bücher im Wert von 5l mitgenommen, worüber ich sehr froh bin. Zu Hause verschiedenes erledigt. Nachmittags mit Sir W. Warren unterhalten und einige gute Ratschläge bekommen. Abends in meinen neuen Büchern geblättert und spät zu Bett.

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Lag morgens lange im Bett und plauderte fröhlich mit meiner Frau


/ Juli 6th, 2010 | Pepys

6. Juli 1662

Sonntag. Lag morgens lange im Bett und plauderte fröhlich mit meiner Frau. Stand dann auf und ging mit ihr die Haushaltsbücher durch. Es stellte sich heraus, daß mich die Küche, ohne Wein, Feuer, Kerzen, Seife und viele andere Dingen, pro Woche allein an die 30s oder etwas mehr kostet.

In die Kirche, wo Mr. Milles eine langweilige Predigt hielt. Zum Mittagessen kam mein Bruder Tom zu mir. Am Nachmittag wieder in die Kirche, mit meiner Frau. Danach ging ich zur Kleiderverwaltung und sprach mit Mr. Creed und Mr. Moore über geschäftliche Dinge. Zu Abend aß ich mit der gnädigen Frau, die sehr empört darüber ist, daß Lady Castlemaine noch immer die Gunst des Königs genießt und er so häufig zu ihr geht wie bisher. Was mich, Gott verzeih mir, indes sehr freut.

Es fing an zu regnen, und so borgte ich mir von Mr. Moore Hut und Mantel und ging nach Hause. Hauptmann Ferrer war bei meiner Frau zu Besuch. Nachdem wir eine Stunde mit ihm verbracht hatten, ging er nach Hause und wir alle zu Bett.

<Mein alter Schulfreund Jack Cole sucht mich heute in der Kleiderverwaltung auf und erzählte mir unter anderem, daß wohl die meisten presbyterianischen Pfarrer in London enteignet werden, was früher oder später für König und Hof traurige Folgen haben werde.>

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Es regnete, und wir befürchten, dies könne den Glanz des großen Tages trüben


/ Juli 5th, 2010 | Pepys

5. Juli 1660

Am Morgen brachte mir mein Bruder Tom meine neue Joppe mit den Silberknöpfen. Es regnete, und wir befürchten, dies könne den Glanz des großen Tages trüben, da heute der König und das Parlament mit großem Pomp von der City empfangen werden sollen.

Mr. Hayter war heute bei mir, und ich erklärte mich einverstanden, ihn als Schreiber zu nehmen.

In Whitehall sah ich den König, die Herzöge und ihr ganzes Gefolge, wie sie sich im Regen zur City aufmachten, und so manches prächtige Gewand wurde dabei besudelt. Ich lief den ganzen Morgen in Whitehall umher, da ich nicht wußte, wie ich durch den Regen kommen sollte.

Traf Mr. Coling, den Sekretär des Oberhofmarschalls, der mich zum Essen der Kammerdiener mitnahm, und anschließend ging es in den Weinkeller. Er erzählte mir von dem Plan, den er habe, nämlich daß wir Sekretäre uns zusammentun und sämtliche Amtsgeschäfte in unsere Hände bringen, um so unsere Einnahmen zu sichern.

Von dort zur Admiralität. Ging mit Mr. Blackborne, dem ehemaligen Sekretär der Flottenamtskommissare, hinaus (da sich das Wetter allmählich besserte). Spazierten ein, zwei Stunden durch den Park, wobei er mir sehr viele Dinge erklärte, die mir im Flottenamt gewiß von großem Nutzen sein werden. Am frühen Abend brachte ich meine Prunkschale zu Mr. Coventry.

Abends, beim gnädigen Herrn, suchte mich Dr. W. Petty auf, um mir unter anderem zu erzählen, daß Burlow in die Stadt gekommen sei, und ich verlor gleich wieder allen meinen Mut. Ging sehr betrübt zu Bett.

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Aber einerlei, für die Öffentlichkeit wahrt man den Schein


/ Juli 4th, 2010 | Pepys

4. Juli 1666

Aufgestanden und in aller Frühe zu Mr. Shipley, der wegen einiger Geschäfte aus Hinchingbrooke gekommen ist, wo alle wohlauf sind. Anschließend spazierte ich mit ihm bis zur Fleet Street, da Fastentag wegen der Pest war und nur wenige Kutschen fuhren. Gott sei Dank hat die Pest in dieser Woche nur um zwei Sterbefälle zugenommen. Aber in einigen Gegenden auf dem Land wütet sie noch gewaltig, besonders in der Stadt Colchester, die ganz entvölkert sein soll.

Dann zum St.-James-Palast zu unserer üblichen Sitzung beim Herzog. Unter anderem ging es um die Frage, wo wir die zehn Schiffe bauen lassen können, deren Bau der König und der Rat beschlossen haben. Es sollen alles Schiffe mindestens dritter Ordnung sein, was aber ganz unmöglich ist, wenn uns nicht zusätzliche Gelder bewilligt werden. Aber einerlei, für die Öffentlichkeit wahrt man den Schein.

Danach zu Lord Belasyse, um mich von ihm zu verabschieden, da er morgen nach Hull reist, um die Soldaten seiner Garnison auf eine Invasion vorzubereiten.

Zu Mittag gegessen und dann den ganzen Nachmittag im Amt. Abends kam Sir W. Penn zu mir und wir machten einen Spaziergang und unterhielten uns über das Gefecht. Er sagte unumwunden, daß die ganze Gefechtsführung schlecht war, und das sei nicht nur seine Meinung, sondern zwei Drittel der Flottenkommandanten hätten ihm dies bestätigt. Nur hätten sie im Kriegsrat nicht gewagt, ihre Stimme zu erheben, weil sie nicht als Feiglinge dastehen wollten, doch sei es entschieden gegen die Vernunft gewesen, in Unterzahl ein Gefecht zu beginnen. Ein noch gravierender Nachteil sei gewesen, daß wir keins unserer unteren Bordgeschütze zum Einsatz bringen konnten. Ohnehin hätten wir ohne weiteres vor der Reede von Downs oder anderswo auf die Rückkehr des Prinzen warten können, oder zumindest auf besseres Wetter, um die volle Gefechtsstärke unserer Schiffe ausnutzen zu können.

Er sagte, drei Dinge müssen geändert werden, wenn wir eine Niederlage durch die Holländer abwenden wollen:

1. Wir müssen in einer geschlossenen Linie wie die Holländer kämpfen. Wenn wir an verschiedenen Punkten gleichzeitig angreifen, können wir nur verlieren, wie das jüngste Gefecht gezeigt hat.

2. Wir dürfen unsere Schiffe nicht voreilig verlassen, wie geschehen, denn das nimmt den anderen Kapitänen allen Mut, und sie geben ihr Schiff auf, da sie keine Hilfe in der Nähe sehen.

3. Leicht beschädigte Schiffe dürfen nicht gleich den Rückzug antreten, sondern müssen sich mit eigenen Mitteln helfen und vorn bleiben. Viele unserer Schiffe haben Häfen angelaufen, obwohl sie nur geringfügig beschädigt waren.

Er sagte auch, unsere Kommandanten und selbst unsere Flaggoffiziere müßten besser auf ihre Aufgaben auf See vorbereitet werden. Einer der Flaggoffiziere habe nicht einmal gewußt, wie man mit dem Heck durch den Wind geht.

Aus lauter Angst und Mutlosigkeit hätten sie alle den Kopf verloren und seien in der Mündung auf der Galloper-Sandbank aufgelaufen, und es sei ein reines Wunder, daß nicht noch mehr Schiffe verloren gegangen seien. Als ich ihn auf das Wort von Sir John Lawsons ansprach: 60 Schiffe könnten ebensoviel ausrichten wie 100, da schimpfte er laut und sagte, der Mann habe von der Sache nicht das geringste verstanden und hätte den Höflingen nur nach dem Mund geredet, um sich bei ihnen beliebt zu machen. In allen wirklich wichtigen Fragen aber hätte er falsch gelegen. So habe er ein Vorderkastell auf Schiffen für überflüssig gehalten, während alle Welt inzwischen weiß, wie nützlich es zum Schutz der Mannschaft ist.

Er sprach sehr verständig, und ich muß gestehen, daß ich mich noch nie zuvor so angenehm mit ihm unterhalten hatte.

Nachdem er fort war, im Amt einige Dinge erledigt, dann zu Abend gegessen und zu Bett.

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Sondern auch seine übrigen Geliebten fallen läßt, sollte es mich herzlich freuen


/ Juli 4th, 2010 | Pepys

3. Juli 1663

Aufgestanden und, nachdem Creed gegangen war, mit Sir J. Mennes und Sir W. Batten in der Kutsche nach Westminster zum St.-James-Palast, wo wir zusammen mit Sir G. Carteret zu unserer Sitzung zum Herzog wollten. Da dieser aber nicht kam, trennten wir uns. Ich ging nach Westminster Hall. Traf dort Mr. Moore, der mir die große Neuigkeit erzählte, daß Lady Castlemaine in Ungnade gefallen sei und heute morgen den Hof verlassen habe. Den Grund wisse er nicht, nur daß es so sei, was mir leid für sie tut. Wenn es aber bedeutet, daß der König nicht nur sie, sondern auch seine übrigen Geliebten fallen läßt, sollte es mich herzlich freuen, da er sich dann endlich um die Staatsgeschäfte kümmern kann. Erfuhr außerdem, daß der Hof Lord Bristols Rede vor dem Parlament mißbilligt. Und der Einfluß des Lordkanzlers soll weiter im Wachsen begriffen sein. Von dort mit Mr. Creed, den ich in seinem Zimmer aufsuchte, mit dem Boot nach Lambeth. Konnten den aufgebahrten Erzbischofs jedoch nicht sehen, da es noch früh am Morgen war. Spazierten daher querfeldein nach Southwark, wo wir uns trennten. Ich verbrachte eine halbe Stunde in St. Mary Overie, einer sehr schönen Kirche mit schönen Grabmälern, die recht alt zu sein scheinen. Von dort zur Börse, wo ich Sir J. Mennes traf. Gingen zusammen zu Backwell und betrachteten seinen neusten Entwurf einer Gasse, die von seinem Geschäft bis zum Eingang der Börse führen soll. Sie wird sehr vornehm werden, noch vornehmer als die beiden anderen.

Dann nach Hause zum Mittagessen. Anschließend ins Amt, wo ich unseren Lieferantenvertrag in mein Buch über die Marine eintrug. Dann mit dem Boot und weiter zu Fuß zu Sir W. Penn, mit dem ich mich eine Weile unterhielt. Spät nach Hause und Gambe gespielt. Wieder kam Creed, da morgen früh die Anhörung vor dem Herzog stattfindet. Blieb über Nacht. Sprachen im Bett noch lange über die Angelegenheit.

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Bis auf den Eunuchen, der sich so verhaspelte, daß er von der Bühne gezischt wurde


/ Juli 2nd, 2010 | Pepys

2. Juli 1661

Nach Westminster Hall, wo ich einige Zeit in der Halle auf und ab ging, denn die Gerichte tagten. Sprach mit verschiedenen Leuten, unter anderem mit Vetter Roger Pepys, der ins Parlament wollte und mich fragte, ob ich schon von meinem Vater seit dessen Ankunft in Brampton gehört hätte. Das hatte ich, denn gestern war ein Brief gekommen, in dem mein Vater schrieb, daß mein Onkel immer wieder Anfälle habe und dann wie ein Betrunkener lalle und es ihm manchmal die Sprache ganz verschlage.

Nach Hause. Fuhr nach dem Gesangsunterricht in der Kutsche ins neue Herzogliche Theater zu Sir William Davenants Oper. Heute ist der vierte Tag nach der Eröffnung, und ich sehe sie zum ersten Mal. Aufgeführt wurde der zweite Teil der „Belagerung von Rhodos“.* Wir mußten recht lange auf den König warten, der mit der Königin von Böhmen erschien. Unterdessen brach über unseren Köpfen eine Diele durch, und eine große Ladung Staub rieselte den Damen in den Nacken und denn Herren ins Haar, was uns alle sehr erheiterte. Nachdem der König eingetroffen war, wurde die Szene eröffnet, die in der Tat einen überaus prächtigen Anblick bot. Die Darsteller waren gut, bis auf den Eunuchen, der sich so verhaspelte, daß er von der Bühne gezischt wurde.

Zu Hause schrieb ich Briefe an den gnädigen Herrn auf See, und dann zu Bett.

*„The Siege of Rhodes“, Versdrama in zwei Teilen mit Musik, von William Davenant; gilt als erste englische Oper; der erste Teil wurde 1656 uraufgeführt.

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Unterhielten wir uns über die hohen Herren, die zur Zeit unser Land regieren, und ihre Dummheiten, und wir lachten viel


/ Juli 1st, 2010 | Pepys

1. Juli 1667

Gegen 4 Uhr früh aufgestanden, nachdem ich von einem entsetzlichen Lärm aufgewacht war, als hätte jemand eine Sau abgestochen oder eine Kuh oder einen Hund, und hinterher konnte uns niemand sagen, was es gewesen war. Machten uns fertig und nahmen dann die Kutsche. Da wir noch sehr müde waren, schliefen wir die meiste Zeit auf dem Weg nach Gravesend. Dort stiegen wir aus und gingen zu den neuen Geschützständen, die, wenn sie fertig sind, sehr gut sein werden. Ich hörte, wie ein einfacher Kerl sich über das törichte Flottenamt aufregte, das so viel Geld für die Ausrüstung von Schiffen ausgegeben habe, um sie dann mitsamt der Ladung zu versenken. Und er sagte, wenn man nur die Hälfte für den Bau der Befestigungen verwendet hätte, wären diese längst fertiggestellt. Und ich denke, daß er damit nur allzu recht hat, wie überhaupt all unseren Handlungen so töricht waren, daß selbst die einfachsten Leute sie als unsinnig durchschauen. „Und außerdem“, so sagte der Mann, „schaden sie damit dem Fluß.“ Wir fragten sie, wo wir etwas Sauerrahm essen könnten, und man wies uns den Weg zu einem Mann, den sie Väterchen Best nennen, etwas außerhalb, auf dem Weg zur Landstraße nach London. Fuhren mit der Kutsche hin und fanden ein sehr sauberes, einfaches Wirtshaus vor. Wir aßen eine Schüssel sehr guter Rahm, die ganz nach unserem Geschmack war. Dann wieder fort. Waren sehr ausgelassen. Lasen unterwegs gemeinsam die „Anleitung für einen Maler“*. Eine sehr vergnügliche Lektüre und in der Tat sehr geistreich. Creed erzählte auch viel von den Briefen des alten Burleigh aus der Zeit von Königin Elisabeth, die er gerade gelesen hat, und er sagte, ihr guter Stil sei noch immer bewundernswert und verdiene wohl, nachgeahmt zu werden.** Anschließend unterhielten wir uns über die hohen Herren, die zur Zeit unser Land regieren, und ihre Dummheiten, und wir lachten viel und gelangten so gegen Mittag zu Hause an, wo alles in bester Ordnung war. Aßen dann zu Mittag und machten nach dem Essen auf dem Sofa und auf Sesseln ein Mittagschläfchen. Ich schlief tatsächlich ein, zwei Stunden und ging dann ins Amt. Dort erhielt ich die traurige Nachricht, daß Sir J. Mennes wohl die heutige Nacht nicht überleben werde. Ich vergaß noch festzuhalten, daß wir heute morgen auf der Landstraße Mrs. Williams trafen, die auf dem Weg zu Lord Brouncker nach Chatham war. Wir nickten uns zu, wechselten aber keine Worte. Es ist wirklich beschämend, daß Lord Brouncker sie in Zeiten wie diesen zu sich kommen läßt, wo jeder in der Stadt und das ganze Land nur darauf lauert, uns jede Pflichtverletzung nachzuweisen. Ging dann zu Sir W. Batten, wo ich von der gnädigen Frau erfuhr, daß sie aus sicherer Quelle erfahren habe, daß das Zimmermädchen von Lord Brouncker geäußert habe, daß Mrs. Williams dabei sei, ihre besten Kleider und ihren Schmuck zu verkaufen, um Geld aufzutreiben – was eine traurige Sache ist. Dann ins Amt. Schrieb an Lord Brouncker, und bat ihn darin um Aufschluß in der Frage, ob die Sperrkette wirklich gerissen sei. Denn mir sind leise Zweifel gekommen, vor allem nach meiner Unterhaltung mit Sir W. Penn. Ich denke, es ist gut, wenn ich ihm den Brief vorlege, ich habe ihn daher in meinem Briefbuch abgelegt. Zum Abendessen nach Hause und recht früh, gegen 10 Uhr, zu Bett und schlief sehr gut. Heute erfuhr ich aus einem Brief, daß meine Schwester sehr krank sei.

*„The second and third Advice to a Painter“, anonym. Parodie auf Edmund Wallers „Instruction to a Painter“, einer Verherrlichung der Schlacht von Lowestoft in Versen.

**Briefe an Sir Henry Norris, den damaligen Botschafter in Frankreich, erschienen in: „Cabala sive Scrinia Sacra“.

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