“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

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Ich saß wie auf heißen Kohlen, gemartert von Tausend Hoffnungen, Befürchtungen.


/ Juli 29th, 2010 | Pepys

29. Juli 1666

Sonntag. Aufgestanden und den ganzen Vormittag in meinem Zimmer die Abrechnungen meines Vaters und meines Bruders durchgesehen und mit meinen Büchern abgeglichen. Mittags traf ein (an mich adressierter) Brief von der Flotte für Sir W. Batten ein, den ich zu ihm nach Hause schickte, da er noch in der Kirche war. Ich saß wie auf heißen Kohlen, gemartert von Tausend Hoffnungen, Befürchtungen. Zuletzt war der Gottesdienst endlich vorbei, und als er nach Hause kam, wurden bereits überall die Glocken geläutet. Ich ging sogleich zu Sir W. Batten, doch stand in dem Brief nichts vom Ausgang der Schlacht. Dennoch kursierten überall in der Stadt Siegesmeldungen. Wenig später erfuhr ich aus einem Brief von Sir W. Coventry von unserem Sieg. Die Holländer wurden bis in die Scheldemündung bei Vlissingen zurückgedrängt. Wir hatten zwei ihrer großen Schiffe erobert, doch wurden sie auf Befehl der Generäle in Brand gesetzt. Für das Aufeinandertreffen zweier großer Flotten schien mir das ein sehr mageres Resultat, und ich hätte nach vier Tagen ohne Nachrichten gern noch mehr erfahren, mußte mich aber mit dem wenigen zufrieden geben. Dann nach Hause und mit Mr. Spong und Mr. Reeves zu Mittag gegessen, die ich eingeladen hatte, um mir von ihnen die Funktionsweise eines Mikroskops erklären zu lassen. Gingen anschließend ins Amt, um in einem abgedunkelten Raum verschiedene Linsen auszuprobieren, mit denen man die unglaublichsten Dinge sehen kann. Den ganzen Nachmittag betrachtete ich verschiedene Objekte durch die Gläser, darunter auch einen meiner Kupferstiche, dessen feinste Linien so deutlich sichtbar wurden, wie man es nicht für möglich gehalten hätte.

Danach sehr zufrieden wieder nach Hause. Sprachen bis zum Abend noch über viele interessante Dinge. Nachdem sie fort waren, ging ich zu Sir W. Batten, bei dem der Leutnant des Tower und Sir J. Mennes waren. Allerdings erfuhr ich auch dort wenig neues, außer daß unser blaues Geschwader die meiste Zeit gejagt und so in ein eigenes Gefecht verwickelt wurde. Der junge Seymour ist gefallen – das einzige Opfer unter den Kapitänen. Die Resolution ist verbrannt, doch soll ein Großteil der Besatzung und der Kommandant gerettet worden sein. Das ist alles. Immerhin befindet sich die Flotte noch auf See, was auf einen Sieg hindeutet, oder zumindest nicht auf eine Niederlage. All das ist aber noch kein Grund zum Jubeln, weiß Gott. Dann zu Abend gegessen und zu Bett.




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