Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt. Gegen Mittag zur Börse, wo ich Mr. Coventry traf und die Gelegenheit ergriff, ihm von der Sache mit dem Baumbestand des Lordkanzlers zu berichten. Er sagte, daß er bis vor kurzem gar nicht gewußt habe, daß der Lordkanzler etwas mit der Sache zu tun habe, bis Sir G. Carteret bei Tisch davon gesprochen habe, aber da sei es bereits zu spät gewesen. Inzwischen habe er vom Herzog gehört, daß Sir G. Carteret gesagt haben soll, er an der Stelle des Lordkanzlers würde lieber 2 oder 3000l in den Wind schreiben, als sich nachsagen zu lassen, dem König vorzuenthalten, was diesem rechtmäßig zusteht, wo der Park bis vor kurzem ohnehin noch Lord Albemarle gehört habe. „Denn,“ so sagte er, „er ist eine hochgestellte Person, und alle hochgestellten Personen haben Feinde, die nur darauf warten, sich so etwas zu nutze zu machen.“
Ich sagte ihm, daß es seltsam sei, daß Sir J. Mennes und Sir G. Carteret, die ja wußten, daß der Park sich im Besitz des Lordkanzlers befand, uns nicht umgehend davon in Kenntnis gesetzt hatten, worauf er antwortete: was Sir J. Mennes betrifft, so wird er als ein unterhaltsamer Gesellschafter allseits geschätzt, aber niemand von der City bis nach Whitehall erwartet von ihm, daß er sich durch besonderen Diensteifer hervortut. Und er glaubt auch nicht, daß der Lordkanzler ihm je von der Angelegenheit erzählt hat. Sir G. Carteret hingegen dürfte in der Tat von der Sache gewußt haben, denn er und Sir J. Shaw, der Händler, seien schließlich die engsten Vertrauten des Kanzlers.
Was ihn selbst betrifft, sagt Mr. Coventry, so werde er kein Blatt vor den Mund nehmen werde, denn er fühle sich in dieser Sache niemandem verpflichtet, und er wolle mit dem Herzog sprechen und erwirken, daß er und Sir G. Carteret damit beauftragt werden, mit dem Lordkanzler in dieser Angelegenheit zu sprechen.
Das beunruhigt mich sehr, und ich wußte nicht, was ich dazu sagen sollte. Denn ich stehe inzwischen dem Lordkanzler im Wort – halte ich es, dann bekomme ich Schwierigkeiten mit Mr. Coventry, breche ich es, bekomme ich Ärger mit dem Lordkanzler. Am besten werde die Angelegenheit zunächst einfach ruhen lassen und mich so wenig einmischen, wie ich nur kann.
Von dort zu Fuß nach Westminster. Und da ich nichts zu tun hatte, lockte mich die Versuchung und ich ging durch die Fleet Street, wo an einer der Türen ein sehr schönes Frauenzimmer stand. Ich ging dort noch ein wenig umher, aber ich weiß nicht, ob es an meinem Ehrgefühl oder meinem Gewissen lag, auf jeden Fall ging ich nicht hinein. Gegen meinen eigenen Willen nahm ich dort aber eine Kutsche und fuhr zur Westminster Hall, wo ich Mrs. Lane aufsuchte und mit ihr verabredete, ans andere Ufer zu fahren. Wir trafen uns daher beim Anleger in der Cannon Row und fuhren zu unserem alten Wirtshaus in der Lambeth-Marsch. Dort aßen und tranken wir etwas, und ich vergnügte mich zweimal mit ihr. Sie ist wirklich sonderbar, manchmal spricht sie sehr liebevoll von ihrem Mann, dann wieder sagt sie, sie liebe ihn überhaupt nicht – und doch ist sie so willig und läßt mich mit ihr tun, was ich tun will. Ich gab 5 oder 6s aus und konnte mit ihr tun, was ich tun wollte. Nachdem wir über eine Stunde dort geblieben waren, fuhren wir wieder zurück und ich setzte sie an der selben Stelle wieder ab, fuhr selbst weiter zur Fleet Street und ging noch einmal in die Fleet Alley – es kam einfach über mich. Ich betrat das Haus und stellte wieder einmal fest, wie unverschämt sie einem dort das Geld aus der Tasche ziehen. Man wird dort sofort gezwungen, etwas auszugeben. Die Frau ist wirklich ausgesprochen schön, aber ich hatte keinen Mut, mich mit ihr einzulassen, denn ich hatte Angst, daß sie nicht ganz gesund sein könnte. Also tat ich, als hätte ich nicht genug Geld bei mir. Es war recht amüsant zu beobachten, wie gerissen das Frauenzimmer vorging. Kaum daß sie wußte, daß ich kein Geld hatte, schiene sie jedes Interessen an mir zu verlieren. Dann sagte sie mir, ich würde nicht wiederkommen, und dann wieder, sie sei sicher, daß ich wiederkomme. Ich hoffe allerdings bei Gott, daß ich es nicht tun werde, denn obwohl sie eine der schönsten Frauen ist, die ich je gesehen habe, so fürchte ich doch, daß sie mich nur übers Ohr hauen würde.
Dann, in der Hoffnung, daß Gott mir diesen lasterhaften Müßiggang vergeben möge, nach Hause. Unterwegs holte ich Bücher vom Buchhändler ab und ließ sie mir von seinem Burschen nach Hause tragen. Ich zahlte ihm 10l für Bücher, die ich schon vor längerem beiseite gelegt hatte, und hoffe, vorerst keine Bücher mehr zu kaufen.
Dann ins Amt und Briefe geschrieben. Anschließend nach Hause und zu Bett. Ich war erschöpft von den Vergnügungen des heutigen Tages, doch der Gedanken daran beschämte mich.
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