“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Sehr betrüblich ist, daß mit dem Friedensschluß nichts besser geworden ist


/ Juli 13th, 2010 | Pepys

13. Juli 1667

Ziemlich früh aufgestanden. In der Nacht war es so heiß, daß ich mich auf den Boden auf eine Matte gelegt und nur mit einem Tuch zugedeckt hatte (was ich wohl seit meiner Kindheit nicht mehr getan habe, jedenfalls nicht seit der Zeit, als ich den Stein hatte.) Ging in mein Zimmer. Meine Frau stand ebenfalls auf, um irgend etwas zu tun, und wir gerieten wieder in Streit. Ich ging aber ins Amt, wo wir Sitzung hatten. Wir sprachen darüber, wie die 5000l verwendet werden sollen, die uns die Lordkommissare des Schatzamts gnädigerweise bewilligt haben (nachdem wir in einem Brief um 50 000l gebeten hatten). Nach der Sitzung nahm mich Lord Anglesey, der heute zum zweitenmal bei uns war, zur Seite und fragte mich, wo ich wohne, denn er würde sich bei Gelegenheit gern mit mir unterhalten. Das hörte ich sehr gern, und ich sagte, daß er jederzeit willkommen sei. Nach der Sitzung nach Hause zum Mittagessen, wo Mr. Pearse mit uns aß. Er erzählte uns, daß Lord Buckhurst Nell Gwyn zu seiner Geliebten gemacht habe, so daß sie das Königliche Theater verlassen werde, was mich sehr ärgerte. Sie bekomme von ihm 100l im Jahr, und habe dem Theater gestattet, all ihre Rollen neu zu besetzen. Und gestern hatte mir Sir Th. Crew erzählt, daß John Lacy im Sterben liege und trotzdem seine Hure bei sich habe. Er soll Syphilis haben. Mr. Pearse sagte, daß er wohl nach ihm sehen werde, wenngleich man nichts mehr für ihn tun könne. Geistlichen Beistand wolle er keinen haben, einen Bischof (einen alten Bekannten von ihm), der zu ihm gekommen sei, habe er wieder fortgeschickt. Mr. Pearse berichtet mir auch von dem Streit zwischen dem König und Lady Castlemaine, von dem ich schon gestern gehört hatte.

Nach dem Essen gingen meine Frau und ich in der Neuen Börse zu dem Laden der hübschen Mrs. Smith, wo ich meine Frau verließ. Ging zu Sir W. Coventry und konnte mit ihm sprechen. Anscheinend ist er nicht glücklich über unseren neuen Kämmerer. Er sagte, daß er über kurz oder lang mit ihm aneinandergeraten werde, da er ihm die Finanzierung der Verproviantierung und des herzoglichen Regimentes aus der Hand nehmen wolle. Auch sagte er mir, daß der neue Kämmerer keine 3d Pfundgeld erhalt, denn das sehe seine Bestallungsurkunde nicht vor. Dies sei bislang durch ein gesondertes Siegel geregelt gewesen, und in diesem Fall hätten König und Kronrat beschlossen, daß ein Gehalt von 2000l im Jahr ausreiche. Darüber soll Lord Anglesey sehr verärgert sein, aber das scheint Sir W. Coventry nicht zu scheren. Und auch sont wirkt er entschlossener denn je. Heute erhielt ich von den Lordkommissaren des Schatzamts die Order, ab sofort alle Pensionszahlungen für Tanger einzustellen, was mir nur recht ist. Und Sir W. Coventry sagte, daß jetzt überall hart durchgriffen. Von dort nach Whitehall. Sah auf der Straße Mrs. Burrows. Ich lief so, daß sie mir entgegenkommen mußte, und ich begrüßte sie und plauderte mit ihr. Verabschiedete mich dann und nahm eine Kutsche nach Hause. Holte unterwegs meine Frau von der Börse ab, wo ich noch einmal die hübsche Mrs. Smith sah, wahrlich eine sehr schöne Erscheinung. Beschlossen zu Hause, morgen einen Ausflug nach Epsom zu unternehmen. Luden Mrs. Turner ein, uns zu begleiten. Nach Hause zum Abendessen (nachdem ich noch im Amt gewesen war) und zu Bett. Sehr betrüblich ist, daß mit dem Friedensschluß nichts besser geworden ist, denn die Angst ist groß, daß sich die Holländer, jetzt, wo der König ihnen in allem nachgegeben hat, nicht an die Abmachungen halten. Und ich habe noch niemanden getroffen, der, wenn er ehrlich ist, diesem Zustand nicht einen Krieg vorziehen würde. Ein Auswärtiger, den ich in der Stadt getroffen habe, brachte das sehr gut auf den Punkt. Als ihm einer sagte, daß wir jetzt Frieden hätten, sagte er: „So, Sie haben Frieden?“ „Ja,“ sagte der andere. Und darauf er: „Den können Sie meinetwegen behalten.“ Und er meinte damit, daß dieser Frieden unter schmählichen Bedingungen zustandegekommen sei und daß wir nicht in der Lage sind, die Holländer zu zwingen, sich an den Frieden zu halten, wenn ihnen der Sinn danach steht, ihn zu brechen.

Als ich gestern mit Sir Th. Crew darüber sprach, welch großer Mann der König von Frankreich sei, sagte er: „Als der Papst im Frühjahr starb, dachte alle Welt, daß es zu heftigen Streitigkeiten zwischen der französischen und der spanischen Krone kommen würde. Doch der König von Frankreich blieb ganz gelassen und antwortete auf die Frage, was er seinen Kardinälen in Rom aufgetragen habe, wenn sie wählen sollten: ‚Sollen sie wählen, wen sie wollen. Wenn der neue Papst tut, was seines Amtes ist, dann wird er in mir einen treuen Freund haben, und wenn nicht, dann werde ich mir schon etwas ausdenken. Und genau deshalb werde ich mir jetzt darüber nicht den Kopf zerbrechen.’ Als dies bekannt wurde, wurde die Wahl des neuen Papstes plötzlich in kürzester Zeit vollzogen (in einem Tag glaube ich), und damit war die Sache erledigt.“




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