Archiv: / Juli, 2010


Den ganzen Tag Schlafrock, Schlafm├╝tze und Halsbinde anbehalten


/ Juli 30th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

30. Juli 1665

Sonntag. Aufgestanden und den ganzen Tag Schlafrock, Schlafm├╝tze und Halsbinde anbehalten und mich ohne Verz├Âgerung in meinem Zimmer an meine B├╝cher f├╝r Tanger gesetzt und bis zum Abend alles in Ordnung gebracht, wor├╝ber ich von Herzen froh bin ÔÇô nicht nur ├╝ber die getane Arbeit, sondern auch, weil jetzt alles stimmt und ich damit schon gar nicht mehr gerechnet habe, nachdem ich sie so lange vernachl├Ąssigt habe. Dem Herrn im Himmel sei Dank.

Will war heute bei mir und ist wieder gesund. Dennoch war es bedr├╝ckend, immer wieder das Totengel├Ąut zu h├Âren, entweder wegen eines neuen Sterbefalls oder wegen einer Beerdigung zu h├Âren ÔÇô bestimmt f├╝nf oder sechs Mal.

Abends ersch├Âpft von der vielen Arbeit, aber auch sehr erleichtert, es endlich hinter mir zu haben, zu Bett, da ich morgen wegen der Hochzeit in Dagenham fr├╝h aufstehen mu├č. Bef├╝rchte, da├č ich mir eine Erk├Ąltung zugezogen habe, weil ich den ganzen Tag in der d├╝nnen Kleidung herumgelaufen bin.

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Ich sa├č wie auf hei├čen Kohlen, gemartert von Tausend Hoffnungen, Bef├╝rchtungen.


/ Juli 29th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

29. Juli 1666

Sonntag. Aufgestanden und den ganzen Vormittag in meinem Zimmer die Abrechnungen meines Vaters und meines Bruders durchgesehen und mit meinen B├╝chern abgeglichen. Mittags traf ein (an mich adressierter) Brief von der Flotte f├╝r Sir W. Batten ein, den ich zu ihm nach Hause schickte, da er noch in der Kirche war. Ich sa├č wie auf hei├čen Kohlen, gemartert von Tausend Hoffnungen, Bef├╝rchtungen. Zuletzt war der Gottesdienst endlich vorbei, und als er nach Hause kam, wurden bereits ├╝berall die Glocken gel├Ąutet. Ich ging sogleich zu Sir W. Batten, doch stand in dem Brief nichts vom Ausgang der Schlacht. Dennoch kursierten ├╝berall in der Stadt Siegesmeldungen. Wenig sp├Ąter erfuhr ich aus einem Brief von Sir W. Coventry von unserem Sieg. Die Holl├Ąnder wurden bis in die Scheldem├╝ndung bei Vlissingen zur├╝ckgedr├Ąngt. Wir hatten zwei ihrer gro├čen Schiffe erobert, doch wurden sie auf Befehl der Gener├Ąle in Brand gesetzt. F├╝r das Aufeinandertreffen zweier gro├čer Flotten schien mir das ein sehr mageres Resultat, und ich h├Ątte nach vier Tagen ohne Nachrichten gern noch mehr erfahren, mu├čte mich aber mit dem wenigen zufrieden geben. Dann nach Hause und mit Mr. Spong und Mr. Reeves zu Mittag gegessen, die ich eingeladen hatte, um mir von ihnen die Funktionsweise eines Mikroskops erkl├Ąren zu lassen. Gingen anschlie├čend ins Amt, um in einem abgedunkelten Raum verschiedene Linsen auszuprobieren, mit denen man die unglaublichsten Dinge sehen kann. Den ganzen Nachmittag betrachtete ich verschiedene Objekte durch die Gl├Ąser, darunter auch einen meiner Kupferstiche, dessen feinste Linien so deutlich sichtbar wurden, wie man es nicht f├╝r m├Âglich gehalten h├Ątte.

Danach sehr zufrieden wieder nach Hause. Sprachen bis zum Abend noch ├╝ber viele interessante Dinge. Nachdem sie fort waren, ging ich zu Sir W. Batten, bei dem der Leutnant des Tower und Sir J. Mennes waren. Allerdings erfuhr ich auch dort wenig neues, au├čer da├č unser blaues Geschwader die meiste Zeit gejagt und so in ein eigenes Gefecht verwickelt wurde. Der junge Seymour ist gefallen ÔÇô das einzige Opfer unter den Kapit├Ąnen. Die Resolution ist verbrannt, doch soll ein Gro├čteil der Besatzung und der Kommandant gerettet worden sein. Das ist alles. Immerhin befindet sich die Flotte noch auf See, was auf einen Sieg hindeutet, oder zumindest nicht auf eine Niederlage. All das ist aber noch kein Grund zum Jubeln, wei├č Gott. Dann zu Abend gegessen und zu Bett.

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Der ich mich nach der genossenen Erholung nun mit verst├Ąrktem Eifer widmen will


/ Juli 28th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

28. Juli 1663

Sehr gut geschlafen. Aufgestanden und ins Amt und das Tagebuch der letzten drei Tage gef├╝hrt. Machte mich dann an meine Arbeit, der ich mich nach der genossenen Erholung nun mit verst├Ąrktem Eifer widmen will.

Den ganzen Vormittag im Amt. Mittags zu Wise gegangen wegen der Gambe, die er mir baut. Dann nach Hause zum Mittagessen und wieder ins Amt, wo wir den ganzen Nachmittag Sitzung hatten. Blieb anschlie├čend noch bis sp├Ąt abends. Jane und ihr Bruder Will suchten mich auf, um mich zu bitten, den Wayneman wieder in meine Dienste zu nehmen, aber ich wollte davon nichts wissen, obwohl ich es ihr zuliebe am liebsten getan h├Ątte. Doch der Junge kommt mir nicht mehr ins Haus. Sie bat, da├č ich ihn zur See schicke, und wenn ich es k├Ânnte, w├╝rde ich es tun, aber es laufen zur Zeit keine Schiffe aus. Das arme M├Ądchen weinte die ganze Zeit, und wollte gar nicht wieder gehen und blieb wohl zwei Stunden bis 10 oder 11 Uhr. Doch ins Haus kommt der Junge mir nicht. Schlie├člich ging sie, schweigend und weinend. Von dort nach Hause, wo meine Sickergrube geleert wurde, und sie machten ihre Arbeit, entgegen meinen Bef├╝rchtungen, sehr gr├╝ndlich. Ich hielt mich eine Weile bei ihnen auf. Da ich aber wu├čte, da├č Mr. Coventry mich fr├╝h am Morgen zu sich bestellen w├╝rde, ging ich zu Bett und ├╝berlie├č es den Dienstm├Ądchen, sich um die Leute zu k├╝mmern. Dann zu Bett.

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Ich finde, da├č die neue Gitarrenmusik bestenfalls Geklimper ist


/ Juli 27th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

27. Juli 1661

Nach Westminster, wo ich in Mr. Mountagus Zimmer einen Franzosen h├Ârte (einen Freund von Monsieur dÔÇÖEsquier), der ganz ausgezeichnet Gitarre spielte, obwohl ich finde, da├č die neue Gitarrenmusik bestenfalls Geklimper ist. Weiter nach Westminster Hall. Das Parlament sollte heute auf zwei, drei Monate vertagt werden, aber aus irgendeinem Grund kommen sie seit ein oder zwei Tagen nicht dazu. In der Vorhalle sprach ich mit Mr. George Mountagu, den ich wegen eines Schiffs beriet, das Lord Hinchingbrooke und die anderen jungen Herren nach Frankreich bringen soll. Sie haben sich dazu entschieden, in einem gemieteten Schiff von Rye aus zu segeln und nicht in einem Kriegsschiff. Er berichtete au├čerdem, da├č der Lordkanzler viele Neider habe und da├č viele einflu├čreiche M├Ąnner, wie etwas der Herzog von Buckingham und der Graf von Bristol, versuchen, seine Stellung zu untergraben. Allerdings glaubt er nicht, da├č sie Erfolg haben werden, weil der K├Ânig (obwohl dieser ihm nicht so freundlich begegnet wie den jungen H├Âflingen, mit denen er seinen Vergn├╝gungen nachgeht) auf ihn und seine Dienste angewiesen ist.

Dann zur Kleiderverwaltung, wo ich meine Frau traf, denn heute war der Geburtstag von Lord Sandwich, und es waren viele Freunde gekommen, Mr. Townshend mit seiner Frau, die Gattin von Hauptmann Ferrer sowie Kapit├Ąn Isham. Wir waren sehr fr├Âhlich und a├čen eine gute Wildpastete. Auch Mr. Pargiter, der Kaufmann, war da.

Nach dem Essen erhielt Mr. Townshend Besuch von Hauptmann Cooke, und wir drei suchten ein nahegelegenes Wirtshaus auf, wo er uns einige Arien vorsang. Er ist zweifellos einer der gro├čartigsten S├Ąnger, die es gibt. Zur├╝ck zu meiner Frau, und dann mit den jungen Damen Jem und Pall mit dem Boot unter der Br├╝cke durch. Zeigte ihnen mit gro├čem Vergn├╝gen die Schiffe und dann mein Haus (k├╝rzlich war ihre Mutter bereits allein dort gewesen, um es sich anzusehen und meine Frau zu besuchen, als ich in Brampton war). Wir bewirteten sie gro├čz├╝gig und waren sehr vergn├╝gt. Dann fuhren wir durch die Br├╝cke zur├╝ck und brachten sie sicher nach Hause, woraufhin ich mit meiner Frau in der Kutsche heimkehrte. Schrieb noch einen Brief an meinen Vater nach Brampton. Der ├ärmste ist dort ganz allein, und ich habe von ihm seit meiner Abreise nichts mehr geh├Ârt, was mir Sorgen bereitet. Dann zu Bett.

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Und ich zahlte f├╝r alle und erfuhr viel Wissenswertes ├╝ber meine Arbeit dort


/ Juli 26th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

26. Juli 1660

Fr├╝h morgens nach Whitehall, wo die leitenden Beamten des Flottenamts zu einer Sitzung beim gn├Ądigen Herrn zusammenkommen sollten, doch er war verhindert, weil er an diesem Tag ins Oberhaus eingef├╝hrt werden sollte, nachdem ihm seine Ernennungsurkunde nun ausgestellt worden war, die er dem Pr├Ąsidenten kniend darreichte. Dann wurde sie vor dem Haus verlesen, und er nahm seinen Platz ein.

Ich war mit Mr. Hooper im Siegelamt, wo er mich mit Mr. Crofts vom Handsiegelamt bekanntmachte, und ich lud sie zum Essen ins Leg in der KingÔÇÖs Street ein. Dort a├čen wir, und ich zahlte f├╝r alle und erfuhr viel Wissenswertes ├╝ber meine Arbeit dort. Anschlie├čend zu Mr. Pearse, wo ich hoffte, etwas zu essen zu bekommen, doch es gab nichts. Traf dort Mr. Shipley und W. Howe, und wir tranken sehr viel und trennten uns dann. Ich ging zu Dr. Castle, einem der vier leitenden Beamten des Siegelamts, und erz├Ąhlte ihm von meiner und des gn├Ądigen Herrn Ernennung, was er sehr erfreut aufnahm. Heute h├Ârte ich, da├č Hartgill Baron wider Erwarten und wider alle rechtlichen Gepflogenheiten den Posten im Siegelamt bekommen habe, und ich frage mich, ob er bereits n├Ąchsten Monat Dienst tun will. Der gn├Ądige Herr meinte, er werde gewi├č darauf bestehen.

Abends traf ich T. Doling, der mich zum St.-James-Jahrmarkt begleitete. Dort traf ich W. Symons und seine Frau und Llewellyn und D. Scobells Frau und seine Base. Wir gingen in Woods Schenke in der Pall Mall (dieselbe, in der fr├╝her unser w├Âchentlicher Umtrunk stattfand). Dort blieben wir bis 10 Uhr abends. Dann schickte ich zum gn├Ądigen Herrn und lie├č meinen Schreiber Will kommen, und dann mit einer Fackel nach Hause und zu Bett. Kommissar Willoughby hatte heute alle seine M├Âbel abholen lassen, was ein Jammer ist, aber besser, als sie ihm f├╝r viel Geld abzukaufen.

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Denn so werde ich mein Gl├╝ck machen


/ Juli 26th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

25. Juli 1662

Den ganzen Vormittag im Amt, wo ich Mr. Hollonds Abhandlung ├╝ber die Marine las, die mir Mr. Turner geliehen hatte. Sie gef├Ąllt mir au├čerordentlich gut, denn sie benennt genau die Mi├čst├Ąnde, an denen die Flotte auch heutzutage noch krankt. Ich werde daf├╝r sorgen, da├č Abschriften gemacht und an m├Âglichste viele Leute verteilt werden.

Heute morgen kam Sir W. Batten ins Amt und w├╝nschte mit mir zu sprechen. Zun├Ąchst sagte er, da├č er in letzter Zeit zwischen uns eine Fremdheit versp├╝rt habe und gern den Grund daf├╝r w├╝├čte. Und er sagte, er habe geh├Ârt, da├č ich emp├Ârt dar├╝ber sei, da├č er au├čerhalb des Amts Vertr├Ąge mit Lieferanten abschlie├če. Ich erwiderte, ich h├Ątte dar├╝ber mit Sir W. Penn gesprochen, als Freund, nicht um ihn zu kritisieren, und ihn gebeten, ihm, Sir W. Batten, bei Gelegenheit von diesem Gespr├Ąch zu berichten. Damit war er zufrieden, doch hat sich Sir W. Penn ganz offensichtlich wieder einmal wie ein hinterh├Ąltiger Schuft benommen und die Angelegenheit genutzt, mich bei Sir W. Batten anzuschw├Ąrzen. Sir W. Batten sagte ferner, er habe geh├Ârt, da├č f├╝r Unmut gesorgt habe, da├č er seine Frau auf seiner Dienstreise nach Portsmouth mitgenommen habe, auf Kosten des Amts, aber ich sagte, da├č ich mit niemandem dar├╝ber gesprochen h├Ątte, was auch der Wahrheit entsprach. Schlie├člich w├╝nschte er, da├č der Streit zwischen unseren Frauen nicht zum Streit zwischen uns f├╝hren solle, was ich mit gro├čer Freude h├Ârte, denn es zeigt mir, da├č mein Diensteifer Fr├╝chte tr├Ągt. M├Âge Gott mich darin best├Ąrken, weiterhin diesen Weg zu gehen, denn so werde ich mein Gl├╝ck machen. A├č zu Hause und war den ganzen Nachmittag im Amt. Am Abend nach Hause und zu Bett.

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Meine Frau war in muffeliger Laune, aber ich tat, als bemerke ich es nicht


/ Juli 26th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

24. Juli 1667

Am fr├╝hen Morgen erhielt ich einen Brief des Werftvorstehers von Gravesend, worin es hie├č, da├č die holl├Ąndische Flotte gestern mittag mit allen Schiffen bis nach Hope vorgedrungen sei und da├č sie sich von diesem Moment an bis 7 Uhr abends mit unseren Schiffen ein Gefecht geliefert habe. Sie haben 12 unserer Brander zerst├Ârt, und wir haben eines ihrer Schiffe erobert und 5 ihrer Brander zerst├Ârt. Als ich aufstand und zu Sir W. Batten ging, erz├Ąhlte mir dieser, da├č wir eines ihrer Kriegsschiffe niedergebrannt h├Ątten und da├č ein weiteres ihrer Schiffe explodiert sei, ich wei├č allerdings nicht, ob es stimmt. Aber diese Holl├Ąnder haben wahrlich Mut. Der Ostwind hat ihre Fahrt noch beg├╝nstigt, so konnten wir sie nicht mit unseren Brandern behelligen. ├ťberhaupt scheinen sie ├╝ber die Winde zu gebieten, und jetzt kommt ihnen noch die Springflut zu Hilfe. Sie scheinen zu allem entschlossen.

Ging dann ins Amt und war den ganzen Vormittag sehr flei├čig, sehr zu meiner Zufriedenheit. Brachte das Register meines Vertragsbuchs auf den neusten Stand, was ich aufgrund des Krieges ├╝ber zwei Jahre lang nicht getan hatte. Denn ich habe mir vorgenommen, bis das Parlament zusammentritt alle meine B├╝cher in Ordnung zu bringen, so da├č ich mich, wenn es eine Untersuchung geben sollte, jederzeit rechtfertigen kann.

Mittags zum Essen nach Hause. Meine Frau war in muffeliger Laune, aber ich tat, als bemerke ich es nicht. Ging statt dessen nach dem Essen gleich wieder ins Amt und arbeitete mit Mr. Harper flei├čig an der Aufstellung der Kosten des gegenw├Ąrtigen Kriegs, die wir dem Parlament bereits im letzten Jahr vorgelegt hatten, die aber noch nicht auf den neusten Stand gebracht worden war. Jetzt habe ich sie aber vervollst├Ąndigt, und das beruhigt mich sehr. Da ich von der Arbeit ersch├Âpft war, nahm ich um 5 Uhr das Boot, das ich in Rotherhithe zur Gig hatte umbauen lassen, und fuhr bis nach Gravesend. Eine sehr angenehme Fahrt. Las die ganze Zeit in Boyles Buch ├╝ber die Hydrostatik, und je mehr ich darin lese und davon verstehe, desto mehr bewundere ich es. Als wir uns Gravesend n├Ąherten, h├Ârten wir deutlich den Kanonendonner, doch als wir eintrafen, hatte der Gefechtsl├Ąrm aufgeh├Ârt. Es wurde jetzt auch dunkel, deshalb ging ich an Land (wir hatten mittlerweile Flut). Ging ins Ship und prach dort mit dem Wirt. Das, was ich heute vormittag geh├Ârt hatte, da├č die Holl├Ąnder zwei Kriegsschiffer verloren h├Ątten, konnte er mir nicht best├Ątigen, er sagte, sie h├Ątten vielmehr nur mehrere Brander verloren. Und er sagte, da├č die Holl├Ąnder unsere Schiffe heute nachmittag zum R├╝ckzug gezwungen h├Ątten, da├č sie sich jetzt aber selbst bis nach Sell Haven zur├╝ckgezogen h├Ątten. Was es mit Gefechtsl├Ąrm heute abend auf sich hatte, wu├čte er nicht, aber er vermutete, da├č nicht viel geschen sei, man habe wohl nur aus gro├čer Distanz aufeinander gefeuert. Was die Stadt betrifft und das Ufer weiter flu├čabw├Ąrts, so scheint man sich vor dem Feind sehr sicher zu f├╝hlen. Die Befestigungen seien sehr gut und die Kanonen zahlreich. Er sagte allerdings auch, da├č sich die Leute ├╝ber Sir Edward Spragge beschweren, denn er habe rein gar nichts unternommen, und mehr noch ├╝ber Sir W. Jenings, der auf seinem Schiff nicht einmal die Propfen von den Kanonen entfernt habe. Nachdem ich mich mit ihm unterhalten und etwas getrunken und ein wenig kaltes Wildbret gegessen hatte, ging ich fort, nahm das Boot und fuhr sehr gem├Ąchlich wieder zur├╝ck, denn der Mond schien und es war ein sch├Âner, angenehm k├╝hler Abend. Gelangte eine halbe Stunde nach Mitternacht an, dann zu Bett.

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Es war recht am├╝sant zu beobachten, wie gerissen das Frauenzimmer vorging


/ Juli 23rd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

23. Juli 1664

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt. Gegen Mittag zur B├Ârse, wo ich Mr. Coventry traf und die Gelegenheit ergriff, ihm von der Sache mit dem Baumbestand des Lordkanzlers zu berichten. Er sagte, da├č er bis vor kurzem gar nicht gewu├čt habe, da├č der Lordkanzler etwas mit der Sache zu tun habe, bis Sir G. Carteret bei Tisch davon gesprochen habe, aber da sei es bereits zu sp├Ąt gewesen. Inzwischen habe er vom Herzog geh├Ârt, da├č Sir G. Carteret gesagt haben soll, er an der Stelle des Lordkanzlers w├╝rde lieber 2 oder 3000l in den Wind schreiben, als sich nachsagen zu lassen, dem K├Ânig vorzuenthalten, was diesem rechtm├Ą├čig zusteht, wo der Park bis vor kurzem ohnehin noch Lord Albemarle geh├Ârt habe. ÔÇ×Denn,ÔÇť so sagte er, ÔÇ×er ist eine hochgestellte Person, und alle hochgestellten Personen haben Feinde, die nur darauf warten, sich so etwas zu nutze zu machen.ÔÇť

Ich sagte ihm, da├č es seltsam sei, da├č Sir J. Mennes und Sir G. Carteret, die ja wu├čten, da├č der Park sich im Besitz des Lordkanzlers befand, uns nicht umgehend davon in Kenntnis gesetzt hatten, worauf er antwortete: was Sir J. Mennes betrifft, so wird er als ein unterhaltsamer Gesellschafter allseits gesch├Ątzt, aber niemand von der City bis nach Whitehall erwartet von ihm, da├č er sich durch besonderen Diensteifer hervortut. Und er glaubt auch nicht, da├č der Lordkanzler ihm je von der Angelegenheit erz├Ąhlt hat. Sir G. Carteret hingegen d├╝rfte in der Tat von der Sache gewu├čt haben, denn er und Sir J. Shaw, der H├Ąndler, seien schlie├člich die engsten Vertrauten des Kanzlers.

Was ihn selbst betrifft, sagt Mr. Coventry, so werde er kein Blatt vor den Mund nehmen werde, denn er f├╝hle sich in dieser Sache niemandem verpflichtet, und er wolle mit dem Herzog sprechen und erwirken, da├č er und Sir G. Carteret damit beauftragt werden, mit dem Lordkanzler in dieser Angelegenheit zu sprechen.

Das beunruhigt mich sehr, und ich wu├čte nicht, was ich dazu sagen sollte. Denn ich stehe inzwischen dem Lordkanzler im Wort ÔÇô halte ich es, dann bekomme ich Schwierigkeiten mit Mr. Coventry, breche ich es, bekomme ich ├ärger mit dem Lordkanzler. Am besten werde die Angelegenheit zun├Ąchst einfach ruhen lassen und mich so wenig einmischen, wie ich nur kann.

Von dort zu Fu├č nach Westminster. Und da ich nichts zu tun hatte, lockte mich die Versuchung und ich ging durch die Fleet Street, wo an einer der T├╝ren ein sehr sch├Ânes Frauenzimmer stand. Ich ging dort noch ein wenig umher, aber ich wei├č nicht, ob es an meinem Ehrgef├╝hl oder meinem Gewissen lag, auf jeden Fall ging ich nicht hinein. Gegen meinen eigenen Willen nahm ich dort aber eine Kutsche und fuhr zur Westminster Hall, wo ich Mrs. Lane aufsuchte und mit ihr verabredete, ans andere Ufer zu fahren. Wir trafen uns daher beim Anleger in der Cannon Row und fuhren zu unserem alten Wirtshaus in der Lambeth-Marsch. Dort a├čen und tranken wir etwas, und ich vergn├╝gte mich zweimal mit ihr. Sie ist wirklich sonderbar, manchmal spricht sie sehr liebevoll von ihrem Mann, dann wieder sagt sie, sie liebe ihn ├╝berhaupt nicht ÔÇô und doch ist sie so willig und l├Ą├čt mich mit ihr tun, was ich tun will. Ich gab 5 oder 6s aus und konnte mit ihr tun, was ich tun wollte. Nachdem wir ├╝ber eine Stunde dort geblieben waren, fuhren wir wieder zur├╝ck und ich setzte sie an der selben Stelle wieder ab, fuhr selbst weiter zur Fleet Street und ging noch einmal in die Fleet Alley ÔÇô es kam einfach ├╝ber mich. Ich betrat das Haus und stellte wieder einmal fest, wie unversch├Ąmt sie einem dort das Geld aus der Tasche ziehen. Man wird dort sofort gezwungen, etwas auszugeben. Die Frau ist wirklich ausgesprochen sch├Ân, aber ich hatte keinen Mut, mich mit ihr einzulassen, denn ich hatte Angst, da├č sie nicht ganz gesund sein k├Ânnte. Also tat ich, als h├Ątte ich nicht genug Geld bei mir. Es war recht am├╝sant zu beobachten, wie gerissen das Frauenzimmer vorging. Kaum da├č sie wu├čte, da├č ich kein Geld hatte, schiene sie jedes Interessen an mir zu verlieren. Dann sagte sie mir, ich w├╝rde nicht wiederkommen, und dann wieder, sie sei sicher, da├č ich wiederkomme. Ich hoffe allerdings bei Gott, da├č ich es nicht tun werde, denn obwohl sie eine der sch├Ânsten Frauen ist, die ich je gesehen habe, so f├╝rchte ich doch, da├č sie mich nur ├╝bers Ohr hauen w├╝rde.

Dann, in der Hoffnung, da├č Gott mir diesen lasterhaften M├╝├čiggang vergeben m├Âge, nach Hause. Unterwegs holte ich B├╝cher vom Buchh├Ąndler ab und lie├č sie mir von seinem Burschen nach Hause tragen. Ich zahlte ihm 10l f├╝r B├╝cher, die ich schon vor l├Ąngerem beiseite gelegt hatte, und hoffe, vorerst keine B├╝cher mehr zu kaufen.

Dann ins Amt und Briefe geschrieben. Anschlie├čend nach Hause und zu Bett. Ich war ersch├Âpft von den Vergn├╝gungen des heutigen Tages, doch der Gedanken daran besch├Ąmte mich.

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Zum Abendessen lie├č ich mir ein gutes H├╝hnchen ganz f├╝r mich allein kommen


/ Juli 22nd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

22. Juli 1665

Gleich nach dem Aufstehen zu den Goldschmieden Sir R. Vyner und Colville und f├╝r meine Kerbh├Âlzer 10 000l ausgezahlt bekommen. Danach sogleich zu Mr. Mervin. Lie├č auch die anderen H├Ąndler kommen, die noch offene Rechnungen hatten, Kapit├Ąn Hewitt &c. Lie├č nach Mr. Jackson schicken, der aber nicht in der Stadt war. Den ganzen Vormittag im Amt verbracht, sehr sp├Ąt zu Mittag gegessen und danach noch einmal zu Sir R. Vyner (der mich am Morgen zu sich gebeten hatte), und weitere 5000l von ihm bekommen, so da├č vom heutigen Tag an die ganzen oder beinahe ganzen 15 000l verzinst werden m├╝ssen. Danach mit dem Boot nach Westminster, doch war der Herzog von Albemarle zum Mittagessen bei Lord Canterbury in Schlo├č Lambeth. Begab mich dorthin und sah mir die neue Halle an, die im alten Stil wiederaufgebaut wird und f├╝r die Bischof Juxon das Geld bereitgestellt hat. Da ihm mein Besuch ungelegen kam, ging ich nach Vauxhall und spazierte durch die Neuen G├Ąrten, doch traf ich nicht einen Besucher. Die ganze Stadt scheint so leer, da├č keiner mehr hierher kommt. Nur einmal begegnete ich einer Frau, die mit dem Vorsteher des Pesthauses schimpfte, weil sie offenbar eine Verwandte, die k├╝rzlich an der Pest gestorben war, auf dem Friedhof und nicht in einer der Pestgruben beerdigen wollte.

Zur├╝ck nach Whitehall und kurz mit dem Herzog von Albemarle geredet und dann mit der Kutsche nach Hause. Auf der ganzen Fahrt von Whitehall bis nach Hause begegneten mir nur zwei Kutschen und zwei Fuhrwerke und man sieht auch kaum Menschen auf den Stra├čen.

Heute Mittag traf ich Dr. Burnet, der mir erz├Ąhlte, die Geschichte, nach der sein Diener nicht an der Pest starb, sondern von ihm selbst umgebracht wurde, sei ein ├╝bles Ger├╝cht. Er legte mir auch ein Schreiben des Pesthauses vor, in dem best├Ątigt wurde, da├č sein Diener an einer Schwellung in der linken Leiste starb und zwei Flecken auf der rechten H├╝fte hatte, was eindeutig auf die Seuche hinweist. Gleiches steht auch in einem Zeitungsartikel, den er an der B├Ârse ausgeh├Ąngt hat.

Im Amt bis sp├Ąt Briefe geschrieben und mich auf die morgige Sitzung in Hampton Court vorbereitet. Zum Abendessen lie├č ich mir ein gutes H├╝hnchen ganz f├╝r mich allein kommen und danach sehr sp├Ąt zu Bett.

├ťberall ist zu h├Âren, da├č wir jetzt auch noch Frankreich gegen uns haben, da die Franzosen sich auf die Seite der Holl├Ąnder schlagen. Und es hei├čt, Ratsherr Backwell sei mit viel Geld dorthingereist und Ostende sei in unseren Besitz ├╝bergegangen. Aber kurios, was man dem armen Backwell in seiner Abwesenheit alles unterstellt. Und Mr. Shaw, seine rechte Hand, ist krank. Die Abwesenheit des Bankiers sorgt f├╝r gro├če Verunsicherung bei den Leuten, die alle Angst um ihr Geld haben, wie auch Sir G. Carteret mir vor zwei Wochen berichtete.

Unsere Flotte unter Lord Sandwichs Kommando befindet sich (was ein streng geh├╝tetes Geheimnis ist) auf etwa 55,5┬░ n├Ârdlicher Breite in den Gew├Ąssern vor Texel.

Sehr sp├Ąt zu Bett. Auf dem Weg nach Hause ging ich bei Sir W. Turner und Mr. Shalcross vorbei (der selbst nicht da war, aber seine Rechnung bei Sir W. Turner hinterlassen hatte), damit nachher niemand sagen kann, ich h├Ątte nicht alle Rechnungen umgehend bezahlt, nachdem ich Geld bekommen hatte.

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Am Nachmittag wieder Gesch├Ąftliches erledigt


/ Juli 21st, 2010 | Haffmans Tolkemitt

21. Juli 1661

Sonntag. Den ganzen Morgen im Hause, wo ich meine Unterlagen in Ordnung brachte und auch andere Dinge erledigte, weil ich morgen heimreise. Hatten ein gutes Mittagessen. Stankes und seine Frau a├čen mit uns. Am Nachmittag wieder Gesch├Ąftliches erledigt. Am Abend kamen die Trice-Br├╝der, Mr. Greene und Mr. Phillips. Wir berieten uns und einigten uns schlie├člich darauf, da├č meine Tante 10l erh├Ąlt, daf├╝r aber das Haus verlassen mu├č. Alles ├╝brige wollen wir den Rechtsgelehrten zu entscheiden ├╝berlassen. Damit waren alle zufrieden, und so gingen wir in gutem Einvernehmen auseinander.

Abends kamen Mr. Barnwell und J. Bowles zum Essen. Nach dem Essen verabschiedeten sie sich, und ich ging, nachdem ich alles f├╝r morgen vorbereitet hatte, zu Bett.

Am Nachmittag war der alte William Luffe gekommen und hatte seine 20l bezahlt, und ich h├Ąndigte ihm daf├╝r in Gegenwart von Mr. Phillips, R. Barnwell und Mr. Pigott die ├ťbertragungsurkunde von Stirtloe aus, die mein Onkel, wie er den Anwesenden best├Ątigte, seinerzeit ausgestellt hatte.

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