“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Habe noch nie so viele Erdbeeren auf einmal gesehen


/ Juni 28th, 2010 | Pepys

26. Juni 1663

Früh aufgestanden. Mr. Moore kam zu mir und machte den Vorschlag, zum Festakt nach Oxford zu reiten. Mr. Nathaniel Crew ist dort Proktor und Mr. Child wird dieses Jahr zum Doktor der Musik ernannt. Ich hätte wohl Lust und will versuchen, es einzurichten.

Ging darauf mit ihm bei strömendem Regen zum Temple. Da Vetter Roger jedoch außer Haus war, spazierten wir eine Zeitlang unter den Bäumen umher und überlegten, ob ich den gnädigen Herrn dazu bewegen könne, für mein dargeliehenes Geld eine Jahresrente von 100l zu zahlen, auf meinen Namen und den Namen meiner Frau. Doch nach reiflicher Überlegung sagte mir Mr. Moore, vermutlich werde gnädige Herr denken, ich wolle ihn bedrängen, und es mir übelnehmen. Beschlossen daher, es anderswo zu versuchen.

Da es immer noch stark regnete, gingen wir ins Oberhofgericht, wo ich noch nie zuvor war. Blieben fast eine Stunde, bis der Regen sich gelegt hatte (ein trauriger Sommer, und es heißt, in den letzten drei Monaten habe es nicht einen schönen Tag gegeben, was stimmen mag). Dann mit dem Boot nach Westminster. Sprach an der Parlamentstür mit Roger Pepys. Das Unterhaus hat Antwort auf seine Temple betreffende Anfrage beim König erhalten. Demnach war es Lord Bristol, der dem König Temples Worte hinterbracht hat. Das Unterhaus will nun einige Abgeordnete zu ihm schicken, um die Wahrheit herauszufinden und ihn nötigenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.

Von dort mit dem Boot nach Hause. Zog mich um und fuhr mit Sir W. Batten, Sir J. Mennes und Lady Batten mit der Kutsche nach Bethnal Green zum Mittagessen bei Sir W. Rider. Beeindruckendes Haus, liebenswürdige Gattin, die Tochter, Mrs. Myddelton, sehr vornehm. Köstliches Mahl. Unternahm nach Tisch ein Spaziergang mit den Damen im Garten, waren sehr vergnügt. Habe noch nie so viele Erdbeeren auf einmal gesehen. Nahmen dann einen Imbiß ein, und Sir J. Mennes las sehr hübsch einige seiner Scheltgedichte vor.

Das Haus soll einst dem blinden Bettler von Bethnal Green gehört haben, dessen Leben noch heute in Liedern besungen wird, aber man sagte uns, von dem ursprünglichen Bau seien nur noch die Scheunen übrig. Tranken große Mengen Weins und anschließend noch ein Glas Bier, von dem mir fast schlecht geworden wäre.

Beim Essen sprach man über Blitze und Donner und brachte viele wahre Geschichten zum besten: So seien Masten der Länge nach zersplittert, manchmal auch nur innen, während sie außen unversehrt blieben. Sir William Rider erzählte eine Begebenheit, die er selbst erlebt hatte, nämlich wie eine Genueser Galeere auf der Reede von Livorno vom Blitz getroffen wurde, so daß nicht nur der Mast in Stücke zerbrach, sondern auch die Kette einem der Sklaven glatt vom Bein geschmolzen wurde, ohne diesen zu verletzen. Sir William ging an Bord des Schiffes und wollte sich für die Freilassung des Sklaven verwenden, dem der Himmel auf diese Weise die Freiheit geschenkt hatte, konnte aber nichts ausrichten, und so wurde der Sklave wieder in Fesseln gelegt.

Abends nach Hause. Ein wenig Spinett gespielt und dann zu Bett.




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