Aufgestanden und mit Sir W. Penn in dessen neuer leichten Kutsche (die wahrlich nicht viel hermacht, auch wenn sie eleganter ist als alle seine anderen Kutschen, aber sie hat ihn alles in allem nur 32l gekostet) nach Whitehall gefahren, dort aber nur sehr kurz geblieben. Von dort zum St.-James-Palast zu W. Coventry, den ich nicht mehr gesehen hatte, seit die Holländer in die Themse gekommen waren, ich hätte auch nicht gewußt, wie ich vor ihn treten sollte, angesichts des Elends, in dem wir uns befinden und der Schande, die ihm dies bereiten muß oder mir oder uns beiden. Ich hörte von ihm, daß er und die Lordkommissare des Schatzamts fast kein Geld mehr hätten, und er beklagte sich über Sir G. Carteret, der so lange Zeit nicht deutlich erklärt habe, daß er privat Kredite für die Flotte aufnehme (um die Nation in den Ruin zu treiben, so W. Coventry wörtlich). Und er will, daß Sir G. Carteret damit sofort aufhört und wegen aller Zahlungen zu ihnen kommen soll. Auch soll er über jeden Penny, über den er noch verfügt, Rechenschaft ablegen und deutlich erklären, daß er keine weiteren Gelder auftreiben könne. Ich muß allerdings gestehen, daß mir dies sehr ungerecht erscheinen will, da W. Coventry uns selbst bei einer anderen Gelegenheit gesagt hat, daß er von den Bankiers keinen roten Heller mehr bekommt, und nichts anderes hat G. Carteret schließlich getan, als sich von ihnen Geld zu besorgen. W. Coventry erzählte uns, daß die Schiffsführer und Eigner zweier Schiffe, über die ich mich beschwert hatte, weil sie ihre Schiffe nicht zügig seetüchtig gemacht hatten, gestern vor dem Kronrat erscheinen mußten. Sie haben sich dort aber so überzeugend verteidigt, daß der König ihnen erklärt hat, daß sie nicht gezwungen werden können, ihre Schiffe auszurüsten, angesichts der Tatsache, daß wir ihre Rechnungen vom letzten Jahr noch nicht bezahlt haben. Und daß sie erst tätig werden müssen, wenn sie Geld erhielten oder aber die entsprechende Ausrüstung von den Königlichen Werften. W. Coventry sagte, es laufe auf letzteres hinaus, weil Geld unter keinen Umständen aufzutreiben sei, obwohl es sich nur um 200l pro Schiff handelt. Das zeigt nur einmal mehr, wie schlimm unsere Lage ist, und ich sehe nicht, wie es jemals wieder besser werden soll. Wir unterhielten uns eine Weile, über fehlende Seeleute, über Männer, die ihren Monatslohn im voraus verlangen, und daß wir den Männern 3s pro Tag zahlen, damit sie für uns in Chatham arbeiten, und dergleichen mehr, bis wir ganz mutlos waren, denn überall sieht man nur den Verfall. Und wie die Dinge stehen, würden die Seeleute, wenn sich ihnen dazu nur die Gelegenheit böte, bereitwillig nach Frankreich oder Holland gehen und lieber den dortigen Königen dienen als dem unseren. Dann nach oben zum Herzog von York in dessen Zimmer. Er schien recht unbekümmert zu sein, war zuweilen sogar vergnügt. Aber man merkt ihm doch an, und allen übrigen Anwesenden, daß sie besorgt sind – und das aus gutem Grund. Von dort mit Sir W. Penn in dessen Kalesche nach Whitehall. Trafen dort Lord Anglesey. Er unterhielt sich mit Sir W. Penn und berichtete ihm von den Schiffsführern, die gestern vor den Kronrat getreten waren. Er wiederholte noch einmal, daß wir nicht in der Lage seien, ihnen 200l zu zahlen (die sie bereits im letzten Jahr in Rechnung gestellt hatten), damit sie ihre Schiffe umrüsten und in den Dienst des Königs stellen. Ihn schien das zu erstaunen, und als ich ihm sagte: „Dies ist nur ein weiteres Beispiel dafür, in welch trauriger Lage wir uns befinden“, sagte er, daß dies in der Tat so sei, und seufzte. Wir verabschiedeten uns, und er ging nach oben zur Ratskammer, wo man jetzt anscheinend jeden Vormittag zusammenkommnt, und ich zur Westminster Hall, wo die Gerichte tagten. Ich sah niemanden, den ich kannte, hatte aber auch nicht den Wunsch, jemanden zu treffen, ging daher nur einmal durch die Halle und fuhr dann mit der Kutsche nach Hause, denn ich wollte niemanden sehen, sondern wollte lieber Vorsorge treffen für die schlechten Zeiten, die uns gewiß bevorstehen. Ging ins Amt und erledigte dort zusammen mit W. Penn verschiedene Angelegenheiten. Dann nach Hause zum Mittagessen, wo meine Frau mir zu meiner großen Freude vorführte, was sie auf dem Flageolett gelernt hatte. Dann wieder ins Amt und dort den ganzen Nachmittag sehr beschäftigt. Festhalten will ich auch, daß der König und der Kronrat bei Gelegenheit der Order vom 23ten des Monats, in der es um die Indienstnahme von drei Handelschiffen geht, das Vordringen der Holländer als „Überfall“ bezeichnet haben. Gestern wurde mir erzählt, daß unser Sekretär der Akademie der Wissenschaften, Mr. Oldenburg, in den Tower gesteckt worden sei, weil er einem Gelehrten in Frankreich, mit dem er seit langem korrespondiert, Nachrichten von den hiesigen Ereignissen mitgeteilt habe. Das zeigt, wie gefährlich es in Zeiten wie diesen ist, sich schriftlich zu äußeren – oder überhaupt irgend etwas zu tun. Verschiedene Schiffskapitäne sind gestern und heute ins Amt gekommen und haben sich darüber beschwert, daß ihre Männer nach Belieben kommen und gehen und keine Befehle ausführen, wenngleich man ihnen allabendlich den Lohn zahle. Und damit nicht genug: heute nachmittag kam Henry Russell, unser Fährmann, aus Gravesend und erzählte uns, daß das Geld für die Seemannskasse, das sie gestern in einer Barke nach Chatham bringen sollten, fast geraubt worden wäre, denn sie seien unterwegs von Seeleuten überfallen und verprügelt worden. Und wie sich hinterher herausstellte, handelte sich bei den Seeleuten ausgerechnet um die Männer von Sir F. Holles, deren Disziplin und Gehorsam er immer wieder gelobt hatte.
Den ganzen Nachmittag im Amt sehr beschäftigt. Gegen Abend mit Mr. Kinaston nach Whitehall wegen der Anweisung für Tanger, allerdings vergebens. Traf dort aber Sir H. Cholmley, der mir die wichtige Nachricht mitteilte, daß der König heute vor dem Kronrat erklärt habe, daß er das Parlament in 30 Tagen einberufen werde. Das ist die beste Neuigkeit, die ich seit langem gehört habe, denn wenn irgend etwas das Königreich noch retten kann, dann das Parlament. Ich weiß nicht, was den König dazu bewogen hat, aber Sir H. Cholmley erzählte mir, daß die Entscheidung gegen die Stimme des Herzogs von York gefällt worden sei, der dem König nach wie rät, selbst Gelder zu erheben. Und auch gegen die Stimme des Kanzlers, der dem König gesagt habe, daß Königin Elisabeth mit der spanischen Armada auch ohne ein Parlament fertig geworden sei, und er sehe nicht ein, warum dies heute anders sein sollte. Aber Gott sei gelobet, die Sache ist entschieden, und ich bete zu Gott, daß er der König zu seinem Wort steht, selbst wenn es dem einen oder anderen von uns dabei an den Kragen geht – denn sie werden erst reinen Tisch machen wollen, bevor sie irgend etwas unternehmen. Dann zurück nach Hause. Schickte meine Frau zusammen mit Mrs. Hewer und Will nach Woolwich, damit sie sich die versenkten Schiffen ansehen könnten. Ich blieb unterdessen im Amt. Am Abend bekam ich Besuch von Mr. Roberts, dem Kaufmann, der darum bat, eines seiner Schiffe zurückzubekommen, das uns seit langem als Fregatte gedient hat. Ich versprach ihm, mich darum zu kümmern. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.
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