“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Das arme Mädchen, ich mache mir große Sorgen um sie.


/ Juni 16th, 2010 | Pepys

16. Juni 1667

Den ganzen Vormittag im Amt verbracht. Keine neuen Nachrichten seit gestern abend. Tyler, der Proviantmeister, kam zu mir und erzählte, daß er die ganze Zeit in Chatham gewesen sei und daß es zu schlimmen Pflichtverletzungen gekommen sei, von denen wir schon bald erfahren werden. Er sagt, daß der Mangel an Booten uns zum Verhängnis geworden sei, und er sagt, alle behaupten (auch auch Sir J. Mennes habe das gesagt), daß die Boote von den Männern auf der Werft dazu benutzt worden seien, um ihre Habe fortzuschaffen. Und anscheinend soll Kommissar Pett der erste gewesen sei, der den Rückzug angetreten habe. Es gibt viele Beschwerden über ihn, und man beschuldigt Brouncker, voreilig die Männer auf den Linienschiffen ausbezahlt und entlassen zu haben. Mittags aß Mr. Hayter mit mir, und er sagte, daß das Parlament sich kaum mit der Begründung zufrieden geben wird, daß wir aus Geldmangel keine Flotte seetüchtig gemacht hätten, denn so etwas habe es auch in Zeiten größter Not nicht gegeben. Gewiß hätte es uns große Mühen gekostet, Tatsache sei aber, daß der König und die Regierung alle dahingehenden Vorschläge einfach übergangen hätten – und da ist allerdings etwas dran. Wie am Vormittag, so auch am Nachmittag die ganze Zeit sehr beschäftigt. Ärgerte mich darüber, wie langsam alles vonstatten geht, weil überall das Geld fehlt. Abends kam Mr. Gibson zurück (den ich noch gar nicht erwartet hatte). Meine Frau war wohlauf, als er sie verlassen hatte, und alles, was sie mit sich geführt hat, ist gut angekommen. Ihm selbst war allerdings ein Mißgeschick widerfahren (und ich hatte so etwas befürchtet, kann ihm aber keinen Vorwurf machen, sondern muß beim nächsten Mal umsichtiger sein), so ist eine seiner Taschen seiner Reithosen geplatzt. Einige Silbermünzen sind darauf herausgefallen, aber nicht sehr viele (er glaubt nur zwei, denn er ist abgestiegen und habe sie aufgesammelt und sei dann noch ein Stück zurückgegangen, habe aber keine weiteren mehr finden können). Wie viele es genau sind, weiß ich allerdings nicht, was mich etwas beunruhigt. Aber die Freude darüber, daß der größte Teil dessen, was ich ihnen mitgegeben habe, in Sicherheit ist, entschädigt mich dafür, so daß ich es mir nicht allzu sehr zu Herzen nehme. Heute nachmittag hat meine über alles geliebte Betty Mitchell meiner Frau die Nachricht geschickt, daß ihr Kind im Sterben liege. Das arme Mädchen, ich mache mir große Sorgen um sie. Spät abends nach Hause und ein wenig Flageolett gespielt. Das Spielen bereitete mir Freude, wenn meine Seele auch betrübt war. Aber mich tröstete der Gedanke, daß ich mit Gottes Hilfe jederzeit aufs Land ziehen kann, wo ich vielleicht keinen Ruhm erlange, aber ein einfaches und zufriedenes Leben führen würde. Dann zum Abendessen und zu Bett.




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