“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Fielen mir die Hummer ein und ich rief laut: „Potztausend!“


/ Juni 13th, 2010 | Pepys

13. Juni 1666

Aufgestanden und mit der Kutsche zum St.-James-Palast zu unserer üblichen Sitzung beim Herzog. Bevor der Herzog aus dem Bett kam, ging ich mit Sir H. Cholmley in einem Vorzimmer auf und ab, und er erzählte mir, zwischen dem Herzog von York und dem Herzog von Albemarle rumore es sehr, weil letzterer einige Kommandanten abgesetzt habe, die der Herzog von York ernannt hat, darunter Kapitän du Teil, einen Franzose, auf den der Herzog große Stücke hält. Unterstützt werde er dabei von Monsieur Blanquefort, der offenbar einen ähnlich großen Einfluß auf den Herzog von York hat wie Sir W. Coventry, was ebenfalls für böses Blut sorgt. Tatsächlich habe ich Sir W. Coventry in letzter Zeit häufiger abfällige Bemerkungen über den Herzog von Albemarle und seine Kommandanten machen hören, besonders im Fall des älteren Teddeman, der bei dem Gefecht nicht zum Einsatz kommen sollte und dann auch kein Kommando erhielt. Allerdings habe ich Sir W. Coventry nachher sagen hören, der Herzog von Albemarle habe einen Mann an seine Stelle gesetzt, der ebenso unfähig sei und ebensowenig geleistet habe.

Nachdem wir beim Herzog von York fertig waren, ging ich mit den anderen nach Whitehall zum Tanger-Ausschuß, der wieder nicht zusammentrat, was mich ungemein ärgerte. Außerdem befürchte ich, daß der Ausschuß, wenn er denn endlich zusammenkommt, dem armen Yeabsley einen Strich durch die Rechnung machen wird und damit auch mir. Lord Peterborough setzt offenbar alles daran, die Sitzung zu verhindern – ob aus Boshaftigkeit gegen mich, obwohl er nichts von meinem persönlichen Interesse weiß, oder gegen Lord Ashley, kann ich nicht sagen, aber er scheint sich einen Spaß daraus zu machen, uns ins Leere laufen zu lassen, aber ich werde es ihm heimzahlen.

Ich blieb bis kurz vor Mittag, ging dann mit Balty (mit dem ich verabredet war) zum Schatzamt nach Westminster, um zwei Kerbhölzer über je 2000l in mehrere kleinere einzutauschen, worum ich mich nun schon eine ganze Weile bemühe. Es scheint aber ganz aussichtslos zu sein, obwohl ich nicht verstehe, warum, die Schreiber würde es nur wenig Mühe kosten, und für mich selbst springt ohnehin nichts dabei heraus.

Anschließend mit Balty in der Kutsche zu Hayls (heute war der siebte Tag meiner neuen Gelübde, und wenn ich sie sechs Tage lang fest befolge, darf ich mir am siebten Tag die eine oder andere Freiheit gestatten).

Bin sehr zufrieden mit dem Bild meines Vaters, an dem Hayls jetzt arbeitet. Es ist ganz nach meinem Wunsch und ich bin froh, daß mein Vater auf so gebührende Weise porträtiert wird, nicht nur, weil er mein Vater ist, der mich liebt, sondern auch, weil er ein so treusorgender und herzensguter Mensch ist, wie es nur je einen gab auf Erden.

Von dort sehr zufrieden nach Hause. Kaufte unterwegs in den Markthallen einige Hummer.

Zu Hause hatten meine Frau und mein Vater bereits zu Mittag gegessen und wollten gerade zu Hayls, so daß ich mich allein mit Balty zu Tisch setzte. Mitten im Gebet (als ich um den Segen für Gottes gute Geschöpfe bat) fielen mir die Hummer ein und ich rief laut: „Potztausend!“. Balty sah mich erschrocken an und glaubte zuerst, ich sei ungehalten, weil ich statt des Tischgebets das Dankgebet gesprochen hatte, doch dann rief ich: „Wo sind die Hummer?“. Sofort sprang er auf und rannte der Kutsche hinterher, konnte sie jedoch nicht mehr einholen und kam mit leeren Händen zurück. Bei Tisch lachten wir sehr über mein sonderbares Gebet. Nach dem Essen zum Schatzamt zu Lord Belasyse, wo sich die Mitglieder des Tanger-Ausschusses trafen. Gemeinsam besprachen wir die gespannte finanzielle Lage und kamen zu einer guten Übereinkunft, nämlich einer Aufstellung sämtlicher noch ausstehender Gelder für den Tanger-Ausschuß, den Haushalt und die Wachen vorzunehmen und so einen Überblick über das Ausmaß unserer Außenstände zu bekommen, um uns dann an den Lordschatzmeister zu wenden.

Von dort nach Hause und Balty verabschiedet. Dann zu Sir Chr. Myngs Beerdigung. Die anderen waren bereits gegangen. Ging daher allein zur Kirche (St. Mary in Whitechapel, eine recht große Kirche mit einer prachtvollen Kapelle) und blieb, bis der Sarg in die Erde gelassen wurde. Vor der Kirche traf ich Sir W. Coventry, der gekommen war (was sehr großmütig war, denn sonst waren keine Standespersonen erschienen), und stieg zu ihm in die Kutsche. In dem Moment geschah etwas ganz und gar Außergewöhnliches, und wenn ich nicht selbst dabeigewesen wäre, würde ich es kaum glauben.

Etwa ein Dutzend wackerer Kerle kamen mit Tränen in den Augen an den Kutschenverschlag, und einer von ihnen sagte zu Sir W. Coventry: „Wir haben Sir Christopher Myngs lange gekannt, ihn geliebt und ihm treu gedient, und jetzt haben wir ihm die letzte Ehre erwiesen und ihn zu Grabe getragen. Wie gern würden wir mehr für ihn tun und seinen Tod rächen – alles gäben wir darum und sei es unser Leben. Wir bitten Euch, sich bei Seiner Königlichen Hoheit dafür einzusetzen, uns auf einem Brander Dienst tun zu lassen und einem von uns das Kommando zu übergeben. Wir anderen wollen ihm gehorchen und alles tun, in Gedenken an unseren Kommandanten und um ihn zu rächen.“ Sir W. Coventry war darüber sehr gerührt und schrieb ihre Namen auf, und auch ich konnte die Tränen kaum zurückhalten, und er sagte, er werde Seiner Königlichen Hoheit dieses außerordentliche Anliegen vortragen (was er auch tat).

Tatsächlich war Sir Ch. Myngs ein ebenso tapferer wie verständiger Mann, der großen Ansehen auch bei den einfachen Leuten genoß, ein Mann, wie wir ihn heute mehr denn je brauchen könnten, wie Sir W. Coventry sagte. In England hat er es zu großem Ansehen gebracht, aber mehr noch in Westindien, dabei stammt er aus ganz einfachen Verhältnissen. (Sein Vater ist bis heute ein einfacher Schuster und seine Mutter Tochter eines Schiffers, worauf er immer sehr stolz war.) Und jetzt ist er tot und sein Ansehen und sein Name werden in kurzer Zeit vergessen sein, ebenso wie der seiner Familie, da er nicht die Zeit hatte, ein Vermögen zusammenzubringen, und eher arm als reich gestorben ist.

Dann fuhren wir los. Ich ließ mich beim Tower-Berg absetzen und ging von dort nach Hause und ins Amt, wo ich verschiedene Dinge erledigte. Dann noch spät mit dem Boot nach Deptford, wo ich mich so lange aufhielt, wie es ging, und schließlich zurück. Da aber niemand mehr im Amt war, fuhr ich noch einmal nach Deptford und ging (es war nach zehn Uhr und schon fast dunkel) zu Bagwells Haus und tat mit ihr, was ich wollte. Sie jagte mir allerdings einen gehörigen Schrecken ein, als sie mir erzählte, ihr Hausmädchen sei an der Pest gestorben, und sie sei gestern zum ersten Mal wieder vor der Tür gewesen. Sie habe das ganze Untergeschoß neu gekalkt, nur oben sei sie noch nicht so weit. Daraufhin machte ich, daß ich fortkam. Am Anleger ließ ich mir einen Schoppen Kanariensekt bringen, trank unterwegs davon und gab dem Fährmann den Rest. Gegen Mitternacht zurück. Im Haus waren die meisten bereits schlafen gegangen. Ging ebenfalls zu Bett.

Auf der Heimfahrt rief ich einen Fischer herbei und kaufte drei Aale, die mich 3s kosteten.




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