Archiv: / Juni, 2010


M├Âge Gott mir vergeben, mit welchen Gedanken ich sie betrachtete


/ Juni 30th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

30. Juni 1662

Fr├╝h aufgestanden und ins Amt, wo das Dienstm├Ądchen von Griffith saubermachte. M├Âge Gott mir vergeben, mit welchen Gedanken ich sie betrachtete, aber ich r├╝hrte sie nicht an. Nachdem sie fort war, bohrte ich einige L├Âcher, um von meiner Kammer aus in das gro├če Sitzungszimmer sehen zu k├Ânnen, ohne nach drau├čen gehen m├╝ssen, was mir sehr gef├Ąllt.

Dann an die Arbeit. Gegen Mittag mit meiner Frau zur Kleiderverwaltung, wo ich mit dem gn├Ądigen Herrn speiste und den ganzen Nachmittag im Gespr├Ąch mit ihm verbrachte. Gegen 4 Uhr mit meiner Frau und Lady Sandwich in der Kutsche zu mir nach Hause. Besuchten unterwegs Lady Carteret, die zuf├Ąllig daheim war (sie hatte sich einen oder zwei Monate in Deptford aufgehalten). Wir unterhielten uns eine Weile, und sie erz├Ąhlte, da├č Lady Fanshawe sich mit ihr ├╝berworfen habe, nur weil sie f├╝r die Franzosen eingetreten sei. Das verwundert Lady Sandwich, denn sie waren vorher wie Schwestern gewesen. Aber keine Freundschaft in der Welt ist dauerhaft, wie man sieht.

Dann zu mir nach Hause, wo ich sie an der Hand durch alle Zimmer f├╝hrte, was mich mit gro├čem Stolz erf├╝llte. Sie sah sehr h├╝bsch aus, und der Kammerdiener trug ihre Schleppe, als es nach oben ging.

Sie blieb eine Weile bei uns, dann gingen wir durch den Garten zur Themse. Fuhren mit dem Boot flu├čabw├Ąrts und gingen zuerst an Bord der k├Âniglichen Jacht, die ihr gut gefiel. Dann zum Park von Greenwich, wo sie mit einiger Anstrengung den H├╝gel erklomm. Dann zur├╝ck und mit dem Boot durch die Br├╝cke zum Blackfriars-Anleger und von dort zu ihr nach Hause. Sie war rundum mit dem Ausflug zufrieden. Wir a├čen mit ihr zu Abend, dann nach Hause und zu Bett.

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Die Sterbeliste verzeichnet in dieser Woche 267 Tote, 90 mehr als in der Woche zuvor


/ Juni 29th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

29. Juni 1665

Aufgestanden und mit dem Boot nach Whitehall. Der Innenhof war voller Wagen und Menschen, die sich auf ihre Abreise aus der Stadt vorbereiten. Im Harp and Ball etwas getrunken und mit Mary geplaudert. Sie erz├Ąhlte mir, da├č sie jetzt im Haus meines Nachbarn Mr. Knightly wohnt, worauf ich das Gespr├Ąch sofort beendete. Die Pest breitet sich in dieser Gegend immer schlimmer aus. Die Sterbeliste verzeichnet in dieser Woche 267 Tote, 90 mehr als in der Woche zuvor ÔÇô allerdings nur vier davon in der City, was ein gro├čer Segen f├╝r uns ist. Zu Creed und mit ihm in Tanger-Angelegenheiten herumgelaufen, allerdings ohne Erfolg. Noch einmal von Mr. Coventry verabschiedet, obwohl ich ÔÇô wie viele andere auch ÔÇô nicht hoffe, da├č der Herzog l├Ąngere Zeit fortbleiben will. Auf dem Heimweg bei Somerset House haltgemacht, wo man sich ebenfalls zur Abreise r├╝stet. Die K├Âniginmutter reist heute nach Frankreich ab. Will sich in Bourbon-lÔÇÖArchambault einer Trinkkur unterziehen, um sich von ihrer Krankheit zu erholen, und wird nicht vor Jahresfrist zur├╝ckkehren.

Dann nach Hause und den ganzen Vormittag im Amt. Mit Mrs. Hunt vergn├╝gt zu Mittag gegessen, eine sehr anst├Ąndige Frau. Danach ins Amt und einige Dinge geordnet und bis zum Abend Briefe geschrieben. Gegen zehn Uhr nach Hause. Die Tage werden schon wieder sp├╝rbar k├╝rzer. Habe es fr├╝her im Sommer stets so gehalten, da├č ich noch im Hellen aus dem Amt kam, doch jetzt ist es beinahe wie im Winter. Will im kommenden Monat allerdings versuchen, ob ich es nicht doch wieder schaffe, bevor es dunkel wird. Gegessen und zu Bett.

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Gesangs├╝bungen gemacht, die ich jetzt st├Ąrker betreiben will


/ Juni 28th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

28. Juni 1661

Den ganzen Vormittag zu Hause und Gesangs├╝bungen gemacht, die ich jetzt st├Ąrker betreiben will. Gegen Mittag zur gn├Ądigen Frau, mit der ich zu Mittag a├č. Dann ins Amt, wo wir bis 7 Uhr abends Sitzung hatten. Danach mit Sir W. Penn in dessen Kutsche nach Moorfields, wo wir in den Wiesen spazierengingen und den Ringern zusahen, die aus dem Westen und aus dem Norden kamen, um sich hier zu messen.

Nach Hause. Wir hatten unser Bett in dem Raum aufgestellt, den wir das Kinderzimmer nennen, dort schliefen wir, und ich bin von dem Zimmer sehr angetan.

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Mu├čte sich einige R├╝gen gefallen lassen, was ich nicht ohne Genugtuung zur Kenntnis nahm


/ Juni 28th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

27. Juni 1666

Aufgestanden und eine Weile ins Amt. Anschlie├čend mit dem Boot flu├čabw├Ąrts und mehrere Schiffe inspiziert, die 400 Infanteristen zur Flotte bringen sollen. Dann zur├╝ck ins Amt und meine Unterlagen abgeholt und damit zum St.-James-Palast zu unserer Sitzung beim Herzog. Danach versammelten wir uns alle in Sir W. Coventrys Zimmer. (Dort wurde gerade die Kopie eines Portr├Ąts seines Vaters, des ersten Baron Coventry, aufgeh├Ąngt, die Stone f├╝r ihn angefertigt hat. Es ist ein gelungenes Bild, das ihn in seiner Richterrobe und mit dem Gro├čsiegel in der Hand zeigt. W├Ąhrend es aufgeh├Ąngt wurde, scherzte Sir W. Coventry und sagte: ÔÇ×So springen wir mit unseren V├Ątern um.ÔÇť) Dann trug Lord Brouncker das Angebot einer Hanflieferung vor, ohne den Namen des H├Ąndlers zu nennen, doch ich wei├č, da├č es sich um Hauptmann Cocke handelt. Lord Brouncker und Sir W. Coventry gerieten daraufhin aneinander, weil Lord Brouncker sich alles andere als uneigenn├╝tzig f├╝r die Lieferung aussprach (von Cocke wei├č ich, da├č Lord Brouncker bei Vergabe des Auftrags 500l erh├Ąlt, genausoviel wie ich), w├Ąhrend Sir W. Coventry dagegen war, ohne zu wissen, von wem der Auftrag kam, was sehr geschickt von den beiden war. Ich sa├č nur da und schwieg, da ich selbst nicht viel von dem Gesch├Ąft halte, auch wenn Cocke mir damit einen Gefallen tun will. Bemerkenswert an der Diskussion war nur, wie ernst Sir W. Coventry unsere augenblickliche Lage beurteilte. Sollten wir die Holl├Ąnder im anstehenden Gefecht besiegen, werden sie bereitwillig mit uns Frieden schlie├čen. Sollten wir hingegen verlieren, m├╝ssen wir zu ihren Bedingungen Frieden schlie├čen und k├Ânnen froh sein, wenn wir nicht zu teuer daf├╝r bezahlen m├╝ssen. Und alles h├Ąngt einzig davon ab, ob uns das Parlament in der n├Ąchsten Sitzung Geld bewilligt, sonst ist alles verloren.

Danach fuhr ich mit der Kutsche zur alten B├Ârse, ging aber nicht hinein, sondern zu meinem Buchh├Ąndler Mr. Cade und wartete dort das Ende des Regens ab, der nach der langen D├╝rre dringend n├Âtig war. Erfuhr dort, da├č Ogilby einen Band mit satirischen Fabeln plant. Dann nach Hause und gegessen. Anschlie├čend brachte ich meine Frau zu ihrer Schwester und fuhr selbst zu Mr. Hayls, um ihn f├╝r das Portr├Ąt meines Vaters zu bezahlen, das mich 10l und weitere 25s f├╝r den Rahmen kostet. Dann weiter zu Lovett, der nun doch eine M├Âglichkeit gefunden hat, einzelne Bl├Ątter zu lackieren, was mich sehr freut. Er f├╝hrte mich zum GrayÔÇÖs Inn und zeigte mit im Zimmer eines Lords einen Bilderrahmen aus falschem Perlmutt, den er gemacht hat und der tats├Ąchlich t├Ąuschend echt aussah. Danach gingen wir zu einem Bilderh├Ąndler, wo ich mir einen Stich zum Lackieren aussuchen wollte, doch konnte ich mich f├╝r keinen entscheiden.

Anschlie├čend meine Frau abgeholt und nach Hause gefahren. Bis sp├Ąt im Amt, dann mit meiner Frau zu Abend gegessen und zu Bett.

Am Nachmittag besuchte ich Lord Belasyse, der sehr zufrieden mit mir zu sein scheint. Creed hingegen mu├čte sich einige R├╝gen gefallen lassen, was ich nicht ohne Genugtuung zur Kenntnis nahm. Lord Belasyse reist morgen auf k├Âniglichen Befehl zu seiner Garnison nach Hull, um alles in Alarmbereitschaft zu versetzen, wie dies jetzt ├╝berall entlang der K├╝ste geschieht, da man mit einem Einfall der Franzosen rechnet.

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Habe noch nie so viele Erdbeeren auf einmal gesehen


/ Juni 28th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

26. Juni 1663

Fr├╝h aufgestanden. Mr. Moore kam zu mir und machte den Vorschlag, zum Festakt nach Oxford zu reiten. Mr. Nathaniel Crew ist dort Proktor und Mr. Child wird dieses Jahr zum Doktor der Musik ernannt. Ich h├Ątte wohl Lust und will versuchen, es einzurichten.

Ging darauf mit ihm bei str├Âmendem Regen zum Temple. Da Vetter Roger jedoch au├čer Haus war, spazierten wir eine Zeitlang unter den B├Ąumen umher und ├╝berlegten, ob ich den gn├Ądigen Herrn dazu bewegen k├Ânne, f├╝r mein dargeliehenes Geld eine Jahresrente von 100l zu zahlen, auf meinen Namen und den Namen meiner Frau. Doch nach reiflicher ├ťberlegung sagte mir Mr. Moore, vermutlich werde gn├Ądige Herr denken, ich wolle ihn bedr├Ąngen, und es mir ├╝belnehmen. Beschlossen daher, es anderswo zu versuchen.

Da es immer noch stark regnete, gingen wir ins Oberhofgericht, wo ich noch nie zuvor war. Blieben fast eine Stunde, bis der Regen sich gelegt hatte (ein trauriger Sommer, und es hei├čt, in den letzten drei Monaten habe es nicht einen sch├Ânen Tag gegeben, was stimmen mag). Dann mit dem Boot nach Westminster. Sprach an der Parlamentst├╝r mit Roger Pepys. Das Unterhaus hat Antwort auf seine Temple betreffende Anfrage beim K├Ânig erhalten. Demnach war es Lord Bristol, der dem K├Ânig Temples Worte hinterbracht hat. Das Unterhaus will nun einige Abgeordnete zu ihm schicken, um die Wahrheit herauszufinden und ihn n├Âtigenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.

Von dort mit dem Boot nach Hause. Zog mich um und fuhr mit Sir W. Batten, Sir J. Mennes und Lady Batten mit der Kutsche nach Bethnal Green zum Mittagessen bei Sir W. Rider. Beeindruckendes Haus, liebensw├╝rdige Gattin, die Tochter, Mrs. Myddelton, sehr vornehm. K├Âstliches Mahl. Unternahm nach Tisch ein Spaziergang mit den Damen im Garten, waren sehr vergn├╝gt. Habe noch nie so viele Erdbeeren auf einmal gesehen. Nahmen dann einen Imbi├č ein, und Sir J. Mennes las sehr h├╝bsch einige seiner Scheltgedichte vor.

Das Haus soll einst dem blinden Bettler von Bethnal Green geh├Ârt haben, dessen Leben noch heute in Liedern besungen wird, aber man sagte uns, von dem urspr├╝nglichen Bau seien nur noch die Scheunen ├╝brig. Tranken gro├če Mengen Weins und anschlie├čend noch ein Glas Bier, von dem mir fast schlecht geworden w├Ąre.

Beim Essen sprach man ├╝ber Blitze und Donner und brachte viele wahre Geschichten zum besten: So seien Masten der L├Ąnge nach zersplittert, manchmal auch nur innen, w├Ąhrend sie au├čen unversehrt blieben. Sir William Rider erz├Ąhlte eine Begebenheit, die er selbst erlebt hatte, n├Ąmlich wie eine Genueser Galeere auf der Reede von Livorno vom Blitz getroffen wurde, so da├č nicht nur der Mast in St├╝cke zerbrach, sondern auch die Kette einem der Sklaven glatt vom Bein geschmolzen wurde, ohne diesen zu verletzen. Sir William ging an Bord des Schiffes und wollte sich f├╝r die Freilassung des Sklaven verwenden, dem der Himmel auf diese Weise die Freiheit geschenkt hatte, konnte aber nichts ausrichten, und so wurde der Sklave wieder in Fesseln gelegt.

Abends nach Hause. Ein wenig Spinett gespielt und dann zu Bett.

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Dies ist nur ein weiteres Beispiel daf├╝r, in welch trauriger Lage wir uns befinden


/ Juni 25th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

25. Juni 1667

Aufgestanden und mit Sir W. Penn in dessen neuer leichten Kutsche (die wahrlich nicht viel hermacht, auch wenn sie eleganter ist als alle seine anderen Kutschen, aber sie hat ihn alles in allem nur 32l gekostet) nach Whitehall gefahren, dort aber nur sehr kurz geblieben. Von dort zum St.-James-Palast zu W. Coventry, den ich nicht mehr gesehen hatte, seit die Holl├Ąnder in die Themse gekommen waren, ich h├Ątte auch nicht gewu├čt, wie ich vor ihn treten sollte, angesichts des Elends, in dem wir uns befinden und der Schande, die ihm dies bereiten mu├č oder mir oder uns beiden. Ich h├Ârte von ihm, da├č er und die Lordkommissare des Schatzamts fast kein Geld mehr h├Ątten, und er beklagte sich ├╝ber Sir G. Carteret, der so lange Zeit nicht deutlich erkl├Ąrt habe, da├č er privat Kredite f├╝r die Flotte aufnehme (um die Nation in den Ruin zu treiben, so W. Coventry w├Ârtlich). Und er will, da├č Sir G. Carteret damit sofort aufh├Ârt und wegen aller Zahlungen zu ihnen kommen soll. Auch soll er ├╝ber jeden Penny, ├╝ber den er noch verf├╝gt, Rechenschaft ablegen und deutlich erkl├Ąren, da├č er keine weiteren Gelder auftreiben k├Ânne. Ich mu├č allerdings gestehen, da├č mir dies sehr ungerecht erscheinen will, da W. Coventry uns selbst bei einer anderen Gelegenheit gesagt hat, da├č er von den Bankiers keinen roten Heller mehr bekommt, und nichts anderes hat G. Carteret schlie├člich getan, als sich von ihnen Geld zu besorgen. W. Coventry erz├Ąhlte uns, da├č die Schiffsf├╝hrer und Eigner zweier Schiffe, ├╝ber die ich mich beschwert hatte, weil sie ihre Schiffe nicht z├╝gig seet├╝chtig gemacht hatten, gestern vor dem Kronrat erscheinen mu├čten. Sie haben sich dort aber so ├╝berzeugend verteidigt, da├č der K├Ânig ihnen erkl├Ąrt hat, da├č sie nicht gezwungen werden k├Ânnen, ihre Schiffe auszur├╝sten, angesichts der Tatsache, da├č wir ihre Rechnungen vom letzten Jahr noch nicht bezahlt haben. Und da├č sie erst t├Ątig werden m├╝ssen, wenn sie Geld erhielten oder aber die entsprechende Ausr├╝stung von den K├Âniglichen Werften. W. Coventry sagte, es laufe auf letzteres hinaus, weil Geld unter keinen Umst├Ąnden aufzutreiben sei, obwohl es sich nur um 200l pro Schiff handelt. Das zeigt nur einmal mehr, wie schlimm unsere Lage ist, und ich sehe nicht, wie es jemals wieder besser werden soll. Wir unterhielten uns eine Weile, ├╝ber fehlende Seeleute, ├╝ber M├Ąnner, die ihren Monatslohn im voraus verlangen, und da├č wir den M├Ąnnern 3s pro Tag zahlen, damit sie f├╝r uns in Chatham arbeiten, und dergleichen mehr, bis wir ganz mutlos waren, denn ├╝berall sieht man nur den Verfall. Und wie die Dinge stehen, w├╝rden die Seeleute, wenn sich ihnen dazu nur die Gelegenheit b├Âte, bereitwillig nach Frankreich oder Holland gehen und lieber den dortigen K├Ânigen dienen als dem unseren. Dann nach oben zum Herzog von York in dessen Zimmer. Er schien recht unbek├╝mmert zu sein, war zuweilen sogar vergn├╝gt. Aber man merkt ihm doch an, und allen ├╝brigen Anwesenden, da├č sie besorgt sind ÔÇô und das aus gutem Grund. Von dort mit Sir W. Penn in dessen Kalesche nach Whitehall. Trafen dort Lord Anglesey. Er unterhielt sich mit Sir W. Penn und berichtete ihm von den Schiffsf├╝hrern, die gestern vor den Kronrat getreten waren. Er wiederholte noch einmal, da├č wir nicht in der Lage seien, ihnen 200l zu zahlen (die sie bereits im letzten Jahr in Rechnung gestellt hatten), damit sie ihre Schiffe umr├╝sten und in den Dienst des K├Ânigs stellen. Ihn schien das zu erstaunen, und als ich ihm sagte: ÔÇ×Dies ist nur ein weiteres Beispiel daf├╝r, in welch trauriger Lage wir uns befindenÔÇť, sagte er, da├č dies in der Tat so sei, und seufzte. Wir verabschiedeten uns, und er ging nach oben zur Ratskammer, wo man jetzt anscheinend jeden Vormittag zusammenkommnt, und ich zur Westminster Hall, wo die Gerichte tagten. Ich sah niemanden, den ich kannte, hatte aber auch nicht den Wunsch, jemanden zu treffen, ging daher nur einmal durch die Halle und fuhr dann mit der Kutsche nach Hause, denn ich wollte niemanden sehen, sondern wollte lieber Vorsorge treffen f├╝r die schlechten Zeiten, die uns gewi├č bevorstehen. Ging ins Amt und erledigte dort zusammen mit W. Penn verschiedene Angelegenheiten. Dann nach Hause zum Mittagessen, wo meine Frau mir zu meiner gro├čen Freude vorf├╝hrte, was sie auf dem Flageolett gelernt hatte. Dann wieder ins Amt und dort den ganzen Nachmittag sehr besch├Ąftigt. Festhalten will ich auch, da├č der K├Ânig und der Kronrat bei Gelegenheit der Order vom 23ten des Monats, in der es um die Indienstnahme von drei Handelschiffen geht, das Vordringen der Holl├Ąnder als ÔÇ×├ťberfallÔÇť bezeichnet haben. Gestern wurde mir erz├Ąhlt, da├č unser Sekret├Ąr der Akademie der Wissenschaften, Mr. Oldenburg, in den Tower gesteckt worden sei, weil er einem Gelehrten in Frankreich, mit dem er seit langem korrespondiert, Nachrichten von den hiesigen Ereignissen mitgeteilt habe. Das zeigt, wie gef├Ąhrlich es in Zeiten wie diesen ist, sich schriftlich zu ├Ąu├čeren ÔÇô oder ├╝berhaupt irgend etwas zu tun. Verschiedene Schiffskapit├Ąne sind gestern und heute ins Amt gekommen und haben sich dar├╝ber beschwert, da├č ihre M├Ąnner nach Belieben kommen und gehen und keine Befehle ausf├╝hren, wenngleich man ihnen allabendlich den Lohn zahle. Und damit nicht genug: heute nachmittag kam Henry Russell, unser F├Ąhrmann, aus Gravesend und erz├Ąhlte uns, da├č das Geld f├╝r die Seemannskasse, das sie gestern in einer Barke nach Chatham bringen sollten, fast geraubt worden w├Ąre, denn sie seien unterwegs von Seeleuten ├╝berfallen und verpr├╝gelt worden. Und wie sich hinterher herausstellte, handelte sich bei den Seeleuten ausgerechnet um die M├Ąnner von Sir F. Holles, deren Disziplin und Gehorsam er immer wieder gelobt hatte.

Den ganzen Nachmittag im Amt sehr besch├Ąftigt. Gegen Abend mit Mr. Kinaston nach Whitehall wegen der Anweisung f├╝r Tanger, allerdings vergebens. Traf dort aber Sir H. Cholmley, der mir die wichtige Nachricht mitteilte, da├č der K├Ânig heute vor dem Kronrat erkl├Ąrt habe, da├č er das Parlament in 30 Tagen einberufen werde. Das ist die beste Neuigkeit, die ich seit langem geh├Ârt habe, denn wenn irgend etwas das K├Ânigreich noch retten kann, dann das Parlament. Ich wei├č nicht, was den K├Ânig dazu bewogen hat, aber Sir H. Cholmley erz├Ąhlte mir, da├č die Entscheidung gegen die Stimme des Herzogs von York gef├Ąllt worden sei, der dem K├Ânig nach wie r├Ąt, selbst Gelder zu erheben. Und auch gegen die Stimme des Kanzlers, der dem K├Ânig gesagt habe, da├č K├Ânigin Elisabeth mit der spanischen Armada auch ohne ein Parlament fertig geworden sei, und er sehe nicht ein, warum dies heute anders sein sollte. Aber Gott sei gelobet, die Sache ist entschieden, und ich bete zu Gott, da├č er der K├Ânig zu seinem Wort steht, selbst wenn es dem einen oder anderen von uns dabei an den Kragen geht ÔÇô denn sie werden erst reinen Tisch machen wollen, bevor sie irgend etwas unternehmen. Dann zur├╝ck nach Hause. Schickte meine Frau zusammen mit Mrs. Hewer und Will nach Woolwich, damit sie sich die versenkten Schiffen ansehen k├Ânnten. Ich blieb unterdessen im Amt. Am Abend bekam ich Besuch von Mr. Roberts, dem Kaufmann, der darum bat, eines seiner Schiffe zur├╝ckzubekommen, das uns seit langem als Fregatte gedient hat. Ich versprach ihm, mich darum zu k├╝mmern. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

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Hat sie eine Uhr, in der immer eine Lampe brennt, damit sie w├Ąhrend der Nacht jederzeit sehen kann, wie sp├Ąt es ist


/ Juni 24th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

24. Juni 1664

Aufgestanden und mit Kapit├Ąn Witham zu verschiedenen H├Ąndlern gefahren auf der Suche nach Hafer f├╝r Tanger. Gingen auch zum st├Ądtischen Kornspeicher. Dort besitzt anscheinend jede Gilde einen eigenen Speicher, denn sie sind verpflichtet, eine bestimmte Menge Getreide immer dort zu lagern oder in Zeiten des Mangels eine bestimmte Menge zu einem bestimmten Preis abzugeben. Es ist ein sehr imposanter Anblick, all die Lager zu sehen, und auch die dicken Pf├Ąhle f├╝r die Br├╝cke und f├╝r die Kanalisation, die dort aufbewahrt werden ÔÇô ich hatte all dies noch nie zuvor gesehen.

Von dort ins Amt und den ganzen Vormittag sehr besch├Ąftigt. Dann zu Onkel Wight, bei dem ich zu Mittag a├č. Meine Frau hatte schon den ganzen Vormittag dort verbracht. Nach dem Essen nach Whitehall. Traf dort Mr. Pearse, den Arzt. Er zeigte mir das Schlafgemach der K├Ânigin und ihr privates Kabinett, in dem nur einige h├╝bsche religi├Âse Gem├Ąlde sowie einige Andachtsb├╝cher zu sehen sind. Nachts hat sie am Kopfende ihres Bettes Weihwasser stehen. Neben ihrem Bett hat sie eine Uhr, in der immer eine Lampe brennt, damit sie w├Ąhrend der Nacht jederzeit sehen kann, wie sp├Ąt es ist. Dann ging ich mit ihm in den Park und traf dort die K├Ânigin, die gerade in Begleitung ihrer Hofdamen die Kapelle verlie├č. Alle trugen Kleider mit silberner Spitze, was mich wunderte, denn ich h├Ątte nicht gedacht, da├č diese Mode noch einmal wiederkommen w├╝rde.

Von dort brachte er mich in das Kabinett des K├Ânigs. Dort gab es so zahlreiche und unterschiedliche Gem├Ąlde und Kostbarkeiten und Rarit├Ąten zu sehen, da├č ich ganz benommen war und den Anblick nicht genie├čen konnte. Das ist mir noch nicht vorgekommen, da├č ich angesichts so vieler sch├Âner Dingen keinerlei Vergn├╝gen empfinden konnte.

Von dort nach Hause. Hielt unterwegs h├Ąufig an, um verschiedene Dinge zu erledigen, sehr zu meiner Zufriedenheit. Kam sp├Ąt abends ersch├Âpft nach Hause, wo Mr. Creed auf mich wartete. Wir machten noch einen Spaziergang im Garten, wo er mir erz├Ąhlte, da├č er bald in See gehen werde und da├č es ihm ein Bed├╝rfnis sei, vorher die Angelegenheit in Ordnung bringen, um derentwillen es zum Streit zwischen uns gekommen war. Anscheinend erwartet er aber daf├╝r, da├č ich in seiner Abwesenheit seine Gesch├Ąfte im Auge behalte, sei es in der K├Ąmmerei, sei es im Tanger-Ausschu├č. Ich versprach ihm, da├č ich es tun werde ÔÇô vor allem, da er mich daf├╝r zu entlohnen versprach. Ich w├╝nschte allerdings, ich w├╝├čte, was er genau vorhat, dann k├Ânnte ich mich entweder ganz von ihm fernhalten oder ihm weiterhin freundlich gesonnen sein.

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Er habe die Zusage f├╝r die Stelle des Ersten Sekret├Ąrs des Flottenamts f├╝r mich erhalten


/ Juni 23rd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

23. Juni 1660

Im Boot mit Mr. Hill zur Wohnung des gn├Ądigen Herrn und dann zum gn├Ądigen Herrn. Mit ihm nach Whitehall, wo ich ihn verlie├č und zu Mr. Holmes ging, um ihm das Pferd von Dixwell zu bringen, das die letzten vierzehn Tage in der Bell gestanden hatte.

Dann zur Wohnung des gn├Ądigen Herrn, wo Tom Guy mich aufsuchte. Ich blieb in Whitehall, um zu sehen, wie der K├Ânig den Leuten, die an Skrofeln leiden, die Hand auflegt, aber er kam nicht, weil es stark regnete, und die armen Leute waren gezwungen, den ganzen Vormittag im Garten im Regen zu stehen. Anschlie├čend ber├╝hrte er sie im Banketthaus.

Mit dem gn├Ądigen Herrn zu Lord Friesendorff, dem schwedischen Botschafter, bei dem er heute zu Mittag a├č und wo er mir erz├Ąhlte, er habe die Zusage f├╝r die Stelle des Ersten Sekret├Ąrs des Flottenamts f├╝r mich erhalten, was mich freute.

Traf Mr. Chetwind und a├č mit ihm bei Hargrave, dem Kornh├Ąndler in der St. MartinÔÇÖs Lane, wo es ein gutes Essen gab. Er zeigte mir dort einige gute Bilder und eine Art Laute, eine Angelica, wie er es nannte. Mit ihm nach London. Tauschte bei Backwell mein restliches holl├Ąndisches Geld um. Dann mit ihm und dem parlamentarischen Vertreter der City ins CardinalÔÇÖs Cap. Der Parlamentarier zahlte f├╝r alle.

Zur├╝ck nach Westminster, wo der gn├Ądige Herr war, der eine Zeitlang mit mir ├╝ber famili├Ąren Angelegenheiten sprach. Dann ging er. Ich nach Hause, wo ich Briefe an meine Familie in Brampton schrieb, und dann zu Bett.

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Der meine Rede im Parlament vor allen Leuten ├╝berschwenglich lobte, was mir recht peinlich war


/ Juni 22nd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

22. Juni 1668

Aufgestanden und mit Balty zum St.-James-Palast, wo ich ihn Mr. Wren vorstellte, denn er wird, wenn alles gut geht, dieses Jahr Registrator werden. Dann suchte ich den Herzog von York auf. Ging anschlie├čend mit W. Coventry nach Whitehall. Sprachen angeregt ├╝ber die Marine und den Geldmangel, der uns noch allen zum Verh├Ąngnis wird. Trank etwas im Harp & Ball und ging dann weiter ins Kaffeehaus in Covent Garden. Traf dort aber niemanden au├čer Sir Philip Howard an, der meine Rede im Parlament vor allen Leuten ├╝berschwenglich lobte, was mir recht peinlich war. Ging nach Hause und a├č allein, denn meine Frau war bei ihrem Schneider. Danach kam Creed, um mit mir zu sprechen ÔÇô ich verabscheue den Mann. Vor ihm kam noch Mrs. Daniel wegen gesch├Ąftlicher Dinge, und yo konnte tocar su cosa mit mi mano. Als sie fort war, gingen Creed und ich ins K├Ânigliche Theater und sahen wieder ein, zwei Akte des neuen St├╝cks, doch es gefiel mir nicht. Als ich heute beim Verleger Herringman war, sagte er, Dryden selbst nenne es ein nur f├╝nftklassiges St├╝ck. Dann gingen wir zu Lord Brouncker, wo der Vorstand der Akademie der Wissenschaften tagte. Dort h├Ârten wir, wie Mr. Harry Howards anbot, ein Grundst├╝ck f├╝r uns bereitzustellen, und auch er selbst wolle ein Haus dort bauen ÔÇô sehr lobenswert. Ich war gekommen, weil ich Mr. Boyle sprechen wollte, wegen meiner Augen. Er riet mir, so gut er konnte, verwies mich aber an einen gewissen Turberville aus Salisbury, der seit kurzem in der Stadt ist und zu dem ich gehen werde. Dann nach Hause. Die Stra├čen in unserem Viertel waren wieder voller Karren, denn alle lie├čen sich noch Wein liefern, bevor in zwei Tagen das neue Zollgesetz in Kraft tritt und die Preise steigen. Ich bekam meinen Wein ebenfalls heute abend von Batelier. Dann zum Abendessen und zu Bett.

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Den ich kommen lie├č und mit dem Stock Pr├╝gel verabreichte, bis ich nicht mehr konnte


/ Juni 21st, 2010 | Haffmans Tolkemitt

21. Juni 1662

Gegen 4 Uhr aufgestanden und einige private Dinge erledigt. Dann angezogen und ins Amt, um die heutige Sitzung vorzubereiten.

Nach der Sitzung gingen Sir W. Penn und ich am Mittag zum Haus der Dreieinigkeit, wo die Vorsteher der Innung eines ihrer gro├čen Festessen gaben. Alle waren sehr vergn├╝gt. Zahlreiche G├Ąste, aber wenig M├Ąnner von Stand. Auf meine Frage, wie Sir H. Vane gestorben sei, antwortete mir der Leutnant des Tower, er sei heftig bewegt gewesen, aber habe, wie alle eingestehen, so viel Mut bewiesen wie noch kein Mann vor ihm. Wieder ins Amt, um mit Sir W. Rider, Hauptmann Cocke und Mr. Cutler ├╝ber den Vertrag ├╝ber 500 Tonnen Hanf beraten. Danach erledigte ich noch andere Arbeiten und ging nach Hause, wo ich Mr. Creed antraf, der ein, zwei Stunden mit mir und meiner Frau plauderte. Ich zog eigens f├╝r ihn meine neuen Reitkleider an, die mir, wie ich finde, sehr gut stehen. Nachdem er gegangen war, h├Ârte ich mir die Beschwerden meiner Frau und der Dienstm├Ądchen ├╝ber Wayneman, meinen Burschen, an, den ich kommen lie├č und mit dem Stock Pr├╝gel verabreichte, bis ich nicht mehr konnte. Aber ich brachte ihn nicht dazu, auch nur eine seiner L├╝gen einzugestehen. Doch wollte ich ihm den Triumph nicht g├Ânnen und zog ihm darum das Hemd vom Leib und schlug ihn wieder, bis er gestand, da├č er die Molke getrunken hatte, was er bis dahin geleugnet hatte. Auch hatte er in einem Streit seinen Dolch gezogen und, was am schlimmsten ist, den Armleuchter in seiner Kammer auf dem Boden stehen lassen, was er seit Monaten bestritten hatte. Ich mu├č gestehen, es grenzt f├╝r mich an ein Wunder, wie tapfer dieser kleine Junge die Schmerzen ertrug, nur um nicht zuzugeben, da├č er gelogen hatte. Aber ich f├╝rchte, ich werde ihn fortschicken m├╝ssen. Dann zu Bett ÔÇô mit starken Schmerzen im Arm.

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