“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

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Archiv: / Juni, 2010


Möge Gott mir vergeben, mit welchen Gedanken ich sie betrachtete


/ Juni 30th, 2010 | Pepys

30. Juni 1662

Früh aufgestanden und ins Amt, wo das Dienstmädchen von Griffith saubermachte. Möge Gott mir vergeben, mit welchen Gedanken ich sie betrachtete, aber ich rührte sie nicht an. Nachdem sie fort war, bohrte ich einige Löcher, um von meiner Kammer aus in das große Sitzungszimmer sehen zu können, ohne nach draußen gehen müssen, was mir sehr gefällt.

Dann an die Arbeit. Gegen Mittag mit meiner Frau zur Kleiderverwaltung, wo ich mit dem gnädigen Herrn speiste und den ganzen Nachmittag im Gespräch mit ihm verbrachte. Gegen 4 Uhr mit meiner Frau und Lady Sandwich in der Kutsche zu mir nach Hause. Besuchten unterwegs Lady Carteret, die zufällig daheim war (sie hatte sich einen oder zwei Monate in Deptford aufgehalten). Wir unterhielten uns eine Weile, und sie erzählte, daß Lady Fanshawe sich mit ihr überworfen habe, nur weil sie für die Franzosen eingetreten sei. Das verwundert Lady Sandwich, denn sie waren vorher wie Schwestern gewesen. Aber keine Freundschaft in der Welt ist dauerhaft, wie man sieht.

Dann zu mir nach Hause, wo ich sie an der Hand durch alle Zimmer führte, was mich mit großem Stolz erfüllte. Sie sah sehr hübsch aus, und der Kammerdiener trug ihre Schleppe, als es nach oben ging.

Sie blieb eine Weile bei uns, dann gingen wir durch den Garten zur Themse. Fuhren mit dem Boot flußabwärts und gingen zuerst an Bord der königlichen Jacht, die ihr gut gefiel. Dann zum Park von Greenwich, wo sie mit einiger Anstrengung den Hügel erklomm. Dann zurück und mit dem Boot durch die Brücke zum Blackfriars-Anleger und von dort zu ihr nach Hause. Sie war rundum mit dem Ausflug zufrieden. Wir aßen mit ihr zu Abend, dann nach Hause und zu Bett.

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Die Sterbeliste verzeichnet in dieser Woche 267 Tote, 90 mehr als in der Woche zuvor


/ Juni 29th, 2010 | Pepys

29. Juni 1665

Aufgestanden und mit dem Boot nach Whitehall. Der Innenhof war voller Wagen und Menschen, die sich auf ihre Abreise aus der Stadt vorbereiten. Im Harp and Ball etwas getrunken und mit Mary geplaudert. Sie erzählte mir, daß sie jetzt im Haus meines Nachbarn Mr. Knightly wohnt, worauf ich das Gespräch sofort beendete. Die Pest breitet sich in dieser Gegend immer schlimmer aus. Die Sterbeliste verzeichnet in dieser Woche 267 Tote, 90 mehr als in der Woche zuvor – allerdings nur vier davon in der City, was ein großer Segen für uns ist. Zu Creed und mit ihm in Tanger-Angelegenheiten herumgelaufen, allerdings ohne Erfolg. Noch einmal von Mr. Coventry verabschiedet, obwohl ich – wie viele andere auch – nicht hoffe, daß der Herzog längere Zeit fortbleiben will. Auf dem Heimweg bei Somerset House haltgemacht, wo man sich ebenfalls zur Abreise rüstet. Die Königinmutter reist heute nach Frankreich ab. Will sich in Bourbon-l’Archambault einer Trinkkur unterziehen, um sich von ihrer Krankheit zu erholen, und wird nicht vor Jahresfrist zurückkehren.

Dann nach Hause und den ganzen Vormittag im Amt. Mit Mrs. Hunt vergnügt zu Mittag gegessen, eine sehr anständige Frau. Danach ins Amt und einige Dinge geordnet und bis zum Abend Briefe geschrieben. Gegen zehn Uhr nach Hause. Die Tage werden schon wieder spürbar kürzer. Habe es früher im Sommer stets so gehalten, daß ich noch im Hellen aus dem Amt kam, doch jetzt ist es beinahe wie im Winter. Will im kommenden Monat allerdings versuchen, ob ich es nicht doch wieder schaffe, bevor es dunkel wird. Gegessen und zu Bett.

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Gesangsübungen gemacht, die ich jetzt stärker betreiben will


/ Juni 28th, 2010 | Pepys

28. Juni 1661

Den ganzen Vormittag zu Hause und Gesangsübungen gemacht, die ich jetzt stärker betreiben will. Gegen Mittag zur gnädigen Frau, mit der ich zu Mittag aß. Dann ins Amt, wo wir bis 7 Uhr abends Sitzung hatten. Danach mit Sir W. Penn in dessen Kutsche nach Moorfields, wo wir in den Wiesen spazierengingen und den Ringern zusahen, die aus dem Westen und aus dem Norden kamen, um sich hier zu messen.

Nach Hause. Wir hatten unser Bett in dem Raum aufgestellt, den wir das Kinderzimmer nennen, dort schliefen wir, und ich bin von dem Zimmer sehr angetan.

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Mußte sich einige Rügen gefallen lassen, was ich nicht ohne Genugtuung zur Kenntnis nahm


/ Juni 28th, 2010 | Pepys

27. Juni 1666

Aufgestanden und eine Weile ins Amt. Anschließend mit dem Boot flußabwärts und mehrere Schiffe inspiziert, die 400 Infanteristen zur Flotte bringen sollen. Dann zurück ins Amt und meine Unterlagen abgeholt und damit zum St.-James-Palast zu unserer Sitzung beim Herzog. Danach versammelten wir uns alle in Sir W. Coventrys Zimmer. (Dort wurde gerade die Kopie eines Porträts seines Vaters, des ersten Baron Coventry, aufgehängt, die Stone für ihn angefertigt hat. Es ist ein gelungenes Bild, das ihn in seiner Richterrobe und mit dem Großsiegel in der Hand zeigt. Während es aufgehängt wurde, scherzte Sir W. Coventry und sagte: „So springen wir mit unseren Vätern um.“) Dann trug Lord Brouncker das Angebot einer Hanflieferung vor, ohne den Namen des Händlers zu nennen, doch ich weiß, daß es sich um Hauptmann Cocke handelt. Lord Brouncker und Sir W. Coventry gerieten daraufhin aneinander, weil Lord Brouncker sich alles andere als uneigennützig für die Lieferung aussprach (von Cocke weiß ich, daß Lord Brouncker bei Vergabe des Auftrags 500l erhält, genausoviel wie ich), während Sir W. Coventry dagegen war, ohne zu wissen, von wem der Auftrag kam, was sehr geschickt von den beiden war. Ich saß nur da und schwieg, da ich selbst nicht viel von dem Geschäft halte, auch wenn Cocke mir damit einen Gefallen tun will. Bemerkenswert an der Diskussion war nur, wie ernst Sir W. Coventry unsere augenblickliche Lage beurteilte. Sollten wir die Holländer im anstehenden Gefecht besiegen, werden sie bereitwillig mit uns Frieden schließen. Sollten wir hingegen verlieren, müssen wir zu ihren Bedingungen Frieden schließen und können froh sein, wenn wir nicht zu teuer dafür bezahlen müssen. Und alles hängt einzig davon ab, ob uns das Parlament in der nächsten Sitzung Geld bewilligt, sonst ist alles verloren.

Danach fuhr ich mit der Kutsche zur alten Börse, ging aber nicht hinein, sondern zu meinem Buchhändler Mr. Cade und wartete dort das Ende des Regens ab, der nach der langen Dürre dringend nötig war. Erfuhr dort, daß Ogilby einen Band mit satirischen Fabeln plant. Dann nach Hause und gegessen. Anschließend brachte ich meine Frau zu ihrer Schwester und fuhr selbst zu Mr. Hayls, um ihn für das Porträt meines Vaters zu bezahlen, das mich 10l und weitere 25s für den Rahmen kostet. Dann weiter zu Lovett, der nun doch eine Möglichkeit gefunden hat, einzelne Blätter zu lackieren, was mich sehr freut. Er führte mich zum Gray’s Inn und zeigte mit im Zimmer eines Lords einen Bilderrahmen aus falschem Perlmutt, den er gemacht hat und der tatsächlich täuschend echt aussah. Danach gingen wir zu einem Bilderhändler, wo ich mir einen Stich zum Lackieren aussuchen wollte, doch konnte ich mich für keinen entscheiden.

Anschließend meine Frau abgeholt und nach Hause gefahren. Bis spät im Amt, dann mit meiner Frau zu Abend gegessen und zu Bett.

Am Nachmittag besuchte ich Lord Belasyse, der sehr zufrieden mit mir zu sein scheint. Creed hingegen mußte sich einige Rügen gefallen lassen, was ich nicht ohne Genugtuung zur Kenntnis nahm. Lord Belasyse reist morgen auf königlichen Befehl zu seiner Garnison nach Hull, um alles in Alarmbereitschaft zu versetzen, wie dies jetzt überall entlang der Küste geschieht, da man mit einem Einfall der Franzosen rechnet.

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Habe noch nie so viele Erdbeeren auf einmal gesehen


/ Juni 28th, 2010 | Pepys

26. Juni 1663

Früh aufgestanden. Mr. Moore kam zu mir und machte den Vorschlag, zum Festakt nach Oxford zu reiten. Mr. Nathaniel Crew ist dort Proktor und Mr. Child wird dieses Jahr zum Doktor der Musik ernannt. Ich hätte wohl Lust und will versuchen, es einzurichten.

Ging darauf mit ihm bei strömendem Regen zum Temple. Da Vetter Roger jedoch außer Haus war, spazierten wir eine Zeitlang unter den Bäumen umher und überlegten, ob ich den gnädigen Herrn dazu bewegen könne, für mein dargeliehenes Geld eine Jahresrente von 100l zu zahlen, auf meinen Namen und den Namen meiner Frau. Doch nach reiflicher Überlegung sagte mir Mr. Moore, vermutlich werde gnädige Herr denken, ich wolle ihn bedrängen, und es mir übelnehmen. Beschlossen daher, es anderswo zu versuchen.

Da es immer noch stark regnete, gingen wir ins Oberhofgericht, wo ich noch nie zuvor war. Blieben fast eine Stunde, bis der Regen sich gelegt hatte (ein trauriger Sommer, und es heißt, in den letzten drei Monaten habe es nicht einen schönen Tag gegeben, was stimmen mag). Dann mit dem Boot nach Westminster. Sprach an der Parlamentstür mit Roger Pepys. Das Unterhaus hat Antwort auf seine Temple betreffende Anfrage beim König erhalten. Demnach war es Lord Bristol, der dem König Temples Worte hinterbracht hat. Das Unterhaus will nun einige Abgeordnete zu ihm schicken, um die Wahrheit herauszufinden und ihn nötigenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.

Von dort mit dem Boot nach Hause. Zog mich um und fuhr mit Sir W. Batten, Sir J. Mennes und Lady Batten mit der Kutsche nach Bethnal Green zum Mittagessen bei Sir W. Rider. Beeindruckendes Haus, liebenswürdige Gattin, die Tochter, Mrs. Myddelton, sehr vornehm. Köstliches Mahl. Unternahm nach Tisch ein Spaziergang mit den Damen im Garten, waren sehr vergnügt. Habe noch nie so viele Erdbeeren auf einmal gesehen. Nahmen dann einen Imbiß ein, und Sir J. Mennes las sehr hübsch einige seiner Scheltgedichte vor.

Das Haus soll einst dem blinden Bettler von Bethnal Green gehört haben, dessen Leben noch heute in Liedern besungen wird, aber man sagte uns, von dem ursprünglichen Bau seien nur noch die Scheunen übrig. Tranken große Mengen Weins und anschließend noch ein Glas Bier, von dem mir fast schlecht geworden wäre.

Beim Essen sprach man über Blitze und Donner und brachte viele wahre Geschichten zum besten: So seien Masten der Länge nach zersplittert, manchmal auch nur innen, während sie außen unversehrt blieben. Sir William Rider erzählte eine Begebenheit, die er selbst erlebt hatte, nämlich wie eine Genueser Galeere auf der Reede von Livorno vom Blitz getroffen wurde, so daß nicht nur der Mast in Stücke zerbrach, sondern auch die Kette einem der Sklaven glatt vom Bein geschmolzen wurde, ohne diesen zu verletzen. Sir William ging an Bord des Schiffes und wollte sich für die Freilassung des Sklaven verwenden, dem der Himmel auf diese Weise die Freiheit geschenkt hatte, konnte aber nichts ausrichten, und so wurde der Sklave wieder in Fesseln gelegt.

Abends nach Hause. Ein wenig Spinett gespielt und dann zu Bett.

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Dies ist nur ein weiteres Beispiel dafür, in welch trauriger Lage wir uns befinden


/ Juni 25th, 2010 | Pepys

25. Juni 1667

Aufgestanden und mit Sir W. Penn in dessen neuer leichten Kutsche (die wahrlich nicht viel hermacht, auch wenn sie eleganter ist als alle seine anderen Kutschen, aber sie hat ihn alles in allem nur 32l gekostet) nach Whitehall gefahren, dort aber nur sehr kurz geblieben. Von dort zum St.-James-Palast zu W. Coventry, den ich nicht mehr gesehen hatte, seit die Holländer in die Themse gekommen waren, ich hätte auch nicht gewußt, wie ich vor ihn treten sollte, angesichts des Elends, in dem wir uns befinden und der Schande, die ihm dies bereiten muß oder mir oder uns beiden. Ich hörte von ihm, daß er und die Lordkommissare des Schatzamts fast kein Geld mehr hätten, und er beklagte sich über Sir G. Carteret, der so lange Zeit nicht deutlich erklärt habe, daß er privat Kredite für die Flotte aufnehme (um die Nation in den Ruin zu treiben, so W. Coventry wörtlich). Und er will, daß Sir G. Carteret damit sofort aufhört und wegen aller Zahlungen zu ihnen kommen soll. Auch soll er über jeden Penny, über den er noch verfügt, Rechenschaft ablegen und deutlich erklären, daß er keine weiteren Gelder auftreiben könne. Ich muß allerdings gestehen, daß mir dies sehr ungerecht erscheinen will, da W. Coventry uns selbst bei einer anderen Gelegenheit gesagt hat, daß er von den Bankiers keinen roten Heller mehr bekommt, und nichts anderes hat G. Carteret schließlich getan, als sich von ihnen Geld zu besorgen. W. Coventry erzählte uns, daß die Schiffsführer und Eigner zweier Schiffe, über die ich mich beschwert hatte, weil sie ihre Schiffe nicht zügig seetüchtig gemacht hatten, gestern vor dem Kronrat erscheinen mußten. Sie haben sich dort aber so überzeugend verteidigt, daß der König ihnen erklärt hat, daß sie nicht gezwungen werden können, ihre Schiffe auszurüsten, angesichts der Tatsache, daß wir ihre Rechnungen vom letzten Jahr noch nicht bezahlt haben. Und daß sie erst tätig werden müssen, wenn sie Geld erhielten oder aber die entsprechende Ausrüstung von den Königlichen Werften. W. Coventry sagte, es laufe auf letzteres hinaus, weil Geld unter keinen Umständen aufzutreiben sei, obwohl es sich nur um 200l pro Schiff handelt. Das zeigt nur einmal mehr, wie schlimm unsere Lage ist, und ich sehe nicht, wie es jemals wieder besser werden soll. Wir unterhielten uns eine Weile, über fehlende Seeleute, über Männer, die ihren Monatslohn im voraus verlangen, und daß wir den Männern 3s pro Tag zahlen, damit sie für uns in Chatham arbeiten, und dergleichen mehr, bis wir ganz mutlos waren, denn überall sieht man nur den Verfall. Und wie die Dinge stehen, würden die Seeleute, wenn sich ihnen dazu nur die Gelegenheit böte, bereitwillig nach Frankreich oder Holland gehen und lieber den dortigen Königen dienen als dem unseren. Dann nach oben zum Herzog von York in dessen Zimmer. Er schien recht unbekümmert zu sein, war zuweilen sogar vergnügt. Aber man merkt ihm doch an, und allen übrigen Anwesenden, daß sie besorgt sind – und das aus gutem Grund. Von dort mit Sir W. Penn in dessen Kalesche nach Whitehall. Trafen dort Lord Anglesey. Er unterhielt sich mit Sir W. Penn und berichtete ihm von den Schiffsführern, die gestern vor den Kronrat getreten waren. Er wiederholte noch einmal, daß wir nicht in der Lage seien, ihnen 200l zu zahlen (die sie bereits im letzten Jahr in Rechnung gestellt hatten), damit sie ihre Schiffe umrüsten und in den Dienst des Königs stellen. Ihn schien das zu erstaunen, und als ich ihm sagte: „Dies ist nur ein weiteres Beispiel dafür, in welch trauriger Lage wir uns befinden“, sagte er, daß dies in der Tat so sei, und seufzte. Wir verabschiedeten uns, und er ging nach oben zur Ratskammer, wo man jetzt anscheinend jeden Vormittag zusammenkommnt, und ich zur Westminster Hall, wo die Gerichte tagten. Ich sah niemanden, den ich kannte, hatte aber auch nicht den Wunsch, jemanden zu treffen, ging daher nur einmal durch die Halle und fuhr dann mit der Kutsche nach Hause, denn ich wollte niemanden sehen, sondern wollte lieber Vorsorge treffen für die schlechten Zeiten, die uns gewiß bevorstehen. Ging ins Amt und erledigte dort zusammen mit W. Penn verschiedene Angelegenheiten. Dann nach Hause zum Mittagessen, wo meine Frau mir zu meiner großen Freude vorführte, was sie auf dem Flageolett gelernt hatte. Dann wieder ins Amt und dort den ganzen Nachmittag sehr beschäftigt. Festhalten will ich auch, daß der König und der Kronrat bei Gelegenheit der Order vom 23ten des Monats, in der es um die Indienstnahme von drei Handelschiffen geht, das Vordringen der Holländer als „Überfall“ bezeichnet haben. Gestern wurde mir erzählt, daß unser Sekretär der Akademie der Wissenschaften, Mr. Oldenburg, in den Tower gesteckt worden sei, weil er einem Gelehrten in Frankreich, mit dem er seit langem korrespondiert, Nachrichten von den hiesigen Ereignissen mitgeteilt habe. Das zeigt, wie gefährlich es in Zeiten wie diesen ist, sich schriftlich zu äußeren – oder überhaupt irgend etwas zu tun. Verschiedene Schiffskapitäne sind gestern und heute ins Amt gekommen und haben sich darüber beschwert, daß ihre Männer nach Belieben kommen und gehen und keine Befehle ausführen, wenngleich man ihnen allabendlich den Lohn zahle. Und damit nicht genug: heute nachmittag kam Henry Russell, unser Fährmann, aus Gravesend und erzählte uns, daß das Geld für die Seemannskasse, das sie gestern in einer Barke nach Chatham bringen sollten, fast geraubt worden wäre, denn sie seien unterwegs von Seeleuten überfallen und verprügelt worden. Und wie sich hinterher herausstellte, handelte sich bei den Seeleuten ausgerechnet um die Männer von Sir F. Holles, deren Disziplin und Gehorsam er immer wieder gelobt hatte.

Den ganzen Nachmittag im Amt sehr beschäftigt. Gegen Abend mit Mr. Kinaston nach Whitehall wegen der Anweisung für Tanger, allerdings vergebens. Traf dort aber Sir H. Cholmley, der mir die wichtige Nachricht mitteilte, daß der König heute vor dem Kronrat erklärt habe, daß er das Parlament in 30 Tagen einberufen werde. Das ist die beste Neuigkeit, die ich seit langem gehört habe, denn wenn irgend etwas das Königreich noch retten kann, dann das Parlament. Ich weiß nicht, was den König dazu bewogen hat, aber Sir H. Cholmley erzählte mir, daß die Entscheidung gegen die Stimme des Herzogs von York gefällt worden sei, der dem König nach wie rät, selbst Gelder zu erheben. Und auch gegen die Stimme des Kanzlers, der dem König gesagt habe, daß Königin Elisabeth mit der spanischen Armada auch ohne ein Parlament fertig geworden sei, und er sehe nicht ein, warum dies heute anders sein sollte. Aber Gott sei gelobet, die Sache ist entschieden, und ich bete zu Gott, daß er der König zu seinem Wort steht, selbst wenn es dem einen oder anderen von uns dabei an den Kragen geht – denn sie werden erst reinen Tisch machen wollen, bevor sie irgend etwas unternehmen. Dann zurück nach Hause. Schickte meine Frau zusammen mit Mrs. Hewer und Will nach Woolwich, damit sie sich die versenkten Schiffen ansehen könnten. Ich blieb unterdessen im Amt. Am Abend bekam ich Besuch von Mr. Roberts, dem Kaufmann, der darum bat, eines seiner Schiffe zurückzubekommen, das uns seit langem als Fregatte gedient hat. Ich versprach ihm, mich darum zu kümmern. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

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Hat sie eine Uhr, in der immer eine Lampe brennt, damit sie während der Nacht jederzeit sehen kann, wie spät es ist


/ Juni 24th, 2010 | Pepys

24. Juni 1664

Aufgestanden und mit Kapitän Witham zu verschiedenen Händlern gefahren auf der Suche nach Hafer für Tanger. Gingen auch zum städtischen Kornspeicher. Dort besitzt anscheinend jede Gilde einen eigenen Speicher, denn sie sind verpflichtet, eine bestimmte Menge Getreide immer dort zu lagern oder in Zeiten des Mangels eine bestimmte Menge zu einem bestimmten Preis abzugeben. Es ist ein sehr imposanter Anblick, all die Lager zu sehen, und auch die dicken Pfähle für die Brücke und für die Kanalisation, die dort aufbewahrt werden – ich hatte all dies noch nie zuvor gesehen.

Von dort ins Amt und den ganzen Vormittag sehr beschäftigt. Dann zu Onkel Wight, bei dem ich zu Mittag aß. Meine Frau hatte schon den ganzen Vormittag dort verbracht. Nach dem Essen nach Whitehall. Traf dort Mr. Pearse, den Arzt. Er zeigte mir das Schlafgemach der Königin und ihr privates Kabinett, in dem nur einige hübsche religiöse Gemälde sowie einige Andachtsbücher zu sehen sind. Nachts hat sie am Kopfende ihres Bettes Weihwasser stehen. Neben ihrem Bett hat sie eine Uhr, in der immer eine Lampe brennt, damit sie während der Nacht jederzeit sehen kann, wie spät es ist. Dann ging ich mit ihm in den Park und traf dort die Königin, die gerade in Begleitung ihrer Hofdamen die Kapelle verließ. Alle trugen Kleider mit silberner Spitze, was mich wunderte, denn ich hätte nicht gedacht, daß diese Mode noch einmal wiederkommen würde.

Von dort brachte er mich in das Kabinett des Königs. Dort gab es so zahlreiche und unterschiedliche Gemälde und Kostbarkeiten und Raritäten zu sehen, daß ich ganz benommen war und den Anblick nicht genießen konnte. Das ist mir noch nicht vorgekommen, daß ich angesichts so vieler schöner Dingen keinerlei Vergnügen empfinden konnte.

Von dort nach Hause. Hielt unterwegs häufig an, um verschiedene Dinge zu erledigen, sehr zu meiner Zufriedenheit. Kam spät abends erschöpft nach Hause, wo Mr. Creed auf mich wartete. Wir machten noch einen Spaziergang im Garten, wo er mir erzählte, daß er bald in See gehen werde und daß es ihm ein Bedürfnis sei, vorher die Angelegenheit in Ordnung bringen, um derentwillen es zum Streit zwischen uns gekommen war. Anscheinend erwartet er aber dafür, daß ich in seiner Abwesenheit seine Geschäfte im Auge behalte, sei es in der Kämmerei, sei es im Tanger-Ausschuß. Ich versprach ihm, daß ich es tun werde – vor allem, da er mich dafür zu entlohnen versprach. Ich wünschte allerdings, ich wüßte, was er genau vorhat, dann könnte ich mich entweder ganz von ihm fernhalten oder ihm weiterhin freundlich gesonnen sein.

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Er habe die Zusage für die Stelle des Ersten Sekretärs des Flottenamts für mich erhalten


/ Juni 23rd, 2010 | Pepys

23. Juni 1660

Im Boot mit Mr. Hill zur Wohnung des gnädigen Herrn und dann zum gnädigen Herrn. Mit ihm nach Whitehall, wo ich ihn verließ und zu Mr. Holmes ging, um ihm das Pferd von Dixwell zu bringen, das die letzten vierzehn Tage in der Bell gestanden hatte.

Dann zur Wohnung des gnädigen Herrn, wo Tom Guy mich aufsuchte. Ich blieb in Whitehall, um zu sehen, wie der König den Leuten, die an Skrofeln leiden, die Hand auflegt, aber er kam nicht, weil es stark regnete, und die armen Leute waren gezwungen, den ganzen Vormittag im Garten im Regen zu stehen. Anschließend berührte er sie im Banketthaus.

Mit dem gnädigen Herrn zu Lord Friesendorff, dem schwedischen Botschafter, bei dem er heute zu Mittag aß und wo er mir erzählte, er habe die Zusage für die Stelle des Ersten Sekretärs des Flottenamts für mich erhalten, was mich freute.

Traf Mr. Chetwind und aß mit ihm bei Hargrave, dem Kornhändler in der St. Martin’s Lane, wo es ein gutes Essen gab. Er zeigte mir dort einige gute Bilder und eine Art Laute, eine Angelica, wie er es nannte. Mit ihm nach London. Tauschte bei Backwell mein restliches holländisches Geld um. Dann mit ihm und dem parlamentarischen Vertreter der City ins Cardinal’s Cap. Der Parlamentarier zahlte für alle.

Zurück nach Westminster, wo der gnädige Herr war, der eine Zeitlang mit mir über familiären Angelegenheiten sprach. Dann ging er. Ich nach Hause, wo ich Briefe an meine Familie in Brampton schrieb, und dann zu Bett.

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Der meine Rede im Parlament vor allen Leuten überschwenglich lobte, was mir recht peinlich war


/ Juni 22nd, 2010 | Pepys

22. Juni 1668

Aufgestanden und mit Balty zum St.-James-Palast, wo ich ihn Mr. Wren vorstellte, denn er wird, wenn alles gut geht, dieses Jahr Registrator werden. Dann suchte ich den Herzog von York auf. Ging anschließend mit W. Coventry nach Whitehall. Sprachen angeregt über die Marine und den Geldmangel, der uns noch allen zum Verhängnis wird. Trank etwas im Harp & Ball und ging dann weiter ins Kaffeehaus in Covent Garden. Traf dort aber niemanden außer Sir Philip Howard an, der meine Rede im Parlament vor allen Leuten überschwenglich lobte, was mir recht peinlich war. Ging nach Hause und aß allein, denn meine Frau war bei ihrem Schneider. Danach kam Creed, um mit mir zu sprechen – ich verabscheue den Mann. Vor ihm kam noch Mrs. Daniel wegen geschäftlicher Dinge, und yo konnte tocar su cosa mit mi mano. Als sie fort war, gingen Creed und ich ins Königliche Theater und sahen wieder ein, zwei Akte des neuen Stücks, doch es gefiel mir nicht. Als ich heute beim Verleger Herringman war, sagte er, Dryden selbst nenne es ein nur fünftklassiges Stück. Dann gingen wir zu Lord Brouncker, wo der Vorstand der Akademie der Wissenschaften tagte. Dort hörten wir, wie Mr. Harry Howards anbot, ein Grundstück für uns bereitzustellen, und auch er selbst wolle ein Haus dort bauen – sehr lobenswert. Ich war gekommen, weil ich Mr. Boyle sprechen wollte, wegen meiner Augen. Er riet mir, so gut er konnte, verwies mich aber an einen gewissen Turberville aus Salisbury, der seit kurzem in der Stadt ist und zu dem ich gehen werde. Dann nach Hause. Die Straßen in unserem Viertel waren wieder voller Karren, denn alle ließen sich noch Wein liefern, bevor in zwei Tagen das neue Zollgesetz in Kraft tritt und die Preise steigen. Ich bekam meinen Wein ebenfalls heute abend von Batelier. Dann zum Abendessen und zu Bett.

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Den ich kommen ließ und mit dem Stock Prügel verabreichte, bis ich nicht mehr konnte


/ Juni 21st, 2010 | Pepys

21. Juni 1662

Gegen 4 Uhr aufgestanden und einige private Dinge erledigt. Dann angezogen und ins Amt, um die heutige Sitzung vorzubereiten.

Nach der Sitzung gingen Sir W. Penn und ich am Mittag zum Haus der Dreieinigkeit, wo die Vorsteher der Innung eines ihrer großen Festessen gaben. Alle waren sehr vergnügt. Zahlreiche Gäste, aber wenig Männer von Stand. Auf meine Frage, wie Sir H. Vane gestorben sei, antwortete mir der Leutnant des Tower, er sei heftig bewegt gewesen, aber habe, wie alle eingestehen, so viel Mut bewiesen wie noch kein Mann vor ihm. Wieder ins Amt, um mit Sir W. Rider, Hauptmann Cocke und Mr. Cutler über den Vertrag über 500 Tonnen Hanf beraten. Danach erledigte ich noch andere Arbeiten und ging nach Hause, wo ich Mr. Creed antraf, der ein, zwei Stunden mit mir und meiner Frau plauderte. Ich zog eigens für ihn meine neuen Reitkleider an, die mir, wie ich finde, sehr gut stehen. Nachdem er gegangen war, hörte ich mir die Beschwerden meiner Frau und der Dienstmädchen über Wayneman, meinen Burschen, an, den ich kommen ließ und mit dem Stock Prügel verabreichte, bis ich nicht mehr konnte. Aber ich brachte ihn nicht dazu, auch nur eine seiner Lügen einzugestehen. Doch wollte ich ihm den Triumph nicht gönnen und zog ihm darum das Hemd vom Leib und schlug ihn wieder, bis er gestand, daß er die Molke getrunken hatte, was er bis dahin geleugnet hatte. Auch hatte er in einem Streit seinen Dolch gezogen und, was am schlimmsten ist, den Armleuchter in seiner Kammer auf dem Boden stehen lassen, was er seit Monaten bestritten hatte. Ich muß gestehen, es grenzt für mich an ein Wunder, wie tapfer dieser kleine Junge die Schmerzen ertrug, nur um nicht zuzugeben, daß er gelogen hatte. Aber ich fürchte, ich werde ihn fortschicken müssen. Dann zu Bett – mit starken Schmerzen im Arm.

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