“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / Mai, 2010


Es war aber so langweilig, daß ich einschlummerte


/ Mai 11th, 2010 | Pepys

11. Mai 1667

Aufgestanden und mit Mr. Commander, dem Notar, gesprochen, der am Morgen zu mir kam wegen des Grundstücks hinter Sir W. Penns Haus, von dem ich einen Teil zu kaufen gedenke, um dort einen Stall und einen Wagenschuppen zu bauen, da ich mir eine Kutsche anschaffen will – sofern nichts Unvorhergesehenes dazwischen kommt, denn ich habe festgestellt, daß mich Mietkutschen inzwischen mehr kosten, außerdem macht es keinen guten Eindruck, wenn man nur in Mietkutschen gesehen wird. Wir gingen gemeinsam zu dem Pächter, und ich glaube, daß wir leicht mit ihm einig werden können. Dann nach Hause, wo die Haustür sperrangelweit offen stand. Das ärgerte mich sehr, und ich habe mir vorgenommen, Nell dafür zu entlassen. Allerdings widerstrebt mir nichts mehr, als einen Diener fortzuschicken zu müssen. Dann ins Amt, wo ich den ganzen Vormittag verbrachte. Mittags zum Essen nach Hause. Mr. Goodgroome, der Gesangslehrer meiner Frau, und Creed aßen mit uns, und ich bin zuversichtlich, daß meine Frau bald so gut singen wird, wie ich es mir erhoffe. Nach dem Essen waren meine Frau, Creed und ich schon in eine Kutsche gestiegen, um auszufahren, als wir Theophila Turner sahen, die in ihrer Kutsche gekommen war, um uns einen überraschenden Besuch abzustatten. Also stiegen wir wieder aus und führten sie und ihre junge Begleiterin nach oben und saßen zusammen und plauderte. Theophila war zwei oder drei Jahre in Yorkshire und ist jetzt in die Stadt gekommen, um, wie es scheint, ihre Schwester und ihre Brüder nach Putney in die Schule zu bringen. Ich begleitete sie anschließend zu einer Dame, die sie beim Tower-Berg besuchen wollten. Fuhr danach mit meiner Frau fort. Sie trug heute die weiße Perücke, was mich so wütend machte, daß ich während der Fahrt kein Wort mit ihr sprach, konnte vor Wut aber kaum an mich halten. Dann nach Whitehall zu einer Sitzung des Tanger-Ausschusses, wo man sich über Gesetze für eine dortige Zivilverwaltung unterhielt. Es war aber so langweilig, daß ich einschlummerte. Hinterher plagte mich das schlechte Gewissen, denn ich fürchtete, Sir W. Coventry könnte es gesehen haben. Ich hoffe aber nicht. Anschließend gingen Creed und ich im Park spazieren, denn es war ein sehr schöner Abend. Nahm dann eine Kutsche und holte meine Frau ab. Auf dem Weg nach Hause zeigte ich ihr deutlich, wie wütend ich über ihre weiße Perücke war, ich fluchte auch einige Male (was Gott mir vergeben möge) und drohte ihr mit der Faust, daß ich so etwas nicht dulden werde. Die Arme war ganz überrascht und antwortete mir nichts darauf. Zu Hause trennten wir uns, und ich ging noch bis spät abends ins Amt. Dann nach Hause und ohne Abendessen zu Bett – wütend.

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Und versuchte, para tocar su Schenkel, doch sie trug Unterhosen


/ Mai 10th, 2010 | Pepys

10. Mai 1668

Sonntag. Aufgestanden und ins Amt, wo ich bis zum Gottesdienst arbeitete. Erhielt Besuch von Mr. Shipley, dem Verwalter des gnädigen Herrn, der seit kurzem in der Stadt ist. Wir sprachen über verschiedene Dinge, vor allem über Lord Sandwich. Er erwähnte, die gnädige Frau wolle, wenn es nötig sei, 100l von mir borgen – wogegen ich nichts einwandte, obwohl ich fürchte, daß ich es nicht wiederbekomme. Ich werde ihr aber nichts abschlagen, um was immer sie mich auch bittet, und will froh sein, daß es nicht mehr ist. Und dennoch beunruhigt es mich, wenn ich daran denke, was noch auf mich zukommt, wenn der gnädige Herr zurückkehrt und mich um ein Darlehen bitten sollte, denn ich fürchte, er wird versuchen, Geld aufzunehmen. Hoffentlich bin ich dann so klug, es abzulehnen.

Als er fort war, ging ich zum Gottesdienst und dann nach Hause. W. Hewer und Balty kamen zum essen, und ich schickte auch noch nach Mercer. Waren sehr vergnügt. Nach dem Essen brachte ich ihr “Canite Jehovæ”* bei, das sie auch fast ganz lernte. Als sie fort war, ging ich wieder in den Gottesdienst und danach mit Lady Penn zurück. Wir unterhielten uns etwa eine Stunde, dann fuhr ich mit ihr, Mrs. Lowther und deren alter Schwiegermutter Mrs. Whistler sehr vergnügt im Boot bis nach Chelsea und zurück zum Neuen Garten in Vauxhall, wo wir spazieren gingen und etwas aßen und tranken. Dann fuhren wir im Boot zurück und brachten die alte Frau nach Durham Yard,wo sie wohnt. Es regnete leider während der ganzen Fahrt, aber mein Mantel hielt uns alle trocken. Auf dem Rückweg fuhren wir bis zum Tower-Kai, wo ich einen Burschen nach einem Paar alter Schuhe für Mrs. Lowther schickte. Ich zog ihr die nassen aus und die trockenen an und versuchte, para tocar su Schenkel, doch sie trug Unterhosen. Aber yo konnte besar la und tocar sus mamelles, ella war poco schüchtern, sondern sagte sehr freundlich, wenn sie wählen könnte, nähme sie mich gern por su marido. Ich ging noch kurz in Sir W. Penns Haus, der schon schlafen gegangen war, denn es war gegen 11 Uhr abends, dann nach Hause zu Bett.

Aus Richard Derings „Cantica Sacra“.

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Kaum waren sie fort, schimpfte sie sie „Huren“ und dergleichen mehr


/ Mai 10th, 2010 | Pepys

9. Mai 1666

Bereits um 5 Uhr aufgestanden, was ich schon lange nicht mehr getan habe, und mit dem Boot nach Deptford gefahren, unter anderem, um mich in der Ankerschmiede umzusehen und verschiedene Dinge zu veranlassen, Downing betreffend, damit er mir vielleicht doch noch die 50 Goldstücke zahlt. Von dort zu Fuß zurück und unterwegs in meinem Buch über bürgerliches Recht gelesen. Nach Hause und mit der Kutsche nach Whitehall zu unserer üblichen Sitzung beim Herzog, der im Beisein von Sir W. Batten betonte, daß er das Schiff von Mr. Deane, die Rupert, der jüngst von Mr. Castle gebauten Defiance vorziehe, was mich ungemein freute zu hören. Danach mit dem Boot nach Westminster und nach meiner Anweisung für Tanger gefragt. Weiter mit der Kutsche zu Mrs. Pearse, um mit ihr zu Hayls zu fahren, doch sie war nicht ausgehfertig. Ich fuhr statt dessen zum Essen nach Hause, und anschließend mit der Kutsche zu Lovett, der einige Backgammon-Bretter für mich lackieren soll, doch ich traf ihn nicht an, denn er hatte sich mit seiner hübschen Frau gerade auf den Weg zu mir gemacht. Fuhr weiter zum Schatzamt und danach zu Mrs. Pearse und mit ihr und Mrs. Knepp zu Hayls, um unsere fertigen Porträts zu betrachten, die sehr schön geworden sind. Allerdings gefällt mir das von Mrs. Pearse nicht mehr so sehr gut wie zu Anfang, da er sie weniger gut getroffen hat und es auch schlechter ausgeführt ist als die Bilder von mir und meiner Frau. Fuhr danach mit ihnen in die Cornhill-Straße, um für Mrs. Pearse’ Empfangszimmer ein Kaminbild auszusuchen, und danach zu mir nach Hause. Doch meine Frau hatte starke Schmerzen und war ungehalten, weil ich mich mit den beiden Frauen herumgetrieben hatte. Kaum waren sie fort, schimpfte sie sie „Huren“ und dergleichen mehr, was mich sehr ärgerte, weil ich nichts Verwerfliches getan hatte. Ich folgte ihnen daraufhin zu Mrs. Turner, und wir plauderten eine Weile, bis meine Frau mich rufen ließ, aber nur, um wieder über mich herzufallen, und sie verkündete, sie wünsche, daß ich mit ihr auf der Stelle eine Fahrt ins Grüne unternehme. Ich fuhr daher mit ihr nach Bow, allerdings war ich so wütend, daß ich die ganze Zeit und auch nachher zu Hause kein Wort sprach und sogleich zu Bett ging. Eine halbe Stunde später rief sie mich (nachdem sie sich bereits in der Kutsche an mich gelehnt hatte und sich wieder vertragen wollte) und klagte über heftige Bauchschmerzen. Ich stand auf und hielt sie, und sie bat mich inständig, ihr nicht mehr zu zürnen. Dann brachte ich sie zu Bett, wo die Schmerzen bald nachließen. Wir aßen noch etwas Spargel, am Bett sitzend, schliefen danach sehr zufrieden ein, und am Morgen war alles wieder gut.

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Ich weiß sehr genau, daß er uns im Grunde haßt und neidisch auf uns ist


/ Mai 8th, 2010 | Pepys

8. Mai 1664

Sonntag. Heute brachte mir mein neuer Schneider, Mr. Langford, einen neuen schwarzen, mit Mohrseide gefütterten Tuchrock und Mantel. Seine Arbeit gefällt mir sehr gut und ich hoffe, daß er mir auch in Zukunft gute Dienste leisten wird. Nachdem er gegangen war, gingen Dean und ich in mein Zimmer und wiederholten dort den ganzen Vormittag den gestrigen Stoff über den Schiffbau, und ich hoffe, daß ich die Materie bald begreifen werde. Mittags gingen wir zum Essen. Kurios, daß er glaubt, sich über Chemie auslassen zu müssen, obwohl er nachweislich nichts davon versteht – er hat nur von einem Bekannten, der Chemiker ist, dies und das aufgeschnappt. Aber ich denke, daraus spricht nur eine gewisse Arglosigkeit. Was den Schiffbau betrifft, so hat er ihn gewiß gründlicher studiert als jeder andere.

Nach dem Mittagessen verabschiedete er sich, und meine Frau und ich gingen in die Kirche. Nach der Kirche zu Sir W. Penn, mit dem wir ein wenig plauderten. Er tat wie immer sehr freundlich und zuvorkommend, aber ich weiß sehr genau, daß er uns im Grunde haßt und neidisch auf uns ist.

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Daß ich noch lange blieb und ziemlich viel Wein trank


/ Mai 7th, 2010 | Pepys

7. Mai 1661

Besuchte am Vormittag Mr. Coventry, Sir G. Carteret und den gnädigen Herrn, um sie von meiner Rückkunft zu unterrichten. Die gnädige Frau wohnt, wie ich erfuhr, inzwischen im Haus der königlichen Kleiderverwaltung. Dann suchte ich mit Mr. Creed in London verschiedene Orte auf, wo wir Geschäftliches zu erledigen hatten. Auf unserem Weg wurden wir immer wieder aufgehalten, weil die Stadtmilizen heute mit viel Pomp durch die Straßen marschierten, um vor dem König und dem Herzog zur großen Inspektion anzutreten. Alle Läden in der City waren geschlossen.

Mr. Creed führte mich zu einem Speisehaus bei der alten Börse, wo wir ein bißchen zu spät kamen, aber doch für die 18d, die dort jeder zahlt, ausgezeichnet aßen und tranken und dazu noch viel Spaß hatten, denn der Wirt und seine Frau, eine sehr hübsche Person, sangen und spielten so gut, daß ich noch lange blieb und ziemlich viel Wein trank. Dann nach Hause, wo ich den ganzen Tag den Handwerkern zusah und letzte Anweisungen gab.

Am Abend bei Sir W. Batten gegessen, dann nach Hause und zu Bett. Schrieb vorher noch einen Brief an den gnädigen Herrn, in dem ich mich dafür entschuldigte, daß ich morgen nicht mit ihm zur Reede von Hope fahren könne, wo er sich einen Eindruck vom Zustand der Flotte verschaffen will.

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Ich bin ihn und seine üblen Machenschaften wirklich leid


/ Mai 6th, 2010 | Pepys

6. Mai 1667

Ärgerte mich am Morgen über das Mädchen, weil es mehrere Fährleute und wen nicht alles zu sich in die Küche hereingelassen hatten, um mit ihnen zu plaudern. Ich kannte keinen dieser Leute und werde so etwas nicht dulden. Ging dann aus dem Haus und fuhr mit der Kutsche zum Lordschatzmeister, der immer noch sehr krank ist. Von dort zu Sir Ph. Warwick, wo ich mich erkundigte, ob es möglich sei, daß wir unsere Gläubiger aus Mitteln der Elfmonatssteuer bezahlen (Rechnungen, die sie schon vor der letzten Parlamentsperiode gestellt hatten). Wie es scheint, ist dies durchaus möglich, und sollte mein Vorschlag umgesetzt werden, wäre wohl allen damit gedient. Von dort mit Hauptmann Cocke in der Kutsche nach Hause. Wir unterhielten uns unterwegs über Lord Brouncker und seine Geliebte, die wegen der Sache mit Carkesse auf die Amtskollegen sehr schlecht zu sprechen sind, besonders auf mich. Es sagte mir ganz im Vertrauen, ich solle mich vor Brouncker in Acht nehmen, denn der habe ihm gesagt, daß er die gute Beziehung zu einer gewissen Person, an der mir sehr viel liegt, leicht vergiften könne. Ich vermute, er meint damit Sir W. Coventry, und deshalb will ich in der Tat vorsichtiger sein, und ich bin froh, davon erfahren zu haben, obwohl es mich auch sehr ärgert. Dann nach Hause zum Mittagessen, wo Creed mir Gesellschaft leistete. Er wurde sehr ungehalten, als ich ihm erzählte, daß mir ein guter Freund, ein Freund sowohl von ihm als auch von mir, gesagt habe, daß er vor kurzem nach Hinchingbrooke aufs Land gefahren sei und jetzt in der Stadt die Wohnung gewechselt habe, nur um sich vor der Kopfsteuer zu drücken. Das ist nur allzuwahr, und ihm stieg auch die Schamesröte ins Gesicht, denn er konnte es schlecht leugnen. Der törichte Kerl hatte wirklich geglaubt, daß es niemand bemerken werde. Ich bin ihn und seine üblen Machenschaften wirklich leid, und ich fürchte, daß mir seine Bekanntschaft nur schadet. Verließ ihn daher sofort nach dem Essen. Er blieb noch bei mir zu Hause, ich ging ins Amt, wo ich den ganzen Nachmittag sehr beschäftigt war. Am Abend zu Sir R. Vyner, um mit ihm abzurechnen. Dann nach Hause. Einige unserer Gläubiger waren auf meine Bitte hin zu mir gekommen, und wir sprachen über das, was ich mir (wie am Vormittag erwähnt) ausgedacht hatte, wie sie an ihr Geld kommen können, was ihnen sehr zusagte. Dann ins Amt und dort bis spät abends sehr beschäftigt. Anschließend nach Hause zum Essen und mit meiner Frau gesungen, was mir immer größere Freude bereitet. Darauf zu Bett.

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Nachdem ich mir das Haar habe lang wachsen lassen, um es offen zu tragen


/ Mai 5th, 2010 | Pepys

5. Mai 1665

Früh aufgestanden, mit dem Boot nach Westminster und erstmals zu Sir Robert Long, um ihm mein Siegel und die Order des Lordschatzmeisters, die Kerbhölzer für Tanger betreffend, zu überreichen. Er empfing mich recht freundlich. Anschließend mit dem Boot nach Woolwich und Blackwall und dort die Anleger inspiziert, die zu einem Mastendock umgebaut werden sollen. Dann nach Deptford ins Globe, wo Lord Brouncker, Sir J. Mennes, Sir W. Batten und Kommissar Pett beim Mittagessen saßen. Auch sie hatten sich zuvor den Anleger angesehen, halten seinen Ausbau aber für zu kostspielig. Nach dem Essen zu Mr. Evelyn, der aber außer Haus war, so daß ich in seinem prachtvollen Garten ein wenig spazieren ging. Neben anderen Kuriositäten gab es dort einen Bienenstock unter Glas, an dem sehr schön zu beobachten war, wie die Bienen ihren Honig machen und ihre Waben bauen. Nach Hause und dann zu Mr. Povey, der immer noch krank im Bett liegt. Auf seinen Rat hin zu einem gewissen Lovett gegangen, der ein ausgezeichneter Lackierer sein soll, traf ihn aber nicht an. Dafür zeigte mir seine ausnehmend hübsche Frau zahlreiche bewundernswerte Arbeiten aus seiner Hand, so daß ich ihm einige Blätter, auf denen Brettspiele und andere Dinge aufgezeichnet sind, zum Lackieren vorbeibringen will. Allerdings weiß ich nicht, ob ich mich mehr an den Arbeiten erfreute oder an der Tatsache, sie von ihr gezeigt zu bekommen. Zu Hause noch spät ins Amt, dann zu Abend gegessen und zu Bett. Meine Frau erzählte mir, der armen Tante James habe man eine Brust amputiert, mit der schon seit langem etwas nicht in Ordnung war.

Nachdem ich mir das Haar habe lang wachsen lassen, um es offen zu tragen, habe ich es heute wieder ganz kurz schneiden lassen, da ich eine Perücke sehr viel angenehmer finde und in Zukunft immer eine tragen will.

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Mir wurde etwas übel, aber da ich auf dem Rücken lag


/ Mai 4th, 2010 | Pepys

4. Mai 1662

Sonntag. Lang im Bett geblieben und mit meiner Frau geplaudert. Dann aufgestanden, weil Mr. Hollier kam und mich zur Ader ließ – etwa 16 Unzen. Ich habe sehr viel und sehr gutes Blut. Mir wurde etwas übel, aber da ich auf dem Rücken lag, erholte ich mich schnell wieder. Ich gab ihm 5s für seine Mühen, und dann verabschiedeten wir uns. Ich ging in mein Zimmer, um mein Tagebuch vom Beginn meiner letzten Reise bis heute nachzutragen.

Aß gut zu Mittag. Nach dem Essen ging ich, den Arm in einer schwarzen Binde, mit meiner Frau zu meinem Bruder Tom. Mein Bursche begleitete uns mit seinem Schwert, das er ab heute trägt, da der Bursche von Sir W. Penn und auch Sir W. Batten seit heute ebenfalls neue Livreen tragen. Aber die Livree meines Jungen halte ich für die schönste.

In der Kirche führte ich meine Frau zur Bank von Mrs. Turner. Das Haus war sehr voll, denn heute sollte ein junger Geistlicher eine Probepredigt halten. Ich ging deshalb zum Temple und spazierte dort umher, bis der Gottesdienst vorbei war. Dann besuchte ich Mrs. Turner und ging hinterher mit meiner Frau zur Gray’s-Inn-Promenade, um die neuste Damenmoden zu besehen, denn meine Frau will sich einige Kleider anfertigen lassen. Auf dem Rückweg besuchten wir Anthony Joyce, dessen Frau krank aus der Kirche zurückgekehrt war. Sie hatte Krämpfe bekommen. Abendessen bei Sir W. Penn, dann nach Hause. Gebetet und zu Bett.

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Er habe das Land mit seiner selbstherrlichen und vergnügungssüchtigen Art heillos heruntergewirtschaftet


/ Mai 3rd, 2010 | Pepys

3. Mai 1668

Sonntag. Aufgestanden und zum Gottesdienst, wo ich Sir A. Riccard von der Ostindischen Kompanie sah, obwohl er auf Befehl des Oberhauses unter Arrest steht, wegen des Streits zwischen der Handelsgesellschaft und Skinner, der die beiden Häuser wohl sehr entzweien wird. Mittags kamen Mr. Milles und Mr. Turner mit ihren Frauen zum Essen, und wir waren sehr vergnügt. Das Essen war von Bridget und Nell sehr hübsch angerichtet worden. Danach wieder in den Gottesdienst, wo ich mir con geschlossenen ojos vorstellte, die hakennasige junge Dame zu futar, eine Kaufmannstochter, die in einer vorderen Reihe unter der Kanzel saß. Dann nach Hause und mit Sir W. Penn in einer Mietkutsche in die Old Street zu einer Brauerei, wo wir Sir Th. Teddeman besuchten, der mit starkem Fieber im Bett liegt, wohl wegen der Furcht, in die ihn das Parlament versetzt hat. Doch er ist ein guter Mann, ein fähiger Seemann und tapfer. Von dort fuhren wir weiter nach Islington und aßen und tranken fröhlich im King’s Head. Spendierten zwei hübschen wohlgenährte Knaben Kuchen, und wie es der Zufall will, stellten sie sich als Söhne meines alten Freundes Kapitän Holland heraus, der desertiert ist, was mir beim Anblick der Knaben um so mehr für ihn leid tut. Fuhren über Hackney nach Hause. Unterhielten uns angeregt, und er sprach sehr offen mit mir, sagte, daß der König das Parlament auflösen solle, sobald das Steuergesetz beschlossen sei, denn hinterher würden sie ihm gewiß nichts mehr geben, und daß der König die große Gelegenheit habe, sich beliebt zu machen, wenn er das Gesetz gegen die Konventikel unterbinde, und daß der Lordstatthalter von Irland zweifellos stürzen werde, wenn die Sitzungsperiode des Parlaments noch länger dauere, denn er habe das Land mit seiner selbstherrlichen und vergnügungssüchtigen Art heillos heruntergewirtschaftet, und einige einflußreiche Männer planten daher seinen Fall, darunter Lord Orrery, und dies werde den König sehr schmerzen, denn er sei ein enger Freund des Lordstatthalters. Dann nach Hause zu einem kleinen Abendessen und zu Bett. Ging zuvor noch geschäftlich zum Ratsherrn Backwell und plauderte dann eine Weile mit ihm und seiner Frau, einer liebenswerten Dame vom Land. Sie erzählten, daß sie ein Gut in meiner alten Heimat gekauft haben, bei Buckworth keine vier Meilen von Brampton entfernt.

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Ich nannte sie »Bettelweib« und sie mich »Schneiderlein«, was mich ärgerte


/ Mai 3rd, 2010 | Pepys

2. Mai 1663

Da ich gestern abend so erschöpft war, schlief ich bis kurz vor 7 Uhr, was schon recht lange nicht mehr vorgekommen ist. Dann aufgestanden und ins Amt (nachdem es zu einem bösen Wortwechsel mit meiner Frau gekommen war, weil mir auffällt, daß sie das Haus nicht sauber hält, ich nannte sie »Bettelweib« und sie mich »Schneiderlein«*, was mich ärgerte). Den ganzen Vormittag gearbeitet, anschließend zur Börse, dann nach Hause zum Mittagessen und sehr fröhlich und zufrieden mit meiner Frau gespeist. Dann wieder ins Amt, wo wir eine außerordentliche Sitzung hatten. Es ging um eine Aufstellung sämtlicher Schulden der Flotte, um die uns der Lordschatzmeister bittet.

Gingen anschließend hinauf zu Sir W. Penn, wo wir in seinem schönen und sehr vornehmen neuen Speisezimmer mit niedriger Decke ein Glas schlechten Apfelweins tranken. Dann nach Hause. Hauptmann Ferrer und seine Gattin waren bei meiner Frau zu Besuch. Anfang nächster Woche will er nach Frankreich reisen, um den jungen Lord Hinchingbrooke zu besuchen und, wie ich vermute, heimzuholen. Als sie fort waren, noch einmal ins Amt, um Briefe zu schreiben. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

* Sie hatte keine Mitgift in die Ehe gebracht, und er war der Sohn eines Schneiders.

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