“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / Mai, 2010


Die ganze Stadt rede von einem Meteor oder Feuerball, der am letzten Samstag nachts über die City geflogen sei.


/ Mai 21st, 2010 | Pepys

21. Mai 1668

Nach dem Aufstehen schickte ich ein paar Sachen aufs Land. Dann ins Amt, wo Sir R. Ford mich aufsuchte. Er gratulierte mir, wie es gestern schon ein oder zwei andere taten, zu meinem großen Kauf und riet mir, lieber darauf zu verzichten, als mich finanziell in Schwierigkeiten zu bringen, denn die Sache wecke Neider. Wie sich herausstellte, verwechselte man mich mit meinem Vetter Tom Pepys, der die Priorei Merton in Surrey zu kaufen beabsichtigt. Ein Irrtum, der mir unangenehm ist und sich zu meinem Nachteil herumsprechen könnte. Ging zum Mittagessen mit meinen Schreibern nach Hause. Dabei erfuhr ich, die ganze Stadt rede von einem Meteor oder Feuerball, der am letzten Samstag nachts über die City geflogen sei. Das erinnert mich daran, daß ich am Samstag, als ich nach dem Schreiben noch eine Stunde im Dunkeln durch den Garten spazierte, ein Licht sah, das von hinten kam, worauf ich mich umdrehte und ein Feuer oder Licht am Himmel in Richtung Cheapside ziehen sah, das rasch verschwand. Ich hatte überlegt, was für ein Feiertag es sein könnte, da ich es für eine Rakete hielt, obwohl es viel heller war. Dann dachte ich nicht weiter darüber nach. Mr. Hayter und Mr. Gibson, die an jenem Abend unterwegs waren, begegneten aber vielen Leuten, die darüber redeten, und die Menschen in den Vorstädten hatten das Licht auch gesehen. Sie fürchteten, der Rest der City würde auch noch abbrennen und die Papisten würden kommen und uns die Kehlen durchschneiden – was Gott verhüten möge. Nach dem Essen fuhr ich zum Temple und kaufte dort ein neues Buch mit Lieder und Arien von einem gewissen Smith aus Oxford sowie einige der Cowley-Arien.* Dann zuerst nach Westminster, wo ich ein wenig in der Halle umher spazierte. Dann weiter zu Mrs. Martin, und konnte dort hacer ce que yo voudrais mit ihr. Trank etwas und saß fast den ganzen Nachmittag mit ihr und ihrer Schwester zusammen. Sie versprach mir, ich könne ihren Star bekommen, der einst dem König gehört hat und so schön spricht. Das freute mich. Dann ging ich zum Temple und traf meinen Vetter Alcock auf der Straße, einen braven jungen Mann, den ich seit vier oder fünf Jahren nicht mehr gesehen habe und der jetzt nach London gekommen ist, um Arbeit zu suchen. Ich kann aber nichts für ihn tun. Dann mit der Kutsche zurück ins Amt. Abends fuhr ich mit Mrs. Turner und Mercer nach Mile End. Dort tranken wir etwas, fuhren wieder nach Hause, sangen zusammen und aßen dann die ersten grünen Erbsen dieses Jahres – ein Geschenk von Mr. Gibson. Sie waren außergewöhnlich zart und köstlich. Dann brachte ich sie nach Hause und ging zu Bett. Sir W. Penn leidet nach wie vor an der Gicht.

* Vermutlich „Poems of Mr. Cowley and others composed into songs and airs“ von William King“.

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Dann fort und zur Wohnung von Mrs. Martin, die vorausgegangen war und dort auf mich wartete


/ Mai 20th, 2010 | Pepys

20. Mai 1667

Früh aufgestanden. Dann kam der Flötenlehrer und gab mir ein neues Stück zum Üben, das ich schon bald spielen konnte, und ich denke, ich werde in einem Monat so weit mit dem Flageolett sein, wie ich es mir vorgenommen habe. Ging, nachdem er fort war, in mein Zimmer und erledigte einige dienstliche Angelegenheiten. Fuhr dann mit der Kutsche zum Steueramt und dann zur Westminster Hall. Sprach dort geschäftlich mit verschiedenen Leuten. Hörte dort unter anderem, daß der König gestern die Mitglieder der Schatzamtskommission benannt habe, aber wen genau, wußte niemand mit Sicherheit zu sagen. Auf jeden Fall gehört der Lordkanzler dazu, außerdem die beiden Staatssekretäre und Lord Ashley. Einige nannten auch Sir W. Coventry und Sir J. Duncombe sowie den Herzog von Albemarle, aber da gingen die Meinungen auseinander – in ein, zwei Tagen werden wir Gewißheit haben. Machte mich dann auf den Heimweg. Überholte unterwegs Mr. Commander, den Notar, und lud ihn zu mir in die Kutsche ein. Fuhr mit ihm nach Lincoln’s Inn Fields, um die dortigen Wagenschuppen zu besehen und herauszufinden, wie viel Platz für einen Wagenschuppen und einen Stall erforderlich ist. Dann fuhren wir zu mir nach Hause und aßen zu Mittag, nur zu zweit, denn meiner Frau ging es nicht gut, so daß sie uns keine Gesellschaft leisten konnte. Nach dem Essen gingen er und ich zu Mr. Hyde, um uns noch einmal das Grundstück hinter dem Haus anzusehen. Wir verabredeten uns mit ihm für morgen, damit wir uns gemeinsam einige Ställe ansehen können, denn er ist der Meinung, daß wir weniger Platz brauchen, als wir meinten. Dann wieder nach Hause. Da der Tag ohnehin schon halb herum war und meine Gelübde mir dies auch erlaubte, ging ich zu Fuß aus dem Haus und spazierte durch die Minories-Straße. Sah zum ersten Mal diesen Teil des Tower-Bergs, seit die Häuser dort nach dem Brand abgerissen worden sind. Ich wollte das Haus suchen, in dem der junge Seidenhändler, Finch, mit seiner hübschen kleinen Frau wohnt, der früher in der Lombard Street gewohnt hat. Sah sie dort auch, ging aber nicht zu ihnen. Dann zur Old-Swan-Lane, wo ich Betty Mitchell besuchte, die ich seit der Taufe nicht mehr gesehen hatte. Himmel, wie schön sie ist, und gesund und munter eh und je. Und ihr Kind ist ebenfalls sehr hübsch und wird gewiß einmal ein hübsches Geschöpf werden (was ich ihr auch sagte, um sie zu erfreuen). Von dort mit dem Boot zur Westminster Hall. Spazierte eine Weile mit Sir William Doyly, dem Abgeordneten, auf und ab. Dann fort und zur Wohnung von Mrs. Martin, die vorausgegangen war und dort auf mich wartete. Und dort yo hace was yo vellem cum ihr, und trank etwas. Von dort mit der Kutsche nach Hause (ich vergaß zu erwähnen, daß ich am Vormittag in den Swan am Neuen Palasthof gegangen war, wo ich la kleine fille des Hauses antraf, und als son Onkel hereinkam, sah er, daß sich su Halstuch gelöst hatte, was mir unangenehm war, aber er machte keine große Sache daraus, sondern tat es mit einem Lachen ab). Verbrachte den Abend zu Hause mit meiner Frau flötespielend. Dann zum Abendessen und nach ein wenig Lektüre zu Bett. Meiner Frau geht es wegen einer Erkältung immer noch nicht gut. Überall hört man, daß es um den Friedensvertrag schlecht steht. Der Kapitän von einem der Schiffe, die unsere Gesandten nach Holland gebracht haben, sagte, daß die holländischen Seeleute sich über uns lustig machen, uns englische Hunde nennen und auf die Friedensverhandlungen schimpfen. Auch sollen viele hohe Standespersonen gegen einen Frieden sein, selbst wenn das gemeine Volk, wie er sagt, den Frieden wünsche.

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Ich hatte sehr guten Stuhlgang, was ich auf die heutige Molke zurückführe, und konnte auch gut Wind ablassen.


/ Mai 19th, 2010 | Pepys

19. Mai 1664

Am Morgen regnete es, und es war kühler geworden. Fuhr in der Kutsche mit Sir W. Penn, der heute vormittag nach Portsmouth reisen wollte, nach Whitehall. Er begab sich zum Herzog, um sich von ihm zu verabschieden, ich ging zum Tanger-Ausschuß. Dort lasen die Lords unseren Abschlußbericht, die Abrechnungen von Lord Peterborough betreffend, und billigten ihn, ohne daß auch nur einer von ihnen begriffen hätte, was darin stand. Wir hätten ihnen alles mögliche vorlegen können, sie hätten es auch abgenommen. Und daß wir uns bemüht hatten, dem König so viel Kosten wie möglich zu ersparen, wurde natürlich auch nicht bemerkt.

Von dort mit der Kutsche wieder zurück. Verbrachte den restlichen Vormittag im Amt und ebenso den Nachmittag, bis 9 Uhr. Widmete mich wieder ganz meinen Amtsgeschäften und hoffe, daß meine Gesundheit mir dies auch in Zukunft erlauben wird.

Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett. Es ging mir wieder ziemlich gut. Ich hatte sehr guten Stuhlgang, was ich auf die heutige Molke zurückführe, und konnte auch gut Wind ablassen.

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Doch gleich beim Start rammten sich die Rennboote, bis eines von ihnen kenterte


/ Mai 18th, 2010 | Pepys

18. Mai 1661

Vom Tower mit dem Boot nach Westminster. Mußte auf einem der Pfeiler an der Brücke warten, bis die Männer ihr Boot durch den Bogen bugsieren konnten, was ihnen erst gelang, nachdem sie ein anderes zu Hilfe gerufen hatten.

Nachdem ich unter der Brücke durch war, sah ich, daß die Themse voller Boote war, und als ich nachfragte, erfuhr ich, daß heute morgen ein Wettrennen stattfinden sollte. Ich erblickte Payne in einer der Gigs und setzte mich zu ihm, weil ich dachte, man könnte dem Rennen bis nach Chelsea folgen. Doch gleich beim Start rammten sich die Rennboote, bis eines von ihnen kenterte. So ruderte das andere allein davon, und unser Vergnügen war dahin. Ich ging daher beim Westminster-Anleger an Land und von dort zur Halle, die in ihrem jetzigen Zustand einen erfreulichen Anblick bietet, wo die Richter in ihren Bänken jetzt am sündlichen Ende sitzen, was ich so noch nicht gesehen hatte. Von dort aus mit Mr. Spicer, Mr. Creed und einigen anderen zu einem Umtrunk. Mit Mr. Creed im Boot heimwärts. Ich ließ ihn in London, wo er geschäftlich zu tun hatte, und fuhr nach Hause, wo ich den ganzen Nachmittag blieb und im Garten mit großem Vergnügen „Faber fortunae“* las. Dann zu Bett.

* „Faber Fortunae sive Doctrina de ambitu vitae“: Teil der Essay-Sammlung „Sermone Fideles“ von Francis Bacon, zuerst 1641 erschienen (der Titel zitiert das Sprichwort ”Faber est suae quisque fortunae” – jeder seines Glückes Schmied); Pepys’ Lieblingsbuch (nicht zu verwechseln mit dem Bacon-Essay „Über das Glück).

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Er ist durch und durch falsch und um eine Ausrede nie verlegen


/ Mai 17th, 2010 | Pepys

17. Mai 1665

Aufgestanden und in den Swan nach Westminster zu einem Treffen mit Mr. Povey und den Anwälten von Sir John Lawson und Mr. Cholmley, um eine Bürgschaft für die Zahlung an Sir J. Lawson aufzusetzen.

Dann Langford, dem Schneider, wo ich seit dem Tod meines Bruders nicht mehr gewesen war. Ich traf dort meine Frau und Mercer, die zwei Röcke aus edler Seide für mich ausgesucht hatten, wie ich sie jetzt haben muß, auch wenn mir die Kosten zu hoch erscheinen. Zuletzt willigte ich aber ein, zumal es sich um eine Ausgabe handelt, die ich am ehesten ertragen kann, weil es für eine Sache ist, die ich am wenigsten entbehren kann.

Dann nach Hause zum Essen und ins Amt. Spät zu Abend gegessen und zu Bett. Sir J. Mennes und ich hatten heute nachmittag eine heftige Auseinsandersetzung mit Kommissar Pett, weil er seine Pflichten vernachlässigt und ohne unser Wissen in Chatham fernbleibt. Ich habe immer mehr den Eindruck, er ist durch und durch falsch und um eine Ausrede nie verlegen.

Unsere Flotte müßte inzwischen in Harwich eingetroffen sein. Sir W. Batten ist heute dorthin gefahren, und die Herzogin von York hat sich bereits gestern auf den Weg gemacht, um den Herzog zu empfangen.

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Wie töricht ich bin, daß ich selbst in Zeiten, in denen ich die größte Vorsicht walten lassen müßte, nicht von Lustbarkeiten und Vergnügungen lassen kann


/ Mai 16th, 2010 | Pepys

16. Mai 1666

Sehr früh aufgestanden und auf den Weg nach Deptford gemacht, um verschiedene geschäftliche Dinge zu erledigen. Zog neue Kleider an, um zu zeigen, daß ich meine Arbeit wieder ernst nehme, nachdem ich lange Zeit alles habe schleifen lassen, was jetzt Tag und Nacht so schwer auf mir lastet, daß mir beinahe alle Lebensfreude abgeht. Den Hinweg machte ich zu Fuß und fuhr mit dem Boot zurück. Dann nach Whitehall zu unserer üblichen Sitzung beim Herzog und anschließend zum Schatzamt, wo das faule Pack die Kerbhölzer immer noch nicht fertig hat, was mich sehr ärgerte. Ging zu Mr. Hayls und ihm das Geld für mein Porträt und das von Mr. Hill zu gegeben. Meins kostet mich 14l für das Bild und 25s für den Rahmen, für Mr. Hills zahlte ich 7l für das Bild, da es sich bloß um eine Kopie handelt, und 5s für den Rahmen, insgesamt also 22l 10s. Ich bin mit den Bildern sehr zufrieden und ließ sie mit einer zweiten Kutsche nach Hause bringen, wo meine Frau und ich sie mit großem Vergnügen aufhängten. Danach zusammen mit meiner Frau und mit Mrs. Barbara Sheldon zu Mittag gegessen, die zu Besuch war und den ganzen Tag bei uns blieb. Anschließend noch einmal nach Deptford, da es mich heftig danach verlangte, Bagwells Frau aufzusuchen, ich traf sie aber nicht an, worüber ich im nachhinein heilfroh bin. Doch führt es mir mir Augen, wie töricht ich bin, daß ich selbst in Zeiten, in denen ich die größte Vorsicht walten lassen müßte, nicht von Lustbarkeiten und Vergnügungen lassen kann.

Ich ging hin und zurück zu Fuß und las unterwegs in meinem Buch über bürgerliches und kirchliches Recht. Wieder zu Hause, lud ich meine Frau, Mrs. Barbara und Mercer zu unserer Grand Tour bis nach Islington ein, wo wir einkehrten. Waren gegen 11 Uhr wieder zurück. Dann, sehr vergnügt, zu Bett.

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Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, Schläge wurden ausgeteilt und Perücken heruntergerissen


/ Mai 15th, 2010 | Pepys

15. Mai 1663

Früh aufgestanden und zu Fuß zum St.-James-Palast. Da Mr. Coventry noch im Bett lag, ging ich im Park spazieren und unterhielt mich mit dem Aufseher der Mailbahn, der gerade die Wege kehrte. Er erzählte mir, woraus der Boden des Spielfelds besteht. Und zwar werden zerstoßene Muschelschalen über die Erde gestreut, damit der Ball gut rollt. Bei Trockenheit wird der Boden allerdings sehr staubig und bremmst den Ball. Dann zu Mr. Coventry. Setzte mich an sein Bett, und er sagte mir, er habe mich kommen lassen, um über Lord Sandwich und dessen Schulden bei der Flotte zu reden, da es für ihn nicht schicklich sei, den gnädigen Herrn selbst darauf anzusprechen. Und er legte mir seine Ansichten sehr freundlich und offenherzig dar und sagte, er könne in dieser Angelegenheit auch den Herzog nicht um einen Gefallen bitten, denn in diesen Tagen verfolge jeder die Handlung des anderen mit besonderem Argwohn. Zumal sich der König bereits gegenüber dem gnädigen Herrn wiederholt sehr gütig gezeigt habe, was allgemein bemerkt worden sei und bei einigen bereits Unmut hervorrufe. Er bat mich also, mit dem gnädigen Herrn zu sprechen, was zu tun ich versprach.

Dann sprachen wir über andere Dinge, und er sagte, er sei alles andere als glücklich mit den Zuständen im Flottenamt, und ich muß gestehen, ich entgegnete, daß zu befürchten stehe, daß alles noch viel schlimmer kommen werde.

Schließlich berichtete er mir, was Mr. Hayter betreffe, so habe der Herzog geäußert, er habe in ihm einen guten Diener, obwohl er ein Quäker sei, und solange er das Amt nicht in Verruf bringe, wolle er Toleranz üben – was mich sehr freut.

Von dort zu Fuß nach Westminster und den ganzen Vormittag in der Halle und im Parlament auf und ab spaziert. Mittags mit der Kutsche zu Lord Crew, da ich gehört hatte, Lord Sandwich speise dort zu Mittag. Erzählte ihm, was Mr. Coventry mir mitgeteilt hatte. Er schien zufrieden, wenn auch, wie ich bemerkte, nicht sehr. Ich glaube aber, der gnädige Herr war wegen anderer Dinge im Parlament ungehalten, denn in dem Antrag, den Lord Bruce jüngst im Parlament gestellt hatte, wonach niemand, der König und Kirche nicht treu ergeben gewesen sei, für den Staatsdienst zugelassen werden dürfe, hieß es, General Monck und der gnädige Herr seien davon ausgenommen. Hinterher kam Lord Bruce zum gnädigen Herrn und bat um Vergebung, es sei nicht seine Absicht gewesen, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken. Nachdem wir uns unterhalten hatten, begleitete ich den gnädigen Herrn in dessen Wohnung, wo wir sehr vornehm speisten. Anwesend waren Lord Mountagu von Boughton, sein Bruder Mr. W. Mountagu, der Kronanwalt &c.

Sie unterhielten sich über einen lächerlichen Streit vor zwei Tagen im Haus von Lord Oxford. Zu Gast waren Lord Albemarle, Lord Lindsey, zwei der Porters, Lord Belasyse und andere. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, Schläge wurden ausgeteilt und Perücken heruntergerissen, bis Lord Albemarle ihnen schließlich die Degen abnahm und Soldaten herbei rief, um das Haus bewachen zu lassen, bis das Handgemenge beigelegt wäre. Derart närrisch ist der Adel in unseren Tagen.

Nach dem Essen ging ich hinauf zu Sir Th. Crew, der bettlägerig ist und unter Kopfschmerzen, Blähungen und Schwindelanfällen leidet. Saß den ganzen Nachmittag bei ihm und redete mit ihm über die traurigen Zustände in unserem Land, über den König, der nur seinen Vergnügungen nachgeht und es haßt, an seine Staatsgeschäfte erinnert zu werden – über Lady Castlemaine, die ihn beeinflusse. Und Sir Th. Crew sagt, sie verstehe sich auf sämtliche Kunstfertigkeiten des Pietro Aretino, die dazu dienen, einem Mann Lust zu bereiten, wofür der König nur allzu empfänglich sei, da er einen großen *** habe, und das italienische Sprichwort sei leider wahr: Cazzo dritto non vuolt consiglio.* Erteile man ihm einen vernünftigen Ratschlag und versuche ihn zu Dingen zu bewegen, die zu seinem Besten seien und ihm zur Ehre gereichten, käme sofort die andere Partei, die Partei des Vergnügens, und beredete ihn, nicht auf den Rat dieser alten Narren, den Vertretern der Vernunft, zu hören, da sie früher seine Feinde gewesen seien – dabei seien es vor allem sie, die dem König heute treu ergeben seien. Besonderer Gunst beim König erfreuen sich zur Zeit anscheinend Lord Bristol, der Herzog von Buckingham, Sir H. Bennet, Lord Ashley und Sir Ch. Berkeley. Sie sind es auch, die den Lordkanzler zu Fall gebracht haben, um den es schlecht bestellt zu sein scheint: Bei Hof muß er warten wie alle anderen, bis er den König sprechen kann. Wolle Gott, daß die Sache gut ausgeht, denn man fürchtet, daß es dem Lordschatzmeister bald ähnlich ergehen wird. Erstaunlich, daß Lord Ashley – mit Unterstützung von Lord Bristol – so hoch in der Gunst des Königs steht, seit er mit den Katholiken gemeinsame Sache gegen die Bischöfe macht, die er auf den Tod haßt und über die er öffentlich herzieht. Nicht, daß er Katholik geworden ist, sondern er verurteilt nur, daß die Bischöfe sich gegen die Religionsfreiheit ausgesprochen haben. (Gleichzeitig, höre ich, versteht sich der Bischof von London mit dem König besser denn je.) Denn zwar ist Lord Ashley ein sehr pflichtbewußter Mann, aber auch ein Freund des Vergnügens und so mancher derber Späße, und doch, heißt es, soll er Lordschatzmeister werden, sobald der Herzog von Southampton abtritt oder stirbt.

Und Lord Albemarle, höre ich, kann sich unter ihnen sehr gut behaupten. Er genießt die Gunst und Wertschätzung des Königs, auch wenn er nicht dem Kabinett angehört, hat aber einige Neider.

Es ist nach wie vor sehr fraglich, ob der König den Herzog von Monmouth legitimiert. Aber das Unterhaus würde dem niemals zustimmen, und auch der Herzog von York würde es nicht dulden – dessen Gattin, wie ich erfuhr, ihn sehr mit ihrer Eifersucht plagt. Und erstaunlich ist auch, daß Sir Ch. Berkeley noch immer in so hohem Ansehen steht, nicht nur beim König, sondern auch beim Herzog, hat er doch steif und fest behauptet, seiner Gattin seinerzeit beigelegen zu haben, und ein anderer, ein gewisser Armourer, soll vor ihr auf dem Pferd gesessen haben, in Holland, glaube ich, und beim Reiten habe ihre Hand auf seinem *** gelegen.

Niemand scheint daran interessiert, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern, sei es die Unterstützung des Handels, sei es die Versöhnung der Parteien bei Hof, die jederzeit übereinander herzufallen drohen, was Gott verhüten möge. Der König und alle um ihn her denken statt dessen nur an ihr Vernügen und ihren eigenen Gewinn.

Der junge Lord Hinchingbrooke hatte, wie ich höre, einen unglücklichen Jagdunfall. Seine Vogelflinte, die mit Schrotkugeln geladen war, ging los und traf seinen Burschen ins Gesicht und in die Schläfen. Vier Tage später war er tot.

Schottland: Obwohl die Zeitungen uns Woche für Woche melden, daß alles ruhig sei und zum besten stehe in der Kirche, hätten die Weiber den Bischof von Galloway neulich am liebsten umgebracht, und nicht einmal die Hälfte aller Kirchen unterwirft sich der Staatskirche.

Verheerend waren die Folgen des letzten Gewitters vor etwa einer Woche in Northampton, das mit schweren Regenfällen einherging – diese richteten binnen weniger Stunden außerordentliche Überschwemmungen an, Brücken und Häuser wurden fortgerissen, Menschen und Vieh ertranken. Als zwei Männer zu Pferd eine Brücke überquerten, wurden die Pfeiler vor und hinter ihnen weggespült, und es blieb nur noch das Stück übrig, auf dem sie standen. Eins der Pferde stürzte ab und ertrank. Holz landete als Treibgut auf Kirchtürmen und andere entsetzliche Dinge. Zum Beweis, daß es sich wirklich so zugetragen hatte, zeigte mir Sir Th. Crew Briefe von Mr. Freemantle und anderen.

Offenbar haben uns die Portugiesen mit der Insel Bombay einen üblen Streich gespielt. Der König hatte Lord Marlborough und Sir Abraham Shipman mit einem kleinen Geschwader dorthin entsandt, um die Insel in Besitz zu nehmen, die der König von Portugal ihm als Mitgift seiner Tochter zugesprochen hat. Doch aus irgendeinem Grund wollte der portugiesische Staathalter sie nicht übergeben – was der König sehr schlecht aufnimmt, und ich fürchte, die Königin wird es ausbaden müssen.

Der Einfluß der Holländer in der Region nimmt zusehends ab, und man glaubt, daß sich ihre Händler dort früher oder später gegen sie auflehnen werden und sie gezwungen sind, sich zurückzuziehen. So reden jedenfalls die Leute, ob es wahr ist, kann ich nicht beurteilen.

Sir Thomas zeigte mir zwei Porträts, eins von sich und ein Selbstporträt von Sir Anthonis van Dyck, sehr schön in Pastell ausgeführt.

Nachdem ich mit ihm über dies und viele andere Dinge gesprochen hatte, verabschiedete ich mich. Fuhr mit der Kutsche zum St.-James-Palast. Berichtete Mr. Coventry, was ich mit dem gnädigen Herrn bepsprochen hatte, und dann sehr vergnügt nach Hause. Es war schon sehr spät, und ich traf meine Frau und den Tanzlehrer allein oben an, aber sie tanzten nicht, sondern spazierten auf und ab. Da erfaßte mich eine tödliche Eifersucht, daß meine Innersten in Aufruhr geriet und ich kaum noch wußte, was ich tat. Eilte ins Amt, kam aber wenig später wieder. Ich wollte meiner Wut freien Lauf lassen, ging dann aber doch gleich zu Bett. Ich konnte nicht schlafen. Zu meiner Frau sagte ich nur, ich hätte schlechte Nachrichten vom Herzog wegen Tom Hayter erhalten. Durch eigene Dummheit habe ich ihr die Gelegenheit geboten, so häufig mit diesem Mann zusammenzusein, der fürwahr gut aussieht – stets adrett gekleidet, schwarzhaarig, allerdings verheiratet. Aber welch eine törichte Narretei, sich einer solchen Eifersucht hinzugeben. Und ich war es, der ihr vorgeschlagen hat, einen weiteren Monat Unterricht zu nehmen – aber das soll ein Ende haben, so bald wie möglich. <Ich schäme mich jedoch, wenn ich daran denke, unter welchen Vorwänden ich versuchte, von meiner Frau herauszubekommen, ob sie womöglich wieder Unterhosen trug und andere Dinge, die meinen Verdacht hätten erregen können. Aber ich fand nichts dergleichen.>

* Ein steifer Schwanz will keinen Rat.

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Er wetterte gegen die Bischöfe und lobte den »frommen« Lord Eglinton, bis wir vor Lachen fast platzten


/ Mai 14th, 2010 | Pepys

14. Mai 1669

Aufgestanden und zum St.-James-Palast zum Herzog von York und dann nach Whitehall, wo wir tagten. Mittags aß ich mit Mr. Wren beim Erzbischof von Canterbury auf Schloß Lambeth. Ich war zum ersten Mal dort. Es ist sehr prächtig, schöne Möbel, schöne Bilder, und die Dienerschaft ist sehr aufmerksam. Es war eine erstaunlich große Gesellschaft versammelt, dafür daß kein Feiertag war, und man war so vergnügt, wie ich es selten an einer gewöhnlichen Tafel erlebt habe. Der Bischof war auch sehr freundlich zu mir und wünschte, ich solle ein anderes Mal wiederkommen, wenn weniger Leute da wären. Als die meisten gegangen waren und ich aufbrechen wollte, hörte ich, es solle eine Predigt geben. Ich blieb daher, um sie mir anzuhören. Doch wie sich herausstellte, ging es nur um einen Scherz, den sich ein gewisser Bolton erlaubte, ein sehr vornehmer junger Herr, der sich hinter seinen Stuhl stellte und dann anfing, wie ein schottischer Presbyterianer zu predigen, wobei er die Mimik und den Tonfall verblüffend genau nachahmte. Er sprach über die Worte: „Unsere Harfen hingen wir an die Weiden“ – und zwar sehr gut: er wetterte gegen die Bischöfe und lobte den »frommen« Lord Eglinton, bis wir vor Lachen fast platzten. Ich wunderte mich nur, daß der Bischof sich zu dieser Tageszeit solchen Vergnügungen hingab, doch ich erfuhr, dies sei nur eine große Ausnahme. Er ließ auch sorgsam die Saaltür verschließen, so daß wir unter uns waren.

Dann ans andere Ufer nach Whitehall zu einer kurzen Sitzung des Tanger-Ausschusses. Hinterher traf ich in der Galerie Sir Th. Osborne, der mich von sich aus ansprach, was mich sehr freute. Er lobte mich über die Maßen und sagte, ich hätte mich wie keiner anderer um das Flottenamt verdient gemacht, und wenn jemand zum Nachfolger von Sir J. Mennes wie geschaffen sei, dann ich, allerdings wüßte er nicht, wer dann mein Nachfolger als Erster Sekretär werden könne. Zwar wünsche ich mir den Posten des Aufsehers durchaus nicht, ich erwähnte aber dennoch Tom Hayter als einen geeigneten Nachfolger für mich, was er sich zu merken versprach. Diese Unterhaltung war überaus erfreulich, und ich halte es für wahrscheinlicher denn je, daß ich im Flottenamt bleiben werde. Dann zu Unthank, aber meine Frau war noch nicht angekleidet, was mich ärgerte, weil wir in den Park wollten, denn es war ein sehr schöner Tag, und nach dem Regen von gestern war kein Staub in der Luft, und die meisten Leute fuhren aus. Doch dann fuhren wir mit meinem Bruder im Boot nach Fulham, plauderten und sangen und zogen die Fährmänner mit der alten Geschichte von den Frauen von Woolwich auf, was sie immer zur Weißglut bringt. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

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Der gnädige Herr sagte kühl: „Gott sei mit Euch“, was sehr befremdlich war


/ Mai 13th, 2010 | Pepys

13. Mai 1660

Sonntag. Ließ mich morgens rasieren. Danach mit Mr. Shipley in die Kombüse, und es war das erste Mal, daß ich dort war.

Dann aufs Achterdeck, wo die Schneider und Maler daran arbeiteten, Stücke gelben Stoffs in Form einer Krone mit einem C. R. zurechtzuschneidern und sie auf feines Tuch zu nähen und dies wiederum anstelle des Staatswappens in die Flagge, die nach dem Essen fertig war und gehißt wurde – nachdem sie dem gnädigen Herrn gezeigt worden war, der heute ein Abführmittel genommen hatte und in seiner Kajüte blieb. Sie gefiel ihm so gut, daß er mich anwies, den Schneidern dafür 20s zu geben.

Heute morgen trafen wir Sir John Boys und Kapitän Isham auf der Nonsuch, von denen der erste, nachdem er einige Worte mit dem gnädigen Herrn gewechselt hatte, weiterfuhr, der andere blieb bei uns.

Ich hörte von ihnen, daß Mr. Downing nie irgendeine Ergebenheitsadresse an den König gerichtet habe, was man ihm am Hof sehr übel genommen habe, und daß er angeblich beim König in Ungnade gefallen sei und auf einem holländischen Schiff bereits wieder auf dem Weg nach England.

Ferner, daß Mr. Morland diese Woche vom König geadelt worden sei und daß der König offen verkündet habe, warum, nämlich weil er ihm in seiner Zeit als Schreiber beim Staatsseketär Thurloe regelmäßig Nachrichten übermittelt habe.

Am Nachmittag ein Kriegsrat, aber nur, um bekanntzugeben, daß die Harfe aus allen Flaggen entfernt werden müsse, da sie dem König ein Ärgernis sei.

Mr. Cooke kam uns auf der Yarmouth nachgefahren und brachte mir einen Brief von meiner Frau und einen lateinischen Brief von meinem Bruder John. Über beide freute ich mich außerordentlich.

Da wir den ganzen Tag fuhren, gab es keinen Gottesdienst, lediglich ein Abendgebet, in dem Mr. Ibbott für unsere Brüder und Schwestern betete, die leiblichen wie auch die im Geiste.

Wir kamen in Sichtweite der Küste bei Middelburg.

Spät abends schrieben wir Briefe, in denen wir dem König unsere Ankunft meldeten, und Mr. Edw. Pickering überbrachte sie.

Auch Kapitän Isham ging an Land, doch niemand schien ihn zu beachten. Der alte Mann verabschiedete sich daher sehr knapp vom gnädigen Herrn, und der gnädige Herr sagte kühl: „Gott sei mit Euch“, was sehr befremdlich war, aber ich hörte, daß er beim König bereits wieder das große Wort führe und stolz verkünde, welche Kommandos er unter dem gnädigen Herrn gehabt habe &c.

Brachte die Briefe auf den Weg, dann zu Bett.

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Bestiegen danach wieder die Barke, auf der es gutes Essen und Wein gab


/ Mai 12th, 2010 | Pepys

12. Mai 1662

Mr. Townshend weckte uns um 4 Uhr morgens. Um fünf nahm ich mit den drei Damen, meiner Frau, Mr. Townshend, seinem Sohn und seiner Tochter die Barke, und wir fuhren ab. Von Mortlake zu Fuß nach Richmond, dann wieder ins Boot. Von Teddington ging ich mit Mr. Townshend zu Fuß nach Hampton Court , wo wir die Damen trafen und Mr. Marriott uns das ganze Haus zeigte, das überaus vornehm eingerichtet ist. Sehr schön vor allem das Bett der Königin, ein Geschenk der holländischen Generalstände. Ein Spiegel hing dort, den die Königinmutter aus Frankreich geschickt hat, und viele prächtige Gemälde.

Bei Mr. Marriott setzten wir uns und tranken etwas und bestiegen danach wieder die Barke, auf der es gutes Essen und Wein gab. Waren sehr vergnügt. Um 8 Uhr abends langten wir wohlbehalten wieder zu Hause an. Meine Frau und ich verabschiedeten uns von der gnädiger Frau und fuhren mit einer Mietkutsche heim, die so leichtgängig war, wie ich es noch nie erlebt hatte. Dann zu Bett.

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