“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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So heißt es etwa, sie könne mit ihrem Blick jeden Mann in die Knie zwingen


/ Mai 30th, 2010 | Pepys

30. Mai 1667

Aufgestanden und ins Amt und den ganzen Vormittag dort verbracht. Mittags zum Essen nach Hause. Ohne viele Worte hatten meine Frau und ich uns wieder vertragen, wenngleich ich gestern abend sehr wütend war, doch hatte sie gewiß auch allen Grund auf mich wütend zu sein. Nach dem Essen ging ich zu Fuß zur Akademie der Wissenschaften zum Arundel House. Der Weg war allerdings sehr staubig (sie haben ihre Sitzungen von Mittwoch auf Donnerstag verlegt, was ich erst vor kurzem erfahren hatte, und zwar weil der Kronrat mittwochs tagt, in dem auch einige Mitglieder der Akademie sind und dem König ihre Aufwartung machen müssen). Der Saal war erstaunlich voll, denn man erwartete die Herzogin von Newcastle, die den Wunsch geäußert hatte, zu einem Vortrag eingeladen zu werden. Nach einer langen Debatte hatte man sie auch tatsächlich eingeladen, obwohl offensichtlich viele Mitglieder dagegen waren, und alles fürchtete nun, daß es in der Stadt vor Spottgedichten nur so wimmeln wird. Schließlich kam die Herzogin mit einigen Hofdamen, darunter auch Mrs. Ferrabosco, über die so viel geredet wird, so heißt es etwa, sie könne mit ihrem Blick jeden Mann in die Knie zwingen. Sie ist in der Tat schwarzhaarig und hat schöne schwarze Augen, aber ansonsten kommt sie mir wie eine ziemlich gewöhnliche Frau vor. Sie soll allerdings eine gute Sängerin sein. Die Herzogin selbst ist eine recht anmutige Person, aber ihre phantastische Art, sich zu kleiden, und ihr theatralisches Gebaren gefallen mir nicht. Auch was sie sagte, war nicht sehr bemerkenswert, sie wiederholte nur ein ums andere mal, wie wundervoll alles sei. Es wurden ihr einige sehr schöne Versuche mit Farben, Magneten, mit dem Mikroskop und verschiedenen Flüssigkeiten vorgeführt. Bei einem wurde vor ihren Augen ein Stück Lammbraten in reines Blut verwandelt, was wirklich erstaunlich war. Auch Mr. More aus Cambridge, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, war anwesend, was mich sehr freute, und ein hübscher schwarzhaariger Junge lief zwischen den Erwachsenen herum – wohl das Kind von jemandem im Arundel House. Nachdem man ihr zahlreiche Versuche vorgeführt hatte und sie noch rief, wie „wundervoll“ alles sei, verließ sie den Saal und wurde von einigen der anwesenden Lords, die sie bereits hereingeführt hatten, wieder hinausgeleitet – darunter Lord George Berkeley und der Graf von Carlisle und auch ein überaus galanter junger Herr, der Herzog von Somerset.

Fuhr, nachdem sie gegangen war, mit der Kutsche nach Hause und war noch lange damit beschäftigt, Briefe zu schreiben. War am Abend dann mit meiner Frau zusammen, sang mit ihr im Garten und hatte dabei viel Freude. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.




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