“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Wie er während der Predigt meiner Frau verstohlene Blicke zuwarf, die sie erwiderte


/ Mai 25th, 2010 | Pepys

24. Mai 1663

Sonntag. Nachdem ich gestern abend eine von Mr. Holliers Pillen eingenommen hatte, an diesem Morgen mehrmals Stuhlgang gehabt. Ging daher nicht in den Gottesdienst, sondern blieb zu Hause und ordnete meine Unterlagen den Rechtsstreit mit T. Trice betreffend. Als mir meine Frau beim Mittagessen erzählte, in Begleitung von Peg Penn sei heute morgen im Gottesdienst eine hübsche Dame gewesen, bekam ich plötzlich doch Lust, in die Kirche zu gehen, um sie in Augenschein zu nehmen, und tatsächlich – sie war sehr schön. Auf der Empore gegenüber erblickte ich allerdings Pembleton und sah, wie er während der Predigt meiner Frau verstohlene Blicke zuwarf, die sie erwiderte – ich ließ mir aber nichts anmerken. Beim Hinausgehen knickste sie gar vor ihm, ohne sich um mich zu kümmern. Wenn man bedenkt, wie sehr ihr an den letzten beiden Sonntagen daran gelegen war, sowohl vor- wie nachmittags in die Kirche zu gehen, dann könnte man wirklich argwöhnen, daß da mehr zwischen ihnen ist, wenn ich auch nicht gleich vom Schlimmsten ausgehen will. Aber die Sache macht mich ratlos, und ich verfluche den Tag, da ich mein Einverständnis zu den Tanzstunden gegeben habe, ja, daß ich den Unterricht sogar noch um einen Monat verlängert habe, worauf sie gar nicht bestanden hätte, und das, nachdem ich von ihrem Gebaren bereits mehr als genug hatte. Aber ich muß mich in Geduld üben. Ich werde sie aufs Land schicken oder zumindest dem Tanzunterricht so bald wie möglich ein Ende bereiten. Nach der Predigt mit Sir J. Mennes zu Sir W. Penn, um zu besprechen, was wir heute abend Mr. Coventry zur Antwort geben sollten. Dann nach Hause und mit meiner Frau und Ashwell im Garten spaziert. Wir sprachen darüber, wer wohl die schöne Dame sein mochte, die in Begleitung von Mrs. Penn war – vielleicht ihre Gesellschafterin, allerdings saß sie mit ihr in der Kirchenbank, was ihr Vater einer Bedienten wohl nicht erlauben würde.

Dann nach Hause. Las meiner Frau einige Fabeln aus Ogilbys ”Äsop” vor. Dann zum Abendessen, gebetet und zu Bett – heute abend sprach meine Frau davon, sich Kleider für ihren Aufenthalt auf dem Land schneidern zu lassen. Ich tat, als sei ich dagegen, und behauptet, das sei zu teuer, aber im Grunde bin ich froh – wenn sie auf dem Land ist, sieht sie diesen Kerl nicht mehr, und ich kann mich endlich wieder mehr um meine Geschäfte kümmern. Gebetet und zu Bett.

Susan ist, seit sie zuletzt bei uns war, entweder wirr im Geiste geworden oder eine Trinkerin, denn sie ist mehrmals am Tag in die Schenke gegangen, ohne meine Frau um Erlaubnis zu fragen. Heute hat sie offenbar vor 5 Uhr früh Griffith, unseren Pförtner, aus dem Bett gescheucht, damit er sie hinausläßt. Sie sagte, sie wolle in die Schenke – angeblich um sich aufzuwärmen. Meine Frau ist darüber mit ihr in Streit geraten und hat sie daraufhin hinausgeworfen. Also ist das nichtsnutzige Frauenzimmer gegangen. Nahm auch heute abend wieder eine Pille.




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