Früh aufgestanden und zu Fuß zum St.-James-Palast. Da Mr. Coventry noch im Bett lag, ging ich im Park spazieren und unterhielt mich mit dem Aufseher der Mailbahn, der gerade die Wege kehrte. Er erzählte mir, woraus der Boden des Spielfelds besteht. Und zwar werden zerstoßene Muschelschalen über die Erde gestreut, damit der Ball gut rollt. Bei Trockenheit wird der Boden allerdings sehr staubig und bremmst den Ball. Dann zu Mr. Coventry. Setzte mich an sein Bett, und er sagte mir, er habe mich kommen lassen, um über Lord Sandwich und dessen Schulden bei der Flotte zu reden, da es für ihn nicht schicklich sei, den gnädigen Herrn selbst darauf anzusprechen. Und er legte mir seine Ansichten sehr freundlich und offenherzig dar und sagte, er könne in dieser Angelegenheit auch den Herzog nicht um einen Gefallen bitten, denn in diesen Tagen verfolge jeder die Handlung des anderen mit besonderem Argwohn. Zumal sich der König bereits gegenüber dem gnädigen Herrn wiederholt sehr gütig gezeigt habe, was allgemein bemerkt worden sei und bei einigen bereits Unmut hervorrufe. Er bat mich also, mit dem gnädigen Herrn zu sprechen, was zu tun ich versprach.
Dann sprachen wir über andere Dinge, und er sagte, er sei alles andere als glücklich mit den Zuständen im Flottenamt, und ich muß gestehen, ich entgegnete, daß zu befürchten stehe, daß alles noch viel schlimmer kommen werde.
Schließlich berichtete er mir, was Mr. Hayter betreffe, so habe der Herzog geäußert, er habe in ihm einen guten Diener, obwohl er ein Quäker sei, und solange er das Amt nicht in Verruf bringe, wolle er Toleranz üben – was mich sehr freut.
Von dort zu Fuß nach Westminster und den ganzen Vormittag in der Halle und im Parlament auf und ab spaziert. Mittags mit der Kutsche zu Lord Crew, da ich gehört hatte, Lord Sandwich speise dort zu Mittag. Erzählte ihm, was Mr. Coventry mir mitgeteilt hatte. Er schien zufrieden, wenn auch, wie ich bemerkte, nicht sehr. Ich glaube aber, der gnädige Herr war wegen anderer Dinge im Parlament ungehalten, denn in dem Antrag, den Lord Bruce jüngst im Parlament gestellt hatte, wonach niemand, der König und Kirche nicht treu ergeben gewesen sei, für den Staatsdienst zugelassen werden dürfe, hieß es, General Monck und der gnädige Herr seien davon ausgenommen. Hinterher kam Lord Bruce zum gnädigen Herrn und bat um Vergebung, es sei nicht seine Absicht gewesen, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken. Nachdem wir uns unterhalten hatten, begleitete ich den gnädigen Herrn in dessen Wohnung, wo wir sehr vornehm speisten. Anwesend waren Lord Mountagu von Boughton, sein Bruder Mr. W. Mountagu, der Kronanwalt &c.
Sie unterhielten sich über einen lächerlichen Streit vor zwei Tagen im Haus von Lord Oxford. Zu Gast waren Lord Albemarle, Lord Lindsey, zwei der Porters, Lord Belasyse und andere. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel, Schläge wurden ausgeteilt und Perücken heruntergerissen, bis Lord Albemarle ihnen schließlich die Degen abnahm und Soldaten herbei rief, um das Haus bewachen zu lassen, bis das Handgemenge beigelegt wäre. Derart närrisch ist der Adel in unseren Tagen.
Nach dem Essen ging ich hinauf zu Sir Th. Crew, der bettlägerig ist und unter Kopfschmerzen, Blähungen und Schwindelanfällen leidet. Saß den ganzen Nachmittag bei ihm und redete mit ihm über die traurigen Zustände in unserem Land, über den König, der nur seinen Vergnügungen nachgeht und es haßt, an seine Staatsgeschäfte erinnert zu werden – über Lady Castlemaine, die ihn beeinflusse. Und Sir Th. Crew sagt, sie verstehe sich auf sämtliche Kunstfertigkeiten des Pietro Aretino, die dazu dienen, einem Mann Lust zu bereiten, wofür der König nur allzu empfänglich sei, da er einen großen *** habe, und das italienische Sprichwort sei leider wahr: Cazzo dritto non vuolt consiglio.* Erteile man ihm einen vernünftigen Ratschlag und versuche ihn zu Dingen zu bewegen, die zu seinem Besten seien und ihm zur Ehre gereichten, käme sofort die andere Partei, die Partei des Vergnügens, und beredete ihn, nicht auf den Rat dieser alten Narren, den Vertretern der Vernunft, zu hören, da sie früher seine Feinde gewesen seien – dabei seien es vor allem sie, die dem König heute treu ergeben seien. Besonderer Gunst beim König erfreuen sich zur Zeit anscheinend Lord Bristol, der Herzog von Buckingham, Sir H. Bennet, Lord Ashley und Sir Ch. Berkeley. Sie sind es auch, die den Lordkanzler zu Fall gebracht haben, um den es schlecht bestellt zu sein scheint: Bei Hof muß er warten wie alle anderen, bis er den König sprechen kann. Wolle Gott, daß die Sache gut ausgeht, denn man fürchtet, daß es dem Lordschatzmeister bald ähnlich ergehen wird. Erstaunlich, daß Lord Ashley – mit Unterstützung von Lord Bristol – so hoch in der Gunst des Königs steht, seit er mit den Katholiken gemeinsame Sache gegen die Bischöfe macht, die er auf den Tod haßt und über die er öffentlich herzieht. Nicht, daß er Katholik geworden ist, sondern er verurteilt nur, daß die Bischöfe sich gegen die Religionsfreiheit ausgesprochen haben. (Gleichzeitig, höre ich, versteht sich der Bischof von London mit dem König besser denn je.) Denn zwar ist Lord Ashley ein sehr pflichtbewußter Mann, aber auch ein Freund des Vergnügens und so mancher derber Späße, und doch, heißt es, soll er Lordschatzmeister werden, sobald der Herzog von Southampton abtritt oder stirbt.
Und Lord Albemarle, höre ich, kann sich unter ihnen sehr gut behaupten. Er genießt die Gunst und Wertschätzung des Königs, auch wenn er nicht dem Kabinett angehört, hat aber einige Neider.
Es ist nach wie vor sehr fraglich, ob der König den Herzog von Monmouth legitimiert. Aber das Unterhaus würde dem niemals zustimmen, und auch der Herzog von York würde es nicht dulden – dessen Gattin, wie ich erfuhr, ihn sehr mit ihrer Eifersucht plagt. Und erstaunlich ist auch, daß Sir Ch. Berkeley noch immer in so hohem Ansehen steht, nicht nur beim König, sondern auch beim Herzog, hat er doch steif und fest behauptet, seiner Gattin seinerzeit beigelegen zu haben, und ein anderer, ein gewisser Armourer, soll vor ihr auf dem Pferd gesessen haben, in Holland, glaube ich, und beim Reiten habe ihre Hand auf seinem *** gelegen.
Niemand scheint daran interessiert, sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern, sei es die Unterstützung des Handels, sei es die Versöhnung der Parteien bei Hof, die jederzeit übereinander herzufallen drohen, was Gott verhüten möge. Der König und alle um ihn her denken statt dessen nur an ihr Vernügen und ihren eigenen Gewinn.
Der junge Lord Hinchingbrooke hatte, wie ich höre, einen unglücklichen Jagdunfall. Seine Vogelflinte, die mit Schrotkugeln geladen war, ging los und traf seinen Burschen ins Gesicht und in die Schläfen. Vier Tage später war er tot.
Schottland: Obwohl die Zeitungen uns Woche für Woche melden, daß alles ruhig sei und zum besten stehe in der Kirche, hätten die Weiber den Bischof von Galloway neulich am liebsten umgebracht, und nicht einmal die Hälfte aller Kirchen unterwirft sich der Staatskirche.
Verheerend waren die Folgen des letzten Gewitters vor etwa einer Woche in Northampton, das mit schweren Regenfällen einherging – diese richteten binnen weniger Stunden außerordentliche Überschwemmungen an, Brücken und Häuser wurden fortgerissen, Menschen und Vieh ertranken. Als zwei Männer zu Pferd eine Brücke überquerten, wurden die Pfeiler vor und hinter ihnen weggespült, und es blieb nur noch das Stück übrig, auf dem sie standen. Eins der Pferde stürzte ab und ertrank. Holz landete als Treibgut auf Kirchtürmen und andere entsetzliche Dinge. Zum Beweis, daß es sich wirklich so zugetragen hatte, zeigte mir Sir Th. Crew Briefe von Mr. Freemantle und anderen.
Offenbar haben uns die Portugiesen mit der Insel Bombay einen üblen Streich gespielt. Der König hatte Lord Marlborough und Sir Abraham Shipman mit einem kleinen Geschwader dorthin entsandt, um die Insel in Besitz zu nehmen, die der König von Portugal ihm als Mitgift seiner Tochter zugesprochen hat. Doch aus irgendeinem Grund wollte der portugiesische Staathalter sie nicht übergeben – was der König sehr schlecht aufnimmt, und ich fürchte, die Königin wird es ausbaden müssen.
Der Einfluß der Holländer in der Region nimmt zusehends ab, und man glaubt, daß sich ihre Händler dort früher oder später gegen sie auflehnen werden und sie gezwungen sind, sich zurückzuziehen. So reden jedenfalls die Leute, ob es wahr ist, kann ich nicht beurteilen.
Sir Thomas zeigte mir zwei Porträts, eins von sich und ein Selbstporträt von Sir Anthonis van Dyck, sehr schön in Pastell ausgeführt.
Nachdem ich mit ihm über dies und viele andere Dinge gesprochen hatte, verabschiedete ich mich. Fuhr mit der Kutsche zum St.-James-Palast. Berichtete Mr. Coventry, was ich mit dem gnädigen Herrn bepsprochen hatte, und dann sehr vergnügt nach Hause. Es war schon sehr spät, und ich traf meine Frau und den Tanzlehrer allein oben an, aber sie tanzten nicht, sondern spazierten auf und ab. Da erfaßte mich eine tödliche Eifersucht, daß meine Innersten in Aufruhr geriet und ich kaum noch wußte, was ich tat. Eilte ins Amt, kam aber wenig später wieder. Ich wollte meiner Wut freien Lauf lassen, ging dann aber doch gleich zu Bett. Ich konnte nicht schlafen. Zu meiner Frau sagte ich nur, ich hätte schlechte Nachrichten vom Herzog wegen Tom Hayter erhalten. Durch eigene Dummheit habe ich ihr die Gelegenheit geboten, so häufig mit diesem Mann zusammenzusein, der fürwahr gut aussieht – stets adrett gekleidet, schwarzhaarig, allerdings verheiratet. Aber welch eine törichte Narretei, sich einer solchen Eifersucht hinzugeben. Und ich war es, der ihr vorgeschlagen hat, einen weiteren Monat Unterricht zu nehmen – aber das soll ein Ende haben, so bald wie möglich. <Ich schäme mich jedoch, wenn ich daran denke, unter welchen Vorwänden ich versuchte, von meiner Frau herauszubekommen, ob sie womöglich wieder Unterhosen trug und andere Dinge, die meinen Verdacht hätten erregen können. Aber ich fand nichts dergleichen.>
* Ein steifer Schwanz will keinen Rat.
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