“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Er wetterte gegen die Bischöfe und lobte den »frommen« Lord Eglinton, bis wir vor Lachen fast platzten


/ Mai 14th, 2010 | Pepys

14. Mai 1669

Aufgestanden und zum St.-James-Palast zum Herzog von York und dann nach Whitehall, wo wir tagten. Mittags aß ich mit Mr. Wren beim Erzbischof von Canterbury auf Schloß Lambeth. Ich war zum ersten Mal dort. Es ist sehr prächtig, schöne Möbel, schöne Bilder, und die Dienerschaft ist sehr aufmerksam. Es war eine erstaunlich große Gesellschaft versammelt, dafür daß kein Feiertag war, und man war so vergnügt, wie ich es selten an einer gewöhnlichen Tafel erlebt habe. Der Bischof war auch sehr freundlich zu mir und wünschte, ich solle ein anderes Mal wiederkommen, wenn weniger Leute da wären. Als die meisten gegangen waren und ich aufbrechen wollte, hörte ich, es solle eine Predigt geben. Ich blieb daher, um sie mir anzuhören. Doch wie sich herausstellte, ging es nur um einen Scherz, den sich ein gewisser Bolton erlaubte, ein sehr vornehmer junger Herr, der sich hinter seinen Stuhl stellte und dann anfing, wie ein schottischer Presbyterianer zu predigen, wobei er die Mimik und den Tonfall verblüffend genau nachahmte. Er sprach über die Worte: „Unsere Harfen hingen wir an die Weiden“ – und zwar sehr gut: er wetterte gegen die Bischöfe und lobte den »frommen« Lord Eglinton, bis wir vor Lachen fast platzten. Ich wunderte mich nur, daß der Bischof sich zu dieser Tageszeit solchen Vergnügungen hingab, doch ich erfuhr, dies sei nur eine große Ausnahme. Er ließ auch sorgsam die Saaltür verschließen, so daß wir unter uns waren.

Dann ans andere Ufer nach Whitehall zu einer kurzen Sitzung des Tanger-Ausschusses. Hinterher traf ich in der Galerie Sir Th. Osborne, der mich von sich aus ansprach, was mich sehr freute. Er lobte mich über die Maßen und sagte, ich hätte mich wie keiner anderer um das Flottenamt verdient gemacht, und wenn jemand zum Nachfolger von Sir J. Mennes wie geschaffen sei, dann ich, allerdings wüßte er nicht, wer dann mein Nachfolger als Erster Sekretär werden könne. Zwar wünsche ich mir den Posten des Aufsehers durchaus nicht, ich erwähnte aber dennoch Tom Hayter als einen geeigneten Nachfolger für mich, was er sich zu merken versprach. Diese Unterhaltung war überaus erfreulich, und ich halte es für wahrscheinlicher denn je, daß ich im Flottenamt bleiben werde. Dann zu Unthank, aber meine Frau war noch nicht angekleidet, was mich ärgerte, weil wir in den Park wollten, denn es war ein sehr schöner Tag, und nach dem Regen von gestern war kein Staub in der Luft, und die meisten Leute fuhren aus. Doch dann fuhren wir mit meinem Bruder im Boot nach Fulham, plauderten und sangen und zogen die Fährmänner mit der alten Geschichte von den Frauen von Woolwich auf, was sie immer zur Weißglut bringt. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.




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