“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / April, 2010


Ich pflichtete ihm bei, und er trug mir auf, ihm ordentlich den Hosenboden zu versohlen


/ April 10th, 2010 | Pepys

10. April 1665

Aufgestanden und zum Herzog von Albemarle. Von dort nach Whitehall zu einer Sitzung des Tanger-Ausschusses, wo es um neue Ungereimtheiten in Mr. Poveys Rechnungsbüchern ging, so daß ich mich auf ständigen Ärger einstellen kann, so lange ich für ihn das Amt des Kämmerers ausübe. Traf auch Hauptmann Cooke, der sich sehr unzufrieden über meinen Burschen Tom äußerte, weil er sein Singen und das Lautespiel so vernachlässigt. Ich pflichtete ihm bei, und er trug mir auf, ihm ordentlich den Hosenboden zu versohlen. Nach Hause und zur Börse und danach im Old James mit Sir W. Rider, Cutler und Mr. Dering zu Mittag gegessen und über die Lieferung von Seil gesprochen. Anschließend nach Whitehall, um mit dem König und dem Lordkanzler über die Schulden der Marine zu reden, doch das Treffen kam nicht zustande. Stattdessen fuhr Lord Brouncker mit mir und Sir Thomas Hervey in seiner Kutsche durch den Park, doch war es wegen des Staubs sehr unangenehm und es war auch keine besondere Schönheit zu sehen außer Mrs. Myddelton. Dann nach Hause und ins Amt, wo Mr. Thomas Warren mir 100l bot für das Ausstellen einen Schutzbriefs für eines seiner Schiffe, was ich wohl tun werde. Zu Hause zu Abend gegessen und zu Bett.

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Wo doch jeder weiß, daß sie eine Hure und die ganze Geschichte von vorne bis hinten erfunden ist


/ April 9th, 2010 | Pepys

9. April 1669

Aufgestanden und mit dem Boot nach Whitehall zu unserer Sitzung beim Herzog von York. Sir Th. Allin, der gestern nach London kam, begleitete uns. Es wurde beschlossen, daß sofort eine neue Flotte unter seinem Befehl ins Mittelmeer aufbrechen solle. Seine Rückkehr ist von den Kaufleuten sehr übel aufgenommen, da er ihre Schiffe dort der Gnade und Ungnade der Türken aussetzt – doch mehr darüber in meinem Weißbuch. Nach der Sitzung schlich ich mich hinaus und fuhr mit dem Boot zur Westminster Hall, wo ich Mrs. Martin besuchen wollte, aber sie war nicht da – auch nicht zu Hause. Also wieder zurück und mit W. Hewer in der Kutsche nach Hause zum Essen. Dann mit ihm zum Steueramt und weiter zu Mr. Faithorne, wo ich ein Instrument zum Zeichnen von perspektivischen Ansichten sehen wollte, aber er hatte keins vorrätig. Ich sah jedoch seine Werkstatt und einige seiner großartigen Kupferstiche. Von dort weiter zur Westminster Hall, wo ich verschiedene Dinge erledigte. Nutzte die Gelegenheit und ging noch einmal zu Mrs. Martin. Diesmal war sie im Laden. Ich sah sie zum ersten Mal, seit ihr Mann zuletzt auf See war, was wohl ein Jahr her ist. Doch yo konnte diesmal hacer con ella, was ich wollte, obwohl sie ihre ellos hatte, aber yo tat algo. Aber Himmel, was erzählt sie für dummes Zeug über ihre Schwester Doll, die gerade eine Kind bekommen hat: angeblich sei ihr Ehemann, ein gewisser Rowland Powell, mit ihrem Mann zur See gefahren und ertrunken, wo doch jeder weiß, daß sie eine Hure und die ganze Geschichte von vorne bis hinten erfunden ist.

Danach hielten wir noch an verschiedenen Orten und fuhren wieder ins Amt. Später zum Essen und dann zu Bett.

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Und ich hatte in der Tat alles sehr vornehm gedeckt, denn sie sollten wohl sehen, wie ich meinen Wohlstand gemehrt habe


/ April 8th, 2010 | Pepys

8. April 1667

Aufgestanden, mich angezogen und ins Amt gegangen. Blieb dort aber nur kurz und ging ins Ship in der Fenchurch Street, um einen Schoppen Rheinwein als Morgentrunk zu mir zu nehmen. Hatte eigentlich gehofft, dort die hübsche Tochter des Wirts zu sehen (mit der ich noch nie die Gelegenheit hatte zu sprechen), aber ella und ihre Familie ziehen a mi dolor gerade fort, und ein neuer Wirt übernimmt das Haus. Ging von dort zum Tempel zu meinem neuen Buchhändler und einigte mich mit ihm auf einen Preis für Rycauts Buch über die Türkei, das mich 55s kostet. Vor dem Feuer wurde die einfache Ausgabe für 8s verkauft und die gebundene, mit kolorierten Kupfern für 20s – denn ich habe es sehr schön binden lassen, und die Kupfer sind alle wirklichkeitsgetreu koloriert. Es gab überhaupt nur sechs Exemplare in dieser Ausführung, von denen vier schon an den König, den Herzog von York, den Herzog von Monmouth und Lord Arlington gegangen sind, das fünfte ist verkauft worden, und ich habe das sechste. Ging dann weiter, um die neue Wohnung von Mrs. Knepp ausfindig zu machen, fand sie aber nicht. Ich hörte aber, daß sie im Theater bei der Probe sei, ging daher hin und ließ sie vom Pförtner herausholen. Sie kam in einem ganz schlichten Kleid zu mir heraus und sagte, daß sie nicht zum Essen kommen könne, zu dem ich sie eingeladen hatte. Aber ich bedauerte es nicht, denn ich glaube, zwischen ihr und Mrs. Pearse steht es im Moment nicht zum besten, und das hätte uns womöglich nur die gute Laune verdorben. Ging dann nach Hause, wo für das Essen alles bestens vorbereitet war. Die junge Miss Tooker war gekommen, von der meine Frau eigentlich nichts mehr wissen will, seit sie erfahren hat, daß sie sich in ihrem Alter bereits mit Männer herumtreibt. Ich war aber sehr freundlich zu ihr, und nach einer Weile kamen meine Gäste, Dr. Clarke und seine Frau, Mrs. Worship und ihre Tochter, dann Mr. Pearse und seine Frau mit ihrem Sohn James sowie Betty, und dann ließ ich noch Mercer holen, so daß wir am Tisch zwölf Personen waren, mich und meine Frau eingerechnet. Es war eine gute und angenehme Gesellschaft, und es gab ein sehr gutes und köstliches, allerdings auch sehr teures Essen. Himmel, wie sie mein Tafelsilber bewunderten, und ich hatte in der Tat alles sehr vornehm gedeckt, denn sie sollten wohl sehen, wie ich meinen Wohlstand gemehrt habe, und auch damit Mrs. Clarke von ihrem hohen Roß herunterkommt, denn sie ist recht stolz geworden, seit ihr Mann noch Leibarzt des Königs geworden ist. Wir saßen lange zusammen, waren sehr vergnügt, und alles war überaus angenehm. Nach dem Essen fuhren wir mit den Kutschen fort, um ins Theater zu gehen, aber in beiden Häusern hatten die Vorstellungen schon begonnen. Die anderen wollten daraufhin irgendwo einkehren, aber ich fürchtete, daß ich sie würde freihalten müssen, deshalb war ich bemüht, mich von ihnen zu verabschieden. Ich überredete sie, zu Mrs. Pearse zu fahren, wo sie noch vergnügt weiter feierten, während ich mich mit meiner Frau und Mercer von ihnen verabschiedete. Wir drei gingen ins Königliche Theater und sahen noch den Schluß von „The Surprisal“*. Dem Schluß nach zu urteilen, taugt das Stück aber nicht viel. Von dort zum „Pulcinella“, wo es dreimal so vergnüglich war wie im Königlichen Theater. Dann nach Hause und noch spät im Garten spazieren gegangen – zum ersten Mal in diesem Jahr. Sangen dort sehr schön – wir drei und Barker. Zu Bett – sehr zufrieden mit dem Tag.

*Komödie von Sir Robert Howard.

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Anschließend lief ich den ganzen Nachmittag auf Deck auf und ab, um nicht seekrank zu werden


/ April 7th, 2010 | Pepys

7. April 1660

Heute morgen gegen 9 Uhr kam starker Wind auf. Wir lagen zwischen den Sandbänken vor Anker und mir wurde schwindlig und flau. Vor dem Essen schickte der gnädige Herr nach mir und lud mich ein, Austern mit ihm zu essen, von denen er sagte, es seien die besten, die er je im Leben gegessen habe, ich hatte aber in Bawdsey mindestens ebenso gute gegessen. Anschließend lief ich den ganzen Nachmittag auf Deck auf und ab, um nicht seekrank zu werden. Gegen 5 Uhr ging ich zu Bett und ließ mir eine Biersuppe bringen, nach der ich sehr gut schlief. Mr. Shipley fuhr heute zur Insel Sheppey.

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Und kehrte nach Hause zurück, wo mir wegen der Abwesenheit meiner Frau alles ganz trostlos erschien


/ April 6th, 2010 | Pepys

6. April 1666

Früh aufgestanden, da meine Frau heute nach Brampton abreisen wollte. Ich konnte sie nicht selbst zur Kutsche bringen, schickte aber W. Hewer und gab ihm den Tag frei, damit er sie auf der Fahrt begleitet. Den ganzen Vormittag im Amt sehr beschäftigt. Beim Mittagessen Besuch von Mrs. Hunt, der ich 5l lieh. Brachte sie zurück zum Axe Yard nach Westminster – eine kluge, verständige Frau, und ihr Mann ist offenbar sehr erfolgreich im Steueramt.

Dann zu Mr. Hayls und für mein Bild gesessen, das nun fast fertig ist. Nach Ansicht von Mr. und Mrs. Pearse (die zufällig vorbeikamen) bin ich gut getroffen, und ich bin auch sehr zufrieden, sowohl mit dem Bild, als auch mit der Pose, in der er mich gemalt hat. Ich lud sie auf ein Stündchen zu mir nach Hause ein. Dann nach Whitehall und mit Sir Stephen Fox, dem Kämmerer der Wachen, und Mr. Ashburnham, dem Kämmerer des königlichen Haushalts, über die Einlösung von Kerbhölzern im Steueramt gesprochen, was sehr lehrreich für mich war. Kamen allerdings zu keinem Ergebnis, und ich verließ sie und kehrte nach Hause zurück, wo mir wegen der Abwesenheit meiner Frau alles ganz trostlos erschien.

Heute traf die gute Nachricht ein, die Schweden sollen sich mit uns gegen die Holländer verbündet haben, und ich hoffe, es ist wahr. Eine Kleinigkeit zu Abend gegessen und zu Bett.

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Als sie mir auf meine Fragen einige schnippische Antworten gab, zog ich sie bei der Nase


/ April 5th, 2010 | Pepys

5. April 1664

Sehr früh aufgestanden und zu Fuß zu Vetter Anthony Joyce gegangen und von dort mit ihm zu seinem Bruder Will in die Totthill Street. Trotz der Ereignisse des Vortags, war er heiter und vergnügt – wie ein wahrer Kindskopf. Seine Frau war gestern abend zu ihm gekommen und hatte seinen Burschen mitgebracht. Ich blieb ein, zwei Stunden bei ihm und setzte eine neue Bittschrift auf, denn die, die von ihrem Anwalt aufgesetzt worden war, gefiel mir nicht. Ging von dort in den Bildersaal und fuhr nach einer Weile mit der Kutsche zu Lord Peterborough, dem ich die Bittschrift persönlich übergab. Er erklärte sich sehr gern bereit, sie heute im Oberhaus abzugeben. Dann zurück zum Oberhaus, wo ich mit einigen der Lords sprach, und dasselbe tat auch Wills Anwalt (Will hat ihm 5l versprochen, wenn er ihn freibekommt). Hinterher erfuhren wir, daß über die Bittschrift erregt disputiert worden waren. Aber schließlich wurde beschlossen, daß er gegen Bürgschaft freigelassen werden soll, bis das Haus nach Ostern wieder zusammentrifft. Das war nicht das, was wir uns erhofft hatten, aber besser als nichts.

Kurz darauf kam der König ins Parlament und billigte die Gesetzesvorlage zur Annullierung des Dreijahrsgesetzes und danach eine Gesetzesvorlage die Zulassung von Revisionsbefehlen betreffend. Ich hatte mich in den Saal geschmuggelt und hörte mir die Ansprache des Königs an. Aber er sprach sehr schlecht, dabei hatte er die geschriebene Rede die ganze Zeit in der Hand.

Nachdem die Sitzung geschlossen war, ging ich zusammen mit Anthony Joyce zu Will und erzählte den Anwesenden, was sich ereignet hatte. Kate Joyce war ebenfalls dort, die ein hübsches dralles Ding ist. Ich wollte nicht zum Mittagessen bleiben, da ich zu Hause essen wollte, fuhr auch mit dem Boot zurück bis zur Brücke, kehrte dann aber um, da ich überlegte, daß ich ihnen vielleicht anbieten sollte, für Will zu bürgen. Ich stellte aber fest, daß sein Vater und sein Bruder in dieser Sache bereits fortgegangen waren. Ging daher weiter zur Westminster Hall. Dort verabredete ich mich mit Mrs. Lane in ihrer Wohnung und ließ auch einen Hummer dorthin bringen, den ich mit Mr. Swayne und seiner Frau aß, und ich versuchte sie ein letztes Mal zu überzeugen, daß Mr. Hawley der richtige Mann für Mrs. Lane sei. Es half aber alles nicht, und dann verärgerte ich Mrs. Lane auch noch, indem ich darauf hinwies, daß sie nicht mehr die allerjüngste sei und froh sein solle, unter die Haube zu kommen. Aber ihr war heute ohnehin nicht nach Tändeleien. Nachdem ich drei, vier Stunden geblieben war, aber darauf achtgegeben hatte, meine Gelübde nicht zu brechen und nicht länger als eine Viertelstunde mit ihr allein zu sein, ging ich zu W. Joyce. Dort war die Urkunde über die Bürgschaft bereits eingetroffen (Bürgen waren sein Vater und sein Bruder). Will hatte auch schon die Verfahrenskosten bezahlt, die sich auf über 12l beliefen, darüber hinaus die 5l, die er mit seinem Anwalt vereinbart hat, außerdem seine eigene Rechnung für Essen und Trinken in dem Wirtshaus, außerdem muß er 10s für jeden Tag zahlen, den er gegen Bürgschaft in Freiheit ist. Ich hoffe, daß wird ihm eine Lehre sein, in Zukunft besser auf sein Mundwerk achtzugeben. Ich verließ sie und ging mit Kate Joyce, Anthonys Frau, allein nach Hause, und wir unterhielten uns über Wills Dummheit. Verabschiedete mich von ihr und ging dann selbst nach Hause, wo ich meine Frau hübsch angekleidet antraf, als wäre sie außer Haus gewesen, aber ich glaube, das war nicht der Fall. Als sie mir auf meine Fragen einige schnippische Antworten gab, zog ich sie bei der Nase. Ich wollte sie in der Tat ärgern, aber, um sie zu besänftigen, stritt ich es ab und sagte, ich hätte es nur aus Spaß getan. Die Arme war allerdings sehr gekränkt, und es schien ihr wirklich wehgetan zu haben, jedenfalls weinte sie eine ganze Weile. Aber schließlich vertrugen wir uns wieder. Nach dem Abendessen noch eine Weile ins Amt, dann nach Hause und zu Bett.

Heute waren viele Kaufleute vor dem großen Parlamentsausschuß erschienen, um ihre Beschwerden über die Holländer vorzutragen. Ich bete zu Gott, daß sich alles zum Guten wendet.

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So schludrig wird heutzutage überall gearbeitet.


/ April 5th, 2010 | Pepys

4. April 1668

Früh aufgestanden und mit der Kutsche nach Whitehall. Hielt unterwegs in Aldgate bei einem Spinettbauer namens Hayward. Fand dort ein kleines Instrument, das er für mich fertig machen soll. Ich wollte erst ein kleines Cembalo kaufen, aber ein Spinett braucht weniger Platz und ist völlig ausreichend,um Akkorde herauszufinden. Gut, daß ich es gefunden habe. Dann weiter nach Whitehall. Nach langem Warten trat endlich der Tanger-Ausschuß zusammen, wo ich nur kurz blieb. Es wurde nicht viel besprochen, nur zwei, drei gravierende Mängel in der Charta für Tanger behoben, nachdem sie schon so lange dem Kronrat vorgelegen hatte, dort verabschiedet und vom Ersten Kronanwalt unterfertigt worden war. So schludrig wird heutzutage überall gearbeitet.

Mit dem Boot zurück zum Amt, wo wir bis mittags tagten. Dann schlug ich vor, wir sollten gleich zum Herzog von York und zum König gehen, um ihren schriftlichen Befehl zu bekommen, der uns gestern in der Sache der Schuldscheine mündlich gegeben worden war, damit wir gegenüber den Händler abgesichert sind, die mir heute gesagt haben (vertreten durch Sir J. Banks), sie wollten sich im Parlament beschweren, weil wir uns weigerten, ihr Recht anzuerkennen. Also beendeten wir rasch die Sitzung, denn wir ahnten, daß wir Schwierigkeiten bekommen würden, wenn wir dem Befehl nicht sofort Folge leisteten, auch wenn wir ihn noch nicht schriftlich hatten. Aß zu Mittag bei Sir W. Penn. Dort kam Lady Batten zu mir, die mich wegen der 500l zu sprechen wünschte, die wir von ihr für die Seemannskasse fordern. Sie beteuerte hoch und heilig, sie habe die Abrechnung nie gesehen, und die Abrechnungen seien alle so, wie ihr Mann sie vor seinem Tod hinterlassen habe. Er habe nur oft zu ihr gesagt, er erwarte 500l, die wir ihm für seine Mühe in dieser Sache nicht verweigern könnten. Er habe ihr zudem keinerlei Vermögen hinterlassen, darum könne sie auch beim besten Willen nichts bezahlen, da sie arm wie eine Bettlerin sei. Sie tut mir wirklich leid, trotzdem ist es eine gerechte Strafe für Menschen, die so über ihre Verhältnisse lebten. Ich sagte ihr nur ein paar unverbindliche Worte, um sie nicht zu beunruhigen. Nach dem Essen fuhren W. Penn und ich im Boot nach Whitehall und gingen zum Herzog von York, der uns in die Gemächer des Königs führte. Dieser ruhte jedoch in seinem Kabinett, darum warteten wir im Grünen Zimmer, wo der Herzog uns seine Regeln zur Vorhersage des Wetters erklärte und ankündigte, spätestens morgen früh würden wir Regen haben (nachdem es einige Zeit trocken gewesen war). Es regnete dann fast die ganze Nacht. Die Regeln, die er mir und Brouncker nannte, sind in der Tat gut, wenn sie sich auch kaum vernünftig begründen lassen. Später kam dann der König zu uns und stimmte rasch unserem Vorschlag zu. Wir sollten morgen früh mit den Kommissaren des Flottenamts zu ihm kommen. Dann sprach er von anderen Dingen – so über die Quaker, die nicht schwören, weil sie es mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können, aber bei einer Nachwahl in Herfordshire doch für einen geschworen hätten, den sie als Kandidaten aufstellen wollten. Und über Lord Pembroke, der auf dem Tennisplatz manchmal leise fluche, wenn er verliert. Er erzählte auch von Lord Pembrokes interessanter Deutung des ersten Kapitels der Genesis – Adams Sünde sei nicht das Hineinbeißen in den Apfels gewesen, sondern das Herunterschlucken. Dadurch erst hätten die widerstreitenden Elemente in ihm zu wirken begonnen und das Böse in ihm erregt – und noch mehr solcher Narrheiten, über die der König sich sehr erheiterte. Fuhr von dort mit Lord Brouncker in dessen Kutsche in den Park, um ein wenig frische Luft zu schnappen. Es war aber leider sehr staubig. Von dort mit ihm nach Covent Garden, und dort nahm ich eine Mietkutsche nach Hause. Nachdem ich im Amt ein paar Briefe geschrieben hatte, nahm ich zu Hause einen kleinen Imbiß ein und ging zu Bett – meine Augen werden jeden Tag schwächer und schneller müde.

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Der Schotte hielt eine bewundernswerte, gute, gelehrte, aufrichtige und sehr strenge und doch auch kuriose Predigt


/ April 5th, 2010 | Pepys

3. April 1663

Früh aufgewacht und eine halbe Stunde mit meinem Vater geplaudert, dann aufgestanden und ins Amt. Gegen 9 Uhr im Boot vom Old-Swan-Anleger zum Gottesdienst nach Whitehall. Da die Kapelle fürchterlich voll war, konnte ich nicht in meiner Kirchenbank sitzen, sondern saß beim Chor. Dr. Creighton, der Schotte, hielt eine bewundernswerte, gute, gelehrte, aufrichtige und sehr strenge und doch auch kuriose Predigt – über die Worte der Frau aus dem Volk: »Selig ist der Leib, der dich« (gemeint ist Christus) »getragen hat, und die Brüste, an denen du gesogen hast. Er aber sprach: Ja, selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren.«

Die ganze Zeit wetterte er entsetzlich über Calvin und seine Brut, die Presbyterianer, und über den Ausdruck von den »reuigen Seelen«, der jetzt so sehr im Schwange ist. Und er zog über Hugh Peters her (den er einen »fluchwürdigen Buben« nannte), der in seinen Predigten damals die Londoner Frauenzimmer aufgefordert hatte, ihre Fingerhüte und Hutnadeln der Parlamentsarmee zu spenden.

Als ich von Whitehall wegging, begegnete ich Kapitän Grove, der mir einen Brief überreichte. Ich spürte, daß Geld darin war, und vermutete (zu recht, wie sich herausstellte), daß es sich um eine Erkenntlichkeit für die Stelle als Frachtinspektor für Tanger handle, die ich ihm verschafft habe. Ich öffnete den Brief jedoch erst, als ich wieder im Amt war. Dort brach ich das Siegel auf, sah aber nicht eher hinein, als bis die Geldstücke heraus waren, damit ich, falls man mich je danach fragen sollte, behaupten kann, in dem Brief kein Geld vorgefunden zu haben. Es waren ein Goldstück und 4l in Silber.

Dann nach Hause und mit meinem Vater und meiner Frau zu Mittag gegessen. Nach Tisch nach oben gegangen zu meinem Spinett. Stelle fest, daß Ashwell ein erstaunlich gutes Musikverständnis hat und ein Stück mühelos einstudieren kann – worüber ich sehr froh bin. Dann mit dem Boot wieder nach Whitehall und dort zum Tanger-Ausschuß. Befinden uns in einem rechten Dilemma: Unser Haushalt sieht lediglich 70 000l per annum für Tanger vor – und allein für die Truppen, die in der Stadt zu unterhalten sind, werden wir nach der niedrigsten Schätzung, zu der sich Lord Rutherford durchringen kann, 53 000l brauchen. Die diesjährigen Kosten für den Bau der Mole werden sich auf 13 000l belaufen. Hinzu kommen 1000l Leibrente für Lord Peterburgh und Kosten für die Fortifikation und diverse andere Dinge – kurz: ein großes Dilemma. Wir beendeten die Sitzung, ohne zu einer Lösung gelangt zu sein. Begab mich zu Lord Sandwich, den ich fröhlich beim Kartenspiel antraf. Dann mit der Kutsche nach Hause. Nach dem Abendessen kurz ins Amt, dann nach Hause und zu Bett.

Am Hof erfuhr ich, in Irland hätten sich die katholischen Bauern aus Unmut über die Frage der Grundbesitzansprüche erhoben und für große Unruhe gesorgt.

In der City erfuhr ich, Spanien habe ein Embargo gegen unsere Schiffe verhängt wegen Lord Windsors Zerstörung der Festung auf Kuba – eines Unternehmens, das keinen oder doch kaum einen Nutzen für uns hat, höchstens, daß er behaupten kann, vor seiner Rückkehr etwas unternommen zu haben.

Ließ spät abends Onkel Wight und meiner Tante sowie Mrs. Turner eine Einladung für morgen zum Mittagessen zukommen.

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Kurios, wie diese sonst so klugen und verständigen Männer sich im Trunk gegenseitig vorwarfen, einst den Rebellen gedient zu haben


/ April 2nd, 2010 | Pepys

2. April 1661

Früh aufgestanden, um nach den Handwerkern zu sehen. Dann mit meiner Frau und Pall in der Kutsche zu meinem Vater, wo sie eine Weile bleiben sollen, bis unser Haus fertig ist. Ich fand meine Mutter allein vor, die noch wegen des Streits letzten Abend weinte. Ich ging daher wieder und nahm meine Frau mit nach Charing Cross, damit sie dort nach ihrer Mutter sieht, der es nicht gut geht. Ich spazierte in den St.-James-Park, wo ich den Herzog von York beim Mailspiel sah, eine Sportart, die für mich neu war.*

Dann zum gnädigen Herrn, wo ich mit der gnädigen Frau zu Mittag aß. Nach dem Essen erschienen der gnädigen Herr und Ned Pickering. Sie waren ganz ausgehungert, aber es war nicht ein Stück Fleisch mehr vorhanden, da die Dienerschaft alles aufgegessen hatte, was den gnädigen Herrn sehr ärgerte. Schließlich wurde ihm doch noch etwas zubereitet. Dann zum Siegelamt, wo ich einige Dokumente unterzeichnete.

Nach Whitefriars, wo ich The Little Thief ** sah, ein sehr hübsches und amüsantes Stück, in dem der kleine Junge sehr gut spielte.

Dann zu meinem Vater, wo ich meine Mutter und meine Frau gut gelaunt vorfand. Ich verließ sie und ging nach Hause.

Danach in den Dolphin zu Sir W. Batten und Sir W. Penn und einigen anderen, darunter Mr. Delabarr. Kurios, wie diese sonst so klugen und verständigen Männer sich im Trunk gegenseitig vorwarfen, einst den Rebellen gedient zu haben, was recht beschämend war.

Aber wir trennten uns um Mitternacht schließlich als Freunde. Ich ging nach Hause und allein zu Bett.

*Pall Mall (Paille Maille; Jeu de Mail), Vorläufer des Krocket.

**„The Night Walker, or The Little Thief“, Komödie von Fletcher.

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Das Essen war schlecht, die Stimmung mäßig, und ich hatte nicht viel Freude an meinem Gastgeber.


/ April 1st, 2010 | Pepys

1. April 1669

Aufgestanden und auf Wunsch von Konteradmiral Kempthorne mit Kommissar Middleton an Bord der Jacht Merlin gegangen, wo wir der Verhandlung in der Sache des Proviantmeisters Baker gegen Trevanion, den Kapitän der Dartmouth beiwohnen sollten. Himmel, wie schändlich sich die Kapitäne aufführen, um den Proviantmeister zu belasten und Trevanion diesen Halunken in Schutz zu nehmen. Ich konnte mich nicht zurückhalten und brachte in heftigen Worten mein Mißfallen zum Ausdruck, was zumindest den jungen adligen Kapitänen ganz und gar nicht gefiel, und Middleton äußerte sich ähnlich. Aber die Sache wurde heute nicht entschieden. Wir tagten bis 2 Uhr. Dann gingen Oberst Middleton und ich zu Sir W. Penn, der uns vorgestern zum Essen eingeladen hatte. Dort waren bereits meine Frau, Lord Brouncker mit seiner Geliebten und Sir J. Mennes mit seiner Nichte. Das Essen war schlecht, die Stimmung mäßig, und ich hatte nicht viel Freude an meinem Gastgeber. Trotzdem gab ich mich gesellig. Lord Brouncker und seine Geliebte nahmen uns hinterher mit und setzten uns bei meiner Base Turner ab. Trafen dort Dr. Ball, den Vorsitzenden des Temple und königlichen Kaplan, der mir sehr schöne Geschichten darüber erzählte, wie man die Geistlichen einst für ihre Predigten in St. Paul bezahlt hat und was sie heute bekommen, und über den Ursprung der bezahlten Predigt, und wie früher die zahlreichen Namen derjenigen, die für die Predigt Geld spendeten, manche 5 und andere 6s im Jahr, bei jeder Predigt verlesen wurden. Später kam, wie verabredet, Kommissar Middleton mit der Kutsche, mit der wir in den Park fuhren, um uns mit Theophila Turner und Betty zu treffen, aber wir fanden sie nicht. Fuhren daraufhin zurück und fanden sie dort mit Mr. Batelier. Wir plauderten noch eine Weile, dann verließen wir sie und nahmen Oberst Middleton mit. Dann zum Abendessen und zu Bett.

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