“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Und daß der König nicht in der Lage ist, den Vergnügungen zu widerstehen


/ April 26th, 2010 | Pepys

26. April 1667

Aufgestanden und mit W. Batten und W. Penn in der Kutsche nach Whitehall gefahren. Sahen dort den Herzog von Albemarle, dem es nicht sehr gut geht und der ohnedies immer hinfälliger wird.* Ich ging von dort zum St.-James-Palast, um mit Sir G. Carteret zu sprechen (was ich auch tat) und dann zu Lord Berkeley, um mit ihm zum Berufungsgericht zu gehen, wo heute unsere Prisensache erneut verhandelt werden sollte (der Herzog von Albemarle hätte eigentlich auch kommen sollen). Gingen zunächst zu einer Versammlung der Guinea-Kompanie, wo er zu tun hatte. Während ich in der Langen Galerie auf ihn wartete, sah ich einen jungen Mann, der mit Tusche das prächtige Gemälde des Königs und der Königin von van Dyck abmalte, was er sehr gut machte. Von dort zur Westminster Hall, wo unser Fall verhandelt werden sollte, aber er ist ihnen heute nicht vorgelegt worden. Ging also wieder nach unten in die Halle, wo ich Ned Pickering traf, der mir betrübliche Dinge von seinem Neffen Gilbert erzählte, der ein ziemlicher Liederjan geworden sein muß. Und dann spazierte ich fast zwei Stunden mit Mr. Evelyn umher – bis fast ein Uhr. Wir sprachen über die schlechte Regierung und die Lasterhaftigkeit der Männer und Frauen, denen der König sein Vertrauen schenkt. Und daß der König nicht in der Lage ist, den Vergnügungen zu widerstehen, und daß Schuld daran auch der Kanzler und der Schatzmeister tragen, die zu schwach sind, um den vergnügungssüchtigen Höflingen einen Riegel vorzuschieben, und auch sehe man nie einen Geistlichen in seiner Begleitung, wie dies beim König von Frankreich der Fall sei. Und nun wolle der König auch noch jemanden aus dieser Bande zum neuen Schatzmeister machen. Dadurch würde alles nur noch schlimmer werden, denn schon jetzt komme es immer wieder zu verspäteten Zahlungen, weil sich alle Höflinge vom König Geschenke erhoffen, wie zum Beispiel Lady Byron, die, wie Mr. Evelyn meint, die siebzehnte Hure des Königs in seiner Verbannung gewesen sei und die diesen nach seiner Rückkehr so lange bedrängt habe, bis er ihr Silbergeschirr im Wert von 4000l versprochen habe. Aber Gott sei Dank sei sie gestorben, bevor sie es bekommen konnte. Er erzählte auch sehr interessante Dinge vom König von Frankreich und welch großer Fürst er sei. Er habe einen Kodex erstellt, zur Vereinfachung des Zivilrechts. Er habe die alten Festungskommandanten, deren Ämter vererbbar waren, entlassen. Er habe alle Ordensbrüder den Bischöfen unterstellt, während sie zuvor nur Rom unterstellt waren und nicht eigentliche Untergebene des Königs gewesen seien. Und er habe bestimmt, daß man einem Orden erst ab einem bestimmten Alter beitreten dürfe, was, so Evelyn, dem Papsttum einen empfindlichen Schlag versetzen werde, denn die französische Kirche werde damit zum Patriarchat erhoben. Er konnte mir überdies die Geschichte von dem fehlenden Papier in der Ratssitzung bestätigen – Woolley, der Protokollführer, habe es als erster bemerkt, und als der König ihn zur Rede gestellt habe, habe er ihm den Grund unumwunden genannt. Mr. Evelyn erzählte mir auch, daß viele Bedienstete bei Hof Hunger leiden müßten und daß sie seit der Rückkehr des Königs noch keinen Heller ihres Lohns erhalten hätten. Er sagte außerdem, der König von Frankreich habe zwar auch Maitressen, könne aber nur lachen über die Narrheiten unseres Königs, der seine Bastarde zu Prinzen mache und Geld an sie verschwende und sich von seinen Geliebten in die Politik hineinreden lassen. Der König von Frankreich habe seine Maitresse La Vallière nie mit Ländereien oder Titeln beschenkt, er gebe seinen unehelichen Kindern etwas Geld für ihren Lebensunterhalt, aber mehr auch nicht. Evelyn konnte mir auch die näheren Umstände schildern, wie Mrs. Stuart den Hof verlassen hat, er hat sie nämlich gut gekannt und glaubt, daß sie den Hof so verlassen habe, wie sie ihn betreten habe, als ein Muster der Tugend. Und von einem vornehmen Herrn habe er erfahren (einem vernünftigen Mann, der am Tag zuvor selbst mit ihr gesprochen habe), daß sie sich sofort an den König gewendet habe, als der Herzog von Richmond um ihre Hand angehalten habe, und der Herzog von Richmond ebenfalls, und daß der König sich mit der Hochzeit einverstanden erklärt habe. Und sie habe besagtem Herrn erzählt, daß sie zuletzt entschlossen gewesen sei, jeden ehrbaren Mann von Stand mit 1500l im Jahr zu heiraten, wer es auch sei, denn sie hätte nicht länger am Hof leben können, ohne am Ende dem König zu Willen zu sein, nachdem sie ihn so lange Zeit von sich gewiesen habe und ihm schon mehr Freiheiten zugestanden habe, als jedem anderen Mann. Und sie habe gesagt, daß sie sehr wohl wisse, daß man sie für lasterhaft gehalten habe, und auch deswegen habe sie sich entschlossen, zu heiraten und den Hof zu verlassen, auch wenn sie sich dadurch unbeliebt mache, aber das nehme sie in Kauf, denn so sehe die Öffentlichkeit doch, daß es ihr nur darum gehe, ihre Tugend und Ehre zu bewahren. Und sie sagte, daß sie nie mehr am Hofe leben werde und nur noch erscheinen werde, um ihrer Herrin, der Königin, die Hand zu küssen. Und sie hoffe, selbst wenn sie kaum Grund zu dieser Hoffnung habe, die Gunst des Königs wiederzugewinnen, und daß sie unbeschwert mit dem Herzog von Richmond auf dessen Landsitz werde leben können. Und besagtem Herrn habe sie ebenfalls erzählt, was sie während ihrer Zeit am Hof vom König geschenkt bekommen hat (abgesehen von der Zuwendung von 700l per annum aus der königlichen Schatulle für Kleider): als sie bei Hof eingeführt wurde, habe der König ihr eine Perlenkette im Wert von etwa 1100l geschenkt und sieben Monate danach, als der König sie gefügig machen wollte, habe er ihr noch einmal Geschmeide (ich habe vergessen, was es war) geschenkt, ich glaube, es waren Ohrgehänge. Der Herzog von York, der einmal ihr Valentinsschatz gewesen sei, habe ihr einen Edelstein geschenkt, der rund 800l wert sei, und Lord Mandeville, der in diesem Jahr ihr Valentinsschatz ist, habe ihr einen Ring im Wert von etwa 300l geschenkt. Und Mr. Evelyn sagte, daß der König von Frankreich ihre Mutter (die ein überaus gerissenes Frauenzimmer sein soll) einmal gebeten habe, ihre Tochter in Frankreich zu lassen, und er habe sie wissen lassen, daß er sie nicht wie eine Maitresse lieben wolle, sondern wie eine Frau, die er ebensogut heiraten könne, und daß, wenn sie bliebe und seinen Hof mit ihrer Anwesenheit beehren würde, sie dies nicht bereuen würde. Auf Anraten der Königinmutter habe ihre Mutter aber entschieden, sie nach England zu holen, und der König von Frankreich habe ihr einen Edelstein geschenkt. Mr. Evelyn glaubt, daß sie alles in allem Schmuck im Wert von rund 6000l besitze, daß dies aber auch alles sei, was sie auf der Welt besitze, und sie sei wahrlich eine ehrbare Frau und habe so tugendhaft gehandelt, wie man es nur selten erlebt. Mr. Evelyn erzählte auch, daß Lady Castlemaine daraus den größten Nutzen ziehe. Und er sagte, wenn es noch eines Beweises für die Tugendhaftigkeit von Mrs. Stuart bedürfe, dann wäre es die Tatsache, daß der König in all der Zeit nicht von Lady Castlemaine gelassen habe, denn der König habe nie zwei Geliebte zur gleichen Zeit, und er wäre nicht bei ihr geblieben, wenn er bei Mrs. Stuart etwas erreicht hätte. Gestern soll sie mit ihrem Gatten nach Cobham abgereist sein. Außerdem berichtete er von dem Fest des Hosenbandordens neulich, und wie unmöglich sich der König und die Ritter benommen hätten, denn normalerweise trügen sie ihre Roben nur während der Zeremonie und im Gottesdienst, doch diese Jahr hätten sie sie den ganzen Tag getragen, bis in die Nacht hinein, und seien darin sogar in den Park geritten. Lord Oxford und der Herzog von Monmouth sollen im Park in einer Mietkutsche in ihren Roben gesehen worden seien. Es ist wahrlich eine Schande und zeigt, daß die Menschen nichts mehr zu ehren wissen. Wir unterhielten uns auch über Sir Th. Clifford, den Rechnungsprüfer des königlichen Haushalts, den ich immer für einen reichen und gelehrten Mann gehalten habe, Sproß einer vornehmen Familie. Er erzählte mir aber, daß er kaum mehr als 140l im Jahr verdiene, und was seine Bildung betreffe, so kenne er seine Gesetzestexte als Friedensrichter gut, aber mehr auch nicht, und daß er ein Pfarrerssohn sei und aus Westengland stamme, wo er auch die Bekanntschaft von Lord Arlington gemacht habe, dessen Günstling er geworden sei und von dessen Seite er seither nicht weiche. Er sei sehr tugendhaft, eine stattliche Erscheinung und sehr talentiert, und er habe sein Amt mit großem Anstand angetreten, dies allerdings auf Kosten einiger anderer, die ebenfalls Aussichten auf das Amt hatten, unter anderem Chicheley und Duncombe. Nebenbei erwähnte er auch, daß niemand seine Günstlinge besser zu versorgen wisse als Lord Arlington, und daß es in dieser Hinsicht besser sei, ihn zum Gönner zu haben als den Lordkanzler, der noch nie jemandem eine Gefälligkeit erwiesen habe (und dies auch nie tun würde), es sei denn gegen Bezahlung. Dann verabschiedeten wir uns, nachdem wir uns lange unterhalten hatten, gegen ein Uhr. Fuhr mit dem Boot nach Hause und ging auf dem Weg bei Mitchell vorbei, dessen Frau und Kind wohlauf waren. Dann nach Hause zum Mittagessen, und nach dem Essen mit Sir W. Batten nach Whitehall, um dem Herzog von York vor der Ratssitzung unsere Aufwartung zu machen. Wir gingen in sein Zimmer und erledigten dort die wenigen Angelegenheiten, die es zur Zeit zu tun gibt. Er erzählte uns, daß der König von Frankreich fest entschlossen sei, in Flandern einzumarschieren, und er habe in einer schriftlichen Verlautbarung die Gründe für sein Handeln dargelegt. Am 20sten wolle er seine Truppen zusammenziehen, und am 30sten werde er sich selbst dem Feldzug anschließen. Wir hoffen nun alle, daß ihn diese Sache von unseren Angelegenheiten ablenken werde. Turenne soll die Truppen befehligen. Der Herzog brachte überraschenderweise auch noch einmal den Fall Carkesse zur Sprache. Was in dieser Sache beschlossen wurde, habe ich in einem eigenen Bericht zusammengefaßt. Aus zuverlässiger Quelle haben wir erfahren, daß die Holländer mit 24 großen Schiffen vor unserer Küste aufgetaucht sind. Nach der Sitzung fuhren Sir W. Batten und ich zurück nach London. Sahen unterwegs Lady Newcastle in ihrer Kutsche, mit ihren Lakaien, die ganz in Samt gehen. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen, aber sie war genau so gekleidet, wie man es sich überall erzählt (denn die ganze Stadt spricht dieser Tage über ihre Narreteien), mit samtener Haube, das Haar über den Ohren, mit vielen Schönheitspflästerchen, weil sie am Mund Pickel hat, mit nacktem Hals, ohne irgend ein Tuch, und mit schwarzem Justaucorps. Sie schien mir von schöner Gestalt zu sein. Ich hoffe, daß ich sie am 1. Mai im Park noch näher zu Gesicht bekommen werde. Ich trage mich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mir eine Kutsche anzuschaffen. Ging, als wir zurück waren, ins Amt und blieb dort bis spät abends. Brachte lange damit zu, die Einzelheiten im Fall Carkesse in Langschrift festzuhalten, für alle Fälle. Dann nach Hause. Hatte heftige Rückenschmerzen von der holprigen Fahrt in Sir W. Battens Kutsche heute nachmittag. Sein Kutscher war mit großer Geschwindigkeit über die steinigen Straßen gefahren, weil wir nicht zu spät kommen wollten. Ging daher mit großen Schmerzen zum Essen und zu Bett – war die ganze Nacht nicht in der Lage, mich auf die Seite zu drehen.

*Albemarle war 59.




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