“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



/ HOME >  / AKTUELL >  /pepys >  /Daß sie dabei war, in meinem Eßzimmer ihr Geschäft auf dem Nachtstuhl zu verrichten

Daß sie dabei war, in meinem Eßzimmer ihr Geschäft auf dem Nachtstuhl zu verrichten


/ April 21st, 2010 | Pepys

21. April 1664

Ziemlich früh aufgestanden und ins Amt gegangen. Dort suchte mich Mr. Vernatty auf und verbrachte zwei Stunden mit mir. Er war eigentlich wegen Mr. Gauden gekommen, der aber nicht erschien, und so verschoben wir das Treffen auf ein andermal. Dann kam Mr. Creed, und nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten, fuhren er und ich und meine Frau mit der Kutsche zur Westminster Hall (wir setzten meine Frau bei ihrem Schneider Unthank ab), und erfuhren dort im Oberhaus, daß W. Joyce aus der Haft entlassen werden solle, sofern er Lady Petre vor dem versammelten Haus auf Knien um Vergebung bat. Ich forderte ihn auf, es zu tun, und so machte er also seinen Kniefall. Himmel, davon wollte Lady Petre aber nichts wissen, sie schwor, die Mitglieder des Hauses öffentlich bloßstellen zu wollen, damit alle Welt erfahren sollte, was für jämmerliche Diener der König habe, und daß Rache süß sei und daß sie sich nicht zufrieden geben werde, solange er nicht an den Pranger gestellt werde, um dort um Vergebung zu bitten. So weit ich es beurteilen kann, schämten sich die Lords aber nur für sie. Dann fuhr ich zurück. Ging darauf mit meiner Frau aus, um uns nach zwei Dienstmädchen zu erkundigen, die man uns empfohlen hatte, aber sie gefielen uns beide nicht. Ich setzt meine Frau anschließend bei Onkel Wight ab und fuhr nach Hause und ging darauf zur Börse, wo ich verschiedene Dinge erledigte. Von dort wieder zu meinem Onkel, wo ich sehr gut zu Mittag aß. Dann wieder ins Amt. Am Nachmittag war Sitzung, aber kaum waren wir zusammengekommen, da erhielt ich die Nachricht, daß Lady Sandwich zu Besuch gekommen sei. Ich eilte nach Hause, aber als ich zu ihr ins Zimmer kam (ihre Freundin trat allerdings vor sie) wurde mir erst durch die Schamesröte der gnädigen Frau bewußt, daß sie dabei war, in meinem Eßzimmer ihr Geschäft auf dem Nachtstuhl zu verrichten. Mir war dies außerordentlich peinlich, deshalb begann ich, weil mir die gnädige Frau leid tat, ein unverfängliches Gespräch, an dem ich allerdings keine rechte Freude hatte. Sie sagte mir (und später fand ich es bestätigt), daß das Parlament heute beschlossen hatte, den König zu ersuchen, zu sühnen, was die Holländer uns angetan haben, das Unrecht und ihn wissen zu lassen, daß er sich dabei auf die Unterstützung des Parlaments verlassen könne. Ein erstaunlicher Beschluß, der weit über das hinausgeht, was ich erwartet hatte. Weiß der Himmel, was daraus werden wird. Da meine Frau nicht zu Hause war, blieb die gnädige Frau nicht länger, sondern ging wieder fort, und ich war von ihrem lieben Besuch sehr gerührt. Dann ins Amt und danach zum Abendessen und zu Bett – mit dem Entschluß, morgen sehr früh aufzustehen.




Kein Kommentar zu "Daß sie dabei war, in meinem Eßzimmer ihr Geschäft auf dem Nachtstuhl zu verrichten"


Jetzt kommentieren


Name (erforderlich)
E-Mail (erforderlich)