“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Er ist ein blitzgescheiter Kerl und mit ihm zu plaudern ist ein wahrer Genuß


/ April 15th, 2010 | Pepys

15. April 1666

Ostersonntag. Aufgestanden und mit dem Boot nach Westminster und in den Swan. Sarah war allein dort. Plauderte eine Weile mit ihr, dann zur Kapelle von Whitehall. Kam aber zu spät und die Predigt des Bischofs von London war schon vorbei. Ging deshalb in den Park und zur Kapelle der Königin und hörte dort einen Großteil der Messe und der Musik, die durchaus nicht so schlecht ist, wie die Leute immer sagen, und mir gut gefiel. Sie gefiel mir sogar besser als die Motette, die ich nachher in Whitehall hörte.

Ich blieb, bis der König das Abendmahl empfing, was ich zum ersten Mal aus der Nähe sah, da ich mich mit vielen anderen in seiner Gebetstube befand. Stellte fest, daß der Unterschied zwischen unserem Gottesdienst und dem der Katholiken nicht sehr groß ist, abgesehen davon, daß unsere Kapelle schmuckloser ist als die der Königin und alles weniger pompös vonstatten geht.

Anschließend zu Fuß zu Mr. Pearse und zusammen mit ihm, seiner Frau und den Kindern zu Mittag gegessen. Unterhielten uns sehr angeregt. Sie berichteten mir von den neuesten Ereignissen bei Hofe, von den Liebschaften und Tollheiten, die sich dort zutragen, und wie Mrs. Stuart jetzt ganz die Rolle der Favoritin übernommen hat, und daß der König außer dem kleinen Herzog von Monmouth noch weitere uneheliche Kinder hat, zu denen er sich offen bekennt. Nachdem wir lange geplaudert hatten, ging ich mit James, ihrem ältesten Sohn, in den Park. Er ist ein blitzgescheiter Kerl und mit ihm zu plaudern ist ein wahrer Genuß. Auf dem Hin- und Rückweg kamen wir durch Whitehall, und mehrere Leute fragten, ob er mein Sohn sei.

Als wir ins Haus zurückkehrten, war Mr. Pearse bereits fort. Fuhr daher mit seiner Frau und den Kindern mit der Kutsche nach Kensington, wo wir vor einigen Tagen schon einmal waren und wo wir einen vergnügten Nachmittag verbrachten. Kehrten erst sehr spät zurück, da die Pferde erschöpft waren und alle zwanzig Schritte stehenblieben. Unterwegs unterhielten wir uns über Mrs. Clarke, die offenbar sehr eingebildet und stolz geworden ist. Mrs. Pearse erzählte mir aber die erstaunliche Geschichte, daß Hauptmann Rolt sie vor kurzem dabei beobachtet habe, wie sie in Westminster Hall einen Mann ansprach und mit ihm fortging. Er folgte ihnen heimlich bis Moorfields und sah, wie sie in einem niederen Hurenhaus, dessen Fenster verdunkelt waren, verschwanden und drei Stunden nicht wieder herauskam, bis er fort mußte. Und er sei sich ganz sicher, daß sie es war, da er sie gut kenne und genau beschreiben konnte, was sie anhatte, und es waren tatsächlich ihre Kleider.

Nachdem ich sie vor ihrer Tür abgesetzt hatte, wollte ich weiter nach Hause, doch in der Ludgate-Hill-Straße gaben die Pferde endgültig auf, und ich mußte aussteigen und, da es bereits etwa 10 Uhr war, mit einer Fackel zu Fuß nach Hause gehen. Noch ein, zwei Psalmen gesungen, zu Abend gegessen und zu Bett.




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