“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Ich habe noch nie so viel Zuneigung für ihn empfunden


/ April 12th, 2010 | Pepys

12. April 1664

Morgens zog meine Frau ihr schönes neu besetztes Kleid an und sah in der Tat sehr hübsch darin aus. Fuhren dann, zusammen mit W. Howe, der zu mir gekommen war, in der Kutsche zu Onkel Wight, wo ich sie absetzte. Howe und ich fuhren weiter ins Kaffeehaus, wo wir uns darüber unterhielten, ob er, vermittelt durch Lord Sandwich, einen guten Posten auf See annimmt. Ich sähe es aber auch gern, wenn er Creeds Amt als Sekretär in der Admiralität bekäme – denn Creed ist ein windiger Geselle, dem nie ganz zu trauen ist.

Dann gingen wir zur Börse und anschließend zusammen zu Onkel Wight. Dort war eine große Gesellschaft versammelt. Auch mein Vater war dort (ein Schatten seiner selbst, und früher war er so lebhaft und vergnügt wie alle anderen), außerdem Mr. Sutton (der Bruder meiner Tante, ein ehrbarer Mann, Kaufmann in Flandern), sowie Mr. Cole und seine Gattin. Himmel, wie ich diesen Mann früher für seine klugen Reden bewundert habe, und jetzt macht er auf mich nur noch einen sehr gewöhnlichen Eindruck. Sein Sohn ist ein hübscher Knabe, aber unglücklicherweise hat er eine krumme Nase. Für eine so große Gesellschaft war das Mittagessen allerdings etwas dürftig. Nach dem Essen nahm ich mit meiner Frau eine Kutsche, die sehr teuer war, weil Ostern war und das Wetter sehr schlecht. Fuhren zum Haus von Lord Sandwich, um die gnädige Frau zu besuchen. Ich verließ sie kurz darauf und fuhr mit W. Howe zu Mr. Paget. Hörten dort ein wenig Musik, die aber nicht sonderlich gut war. Die Ausnahme war ein gewisser Dr. Walgrave, ein Engländer, der in Rom aufgewachsen ist – der beste Lautenspieler, den ich je gehört habe. Ich traf dort auch den jungen Mr. Hill, den Kaufmann. Und nachdem alle gespielt hatten, sangen wir gemeinsam. Ich gab den einen oder anderen Psalm von Lawes* ganz anständig zum besten. Hill ist ebenfalls recht musikalisch, jedenfalls singt er sehr gut – und einer seiner Freunde singt einen guten Baß.

Ging von dort zu später Stunde mit den beiden zusammen zu Fuß zum Haus des gnädigen Herrn, um meine Frau abzuholen. Da aber keine Kutsche zu bekommen war, verabschiedeten sie sich. Ich wartete noch eine Weile, und es war schon sehr spät, gegen 10 Uhr, als wir eine Kutsche bekamen. Ich traf den gnädigen Herrn, die Damen und meine Frau beim Abendessen an. Der gnädige Herr schien guter Dinge zu sein. Aber ich bin noch immer geneigt, stets mit dem Schlimmsten zu rechnen, und ich fürchte, daß er sich nur freundlich gab, weil meine Frau und seine Gattin anwesend waren.

Dann fuhren wir nach Hause und trafen meinen Vater an, der heute bei uns übernachten wollte. Wir machten ihm etwas zum Abendessen, und dann brachte ich ihn zu Bett. Ich habe noch nie so viel Zuneigung für ihn empfunden wie jetzt, und ich bewundere ihn sehr dafür, wie er für alles sorgt. Den ganzen Tag macht er sich Gedanken um das Wohl meiner Geschwister und meiner Mutter. Und dann muß er miterleben, wie Tom das Geschäft in den Ruin treibt! Dann ich und meine Frau zu Bett.

*Henry und William Lawes: „Choice Psalms put into Music for Three Voices“.




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