Archiv: / April, 2010


Und so alberten wir herum und bespritzten uns gegenseitig, daß meine Kleider ganz verdarben


/ April 30th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

30. April 1660

Den ganzen Morgen Anweisungen f√ľr das Geschwader fertiggestellt, das heute als Geleitflotte zum Mittelmeer abf√§hrt. Die Kapit√§ne Teddeman, Curtis und Robert Blake und andere sind Kommandanten des Geschwaders.

Nach dem Mittagessen gekegelt ‚Äď W. Howe und ich gegen Mr. Creed und den Kapit√§n, wir verloren jeder 5s an sie. Danach erhielten W. Howe, Mr. Shipley und ich die Erlaubnis des gn√§digen Herrn, Kapit√§n Sparling zu besuchen, und wir nahmen ein Boot und fuhren zuerst an Land, wo es in den Wiesen und Feldern sehr sch√∂n war. Doch Deal ist keine sch√∂ne Stadt. Wir gingen ins Fuller (der ber√ľhmten Bierschenke), aber sie hatten nur noch einen kl√§glichen Rest in einem Fa√ü. Danach ins Sparling‚Äôs Ship, einem Wirtshaus, wo wir etwas tranken. Und dann wieder ins Boot und zur Assistance, auf der wir vom Kapit√§n sehr h√∂flich empfangen wurden. Ein Bursche, den er zu diesem Zweck an Bord hat, spielte uns etwas auf der Harfe vor, und er spielte so gut, wie man besser nicht spielen kann ‚Äď und doch ist er ein ganz derber Kerl, der aussieht, als h√§tte er zu tief ins Glas geguckt. Danach an Bord der Naseby, wo wir den gn√§digen Herrn beim Abendessen antrafen. Ich setzte mich dazu, und der gn√§dige Herr machte sich einen Spa√ü daraus, Mr. Creed und Mr. Shipley raten zu lassen, wozu er die drei L√∂cher im Glas seiner Uhr habe anbringen lassen. Nach dem Abendessen ein wenig musiziert. Dann gingen Mr. Shipley, W. Howe und ich nach oben in die Kaj√ľte des Leutnants, wo wir etwas tranken. Ich und Will Howe waren sehr ausgelassen, und Howe zog den Pfropf des kleinen Bierfasses, das dort stand, heraus und lie√ü Bier in seine Kappe laufen. Als er getrunken hatte, versuchte ich, sie ihm ins Gesicht zu klatschen, und er schnappte sich meine Samtkappe, die ich beim Schreiben trage, und sch√ľttete auch Bier hinein, und so alberten wir herum und bespritzten uns gegenseitig, da√ü meine Kleider ganz verdarben. Danach sehr sp√§t zu Bett ‚Äď mit sehr viel Bier im Kopf.

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Mir soll es recht sein, denn man hat mit dem närrischen Kerl nichts als Scherereien


/ April 29th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

29. April 1664

Fr√ľh aufgestanden und mit Sir W. Rider und Mr. Cutler nach Whitehall gefahren. Von dort mit Rider zum St.-James-Palast, wo wir mit Mr. Coventry ausschlie√ülich √ľber Povey und seine Pfuschereien in den Rechnungsb√ľchern von Lord Peterborough sprachen, was gewi√ü ein Nachspiel haben wird. Mir soll es recht sein, denn man hat mit dem n√§rrischen Kerl nichts als Scherereien. Von dort zur B√∂rse, und nachdem ich einige Dinge erledigt hatte, zum Mittagessen nach Hause. Llewellyn und Mount waren gekommen, um bei mir zu essen. Nach dem Essen fuhren meine Frau und ich mit der Kutsche zu Lady Sandwich. Ihre Kinder und der gn√§dige Herr waren allerdings abgereist, und das ganze Haus machte einen so traurigen Eindruck, da√ü man h√§tte glauben k√∂nnen, die gn√§dige Frau sei gestorben ‚Äď wissend, da√ü es ihr zuvor nicht gut gegangen war. Tats√§chlich erfuhren wir, da√ü die Arme Masern hat, ich f√ľrchte allerdings, es sind die Pocken. Das betr√ľbte mich sehr, denn es w√§re eine sehr traurige Stunde f√ľr die Familie, sollte sie deshalb eine Fehlgeburt haben. Von dort fuhren wir nach Hause und ich ging ins Amt. Am Abend kam Mr. Hill, der Kaufmann, zu mir und noch ein anderer Mann, der sehr gut singt. Wir sangen einige St√ľcke, und ich denke, es klang ganz gut. Nur war ich innerlich zu sehr mit dienstlichen Dingen besch√§ftigt und konnte es deswegen nicht recht genie√üen. Aber ich werde mich jetzt √∂fter mit ihnen zum Musizieren treffen. Nachdem sie gegangen waren und nachdem ich Mr. Moxon das Geld f√ľr die Globen gegeben hatte, die er f√ľr das Flottenamt angefertigt hatte, ging ich ins Amt, wo ich noch lange mit den Rechnungen f√ľr Kapit√§n Taylors Masten besch√§ftigt war. Diese leidige Angelegenheit will √ľberhaupt kein Ende nehmen. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

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Da wir auslaufendes Wasser hatten und er sich einschiffen mußte


/ April 28th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

28. April 1666

Aufgestanden und ins Amt. Mittags zu Hause gegessen. Nach dem Essen mit meiner Frau zu Hayls, um unsere Portr√§ts und das von Mrs. Pearse anzusehen. Das von Mrs. Pearse ist weniger gut gelungen, als ich erwartet hatte. Anschlie√üend ging meine Frau zu ihrem Vater, um ihm einen Stapel Papier zum Linieren zu bringen, wof√ľr ich ihm etwas Geld versprochen habe. Danach wollte sie sich nach einem neuen M√§dchen umsehen, da auch das zweite M√§dchen uns bereits wieder verlassen hat. Au√üerdem wollte sie sich eine Perlenkette ansehen, auf die sie jetzt ganz versessen ist und wof√ľr ich ihr 80l versprochen habe.

Nach Hause und gearbeitet. Sobald meine Frau zur√ľckkehrte, brach Balty auf, da wir auslaufendes Wasser hatten und er sich einschiffen mu√üte. Er tritt einen eintr√§glichen Posten als Registrator an, der ihm in einem Jahr 100l einbringen wird, au√üerdem erh√§lt er auch weiterhin seinen Sold als k√∂niglicher Wachsoldat.

Nachdem er fort war, bis zum Abend verschiedene Dinge erledigt, unter anderem einen Brief an meinen Bruder John geschrieben. Es war der erste Brief seit unserem großen Streit, und er geriet mir im Ton so unversöhnlich, daß ich mich fast nicht traute, ihn abzuschicken. Doch um so größer wird die Wirkung sein, wenn ich ihm hinterher einen freundlicheren Brief schicke, denn ich will ihm anbieten, daß er zu uns zieht, sobald er seinen Magisterabschluß hat. Dann nach Hause, zu Abend gegessen und zu Bett.

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Der ziemlich unwirsch fragte


/ April 27th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

27. April 1661

Am Morgen zum gn√§digen Herrn, wo ich mit der gn√§digen Frau zu Mittag a√ü. Danach mit Mr. Creed und Hauptmann Ferrer ins Theater, um die ‚ÄěZuf√§lle‚Äú*¬†zu sehen. Hinterher in den Cock, wo ein Harfenist und ein Geiger f√ľr uns spielten. Mit der Kutsche zu Sir W. Batten, der ziemlich unwirsch fragte, wann die Arbeiten in meinem Haus denn beendet seien, so da√ü mir alle Lust verging, ihn √ľberhaupt zu besuchen. Ging deswegen einigerma√üen ver√§rgert nach Hause.

*‚ÄěChances‚Äú, Kom√∂die von John Fletcher.

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Und da√ü der K√∂nig nicht in der Lage ist, den Vergn√ľgungen zu widerstehen


/ April 26th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

26. April 1667

Aufgestanden und mit W. Batten und W. Penn in der Kutsche nach Whitehall gefahren. Sahen dort den Herzog von Albemarle, dem es nicht sehr gut geht und der ohnedies immer hinf√§lliger wird.*¬†Ich ging von dort zum St.-James-Palast, um mit Sir G. Carteret zu sprechen (was ich auch tat) und dann zu Lord Berkeley, um mit ihm zum Berufungsgericht zu gehen, wo heute unsere Prisensache erneut verhandelt werden sollte (der Herzog von Albemarle h√§tte eigentlich auch kommen sollen). Gingen zun√§chst zu einer Versammlung der Guinea-Kompanie, wo er zu tun hatte. W√§hrend ich in der Langen Galerie auf ihn wartete, sah ich einen jungen Mann, der mit Tusche das pr√§chtige Gem√§lde des K√∂nigs und der K√∂nigin von van Dyck abmalte, was er sehr gut machte. Von dort zur Westminster Hall, wo unser Fall verhandelt werden sollte, aber er ist ihnen heute nicht vorgelegt worden. Ging also wieder nach unten in die Halle, wo ich Ned Pickering traf, der mir betr√ľbliche Dinge von seinem Neffen Gilbert erz√§hlte, der ein ziemlicher Liederjan geworden sein mu√ü. Und dann spazierte ich fast zwei Stunden mit Mr. Evelyn umher ‚Äď bis fast ein Uhr. Wir sprachen √ľber die schlechte Regierung und die Lasterhaftigkeit der M√§nner und Frauen, denen der K√∂nig sein Vertrauen schenkt. Und da√ü der K√∂nig nicht in der Lage ist, den Vergn√ľgungen zu widerstehen, und da√ü Schuld daran auch der Kanzler und der Schatzmeister tragen, die zu schwach sind, um den vergn√ľgungss√ľchtigen H√∂flingen einen Riegel vorzuschieben, und auch sehe man nie einen Geistlichen in seiner Begleitung, wie dies beim K√∂nig von Frankreich der Fall sei. Und nun wolle der K√∂nig auch noch jemanden aus dieser Bande zum neuen Schatzmeister machen. Dadurch w√ľrde alles nur noch schlimmer werden, denn schon jetzt komme es immer wieder zu versp√§teten Zahlungen, weil sich alle H√∂flinge vom K√∂nig Geschenke erhoffen, wie zum Beispiel Lady Byron, die, wie Mr. Evelyn meint, die siebzehnte Hure des K√∂nigs in seiner Verbannung gewesen sei und die diesen nach seiner R√ľckkehr so lange bedr√§ngt habe, bis er ihr Silbergeschirr im Wert von 4000l versprochen habe. Aber Gott sei Dank sei sie gestorben, bevor sie es bekommen konnte. Er erz√§hlte auch sehr interessante Dinge vom K√∂nig von Frankreich und welch gro√üer F√ľrst er sei. Er habe einen Kodex erstellt, zur Vereinfachung des Zivilrechts. Er habe die alten Festungskommandanten, deren √Ąmter vererbbar waren, entlassen. Er habe alle Ordensbr√ľder den Bisch√∂fen unterstellt, w√§hrend sie zuvor nur Rom unterstellt waren und nicht eigentliche Untergebene des K√∂nigs gewesen seien. Und er habe bestimmt, da√ü man einem Orden erst ab einem bestimmten Alter beitreten d√ľrfe, was, so Evelyn, dem Papsttum einen empfindlichen Schlag versetzen werde, denn die franz√∂sische Kirche werde damit zum Patriarchat erhoben. Er konnte mir √ľberdies die Geschichte von dem fehlenden Papier in der Ratssitzung best√§tigen ‚Äď Woolley, der Protokollf√ľhrer, habe es als erster bemerkt, und als der K√∂nig ihn zur Rede gestellt habe, habe er ihm den Grund unumwunden genannt. Mr. Evelyn erz√§hlte mir auch, da√ü viele Bedienstete bei Hof Hunger leiden m√ľ√üten und da√ü sie seit der R√ľckkehr des K√∂nigs noch keinen Heller ihres Lohns erhalten h√§tten. Er sagte au√üerdem, der K√∂nig von Frankreich habe zwar auch Maitressen, k√∂nne aber nur lachen √ľber die Narrheiten unseres K√∂nigs, der seine Bastarde zu Prinzen mache und Geld an sie verschwende und sich von seinen Geliebten in die Politik hineinreden lassen. Der K√∂nig von Frankreich habe seine Maitresse La Valli√®re nie mit L√§ndereien oder Titeln beschenkt, er gebe seinen unehelichen Kindern etwas Geld f√ľr ihren Lebensunterhalt, aber mehr auch nicht. Evelyn konnte mir auch die n√§heren Umst√§nde schildern, wie Mrs. Stuart den Hof verlassen hat, er hat sie n√§mlich gut gekannt und glaubt, da√ü sie den Hof so verlassen habe, wie sie ihn betreten habe, als ein Muster der Tugend. Und von einem vornehmen Herrn habe er erfahren (einem vern√ľnftigen Mann, der am Tag zuvor selbst mit ihr gesprochen habe), da√ü sie sich sofort an den K√∂nig gewendet habe, als der Herzog von Richmond um ihre Hand angehalten habe, und der Herzog von Richmond ebenfalls, und da√ü der K√∂nig sich mit der Hochzeit einverstanden erkl√§rt habe. Und sie habe besagtem Herrn erz√§hlt, da√ü sie zuletzt entschlossen gewesen sei, jeden ehrbaren Mann von Stand mit 1500l im Jahr zu heiraten, wer es auch sei, denn sie h√§tte nicht l√§nger am Hof leben k√∂nnen, ohne am Ende dem K√∂nig zu Willen zu sein, nachdem sie ihn so lange Zeit von sich gewiesen habe und ihm schon mehr Freiheiten zugestanden habe, als jedem anderen Mann. Und sie habe gesagt, da√ü sie sehr wohl wisse, da√ü man sie f√ľr lasterhaft gehalten habe, und auch deswegen habe sie sich entschlossen, zu heiraten und den Hof zu verlassen, auch wenn sie sich dadurch unbeliebt mache, aber das nehme sie in Kauf, denn so sehe die √Ėffentlichkeit doch, da√ü es ihr nur darum gehe, ihre Tugend und Ehre zu bewahren. Und sie sagte, da√ü sie nie mehr am Hofe leben werde und nur noch erscheinen werde, um ihrer Herrin, der K√∂nigin, die Hand zu k√ľssen. Und sie hoffe, selbst wenn sie kaum Grund zu dieser Hoffnung habe, die Gunst des K√∂nigs wiederzugewinnen, und da√ü sie unbeschwert mit dem Herzog von Richmond auf dessen Landsitz werde leben k√∂nnen. Und besagtem Herrn habe sie ebenfalls erz√§hlt, was sie w√§hrend ihrer Zeit am Hof vom K√∂nig geschenkt bekommen hat (abgesehen von der Zuwendung von 700l per annum aus der k√∂niglichen Schatulle f√ľr Kleider): als sie bei Hof eingef√ľhrt wurde, habe der K√∂nig ihr eine Perlenkette im Wert von etwa 1100l geschenkt und sieben Monate danach, als der K√∂nig sie gef√ľgig machen wollte, habe er ihr noch einmal Geschmeide (ich habe vergessen, was es war) geschenkt, ich glaube, es waren Ohrgeh√§nge. Der Herzog von York, der einmal ihr Valentinsschatz gewesen sei, habe ihr einen Edelstein geschenkt, der rund 800l wert sei, und Lord Mandeville, der in diesem Jahr ihr Valentinsschatz ist, habe ihr einen Ring im Wert von etwa 300l geschenkt. Und Mr. Evelyn sagte, da√ü der K√∂nig von Frankreich ihre Mutter (die ein √ľberaus gerissenes Frauenzimmer sein soll) einmal gebeten habe, ihre Tochter in Frankreich zu lassen, und er habe sie wissen lassen, da√ü er sie nicht wie eine Maitresse lieben wolle, sondern wie eine Frau, die er ebensogut heiraten k√∂nne, und da√ü, wenn sie bliebe und seinen Hof mit ihrer Anwesenheit beehren w√ľrde, sie dies nicht bereuen w√ľrde. Auf Anraten der K√∂niginmutter habe ihre Mutter aber entschieden, sie nach England zu holen, und der K√∂nig von Frankreich habe ihr einen Edelstein geschenkt. Mr. Evelyn glaubt, da√ü sie alles in allem Schmuck im Wert von rund 6000l besitze, da√ü dies aber auch alles sei, was sie auf der Welt besitze, und sie sei wahrlich eine ehrbare Frau und habe so tugendhaft gehandelt, wie man es nur selten erlebt. Mr. Evelyn erz√§hlte auch, da√ü Lady Castlemaine daraus den gr√∂√üten Nutzen ziehe. Und er sagte, wenn es noch eines Beweises f√ľr die Tugendhaftigkeit von Mrs. Stuart bed√ľrfe, dann w√§re es die Tatsache, da√ü der K√∂nig in all der Zeit nicht von Lady Castlemaine gelassen habe, denn der K√∂nig habe nie zwei Geliebte zur gleichen Zeit, und er w√§re nicht bei ihr geblieben, wenn er bei Mrs. Stuart etwas erreicht h√§tte. Gestern soll sie mit ihrem Gatten nach Cobham abgereist sein. Au√üerdem berichtete er von dem Fest des Hosenbandordens neulich, und wie unm√∂glich sich der K√∂nig und die Ritter benommen h√§tten, denn normalerweise tr√ľgen sie ihre Roben nur w√§hrend der Zeremonie und im Gottesdienst, doch diese Jahr h√§tten sie sie den ganzen Tag getragen, bis in die Nacht hinein, und seien darin sogar in den Park geritten. Lord Oxford und der Herzog von Monmouth sollen im Park in einer Mietkutsche in ihren Roben gesehen worden seien. Es ist wahrlich eine Schande und zeigt, da√ü die Menschen nichts mehr zu ehren wissen. Wir unterhielten uns auch √ľber Sir Th. Clifford, den Rechnungspr√ľfer des k√∂niglichen Haushalts, den ich immer f√ľr einen reichen und gelehrten Mann gehalten habe, Spro√ü einer vornehmen Familie. Er erz√§hlte mir aber, da√ü er kaum mehr als 140l im Jahr verdiene, und was seine Bildung betreffe, so kenne er seine Gesetzestexte als Friedensrichter gut, aber mehr auch nicht, und da√ü er ein Pfarrerssohn sei und aus Westengland stamme, wo er auch die Bekanntschaft von Lord Arlington gemacht habe, dessen G√ľnstling er geworden sei und von dessen Seite er seither nicht weiche. Er sei sehr tugendhaft, eine stattliche Erscheinung und sehr talentiert, und er habe sein Amt mit gro√üem Anstand angetreten, dies allerdings auf Kosten einiger anderer, die ebenfalls Aussichten auf das Amt hatten, unter anderem Chicheley und Duncombe. Nebenbei erw√§hnte er auch, da√ü niemand seine G√ľnstlinge besser zu versorgen wisse als Lord Arlington, und da√ü es in dieser Hinsicht besser sei, ihn zum G√∂nner zu haben als den Lordkanzler, der noch nie jemandem eine Gef√§lligkeit erwiesen habe (und dies auch nie tun w√ľrde), es sei denn gegen Bezahlung. Dann verabschiedeten wir uns, nachdem wir uns lange unterhalten hatten, gegen ein Uhr. Fuhr mit dem Boot nach Hause und ging auf dem Weg bei Mitchell vorbei, dessen Frau und Kind wohlauf waren. Dann nach Hause zum Mittagessen, und nach dem Essen mit Sir W. Batten nach Whitehall, um dem Herzog von York vor der Ratssitzung unsere Aufwartung zu machen. Wir gingen in sein Zimmer und erledigten dort die wenigen Angelegenheiten, die es zur Zeit zu tun gibt. Er erz√§hlte uns, da√ü der K√∂nig von Frankreich fest entschlossen sei, in Flandern einzumarschieren, und er habe in einer schriftlichen Verlautbarung die Gr√ľnde f√ľr sein Handeln dargelegt. Am 20sten wolle er seine Truppen zusammenziehen, und am 30sten werde er sich selbst dem Feldzug anschlie√üen. Wir hoffen nun alle, da√ü ihn diese Sache von unseren Angelegenheiten ablenken werde. Turenne soll die Truppen befehligen. Der Herzog brachte √ľberraschenderweise auch noch einmal den Fall Carkesse zur Sprache. Was in dieser Sache beschlossen wurde, habe ich in einem eigenen Bericht zusammengefa√üt. Aus zuverl√§ssiger Quelle haben wir erfahren, da√ü die Holl√§nder mit 24 gro√üen Schiffen vor unserer K√ľste aufgetaucht sind. Nach der Sitzung fuhren Sir W. Batten und ich zur√ľck nach London. Sahen unterwegs Lady Newcastle in ihrer Kutsche, mit ihren Lakaien, die ganz in Samt gehen. Ich hatte sie noch nie zuvor gesehen, aber sie war genau so gekleidet, wie man es sich √ľberall erz√§hlt (denn die ganze Stadt spricht dieser Tage √ľber ihre Narreteien), mit samtener Haube, das Haar √ľber den Ohren, mit vielen Sch√∂nheitspfl√§sterchen, weil sie am Mund Pickel hat, mit nacktem Hals, ohne irgend ein Tuch, und mit schwarzem Justaucorps. Sie schien mir von sch√∂ner Gestalt zu sein. Ich hoffe, da√ü ich sie am 1. Mai im Park noch n√§her zu Gesicht bekommen werde. Ich trage mich seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mir eine Kutsche anzuschaffen. Ging, als wir zur√ľck waren, ins Amt und blieb dort bis sp√§t abends. Brachte lange damit zu, die Einzelheiten im Fall Carkesse in Langschrift festzuhalten, f√ľr alle F√§lle. Dann nach Hause. Hatte heftige R√ľckenschmerzen von der holprigen Fahrt in Sir W. Battens Kutsche heute nachmittag. Sein Kutscher war mit gro√üer Geschwindigkeit √ľber die steinigen Stra√üen gefahren, weil wir nicht zu sp√§t kommen wollten. Ging daher mit gro√üen Schmerzen zum Essen und zu Bett ‚Äď war die ganze Nacht nicht in der Lage, mich auf die Seite zu drehen.

*Albemarle war 59.

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Ohne zu beten zu Bett, was Gott mir verzeihen möge


/ April 25th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

25. April 1663

Sonntag. Ziemlich lange im Bett gelegen und mit meiner Frau geplaudert. Dann aufgestanden und mich an meine Monatsabrechnung gesetzt. Da aber Tom kam (auf den ich w√ľtend war, weil er meinen Kamelottrock schlecht geflickt hat) und mir mitteilte, da√ü mein Vater und er bei mir essen wollten und mein Vater bereits in unserer Kirche sei, ging ich ebenfalls hin und h√∂rte die ausnehmend gute Predigt eines Landgeistlichen √ľber die Worte ¬ĽLieblich ist‚Äôs, wenn Br√ľder eintr√§chtig beieinander wohnen¬ę. Dann nach Hause und alle zu Tisch. Anschlie√üend wollte ich mit der Kutsche nach Chelsea fahren, um Lord Sandwich zu besuchen, aber der Kutscher weigerte sich, so weit zu fahren. Also blieben wir zu Hause. Sa√ü den ganzen Nachmittag √ľber meinen Abrechnungen und stellte fest, da√ü mein Verm√∂gen jetzt ganze 700l betr√§gt, wof√ľr ich Gott preise, da es die gr√∂√üte Summe ist, die ich je besessen habe.

Abends (mein Vater war zu meinem Bruder gegangen) mit meiner Frau, Ashwell, dem Burschen sowie dem Hund im Boot nach Rotherhithe und zu Fu√ü zum Halfway House und weiter querfeldein, um Primeln zu pfl√ľcken. Dann wieder zum Halfway House, wo wir ein wenig kalten Lammbraten a√üen, den wir dabei hatten. Dann zur√ľck. H√∂chst angenehmer Spaziergang. Unterwegs berichtete uns Ashwell von dem Maskenspiel in der Schule in Chelsea, das sehr h√ľbsch gewesen sein mu√ü. √úberhaupt hat sie ein ganz au√üergew√∂hnliches Ged√§chtnis, denn sie kann noch immer viele Texte aus St√ľcken auswendig, die sie vor sechs oder sieben Jahren aufgef√ľhrt hat.

Dann nach Hause. Meine Gel√ľbde durchgelesen und, da ich m√ľde war, ohne zu beten zu Bett, was Gott mir verzeihen m√∂ge.

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Der einzige, der sich wirklich um die Dinge k√ľmmere, so da√ü er gar nicht wisse, was er ohne mich tun sollte


/ April 25th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

24. April 1665

Aufgestanden und mit Creed in Sir W. Battens Kutsche nach Whitehall. Dort mit Sir W. Batten zu einer Besprechung mit dem Herzog von Albemarle. Danach in Creeds Zimmer und bekam sehr zeremoniell die √úbertragungsurkunde f√ľr Poveys Gehalt und eine Vollmacht zum Bezug von Geldern in seinem Namen ausgeh√§ndigt, nachdem er sich, wie bei allen anderen Aufgaben, reichlich Zeit damit gelassen hatte.

Darauf mit ihm zusammen nach London und ins Amt und dann zur√ľck zu Lady Sandwich zum Mittagessen, wo wir auch meine Frau trafen.

Nach dem Essen erz√§hlte mir die gn√§dige Frau unter vier Augen (aufrichtig besorgt, Skrupel, das ihr von Creed entgegengebrachte Vertrauen zu verletzen), da√ü Creed ihr den Wunsch mitgeteilt habe, sich Mrs. Betty Pickering zu n√§hern, und sich auf eine Unterhaltung mit ihrer Ladyschaft berief, in der sie ihm von ihren Tugenden berichtet hatte ‚Äď dabei hatte sie dies ganz ohne Hintergedanken getan. Entsprechend k√ľhl sei ihre Antwort gewesen, wenn auch nicht so k√ľhl, wie wohl n√∂tig gewesen w√§re. Inzwischen habe sie auch erfahren, da√ü er ihr einen Brief geschrieben habe, auf den sie herablassend und abweisend geantwortet habe. Die gn√§dige Frau nimmt ihm diese Sache zu Recht sehr √ľbel. Ich schlug ihr vor, ihm ab sofort keine M√∂glichkeit f√ľr weitere Besuche mehr zu geben, um nicht den Eindruck zu erwecken, er gehe hier ein und aus. Es ist wirklich ungeheuerlich, da√ü Creed die Vermessenheit besitzt, mit einer Dame aus der Verwandtschaft des gn√§digen Herrn anbandeln zu wollen.

Anschlie√üend zum Cockpit nach Whitehall und eine Stunde lang mit dem Herzog von Albemarle in seinem Garten spazieren gegangen, wo er mir mit anerkennenden Worten versicherte, ich sei die St√ľtze der Flotte und der einzige, der sich wirklich um die Dinge k√ľmmere, so da√ü er gar nicht wisse, was er ohne mich tun sollte ‚Äď wor√ľber ich nicht wenig stolz war. Danach zu einer Sitzung des Tanger-Ausschusses. Es wurden aber keine Beschl√ľsse gefa√üt, da wir nicht das Quorum erreichten. Ging mit Creed meine Frau bei Mrs. Pearse abholen, die ich l√§ngere Zeit nicht gesehen hatte. Sie ist jetzt hochschwanger und sieht immer noch sehr h√ľbsch aus. Von dort mit der Kutsche zum Lordschatzmeister, konnte aber nicht mit Sir Ph. Warwick sprechen. Also mit meiner Frau und Mercer zum Park gefahren. Aber auch hier kehrten wir gleich wieder um, weil der K√∂nig an der Kutschenparade teilnahm und ich nicht bei privaten Vergn√ľgungen erblickt werden m√∂chte. Fuhren nach Knightsbridge, a√üen und tranken in der Kutsche, und dann nach Hause. Noch eine Weile im Amt, dann zu Abend gegessen und zu Bett ‚Äď habe mich sehr erk√§ltet, weil ich vermutlich zu oft meine Per√ľcke abgesetzt habe.

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Kamen uns zwei zwielichtige Gesellen mit Kn√ľppeln entgegen


/ April 23rd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

23. April 1668

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt. Mittags kamen Knepp, Mrs. Pearse mit ihrer Tochter und eine Mrs. Foster, und wir a√üen sehr vergn√ľgt zusammen. Danach fuhr ich sie zum Tower und zeigte ihnen alles, was es dort zu besichtigen gab, darunter die Krone und das Zepter und das pr√§chtige Tafelsilber, was ich auch noch nicht gesehen hatte. Es gefiel mir ganz au√üerordentlich. Dann mit dem Boot zum Temple und in den Cock, wo wir etwas tranken, einen Hummer a√üen, sangen und sehr fr√∂hlich waren. Als es fast dunkel war, fuhr ich erst Mrs. Pearse nach Hause und dann mit Knepp wieder zum Temple und nahm ein Boot nach Vauxhall. Es war schon dunkel, und in Lambeth brannte ein Freudenfeuer zum Kr√∂nungstag. Dort tranken wir etwas, und yo konnte tocar ihren corps √ľberall und besar sie sans fin, tat aber nicht algo mas. Dann fuhren wir zur√ľck, und ich setzte sie zu Hause ab. Da es schon 10 Uhr war besorgte ich mir einen Fackeltr√§ger. Als wir gerade am Eingang der St.-Dunstan-Ruine angelangt waren, kamen uns zwei zwielichtige Gesellen mit Kn√ľppeln entgegen. Also machte ich kehrt, ging ganz um die Mauer herum und kam so schlie√ülich sicher nach Hause. Dann zu Bett, m√ľde, aber zufrieden mit dem Tag ‚Äď der mich allerdings viel Geld und Zeit gekostet hat.

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Die Geschichte von einem Affen, der die Möse einer jungen Dame zu fassen bekam


/ April 22nd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

22. April 1662

Nachdem ich mich von meiner Frau verabschiedet hatte (die unzufrieden war, weil sie gern mitgekommen w√§re), fuhren Sir W. Penn und ich in der Kutsche √ľber die Br√ľcke nach Lambeth. Begleitet wurden wir von W. Bodham und Tom Hewet, den Schreibern von Sir W. Penn, und von meinem Gehilfen Will. In Lambeth bekamen wir in Butter gebackene R√ľhreier und blieben dort, bis Sir G. Carteret aus Whitehall zu uns stie√ü. Er brachte Dr. Clarke mit, und dann fuhren wir ab. Ich war sehr gl√ľcklich √ľber seine Gesellschaft und wir waren die ganze Zeit sehr vergn√ľgt. Unter anderem erz√§hlte er die Geschichte von einem Affen, der die M√∂se einer jungen Dame zu fassen bekam, als diese zu Stuhl ging, um zu schei√üen, und dann unter ihren R√∂cken hervorkam und auf den Tisch sprang, der nach dem Tanz f√ľr das Abendessen gedeckt war. Eine andere handelte von einem Prahlhans, der immer schrie: ‚ÄěEr soll verdammt sein, der Haderlump!‚Äú In Guildford verbrachten wir unsere Zeit damit, im Garten Spargel zu stechen, den wir zum Abendessen verzehrten, und ich habe in meinem Leben nie besseren gegessen, au√üer im letzten Jahr in demselben Gasthof. Der Doktor und ich teilten uns das Bett, und wir nannten uns Vettern ‚Äď da sein Name Clarke ist und ich mich ‚ÄěClerke of the Acts‚Äú nennen darf.

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Daß sie dabei war, in meinem Eßzimmer ihr Geschäft auf dem Nachtstuhl zu verrichten


/ April 21st, 2010 | Haffmans Tolkemitt

21. April 1664

Ziemlich fr√ľh aufgestanden und ins Amt gegangen. Dort suchte mich Mr. Vernatty auf und verbrachte zwei Stunden mit mir. Er war eigentlich wegen Mr. Gauden gekommen, der aber nicht erschien, und so verschoben wir das Treffen auf ein andermal. Dann kam Mr. Creed, und nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten, fuhren er und ich und meine Frau mit der Kutsche zur Westminster Hall (wir setzten meine Frau bei ihrem Schneider Unthank ab), und erfuhren dort im Oberhaus, da√ü W. Joyce aus der Haft entlassen werden solle, sofern er Lady Petre vor dem versammelten Haus auf Knien um Vergebung bat. Ich forderte ihn auf, es zu tun, und so machte er also seinen Kniefall. Himmel, davon wollte Lady Petre aber nichts wissen, sie schwor, die Mitglieder des Hauses √∂ffentlich blo√üstellen zu wollen, damit alle Welt erfahren sollte, was f√ľr j√§mmerliche Diener der K√∂nig habe, und da√ü Rache s√ľ√ü sei und da√ü sie sich nicht zufrieden geben werde, solange er nicht an den Pranger gestellt werde, um dort um Vergebung zu bitten. So weit ich es beurteilen kann, sch√§mten sich die Lords aber nur f√ľr sie. Dann fuhr ich zur√ľck. Ging darauf mit meiner Frau aus, um uns nach zwei Dienstm√§dchen zu erkundigen, die man uns empfohlen hatte, aber sie gefielen uns beide nicht. Ich setzt meine Frau anschlie√üend bei Onkel Wight ab und fuhr nach Hause und ging darauf zur B√∂rse, wo ich verschiedene Dinge erledigte. Von dort wieder zu meinem Onkel, wo ich sehr gut zu Mittag a√ü. Dann wieder ins Amt. Am Nachmittag war Sitzung, aber kaum waren wir zusammengekommen, da erhielt ich die Nachricht, da√ü Lady Sandwich zu Besuch gekommen sei. Ich eilte nach Hause, aber als ich zu ihr ins Zimmer kam (ihre Freundin trat allerdings vor sie) wurde mir erst durch die Schamesr√∂te der gn√§digen Frau bewu√üt, da√ü sie dabei war, in meinem E√üzimmer ihr Gesch√§ft auf dem Nachtstuhl zu verrichten. Mir war dies au√üerordentlich peinlich, deshalb begann ich, weil mir die gn√§dige Frau leid tat, ein unverf√§ngliches Gespr√§ch, an dem ich allerdings keine rechte Freude hatte. Sie sagte mir (und sp√§ter fand ich es best√§tigt), da√ü das Parlament heute beschlossen hatte, den K√∂nig zu ersuchen, zu s√ľhnen, was die Holl√§nder uns angetan haben, das Unrecht und ihn wissen zu lassen, da√ü er sich dabei auf die Unterst√ľtzung des Parlaments verlassen k√∂nne. Ein erstaunlicher Beschlu√ü, der weit √ľber das hinausgeht, was ich erwartet hatte. Wei√ü der Himmel, was daraus werden wird. Da meine Frau nicht zu Hause war, blieb die gn√§dige Frau nicht l√§nger, sondern ging wieder fort, und ich war von ihrem lieben Besuch sehr ger√ľhrt. Dann ins Amt und danach zum Abendessen und zu Bett ‚Äď mit dem Entschlu√ü, morgen sehr fr√ľh aufzustehen.

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