“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / März, 2010


Und schenkte mir ein Halstuch, bestickt mit Erdbeeren


/ März 21st, 2010 | Pepys

21. März 1660

Zum gnädigen Herrn, aber da immer noch ein widriger Wind und heftiger Regen herrscht, konnten wir auch heute nicht in See gehen. Ich erledigte bei ihm sehr viel Arbeit, und dann schickte er mich zu Lord Widdrington, ihm die beiden Wahlaufforderungen für Dover zu überlassen. Seine Lordschaft war sehr zuvorkommend zu mir und ließ Wein kommen und schrieb als Antwort an den gnädigen Herrn einen langen Brief. Von dort ging ich mit Mr. Fowler, dem Militärgerichtsrat, sowie Mr. Burr, meinem Schreiber, in ein Wirtshaus gegenüber von Mr. Pearse’ Haus und trank mit ihnen zwei, drei Schoppen Wein. Anschließend wieder zu Mr. Crew, wo ich dem gnädigen Herrn Bericht erstattete, was ich erreicht hatte. Dann zu meinem Vater und meiner Mutter, um mich zu verabschieden, was ich irrtümlicherweise beim gestrigen Tag aufgeschrieben habe. Von dort nach Westminster zu den Crisps, wo wir sehr vergnügt waren. Die alte Frau ließ mir ein Abendessen kommen und schenkte mir ein Halstuch, bestickt mit Erdbeeren. Dann zu Bett.

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Schrieb ein paar Noten und übte verschiedene Tonleitern auf meiner Gambe


/ März 20th, 2010 | Pepys

20. März 1668

Früh aufgestanden und ins Amt, wo wir in einer außerordentlichen Sitzung unter anderem über die Summe berieten, die wir als sofortige Zahlung fordern sollen, um 27 Schiffe seetüchtig machen zu können, denn alle wollen jetzt so schnell wie möglich eine Flotte haben und rätseln herum, warum noch keine seetüchtig ist. Dabei gibt es nur einen Grund – unseren Geldmangel. Das nahm den ganzen Vormittag in Anspruch. Aß mittags mit meinen Schreibern bei mir zu Hause. Meine Frau und Deb waren unterdessen oben in ihrem Zimmer damit beschäftigt, alles vorzubereiten für die Reise aufs Land in ein oder zwei Wochen. Fuhr dann mit der Kutsche nach Whitehall, wo wir uns beim Herzog von York trafen. Sobald die Andacht vorüber war, denn es war Karfreitag, kam er zu uns. Wir legten ihm unsere Geldforderung vor und gingen wieder. Fuhr von dort zu Kate Joyce, da ich mit ihr wegen des Briefs von gestern sprechen wollte, fand aber keine Gelegenheit dazu, weil sie nicht allein war. Also lud ich sie für nächsten Sonntag zum Essen bei mir ein. Dann nach Hause. Um meine Augen zu schonen, saß ich den ganzen Abend in meinem Zimmer, schrieb ein paar Noten und übte verschiedene Tonleitern auf meiner Gambe, da ich mir vorgenommen habe, das alte System der Tonleitern zu verbessern. Und ich glaube, es wird mir auch gelingen. Aß danach mit meiner Frau, die sehr zufrieden mit dem ist, was sie heute geschafft hat, und ich bin es ebenso. Dann ins Bett. Heute erfuhr ich am Hof, daß Sir W. Penn die Flotte im Sommer kommandieren solle. Und Mr. Proger, der Kammerherr, erzählte mir im Vertrauen, Prinz Rupert sei darüber sehr verärgert, und mehrere Freunde des Prinzen seien bei ihm gewesen, um von ihm den Grund für diese Entscheidung zu erfahren. Deshalb bedauere er Sir W. Penn, für den er große Zuneigung empfindet. Denn es war durchaus nicht sein Wunsch, dieses Kommando zu erhalten, das ihm jetzt den Prinzen zum Feind macht und den Neid vieler erregt. Ich bedaure die Entscheidung aber nicht im geringsten. Zunächst weil W. Penn dem König viel besser dienen wird als der Prinz, aber auch, weil Penn, dieser falsche Hund, sich ruhig auch einmal in die Nesseln setzen kann.

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Von der sich der Herzog nach seiner ersten Rückkehr von See den Tripper geholt haben soll


/ März 19th, 2010 | Pepys

19. März 1665

Sonntag. Mr. Povey ließ mich schon früh von seiner Kutsche abholen. Erfuhr bei ihm zu meinem großen Ärger, daß Sir Charles Berkeley sich für Mr. Brouncker als Nachfolger für Povey einsetzt, indem er sich auf ein früheres Versprechen des Herzogs beruft und bereit ist, eine entsprechende Summe zu bezahlen. Sehr bedrückt gingen wir zu Creeds neuer Wohnung in den Königlichen Marställen und trafen ihn mit seinem Papagei auf der Schulter an. Im Vorbeigehen schnappte der Vogel nach Povey und fügte ihm eine tiefe Wunde dicht neben dem Auge zu. Hätte das Tier das Auge getroffen, es wäre hinüber gewesen. Wir waren bestürzt, doch dann stellte sich die Sache als harmlos heraus. Berieten schließlich, wie wir weiter vorgehen wollen und fanden auch eine Lösung. Darauf zu Mr. Coventry, der mir den freundlichen und klugen Rat gab, nicht von dem Vorhaben abzurücken, da ich durch die Stelle des Kämmerers einflußreiche Leute kennenlernen würde, während ich jetzt in der Marine im Schatten von drei oder vier anderen stünde. Doch solle ich mich nicht öffentlich gegen Sir Charles Berkeley stellen. Danach wieder zu Creed und spazierte eine Stunde lang mit ihm durch den Park und beratschlagte mit ihm. Dann zu Lord Sandwich zum Essen. Darauf zu Mr. Povey, der unterdessen beim Herzog von York gewesen war. Der Herzog hatte ihm versichert, nach Fürsprache von Mr. Coventry: es werde alles so geschehen, wie vereinbart, und er werde Brouncker zurückweisen, und auch Sir Ch. Berkeley sei einverstanden. Dennoch sehe ich neuen Ärger heraufziehen, da Sir G. Carteret sehr unzufrieden schien, als er von der Entscheidung hörte, und kein Wort dazu sagte. Das soll mich lehren, zwischen wahren und falschen Freunden zu unterscheiden.

Wir waren sehr froh über diese Nachricht. Mr. Povey und ich fuhren mit seiner Kutsche in den Hyde-Park, wo heute der erste Tag der Kutschenparade war und viele entzückende Damen zu sehen waren. Sahen unter anderem Lady Castlemaine, die unbekümmert auf dem Rücken ausgestreckt in ihrer Kutsche lag und mit offenem Mund schlief. Auch Lady Carnegie, die frühere Lady Anne Hamilton, war da, von der sich der Herzog nach seiner ersten Rückkehr von See den Tripper geholt haben soll. Ich sah auch Sir J. Lawsons Tochter und ihren Mann, ein hübsches Paar, und Mr. Southwell mit seiner neuen Frau, ebenfalls sehr bezaubernd. Auf dem Rückweg noch bei Dr. Hoare vorbeigeschaut und seine Frau gesehen, die sehr hübsch ist. Dann nach Hause, wo nach einer Weile auch Creed eintraf, um bei mir zu übernachten. Haben uns den ganzen Abend gut gelaunt unterhalten – über den morgigen Tag und die Annehmlichkeiten, die mir der neue Posten bringen wird. Tatsächlich verspreche ich mir sehr viel davon.

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Denke auch ständig darüber nach, wie man noch etwas Geld hinzuverdienen könnte


/ März 18th, 2010 | Pepys

18. März 1661

Heute früh fuhr Sir W. Batten nach Rochester, wo er für das Parlament kandidiert.

Den ganzen Vormittag im Amt. Aß zu Hause. Dann mit meiner Frau nach Westminster, wo ich mit den Parlamentsbeauftragten über die Zahlung an den gnädigen Herrn verhandelte. Meine Frau zu Besuch bei Mrs. Hunt.

Ich fuhr sie nach Hause und erkundigte mich dann bei Greatorex und anderen Orts nach Mr. Barlow, meinem Amtsvorgänger (denn ich meinte gehört zu haben, er sei gestorben, was aber nicht stimmte). Nach Hause und zu Lady Batten, wo ich zu Abend aß. Dann wieder nach Hause.

Heute wurde ein Botschafter aus Florenz mit allen Ehren in der Stadt empfangen.

Vernahm, daß Grund zur Hoffnung besteht, daß Mrs. Davis von nebenan bald auszieht, weil ihr Mann nach Irland gehen will. Gestern hieß es, daß Prinzessin Henrietta an diesem Tag den Bruder des französischen Königs, den Herzog von Anjou, geheiratet habe.

Heute finde ich in der Zeitung die Meldung, daß Roger Pepys in Cambridge zum Parlamentsabgeordneten gewählt wurde. Die erste Stadt, aus der wir die Wahlergebnisse erfahren.

Zu Bett, den Kopf voller geschäftlicher Dinge. Denke auch ständig darüber nach, wie man noch etwas Geld hinzuverdienen könnte.

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Weiß der Himmel, wie das noch endet


/ März 17th, 2010 | Pepys

17. März 1664

Aufgestanden und zu meinem Bruder gegangen, wo ich den ganzen Vormittag die morgige Beerdigung vorbereitete. Danach zu Vetter Strudwick, ebenfalls wegen der Beerdigung, und dann zur Börse. Von dort nach Hause zum Mittagessen. Meine Frau hütete noch das Bett, obgleich es ihr nicht mehr so schlecht ging wie gestern. Ich aß bei ihr im Zimmer und ging dann wieder ins Amt. Wir halten ab sofort wieder nachmittags Sitzung, da das Parlament jetzt wieder zusammentritt. Allerdings wurde die heutige Parlamentssitzung auf den kommenden Montag vertagt, angeblich weil viele Parlamentarier noch nicht in der Stadt eingetroffen seien. Der eigentliche Grund soll aber der sein, daß der König empört ist über das Verhalten von Lord Bristol, da er herausgefunden hat, daß dieser durchaus nicht seinen Zwist mit dem Kanzler beigelegt, sondern vielmehr versucht hat, in beiden Häusern Fraktionen gegen den Kanzler zu bilden – und seine Flucht nach Frankreich war nur vorgetäuscht. Also hat der König diese Vertagung angeordnet, um Lord Bristols Pläne zu verhindern, denn er hat eine Wache und einen Herold ausgeschickt, die ihn in Wimbledon festnehmen sollten, wo er sich am Vormittag aufhielt. Jedoch konnten sie ihn nicht finden, was den König nur noch mehr erzürnt, und jetzt rennt er wie ein Botenjunge hin und her, zum Kanzler und wieder zurück. Anscheinend will er Lord Bristols Anklageerhebung gegen den Kanzler vom vergangenen Jahr als Hochverrat auslegen. Weiß der Himmel, wie das noch endet.

Nach der Sitzung wieder zu meinem Bruder und zu Madam Turner und bereitete verschiedene Dinge für morgen vor. Habe mich heute entschlossen, ihn nicht auf dem Kirchhof neben meinen anderen Brüdern und Schwestern zu begraben, sondern im Mittelgang der Kirche, möglichst nah bei der Bank meiner Mutter – was mich 20s mehr kostet. Nachdem ich alles erledigt hatte, mit der Kutsche nach Hause gefahren. Nahm vorsichtshalber den silbernen Becher meines Bruders mit zu mir. Dann, nachdem ich meinem Vater geschrieben hatte, zum Abendessen und zu Bett.

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Ich trank kaltes Dünnbier, wovon mir schlecht wurde


/ März 16th, 2010 | Pepys

16. März 1662

Sonntag. Ging heute morgen von Kirche zu Kirche und hörte mal hier, mal dort ein wenig beim Gottesdienst zu. Dann zur Kleiderverwaltung, um mit den jungen Damen zu essen. Unterhielt mich danach längere Zeit mit der gnädigen Frau in ihrem Zimmer und ging dann nach Whitehall, wo ich ein, zwei Stunden im Park spazieren ging, der jetzt sehr schön ist. Auch der König und der Herzog waren dort, um die Vögel in den Käfigen zu betrachten. Der Herzog behandelte mich sehr höflich. Auf dem Weg zurück nach Hause besuchte ich Tom, um ihm mitzuteilen, für welche Livree für meine Burschen ich mich entschieden hatte. Ging noch eine Stunde mit Sir W. Penn im Garten spazieren und aß dann zusammen mit meiner Frau bei ihm. Auch sein Sohn William war da, dem es nicht gut ging. Doch auch sonst scheinen sie Sorgen zu haben, sie sahen unzufrieden aus, warum, weiß ich nicht. Ich trank kaltes Dünnbier, wovon mir schlecht wurde, so daß ich hinausgehen und mich übergeben mußte. Danach war mir besser, ich ging nach Hause und später zu Bett. Da wir befürchteten, daß Sarah noch länger krank sein wird, bezogen meine Frau und ich die kleine Kammer und schliefen dort.

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Wie ich es anstellen könnte, para herauslocken Doll Lane


/ März 15th, 2010 | Pepys

15. März 1667

Aufgestanden und erfreut zur Kenntnis genommen, daß Tom mit Barker „It is Decreed“ übte. Verbrachte den ganzen Vormittag im Amt und ging mittags zur Börse, wo ich hörte, daß heute bei Hof Briefe eingetroffen seien, aus denen hervorgehe, daß es wohl zu keiner Einigung mit den Holländern kommen werde, denn sie stellen maßlose Forderungen und der König von Frankreich ebenso, und dies in der unverschämtesten Art und Weise. Die Kaufleute glauben bereits alles verloren, denn sie wissen nicht, was sie tun sollen, ob sie kaufen oder verkaufen sollen, ob sie Krieg oder Frieden erwarten sollen. Und einer sagte, wenn er mit Sicherheit wüßte, daß es Krieg gibt, könne er leicht in einer Woche 20 000l verdienen, denn dann würde er jetzt in großen Mengen Waren einkaufen. Von dort nach Hause und aß sehr gut zu Mittag. Verließ dann mit meiner Frau das Haus. Sie ging zu Unthank, ihrem Schneider, und ich zu Sir G. Carteret, wo ich mich eine Weile mit den Damen unterhielt. Lady Carteret spricht von nichts anderem als von den schlimmen Zeiten, die uns noch bevorstehen, und tatsächlich fürchte ich dasselbe. Dann fort. Traf Dr. Fuller, den Bischof von Limerick, und spazierte mit ihm eine Stunde lang am Hof umher. Wir sprachen über die Neuigkeiten des Tages. Er glaubt, die Sache werde schlecht für uns ausgehen. Dann zur Westminster Hall, ging ein, zwei Stunden auf und ab und überlegte, wie ich es anstellen könnte, para herauslocken Doll Lane, sed yo no schaffte es, denn ich fand keine Gelegenheit de hacer le, ainsi vergeudete todo den Nachmittag. Dann fort, holte meine Frau ab und fuhr mit ihr nach Hause. Noch kurz ins Amt, dann nach Hause in mein Zimmer, um meine Tagebuch nachzutragen. Zum Abendessen und zu Bett.

Heute Mittag kam die kleine Miss Tooker zu mir, die inzwischen eine junge Frau geworden ist. Ego hatte la Gelegenheit para besar sie und tocar la abaxo con meiner Hand. Sie ist immer noch sehr hübsch, aber sie fürchtete, vido zu werden, daher war ella nicht so habilado, wie sie es sonst vielleicht gewesen wäre. Meine Frau erzählte mir vor einigen Tagen, sie habe gehört, daß Miss Tooker den gran pecho habe, aber ich hoffe, daß das nicht der Fall ist. Ich sum sicher, daß es mir gefallen würde, para aver tempo und lugar, um algo con ihr para hacer.

Heute morgen kam Sir J. Winter zu mir. Er hatte sich in aller Frühe, noch bevor ich aufgestanden war, in seiner Sänfte vom anderen Ende der Stadt hertragen lassen, nur um mit mir über das Holz für den König zu sprechen. Das war sehr ehrenwert von ihm, und ich halte ihn in der Tat, für einen überaus ehrbaren Mann. Ich werde dies auch gegenüber dem Herzog von York erwähnen, und er selbst hatte noch vor ein paar Tagen sehr wohlwollend von ihm gesprochen. Es geht darum, wie das Holz, das er in den Wäldern von Deane schlägt, zur Küste transportiert werden soll.

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Kamen mir, wie ich gestehen muß, die Tränen


/ März 15th, 2010 | Pepys

14. März 1664

Aufgestanden und zu Fuß zu meinem Bruder, wo ich erfuhr, daß er die ganze Nacht wirr geredet habe. Heute erkannte er mich auch nicht mehr, was mich sehr bestürzte. Ging nach unten und unterhielt mich eine Weile mit der Haushälterin, die mir viele Vorfälle schilderte, die darauf hinzudeuten scheinen, daß mein Bruder schon seit geraumer Zeit in Schulden steckt und von einigen Gläubigern bereits bedrängt wird. Unter anderem von einem gewissen Cave und seiner Frau, aber ob sie nur Geld wollen oder ob noch anderes dahintersteckt, weiß sie nicht zu sagen. Außerdem ist da ein gewisser Cranburne, so nannte sie ihn wohl, der in der Fleet Lane wohnt und mit dem mein Bruder sich häufig zurückgezogen habe. Sie weiß nicht, worum es dabei ging, aber sie vermutet, es könnte etwas Unsittliches gewesen sein. Dann blieb er auch an zwei aufeinanderfolgenden Samstagen nachts auf, als alle anderen schon im Bett waren, und beschäftigte sich mit sich selbst. Zuvor hatte sie keine Ahnung, was er da getan haben könnte, jetzt hatte sie aber eine Vermutung. Sie sagte mir auch, daß er ein sehr schlechter Geschäftsmann sei, weil er sich um nichst gekümmert habe, und sie habe ihn oft darauf hingewiesen. Alles in allem folgt für mich daraus, daß mein Bruder ein ruinierter Mann ist, ob er nun stirbt oder nicht, und was damit auf mich zukommt, vermag ich noch nicht zu sagen.

Von dort nach Whitehall zum Herzog. Während er sich ankleidete, erzählten ihm zwei Herren, die ihm aufwarteten, daß vor einigen Tagen, als sie in Holborn beim Kartenspiel saßen, gegen Mitternacht ein Fackelträger ins Haus gerannt kam und den Anwesenden zugerufen hatte, daß das Haus zusammenstürzen werde. Sie bekamen es mit der Angst zu tun und nahmen an, der Junge habe ihnen mitteilen wollen, daß das Haus brennt. Also ließen sie ihre Karten oben liegen, und der eine von ihnen wollte über den Balkon klettern, aber die Tür öffnete sich nicht. Der andere lief nach oben, um seine Kinder herunterzuholen, die in ihren Betten schliefen. Schließlich verließen sie alle das Haus, und kaum war dies geschehen, da stürzte das Haus tatsächlich ein, von oben bis nach unten. Offenbar ist der Abwasserkanal von Lord Southampton zu nah an ihrem Fundament entlang geführt worden, so daß es absackte und das Haus schließlich zusammenbrach – ein außerordentlicher Fall.

Schließlich war der Herzog fertig und wir besprachen unsere dienstlichen Angelegenheiten. Leider konnte ich mich, was den diesjährigen Einkauf von Hanf betrifft, nicht durchsetzen, was mich sehr verdroß. Dies rührt aber lediglich von meinem Stolz her, denn ich gehe immer davon aus, daß alles so zu laufen hat, wie ich es mir vorstelle. Es war auch gar nicht gegen meinen Vorschlag gerichtet, sondern ganz offensichtlich waren sie nur nicht willens, allem zuzustimmen, was ich vorschlage.

Besuchte anschließend Lord Sandwich und dankte ihm dafür, daß er mich in den Fischereiausschuß berufen hat. Er hatte gewiß schon darauf gewartet. Er antwortete aber nur: „Ach, Sie meinen die Fischerei? Ich sagte Ihnen doch, ich würde an Sie denken.“ Aber dann schwieg er wieder. Als ich ihn nach einer Weile fragte, ob er noch etwas für mich hätte, sagte er nur: „Nein“, und ich hatte den Eindruck, daß er mir deutlich zu verstehen geben wollte, daß er nicht mit mir zu sprechen wünsche, was mich den ganzen Tag quälte und immer noch quält. Ich denke aber, daß ich das meiner eigenen Unbesonnenheit zu verdanken habe, weil ich nicht meinem Vorsatz treu geblieben bin, mich fein zu kleiden und vornehme Zurückhaltung zu wahren. Von dort fuhr ich mit Sir W. Batten in die City. Sein Schwiegersohn, William Castle, äußerte sich sehr abschätzig über Hauptmann Taylor und nannte ihn einen hinterhältigen Schuft, und ich fürchte, er übt damit auf den törichten Alten einen unguten Einfluß aus – oder aber er redet dem Alten nur nach dem Mund.

Verließ sie und ging zu Mr. Moxon und sah zu, wie die Globen für unser Amt hergestellt werden, die sehr schön werden, aber eine Menge Geld kosten. Danach ins Kaffeehaus. Unterhielt mich sehr gut mit Mr. Hill, dem Kaufmann, einem vornehmen, klugen jungen Mann.

Dann zur Börse und von dort nach Hause, wo meine Frau und ich uns stritten, weil ich nicht bereit war, ihr Kleid mit neuer Spitze besetzen zu lassen, ihr aber dasselbe Geld oder noch mehr zur Verfügung stellen würde, damit sie sich ein schlichtes neues Kleid kaufen kann. Daraufhin geriet sie so außer sich, wie ich es noch nie bei ihr erlebt habe, und der Anblick war mir unerträglich. Ich verließ daher das Haus und ging ins Amt, obwohl sie sich bereits umgekleidet hatte, um Lady Sandwich zu besuchen. Sie folgte aber wutentbrannt, und als sie mich sah, fuhr sie mich wie eine Furie an und rief, daß sie jetzt ein neues Kleid kaufen gehe, es mit Spitzen besetzen lasse und mir die Rechnung zukommen lassen werde, und danach könne ich es verbrennen, wenn mir der Sinn danach steht – und daraufhin ließ sie mich stehen. Das hat mich furchtbar aufgebracht. Aber da ich sehr beschäftigt war, hatte ich nicht die Zeit, darüber nachzudenken, wie ich mich in dieser Angelegenheit verhalten soll. Aber im nächsten Moment kam sie zurück ins Amt (wohl, weil sie festgestellt hatte, daß ich ihr nicht gefolgt war). Aber sie mußte eine halbe Stunde warten, weil ich unterdessen mit jemanden beschäftigt war. In der Zeit beruhigte sie sich wieder und wir waren im Handumdrehen wieder gute Freunde. Und als ich im Amt fertig war, verließen wir das Gebäude zusammen und fuhren mit der Kutsche zum Haus von Lady Sandwich, wo ich meine Frau absetzte. Fuhr weiter nach Whitehall, wo ich Mr. de Critz, den Hofmaler, traf. Nachdem ich mich eine Stunde lang mit ihm unterhalten hatte, ging ich wieder zurück zur gnädigen Frau, plauderte eine halbe Stunde lang mit ihr und ging dann weiter zu meinem Bruder, dessen Zustand sich eher verschlechtert als verbessert hatte. Die Ärzte haben ihn jedenfalls bereits aufgegeben. Er redete nur noch zusammenhangslos vor sich. Ich forderte ihn auf, mir zu sagen, wer ich bin, und als er es mir nicht sagen konnte, kamen mir, wie ich gestehen muß, die Tränen.

Ging zu Mrs. Turner, die sich gerade mit Mr. Powell, dem Arzt meines Bruders, unterhielt. Sie redet anscheinend nur noch von der Krankheit, was mir nicht gefiel, denn es waren auch noch andere Leute anwesend, und ich muß gestehen, daß mir die Schande dieser Krankheit genauso zu schaffen macht wie die Sache selbst.

Dann wieder zurück zu meinem Bruder, und von dort zusammen mit meiner Frau zu Onkel Fenner, mit dem wir uns sehr lange vertraulich unterhielten. Er sprach davon, daß mein Bruder die Geschäfte sehr vernachlässigt habe und daß er glaube, daß mein Bruder viele Schulden habe, unter anderem bei meinem Vetter Scott (ich weiß nicht wieviel) und bei Dr. Thomas Pepys (30l), der aber wohl erwähnt habe, daß er 20l davon bereits zurückbekommen habe. Eine traurige Sache, vor allem da mein Bruder auch bei mir und meinem Vater Schulden hat. Wenn er dies überleben sollte, wird er sich kaum noch irgendwo blicken lassen können – was ein große Schande für mich wäre.

Dann ging ins Zimmer meiner Tante, bei der meine Frau war sowie Anthony Joyce. Ich trank etwas mit ihnen, dann gingen wir – den Kopf voller Sorgen – nach Hause. Ich hoffe nur, daß die Sache bald überstanden ist – auf die eine oder andere Weise.

Nachdem ich noch ein paar Dinge in meinem Amt erledigt hatte, nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

Onkel Fenner hatte meinem Vater letzte Woche in einem Brief den Zustand meines Bruder geschildert. Meine Mutter hat sich daraufhin entschlossen, in die Stadt zu kommen, was mich zusätzlich beunruhigt.

Wie es scheint, soll die Angelegenheit zwischen dem Lordkanzler und Lord Bristol totgeschwiegen werden. Lord Bristol soll unterdessen nach Frankreich geflohen sein, an den Hof des Königs.

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Zahl der Pesttoten in dieser Woche


/ März 14th, 2010 | Pepys

13. März 1666

Früh aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt. Allmählich trägt es Früchte, daß ich Sir W. Penn so häufig die Stirn biete, denn er begegnet mir jetzt viel unterwürfiger. Zu Hause zu Mittag gegessen und danach gleich wieder ins Amt und bis Mitternacht zahlreiche Dinge erledigt. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett. Die Zahl der Pesttoten in dieser Woche ist von 28 auf 29 gestiegen, obwohl die Zahl der Sterbefälle insgesamt von 238 auf 207 gesunken ist, was mir ganz und gar nicht gefällt.

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Und nannten mich den Schutzpatron des Flottenamts


/ März 12th, 2010 | Pepys

12. März 1668

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt. Mittags zum Essen nach Hause und dann meine Frau und Deb bei Unthanks Laden abgesetzt. Fuhr weiter zur Westminster Hall, weil ich erwartete, daß wir diesen Nachmittag wegen der Proviantsache vor den Ausschuß treten würden, aber ich wartete wieder umsonst. Holte nach einem kurzen Rundgang mit Lord Brouncker meine Frau wieder ab und brachte sie zur Börse. Ich fuhr weiter zur Akademie der Wissenschaften, um mich nach langer Zeit einmal wieder zu zeigen. Dort begrüßten mich Dr. Wilkins, Dr. Whistler und andere und nannten mich den Schutzpatron des Flottenamts und sagten, ich habe mir durch meine Rede vor dem Parlament großen Ruhm erworben. Sah dort, wie man die Güte eines neuartigen, nicht-sphärischen Brennglases (von einem gewissen Smethwick, glaube ich) veranschaulichte, indem mit Hilfe eines sehr kleinen Feuers ein Handschuh von Lord Brouncker verbrannt wurde – was ein viel größeres Brennglas der hergebrachten Form nicht geschafft hätte. Hochinteressant. Sir R. Southwell berichtete über seinen Aufenthalt in Portugal, wo er im Namen der Akademie mehrere Instrumente überreicht hatte, und dies auf sehr würdige Weise. Ging von dort ins Amt und arbeitete so lang, wie meine Augen es zuließen. Dann nach Hause zum Essen. Mr. Pelling kam und erzählte, mit welcher Bewunderung man von mir in der City spricht. In der Tat scheine ich mir einen großen Ruf erworben zu haben, und dafür sei Gott gedankt. Dann zu Bett.

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