“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson

Archiv: / Februar, 2010


Ich glaube, ich werde die Sache so darstellen, daß ich mich absichere, ohne ihm zu schaden


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

8.Februar 1668

Aufgestanden und den ganzen Tag im Amt. Mittags wie verabredet mit Cousin Roger und Jackson zu Hause gegessen, auch Creed war anwesend, und alle waren sehr fröhlich. Nur Jackson ist nicht sehr gesprächig, aber das stört mir nicht. Das Gespräch drehte sich um Carr, der von allen Beschuldigungen freigesprochen wurde – sehr zur Schande von Lord Gerard, da in dem Verfahren so viele von dessen Gaunerstücken und Betrügereien ans Tageslicht gekommen sind, daß nun wohl er und nicht Carr ruiniert ist. Man sieht daran die große Verblendung des Unterhauses, das Carrs Bittschrift, auf Betreiben einiger weniger, kurzerhand abgelehnt hatte, und man sieht daran die schändliche Handlungsweise des Oberhauses, das Carr, ohne Anhörung und Befragung, wegen angeblicher Vergehen an den Pranger stellen ließ, von denen er sich schließlich, unter tatkräftiger Mitwirkung von Lord Gerard höchtselbst, reinwaschen konnte. Carr wird nun von allen Seiten bedauert, und Lord Gerard hat sich für alle Zeit mit Schande befleckt. Unterhielten uns sehr angeregt bei Tisch und nahmen dann eine Kutsche. Die anderen setzten mich an der alten Börse ab und fuhren nach Hause. Über die Hochzeit hatte ich weder mit meinem Vetter noch mit Jackson gesprochen. Ging zu Hauptmann Cocke und sprach mit ihm über unsere Prisensache. Ich glaube, ich werde die Sache so darstellen, daß ich mich absichere, ohne ihm zu schaden. Von dort zu meinem Buchhändler an der Strand, wo ich eine Stunde blieb und das schändliche, unzüchtige Werk »L’Ecole des filles« kaufte, aber nur einfach gebunden (nicht in besserem Einband), weil ich entschlossen bin, es nach dem Lesen sofort zu verbrennen und es nicht ins Bücherverzeichnis und meine Bibliothek aufzunehmen, um meinen Büchern keine Schande zu machen, wenn es dort gefunden wird. Dann zurück und noch lange im Amt gearbeitet. Spät nach Hause zum Abendessen und zu Bett. Meine Frau ist sehr zufrieden mit der bevorstehenden Hochzeit meiner Schwester und überlegt, wie wir sie am besten feiern können. Auch ich bin sehr zufrieden, daß diese Sorge vorüber ist. Als ich heute abend im Temple Revisor Wood aufsuchte, sagte mir sein Sekretär, er habe gehört, meine Abrechnung müsse noch dem Tanger-Ausschuß vorgelegt werden, bevor sie genehmigt werden kann. Das will mir nicht weiter schlimm erscheinen, trotzdem beunruhigte es mich, weil diejenigen, die es Wood in den Kopf gesetzt haben, womöglich etwas damit bezwecken. Ich vermute Revisor Beale oder Creed stecken dahinter, denn sie sahen mich die Abrechnung woandershin tragen als zu ihnen.

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Meine Frau war morgens sehr gereizt


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

7. Februar 1669

Sonntag. Meine Frau war morgens sehr gereizt, weil ich nachts so unruhig schlafe. Sie behauptet, es komme daher, daß ich in letzter Zeit wieder unzüchtige Gedanken hege. Sie legt mir jetzt auch oft, wenn ich träume, die Hand auf den Schwanz, um Bestätigung zu erhalten. Aber nach einer Weile beruhigte sie sich wieder. Dann stand ich auf, ging zum Gottesdienst und darauf nach Hause zum Essen.

Am Nachmittag war meine Frau noch gereizter als zuvor und schloß sich in ihr Zimmer ein. Das betrübte mich sehr, und ich konnte sie nicht dazu bringen, mir zu sagen, was sie bedrückte. Schließlich ließ sie mich herein, und ich fand sie weinend auf dem Boden liegen und konnte sie nicht beruhigen. Dann erzählte sie aber alles: sie meinte, ich sei ihr mit Jane untreu, und kramte drei, vier höchst lächerliche Begebenheiten hervor. So sei sie einmal nicht rechtzeitig aufgestanden, so daß ich zu ihr gegangen sei und sie dadurch beim Anziehen gesehen habe, worauf ich gewiß in ihre Kammer gegangen und es mit ihr getrieben habe. Dies war so lächerlich und so sehr an den Haaren herbeigezogen, daß es mich nicht bedrückte. Daß solche Gedanken sie peinigen müssen, wunderte mich nicht. Darum wollte sie nicht mehr bei mir schlafen und ließ das Bett im blauen Zimmer beziehen und wollte dort neben Jane schlafen, damit ich nicht zu ihr gehen könne. Schließlich konnte ich sie beruhigen, und wir versöhnten uns. Gingen früh zu Bett. Konnte es sehr angenehm con ihr hacer. Steckte aus Versehen zum ersten Mal den digito en ihr Ding, was ihr sehr gefiel. Ich hoffe nur inständig, daß ella nicht meint, yo hätte das schon häufiger getan – oder daß sie Gefallen daran findet. Dann legten wir uns para Schlafen.

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Etwas länger als sonst im Bett geblieben


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

6. Februar 1667

Etwas länger als sonst im Bett geblieben. Dann aufgestanden und mit dem Boot nach Whitehall. Doch der Herzog von York war bereits ausgegangen, weil er ins Parlament mußte. Die anderen waren ebenfalls ins Parlament gegangen. Ich ging daher zu Sir Ph. Warwick wegen der Zahlungen für Tanger und dann in die Westminster Hall. Dort spazierte ich auf und ab und hörte, daß der Prinz nach wie vor das Bett hütet und sich erholt und keine Schmerzen leidet, so daß man sehr zuversichtlich ist, was seine Genesung betrifft. Dr. Clarke und Mr. Pearse, die ich ebenfalls traf, waren allerdings anderer Meinung, denn sie glauben, daß die Fäulnis, auf die man auf der inneren Tafel des Schädeldaches gestoßen war, bereits zu weit fortgeschritten sei. Ging dann nach oben zur Parlamentstür und unterhielt mich mit Roger Pepys, der diese Woche, wenn die Sitzungsperiode des Parlaments endet, die Stadt verläßt. Anschließend nach unten in die Halle, wo ich im Laden des alten Howlett Betty Mitchell sah. Ließ daher etwas Glühwein kommen und trank ihn mit ihrer Mutter und ihrer Schwiegermutter und konnte auf diese Weise mit der guten Betty, in die ich so vernarrt bin, zusammensein. Gott vergib mir, aber ich trieb mich auf diese Weise den ganzen Vormittag in dem Laden herum, para buscar eine Gelegenheiten parar hablar con ella – aber yo no podra. Dann mit dem Boot nach Hause zum Mittagessen und ins Amt, wo wir mit der Prüfung der Abrechungen von Dennis Gauden begannen. Ging, bevor es dunkel wurde, fort und fuhr mit dem Boot nach Whitehall zur Sitzung des Staatsrats, sie fand aber nicht statt. Ging daher zu Sir W. Coventry. Traf ihn in seinem Zimmer an mit einem Brief in Händen, der er von der Reede von Downs erhalten hatte, in dem ihm der Verlust der St. Patrick mitgeteilt wurde. Sie war auf dem Weg von Harwich nach Portsmouth gewesen, als sie die Verfolgung zweier Fregatten aufnahm, die zunächst unter englische Flagge gesegelt waren und sich dann als Holländer zu erkennen gaben. Die St. Patrick hatten einen Brander als Geleitschiff bei sich. Als es zum Kampf kam, ergriff unser Brander (unter Kapitän Seeley) die Flucht. Die Holländer enterten die St. Patrick und brachten sie in ihren Besitz. Sie war erst letztes Jahr in Bristol gebaut wurde und hatte mehr als 50 Kanonen – ein hervorragendes Schiff. Sir W. Coventry war sehr bedrückt. Ich sprach ihn auf unsere Geldsorgen an, aber er wollte davon nichts hören. Ihm scheint aber vor allem Sorgen zu bereiten, daß Sir G. Carteret sich nicht mehr so energisch wie früher um Gelder bemüht – was nicht sehr verwunderlich ist, wenn man ihm das Pfundgeld kürzt. Von dort zur Westminster Hall, wo ich Betty Mitchell zu treffen hoffte, weil sie die ganze Nacht über dort bleiben wollte, traf sie aber nicht an. Dann mit der Kutsche nach Hause, zu Sir W. Batten, um ihm die schlecht Nachricht zu überbringen, und von dort dann ins Amt. Anschließend nach Hause zum Abendessen. Will Hewers Mutter war gekommen und aß mit uns. Dann ging sie fort, aber W. Hewer blieb noch und wir unterhielten uns bis spät abends über die Rechnungsbücher von Sir G. Carteret, die in einem heillosen Zustand sind, und darüber, was passieren würde, wenn Fenn oder Waith, seine Zahlmeister, plötzlich sterben oder bankrott machen würden, denn er ist gänzlich von ihren Krediten abhängig, und ich bin entschlossen, entweder mit Sir G. Carteret selbst oder mit Lady Carteret, die ich sehr verehre, einmal in aller Ruhe darüber zu reden. Dann zu Bett – meine Schmerzen waren fast ganz weg.

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Mein Sorge war, er könne unklug antworten


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

5. Februar 1668

Aufgestanden und zu Hauptmann Cocke, mit dem ich darüber sprach, daß wir wegen unserer Prisen vor der Neunerkommission erscheinen müssen. Und nachdem wir beschlossen hatten, nichts zu verbergen und die Wahrheit zu sagen, da diese uns ehesten nützen wird, gingen wir auseinander. Fuhr nach Whitehall, traf aber die Lordkommissare des Schatzamts nicht an und ging zur Neunerkommission, wo ich wohl zwei Stunden warten mußte, bevor ich hineingerufen wurde. Ich wurde vereidigt und mußte schwören, ihre Fragen wahrheitsgemäß zu beantworten. (Damit haben sie eine große Macht, und womöglich eine größere als ihnen von Rechtswegen zusteht, wenn sie die Leute dazu zwingen können, unter Eid aussagen zu müssen.)

Und dann begannen sie mit der Befragung, die Prisengüter betreffend, und ich antwortete ihnen, so gut ich konnte und alles ganz der Wahrheit gemäß. Am Ende warf man mir vor allem vor, daß ich Güter gekauft hatte, auf die Zusage von Lord Sandwich hin, es geschehe mit königlicher Genehmigung, und daß ich es ihm geglaubt habe und keine schriftliche Vollmacht verlangt hätte. Das will ich gern zugeben und kann mich bestimmt dafür rechtfertigen. Am meisten ärgerte mich, daß ein paar Fährleute gegen mich aussagten und meine Äußerung bezeugten, sie seien Lumpen und hätten mich um meine Güter gebracht. Dabei ging es um einen Streit mit einem der Fährleute, die ich in Greenwich gemietet hatte, und ich glaube, er hatte die Waren, die aus Rochester geschickt wurden, dem Zöllner gemeldet – aber diese Sache kann mir nicht groß schaden. Sie fragten mich über jede noch so kleine Einzelheit aus und wußten sehr gut Bescheid. Aber ich denke, sie können mir nichts anhaben. Schlimmstenfalls muß ich das Geld zurückzahlen, wenn herauskommt, welchen Gewinn ich durch meine Absprache mit Hauptmann Cocke gemacht habe. Und obwohl das alles ist, mache ich mich fast verrückt vor Angst und Sorge und kann an nichts anderes denken und zittere bei der Vorstellung, daß dies mein Ende sei – so daß ich mich recht vor mir selbst schäme. Nicht auszudenken, was aus mir werden soll, wenn mich einmal wirklich ein Unglück trifft. Als sie mit mir fertig waren, riefen sie Hauptmann Cocke herein. Mein Sorge war, er könne unklug antworten. Auch mir gegenüber hatte er vorher sehr unbedachte Dinge gesagt. Aber ich hoffe, ich werde mich rechtfertigen können. Mag er für sich tun, was er kann.

Ging darauf zu meinem Flageolettmacher an der Strand. Wartete dort auf Hauptmann Cocke, der mich abholte und nach Hause fuhr. Dort hatte man schon gegessen, und Creed war da (auch Mr. Cooke, der wegen des Tafelsilbers von Lady Sandwich kam, meiner Sicherheit für das Geld, das ich ihr lieh – es ist keine hohe Summe, nur 60l, und sollte ich es verlieren, ist es keine Katastrophe). Ich ging also wieder weg, um woanders zu essen, zuerst ins Ship, um einen Blick auf die hübsche Wirtin zu werfen, die ich noch nicht kennengelernt habe. Sie ist immer am Schimpfen, wenn ich sie sehe, und ist wohl ein übellauniger Teufel, darum habe ich keine große Lust, mir ihr zu reden. Trank etwas und fuhr dann zur Strand, um Mr. Moore zu suchen. Fand ihn im Gasthof Bell und teilte ihm mit, was heute zwischen mir und den Lordkommissaren wegen der Prisengüter gesprochen wurde, damit er bedenken kann, was er für Lord Sandwich tun will, und wir beschlossen alles zuzugeben, weil es mit Genehmigung des Königs geschah und seitdem auch bestätigt wurde.

Dann redeten wir über anderes. Unter anderem lobte er Lord Hinchingbrookes Heirat, obwohl er die 10 000l Mitgift teuer erkauft habe, mit dem beträchtlichen Wittum, das sein Vater ihr zu zahlen bereit ist. Der Herzog und die Herzogin von York besuchten sie an ihrem Hochzeitsabend, um sie beieinander im Bett liegen zu sehen, und dem gnädigen Herrn wurden in dieser Nacht 50 Goldstücke aus der Tasche gestohlen, nachdem er zu Bett gegangen war. Mr. Moore sagt, das Parlament werde wohl eine Toleranzakte zur Einbeziehung aller Protestanten beschließen. Sie werde alle Glaubensrichtungen dulden, aber nur in bestimmten Kirchen, und die Angehörigen der einzelnen Richtung müßten bei dieser oder jener Kirche registriert sein. Man hofft aber, es wird sie womöglich abschrecken und davon abhalten, sich öffentlich zu ihrem Glauben zu bekennen. Er erzählt, der Herzog von Buckingham, Lord Shrewsbury und die anderen an dem Duell Beteiligten seien begnadigt worden. Und er glaubt, etwas derart Schändliches hätte es unter dem alten Lordkanzler nicht gegeben – denn sie werden ohne vorherigen Prozeß begnadigt. Und da der Lordsiegelbewahrer gewiß nicht sein Einverständnis geben wollte und da man dies wußte, daß er es nicht abzeichnen würde, habe man sich eine königliche Vollmacht geholt, um den Lordsiegelbewahrer zu umgehen. Er erzählte ferner, Lord Sandwich habe Mr. Godolphin in einem Brief als sehr ehrenwerten Mann bezeichnet und einen so engen Freund, daß man ihm in allem vertrauen könne, und der gnädige Herr habe hinzugefügt, er habe die große Gewißheit, daß er für alle Zeit sein Freund bleiben werde. Das sind große Worte, aber Mr. Godolphin soll tatsächlich ein ehrenwerter Mann sein. Aß in der Bell einen Hummer zum Mittag, meine erste Mahlzeit an diesem Tag. Wir brachen gerade auf, als Mr. Townsend, der Gewandkämmerer, kam. Er beklagte sich, die Kommissare des Schatzamts seien sehr streng zu Lord Sandwich und vor allem hätten sie ihn selbst einen Narren und Lumpen genannt. Ich hielt mich nicht mit ihm auf und ging. Nahm Mr. Moore bis zur Fenchurch Street mit und fuhr dann weiter nach Hause. Da die Prisenangelegenheit mich beunruhigte, ging ich in mein Zimmer, wo meine Frau und ich lange über Will Hewer sprachen, und sie sagte, er sei sehr besorgt, daß ich nicht mit ihm zufrieden sei. Aber ich habe guten Grund, ihm vorzuwerfen, daß er mir so wenig bei meinen Geschäften hilft und nicht einen Brief vernünftig oder richtig abschreiben kann, was mich noch ganz verrückt macht. Er nützt mir sowenig wie mein Diener – das macht mir Sorgen. Aber er soll es erfahren – und zwar von ihr. Später zum Abendessen und dann zu Bett. Schlief die ganze Nacht schlecht – meine Gedanken kreisten unaufhörlich um diese Prisensache, während mir die Vernunft sagt, daß ich nichts zu befürchten habe.

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Sehr angeregt unterhalten


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

4. Februar 1665

Lange im Bett gelegen und mit meiner Frau über ihre Dienstmädchen gesprochen, nachdem Jane uns im Streit und gegen meinen Willen verlassen hat und es darüber einigen Ärger zwischen mir und meiner Frau gegeben hat. Doch handelt es sich um Nebensächlichkeiten, die man sich nicht zu sehr zu Herzen nehmen sollte, auch wenn mich derartige Dinge sehr aufregen.

Den ganzen Vormittag im Amt. Mittags in die Sun hinter der Börse, wohin mich Lord Belasyse zum Essen eingeladen hatte. Sehr angeregt unterhalten. Unter anderem erzählte er uns die hübsche Geschichte, wie der König ihm einmal eine Botschaft geschickt habe, die Stadt Newark zu halten, deren damaliger Statthalter er war. Die Botschaft war in einer Geheimschrift geschrieben und in einer Bleikugel eingeschmolzen worden, die der Bote schlucken mußte. Und als der Bote bei ihm eintraf, erklärte er, er habe eine Botschaft vom König, nur befinde diese sich in seinem Magen. Also gab man ihm ein Abführmittel und sie kam zum Vorschein. Dies war einen Monat, bevor der König zu den Schotten floh. Und in der Botschaft teilte er ihm mit, daß er an einem ganz bestimmten Tag – entweder dem 3. oder dem 6. Mai – von seinem Eintreffen in Schottland hören werde, nachdem der König von Frankreich ihm versichert habe, die Schotten würden ihn mit aller nur erdenklichen Ehrerbietung und Hochachtung empfangen. Und genau an besagtem Tag traf er bei den Schotten ein.

Außerdem erzählte er die kuriose Geschichte, wie die hohen Offiziere des königlichen Heers – kurz nachdem der König Prinz Rupert wegen seiner Fehler in Bristol seines Generalpostens enthoben und Sir Richard Willys auf Drängen des niederen Adels hin als Statthalter von Newark abgesetzt und Lord Belasyse an dessen Stelle gesetzt hatte – sich gegen den König erhoben und mit gezogenen Schwertern auf den Marktplatz von Newark kamen, wo der König sich gerade befand. Und als der König davon hörte, sprach er: „Sattelt mein Pferd.“ Und er ritt ganz allein zu den Aufständischen, die mit starkem Widerstand gerechnet hatten, und rief dem Anführer, Prinz Rupert, zu: „Neffe, ich befehle dir, zu verschwinden!“ Tatsächlich zog der Prinz sich zurück, unwillig und murrend, und seine Gefolgschaft verstreute sich in alle Winde – und das war nun die ganze großartige Rebellion.

Nach dem Essen nach Hause und ins Amt, wo ich abends eine Nachricht von Jane bekam, die auf die Zahlung ihres Lohns drängte. Ich ließ meine Frau ins Amt holen und erklärte ihr, bevor über uns geredet würde, wolle ich ihr lieber den Lohn für das ganze Vierteljahr geben, auch wenn noch zwei Monate fehlten, worüber meine Frau sehr verärgert war und mit mir zu streiten anfing. Doch setzte ich mich durch und schickte sie fort. War aber auch später noch ganz aufgebracht, weil fast alle meine Sorgen in dieser Welt allein von der Unordnung in meinem Haushalt und der Unbesonnenheit einer Frau herrühren, die mir (wenn sie auch hübsch ist) nichts als Ärger und Scherereien bereitet.

Nachdem sie fort war, noch bis spät abends gearbeitet. Dann nach Hause zum Essen und zu Bett.

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Er sprach darüber, daß wir die Fehltritte anderer Menschen vergeben sollen


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

3. Februar 1661

Sonntag. Heute ging ich zum ersten Mal mit Mantel und Schwert aus, wie es jetzt bei den Herren üblich ist. Nach Whitehall. Auf dem Weg dorthin hörte ich im Savoy-Palast Mr. Thomas Fuller predigen. Er sprach darüber, daß wir die Fehltritte anderer Menschen vergeben sollen, und legte unter anderem dar, daß wir vom Recht nicht Rache, sondern Wiedergutmachung erwarten sollen, was ich für sehr klug halte. Dann nach Whitehall, wo ich den Pauken und Trompeten und dann den Trommlern zuhörte. Es wird viel Aufhebens darum gemacht, aber ich finde, es ist eine langweilige und vulgäre Musik. Besuchte dann unangemeldet Mr. Fox, wo ich sehr gut zu Mittag aß. Ausgezeichnete Gesellschaft. Es wurde viel erzählt, und mir gefiel vor allem die Geschichte, wie Lord Norwich in einer Audienz des jungen Königs von Frankreich den dreijährigen Herzog von Anjou zum Weinen brachte, indem er ihm, vom König unbemerkt, Fratzen schnitt. Auch wurde erzählt, wie die Gemahlin von Sir Phillip Warwick sich wunderte, als Mr. Darcy neulich einige Dutzend Flaschen Rheinwein aus ihrem Haus holen ließ. Sie wußte nicht, daß der Wein ihm gehörte.

Dann zum gnädigen Herrn, wo ich erfuhr, daß Pedro, der Diener von Sir Th. Crew, und zwei seiner Landsleute gestern abend gegen 10 Uhr mit vier Soldaten in Streit geraten waren und dabei einen von ihnen getötet hatten. Die beiden anderen sind gefaßt worden, aber Pedro hält sich noch bei Sir Th. Crew versteckt und will in der Nacht fliehen.

Dann ging ich zur gnädigen Frau nach oben und unterhielt mich lange mit ihr. Danach zum Anleger von Westminster, wo ich ein Boot bis zur Brücke nahm. Zu Hause angekommen, fand ich Briefe vor, die uns für morgen früh in Amtsangelenheiten nach Whitehall beorderten.

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Warum ein Krieg gegen Holland notwendig und vorteilhaft für uns wäre


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

2. Februar 1664

Aufgestanden und ins Amt, wo wir, Mr. Coventry, Sir W. Penn und ich, obwohl Mariä Lichtmeß war, den ganzen Vormittag sehr beschäftigt waren – die anderen waren in Deptford bei einer Inspektion. Mittags in der Kutsche zusammen mit Mr. Coventry zur Börse. Von dort ins Kaffeehaus mit Hauptmann Cocke, der sehr überzeugend begründete, warum ein Krieg gegen Holland notwendig und vorteilhaft für uns wäre (ich hatte bislang immer das Gegenteil gedacht), weil nämlich der Welthandel insgesamt zu klein sie für zwei Nationen, so daß eine unweigerlich weichen muß. Außerdem würde der Preis unserer Wolle steigen, wenn der Tuchhandel allein in unserer Hand wäre (auch wenn unsere Händler dadurch vielleicht nicht zu bessere Geschäftsleuten) würden, aber unsere Gutspächter wären in der Lage, ihre Pacht zu bezahlen, der Wert unserer Ländereien würde steigen und unsere Manufakturen würden florieren, die zur Zeit mit denen der Holländer nicht mithalten könnten. Und er sagte, daß der Zeitpunkt für einen Krieg günstig sei, da die Holländer auf Söldner angewiesen sind, die in diesen Tagen wegen des Kriegs gegen die Türken schwer zu bekommen sind.

Von dort wieder zur Börse und zusammen mit Sir W. Warren in die Sun, wo ich lange mit ihm sprach und gute Ratschläge und Auskünfte von ihm bekam. Er gab mir ein Paar Handschuhe für meine Frau, säuberlich verpackt in Papier. Das Päckchen fühlte sich hart an, aber ich öffnete es nicht, sondern sagte ihm, meine Frau würde sich bei ihm noch bedanken. Himmel, als ich nach Hause kam, konnte ich es gar nicht abwarten, bis meine Frau das Zimmer verließ (ich mochte sie nicht ausdrücklich hinausschicken), denn ich wollte unbedingt sehen, was es mit den Handschuhen auf sich hatte. Nachdem sie gegangen war, öffnete ich das Päckchen und fand dort ein Paar weiße Handschuhe für sie und 40 Goldstücke. Meine Freude darüber, daß Gott uns mit seinem Segen jeden Tag mehr beschenkt, war so groß, daß ich bei Tisch kaum einen Bissen herunterbekam, und ich hoffe, daß Gott es auch weiterhin gut mit uns meint, wenn ich nur mit größtem Eifer meinen Amtsgeschäften nachgehe. Ich wußte überhaupt nicht, was ich tun sollte, ob ich meiner Frau davon erzählen sollte oder nicht. Fast wäre ich damit herausgeplatzt, überlegte es mir dann doch anders und werde erst eine Nacht darüber schlafen, denn ich fürchte, meine Frau könnte denken, meine Nebenverdienste wären größer, als sie tatsächlich sind. Nach dem Mittagessen ins Amt, wo ich bis zehn Uhr abends blieb. Arbeitete fieberhaft, um auf andere Gedanken zu kommen. Dann nach Hause und voller Freude zum Abendessen und zu Bett.

Heute abend kam Mr. Hempson zu mir und erzählte, daß Sir W. Batten ihm das Amt als Werftinspektor in Chatham entzogen habe, ohne daß etwas Besonderes vorgefallen wäre. Ich glaube aber (und das bestätigte mir auch J. Norman), daß der Grund der ist, daß er vor ein paar Tagen zweimal mit einem Anliegen zu mir gekommen war, statt sich zuerst an seinen unmittelbaren Vorgesetzten, Sir W. Batten, zu wenden – so sehr fürchtet Sir W. Batten mich und alle, die mit mir zu tun haben. Alles weitere dazu in meinem Amtsmanual – zu finden unter diesem Datum.

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Ich bin sehr froh, diesen Mann und sein berühmtes Werk gesehen zu haben


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

1. Februar 1669

Aufgestanden und mit dem Boot vom Tower nach Whitehall. Es ist wohl das erste Mal seit zwei oder drei Monaten, daß ich mit dem Boot gefahren bin, seit ich eine Kutsche besitze – die ein Geschenk des Himmels ist, aber auch von großem Nutzen. Ging zum Tanger-Ausschuß, aber er tagte nicht, daher mit Mr. Povey zu Danckerts, um über die Bilder zu sprechen, die ich bei ihm bestellt habe. Von dort führte er mich zu Mr. Streeter, dem berühmten Historienmaler auf der Straßenseite gegenüber, von dem ich schon oft gehört, den ich aber noch nie gesehen hatte. Bei ihm waren Dr. Wren und mehrere Kunstfreunde und betrachteten Bilder, die er für den neuen Hörsaal in Oxford malt. Sie scheinen sehr gut zu werden, und die anderen halten sie für besser als die von Rubens im Banketthaus in Whitehall. Ich finde das nicht. Aber sie werden gewiß sehr schön werden, und ich bin sehr froh, diesen Mann und sein berühmtes Werk gesehen zu haben. Er ist ein höflicher, bescheidener Mann mit einem lahmen Bein, der sehr angenehm wohnt. Von dort zu Lord Belasyse. Ich wollte mir nur ein Bild von Danckerts über dem Kamin ansehen, das in Tempera mit verdünntem Eigelb gemalt ist, um das grelle Licht zu mildern, was ich auch für mein Zimmer haben will. Es ist hübsch, aber muß gestehen, daß ich es nicht so schön finde wie ein Ölgemälde. Ich will aber eines von jeder Art. Danach setzte ich ihn am Kleinen Drehkreuz ab und fuhr nach Hause. Aß zu Mittag und fuhr dann mit meiner Frau ins Königliche Theater, wo wir »The Heiress« sehen wollten, das am letzten Sonnabend zuerst gespielt wurde, aber als wir hinkamen, fiel es aus – Edward Kynaston, der in seiner Rolle Sir Charles Sedley verspottete, war letzte Nacht von zwei oder drei Männern mit Knüppeln verprügelt und schlimm zugerichtet worden, so daß er das Bett hüten muß. Also fuhren wir ins Herzogliche Theater und sahen »Sie würde, wenn sie könnte«. Dann nach Hause und ins Amt, hinterher zum Abendessen und zu Bett. Auf dem Weg ins Theater trafen wir heute Theophila Turner, die mit uns zu Lady Mordaunt fuhr, wo ihre Mutter zu Besuch war. Ich nahm dann Mutter und Tochter mit ins Herzogliche Theater nebenan.

„She Would if She Could“, Komödie von Sir George Etherege.

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