Aufgestanden und ins Amt, wo ich mein Tagebuch für die letzten drei Tage nachtrug. Gegen Mittag mit meiner Frau zur Neuen Börse gefahren. Hielt unterwegs bei meinem Buchhändler, ließ Kirchers »Musurgia« zum Binden da und kaufte überdies »L’illustre Bassa«* in vier Bänden für meine Frau. Von dort zur Börse, wo ich sie absetzte. Traf mich dort mit Dr. Gibbons dem Organisten, und er zeigte mir ein Orgelpositiv in der Wohnung des Dekans von Westminster, des Bischofs von Rochester, der dort wie ein mächtiger Prälat residiert, obwohl er bei Hof gerade in Ungnade gefallen ist und sein Kammerherrnamt verloren hat. Ich sah auch seine Frau, über die sich der Terrae Filius** in Oxford einmal so lustig gemacht hat – und zwei Kinder, von denen ein kleiner, sehr hübscher Junge ihm ähnelte, pummelig und schwarzhaarig. Ich sah mir die Orgel an, aber sie ist zu groß für mein Haus, und ihr Aussehen gefällt mir nicht sonderlich, deshalb werde ich sie nicht kaufen. Von da wieder zur Börse, wo ich ihn absetzte. Holte meine Frau und Deb ab und fuhr mit ihnen nach Hause. Aß allein zu Mittag und fuhr dann mit ihnen zur Schauspielschule, wo wir noch nie gewesen waren. Der Saal und die Musik waren besser als erwartet, und auch die Schauspieler nicht schlecht, aber doch auch noch nicht gut. Ich war aber froh, es einmal gesehen zu haben, denn es lohnt sich, das unterschiedliche Können der Schauspieler zu beobachten und wie sie durch Übung und Erfahrung besser werden. Das Stück war schlecht, es hieß »Die spanische Tragödie«.*** Es waren auch ein paar muntere Leute im Publikum, die mächtig über die schlechten Schauspieler spotteten, und manchmal konnte ich mich auch nicht zurückhalten, obwohl es mir für sie leid tat. Dann nach Hause und noch eine Weile im Amt gearbeitet. Darauf nach Hause zum Essen. Ein wenig gelesen und dann zu Bett. Am Theatereingang wurde ich heute schön hereingelegt. Ich gab dem Burschen sechs Shilling für uns drei. Doch er ließ einen davon verschwinden und versicherte mir, ohne mit der Wimper zu zucken, ich habe ihm nur fünf gegeben. Er sagte dies mit so ernster Miene, daß ich ganz überrumpelt war und ihm, obwohl ich es besser wußte, einen weiteren Shilling gab. Zu Hause fand ich heute abend einen Brief von Kapitän Allen vor, dem früheren Verwalter der Seilerei in Chatham, dem ich damals sehr behilflich war, und aus alter Dankbarkeit teilte er mit, er habe gehört, man werde mir wohl vorwerfen, ich hätte 50l von Mason dem Holzhändler angenommen, das habe dessen Frau verraten. Ich bin Kapitän Allen dafür sehr dankbar, obwohl die Sache, wenn ich mich recht erinnere, so gar nicht stimmt. Es macht mir dennoch Sorgen, wenn mein Name in dieser Sache fällt vor allem, weil ich in anderen Fällen wirklich Geschenke angenommen habe. Ich habe daher beschlossen, alle diese Fälle genau zu untersuchen und mich auf den Tag einer möglichen Anklage vorzubereiten.
*„Ibrahim, ou L’illustre Bassa“, umfangreicher Erfolgsroman von Madeleine de Scudéri.
**Offizieller Possenreißer und komischer Zeremonienmeister an der Universität.
***„The Spanish Tragedy, or Hieronymo is mad again“, berühmte elisabethanische Blankverstragödie von Thomas Kyd.
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