“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Zur Schwachheit neigt, wie andere Menschen auch


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

20. Februar 1667

Aufgestanden und mit Sir W. Batten und Sir W. Penn in der Kutsche nach Whitehall gefahren. Er hatte für Sir W. Coventry eine seidene Bandschleife dabei, anläßlich der Hochzeit seiner Tochter, und er sagte, daß er für uns auch welche habe, wir müßten sie nur bei ihm abholen. Das ärgerte mich, und bin ich entschlossen, sie nicht zu tragen, selbst wenn er sie mir bringen sollte, denn es ist eine Schande, wie armselig er die ganze Hochzeit ausgerichtet hat, er, der sonst immer so vornehm tut. Beim Herzog von York hörten wir, daß Henry Harris von der herzoglichen Truppe krank sei, und alle waren des Lobes über voll ihn, und man bewunderte ihn vor allem für seine Rolle als Kardinal.* Man redete auch davon, daß Banister, der Kapellmeister der 24 Streicher des Königs, wütend auf den König sei, weil dieser einen Franzosen zum Kapellmeister der Kammermusik ernannt habe – worüber sich der Herzog von York köstlich amüsierte. Dann zogen wir uns in sein Zimmer zurück, wo wir ausschließlich über die fehlenden Gelder sprachen, und welche Folgen das nach sich ziehen wird, und Sir W. Coventry sagte ganz offen, er wünschte, seine Königliche Hoheit der Herzog hätten mit all dem nichts zu tun, damit die Schmach, mit der man uns gewiß überziehen werde, nicht ihn treffe. Der Herzog seinerseits war sehr wütend auf Sir G. Carteret, so wütend, wie ich ihn überhaupt noch nicht erlebt habe, denn Sir G. Carteret hatte einige Schiffsführer nicht ausbezahlt, obwohl er versprochen hatte, dies am Montag zu tun. Ich denke, Sir G. Carteret tut sich keinen Gefallen mit seinem Verhalten. Er sollte sich lieber umgehend entscheiden: entweder er nimmt neue Kredite auf oder er sagt klipp und klar, daß er sich um die Geldbeschaffung nicht mehr kümmern will, wozu er ja nicht verpflichtet ist.

Von dort zum Schatzamt, wo die Schreiber tatsächlich die Kerbhölzer für mich vorbereitet hatten, obwohl Aschermittwoch war. Fuhr daher mit der Kutsche zurück nach London zu Sir R. Vyner, wo ich 100l erhielt. Ich nahm das Geld und bezahlte davon meine Gebühren bei den Schreibern und ging dann mit ihnen ins Leg in der King Street und ließ Wein für alle kommen. Einer war dabei, der das Schiff beschafft hatte, mit dem der König damals von Brighton aus geflohen war. Der König hatte ihm dafür später eine Leibrente von 200l per annum zugewendet, aber die Zahlung ist eingestellt worden. Als Entschädigung hat er jetzt um ein Prisenschiff gebeten. Der arme Mann hat seit vier Jahren kein Geld erhalten und nagt am Hungertuch und muß noch befürchten, daß man ihm die Leibrente besteuert. Er wußte viele interessante Einzelheiten von der Überfahrt des Königs zu berichten, was sehr unterhaltsam war, aber doch zeigt, daß auch ein König ein gewöhnlicher Mensch ist, voller Makel, und zur Schwachheit neigt, wie andere Menschen auch. Dann mit meinen Kerbhölzern nach Hause. Nahm einen Imbiß zu mir und fuhr anschließend mit meiner Frau in der Kutsche nach Lincoln’s Inn Fields. Von dort ging sie zu ihrem Bruder und ich mit Lord Belasyse zum Lordkanzler. Lord Belasyse erzählte mir, daß es der König von Frankreich gewesen sei, der sich gegen Den Haag als Verhandlungsort ausgesprochen habe, da ihm der Vorrang vor den Holländern gebühre, und so sollen die Verhandlungen also in Paris geführt werden, und Gott allein weiß, was jetzt aus dem Frieden werden soll. Er erzählte mir auch (ganz im Vertrauen), daß er sicher sei, daß die Friedensverhandlungen zwischen Spanien und uns abgebrochen worden seien. Aber um zu verhindern, daß der König von Frankreich über Flandern herfalle, dürfe das nicht bekannt werden. Er glaubt, daß der Herzog von York zum Oberbefehlshaber der spanischen Truppe und zum Statthalter von Flandern ernannt werden würde, wenn Frankreich gegen Flandern ziehen sollte und wir mit den Spaniern verbündet wären. Außerdem sagte er, daß wir den Spaniern in Westindien mit unseren Kaperern sehr großen Schaden zugefügt haben, worüber sie sich bitterlich beklagen, und es ist in der Tat eine Schande, daß dem kein Einhalt geboten wird. Schließlich kamen wir beim Lordkanzler an, und ich schilderte ihm unsere Geldsorgen. Er hörte mich sehr ruhig an und sprach dann sehr freundlich mit mir, konnte aber keine Abhilfe in Aussicht stellen. Er wies vielmehr auf die Abrechnungen von Povey hin, von dem er sonst eine recht hohe Meinung zu haben schien, aber nicht so heute. Er sagte, daß unsere Zahlungsschwierigkeiten allein daher rührten, daß wir zuviel Geld ausgegeben hätten. Ich bin aber der Ansicht, daß dies eher auf den König zutrifft. Dann fort. Holte meine Frau ab, die mir erzählte, daß ihr Bruder sich und seine Frau neu eingekleidet habe, was ich gar nicht gern höre, denn es dürfte ihn viel Geld gekostet haben. Von dort nach Hause und kurz ins Amt. Dann nach Hause zum Abendessen. Mrs. Turner leistete uns Gesellschaft. Die arme Frau tut mir leid, aber sie ist doch auch eine gerissene Person. Wie ich, hält sie die freundliche Art von Sir W. Penn für bloße Heuchelei, und von Lord Brouncker erzählte sie sehr erstaunliche Geschichten, und auch daß die Leute sich an seine Geliebte, Mrs. Williams, mit Geschenken wenden. Machte mich, nachdem sie fort war, wieder an meine Tanger-Abrechnungen, die ich zum Abschluß brachte, da ich heute im Schatzamt die neuen Kerbhölzer erhalten hatte. Nachdem ich mit allem fertig war, zu Bett.

* Wohl als Kardinal Wolsey in Shakespeares „Heinrich dem Achten“.




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