“Daß ein Buch wie das Tagebuch des Samuel Pepys überhaupt existiert, ist im Grunde ganz unbegreiflich. Ein rares Wunderwerk”    Robert Louis Stevenson



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Im Ringen avec la femme


/ Februar 22nd, 2010 | Pepys

21. Februar 1665

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt (mit starken Schmerzen im Zeigefinger der linken Hand, den ich mir im Ringen avec la femme que je gestern erwähnte, verstaucht habe). Zu Hause machte sich meine Frau mit ihrer Gesellschafterin fertig, um ins öffentliche Dampfbad zu gehen, nachdem sie die langen Wintermonate im Schmutz des Hauses verbringen mußte und sich vorgenommen hat, fortan besonders reinlich zu sein. Wie lange das währt, kann ich mir denken. Aß mit Sir W. Batten und seiner Frau zu Mittag, die in letzter Zeit sehr freundlich zu mir sind.

Darauf zur Börse und von dort mit Mr. Waith in eine Garküche und noch einmal zu Mittag gegessen und mich mit ihm über die Lieferung von Hängematten unterhalten und über den weit verbreiteten Mißbrauch der Lohnscheine, der täglich zunimmt – und auch über den großen Gewinn, den Mr. Fenn aus seinem Amt als Zahlmeister zieht, der (wenngleich er nur ein ½ Prozent des ausgezahlten Betrags für sich verlangt, was leicht zu berechnen ist) ungehalten mit jedem Mann ist, der nicht freiwillig noch etwas drauflegt.

Darauf ins Amt und danach mit Lord Brounckers Kutsche nach Lincoln’s Inn Fields. Dort bis nach 10 Uhr abends mit Lady Sandwich (der gnädigen Frau) geplaudert, über anständige Haushaltsführung und Ehemänner für ihre Töchter sowie über den Luxus und den Sittenverfall unserer Zeit und andere Dinge mehr. Danach mit der Kutsche nach Hause. Noch eine Weile ins Amt, dann zu Abend gegessen und zu Bett.

Die gnädige Frau erzählte mir, Lord Castlemaine sei aus Frankreich zurück und will sich anscheinend mit seiner Frau aussöhnen.

Und die Damen am Hof trieben die kuriosesten Späße: so verkleidete sich Mrs. Jennings, eine Ehrendame der Herzogin, vor einigen Tagen als Apfelsinenverkäuferin und pries auf der Straße ihre Waren an. Doch dann fiel sie hin oder etwas ähnliches und man sah (obwohl es bereits Abend war) ihre schönen Schuhe und es war eine große Schande für sie.

Und weil solche Streiche und noch schlimmere bei ihnen an der Tagesordnung seien, werde keine von ihnen einen Mann abbekommen, und Lady Castlemaine hat im Scherz behauptet, ihre kleine Tochter, die keine zwei Jahre alt ist, werde noch als erste am Hof heiraten.

Heute schrieb Lord Sandwich mir von der Reede von Downs, daß er voraussichtlich noch in dieser Woche nach London kommen werde.




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