Archiv: / Februar, 2010


Wo wir ein Wirtshaus aufsuchten und ein Fäßchen Austern aßen


/ Februar 28th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

28. Februar 1661

Fr√ľh aufgestanden und zum gn√§digen Herrn. Sprach kurz mit ihm und nahm dann bei Whitehall ein Boot nach Rotherhithe, √ľberholte unterwegs aber die Kapit√§ne Cuttance und Teddeman und ging mit ihnen am Queenehithe-Anleger an Land, wo wir ein Wirtshaus aufsuchten und ein F√§√üchen Austern a√üen.

Weiter nach Rotherhithe, von wo aus ich mit Kapit√§n Cuttance zu Fu√ü nach Deptford ging. Beim Werftleiter Mr. Uthwayt trafen wir die beiden Sir Williams sowie Sir George Carteret, mit denen wir zu Mittag a√üen. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, die Fastenzeit einzuhalten, √ľberkam mich ein Hei√ühunger nach Fleisch, und so a√ü ich mit ihnen. Habe aber die feste Absicht, so wenig wie m√∂glich zu essen.

Anschlie√üend suchten wir Kapit√§n Badiley auf, bei dem wir viele alte Lagervorr√§te bei brennender Kerze versteigerten, und es war kurios, wie die zun√§chst geringen Gebote schlie√ülich auf das Doppelte und Dreifache des urspr√ľnglichen Preises stiegen.

Danach ging ich mit Sir W. Penn, Lady Batten und ihrer Tochter nach Rotherhithe zur√ľck. Kehrten unterwegs im Halfway House ein. Als wir zur Barke zur√ľckkehrten, stellten wir fest, da√ü Sir G. Carteret &c. schon l√§ngere Zeit auf uns gewartet hatten, was uns etwas unangenehm war.

Nach Hause und zu Bett.

So endet dieser Monat, ohne da√ü zwei wichtige Fragen gekl√§rt w√§ren, √ľber die alles r√§tselt: Erstens, wen der K√∂nig heiraten wird. Zweitens, mit welcher Aufgabe die Flotte, die wir jetzt ausr√ľsten und seefertig machen, betraut werden wird. Die meisten glauben, sie werde Kurs auf Algier nehmen, um gegen die T√ľrken zu k√§mpfen, andere sagen, sie werde nach Ostindien segeln, um gegen die Holl√§nder vorzugehen, die, wie man h√∂rt, eine gro√üe Flotte dorthin auf den Weg gebracht haben.

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Weil die Seide weich und glatt ist und sich eng zusammenzieht und auf der Stelle tötet


/ Februar 27th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

27. Februar 1663

Aufgestanden und ins Amt, wo mich verschiedene Leute dienstlich aufsuchten. Gegen 11 Uhr zusammen mit Kommissar Pett zu Fu√ü zum Gildehaus der Bader und Wund√§rzte, die uns zu einem Vortrag samt einem Mittagsmahl eingeladen hatten. Man geleitete uns in den H√∂rsaal, und kurz darauf betrat der Gildemeister Dr. Terne mit Gefolge feierlich den Raum. Als sich alle gesetzt hatten, begann er mit seiner Vorlesung. Es war die Fortsetzung einer Anatomievorlesung √ľber Nieren, Harnleiter und Glied ‚Äď sehr interessant. Anschlie√üend begaben wir uns in den Saal, wo bereits viele √Ąrzte versammelt waren. Das Mahl war vorz√ľglich, die Gesellschaft gut und gelehrt, viele Doktoren der Medizin waren anwesend, und man behandelte uns mit gro√üem Respekt.

Tranken unter anderem auf das Wohl des K√∂nigs aus einem goldenen Pokal, den einst K√∂nig Heinrich VIII. der Gilde geschenkt hatte. Es h√§ngen Gl√∂ckchen daran, und man l√§utet mit ihnen, wenn der Pokal leer ist. Au√üerdem befindet sich im Saal ein herrliches Gem√§lde von Holbein, das den K√∂nig zeigt und die W√ľrdentr√§ger der Gilde, die niederknien, um ihre Charta zu empfangen.

Nach dem Essen nahm Dr. Scarburgh einige seiner Freunde mit, um noch einmal die Leiche zu betrachten, und ich begleitete sie. Es war ein dicker Kerl, ein Seemann, der wegen Raubmords gehenkt worden war. Ich ber√ľhrte die Leiche mit der blo√üen Hand, die sich kalt anf√ľhlte. Kein sehr sch√∂ner Anblick.

Sein Name war Dillon, und er stammte aus einer vornehmen Familie. Man hat alles darangesetzt, um ihn vor dem Galgen zu bewahren, aber in dieser Gerichtsperiode wurde er nun geh√§ngt und zwar mit einer seidenen Schlinge (die er selbst gekn√ľpft hat), nicht nur ehrenhalber, sondern weil die Seide weich und glatt ist und sich eng zusammenzieht und auf der Stelle t√∂tet, das hei√üt: den Betreffenden erw√ľrgt, wohingegen ein steifer Strick sich nicht so eng zusammenzieht, so da√ü der Betreffende l√§nger lebt, bevor er zu Tode kommt. Doch die anwesenden Doktoren √§u√üerten die Ansicht, da√ü Erh√§ngen v√∂llig schmerzlos sei, da es die Blutzirkulation unterbricht und den Betreffenden sofort seiner Sinne beraubt.

Gingen von dort in einen Nebenraum, wo die Leichen pr√§pariert werden. Dort fanden sich die Nieren, Harnleitern, Glieder, Hoden, √ľber die es heute in dem Vortrag ging. Auf meinen Wunsch hin demonstrierte Dr. Scarburgh sehr anschaulich das Steinleiden und das Verfahren der Steinoperation und beantwortete mir auch sonst viele Fragen, etwa wie der Samen ins Glied gelangt oder das Wasser durch die drei H√§ute oder Membranen in die Blase. Genauso hatte es mir seinerzeit der arme, verstorbene Dr. Jolliffe erkl√§rt.

Ging sehr zufrieden zur√ľck in den Saal, wo ich interessanten Gespr√§chen lauschte. Am Nachmittag dann zu einer Vorlesung √ľber Herz und Lungen &c. Schlie√ülich verabschiedeten wir uns, und Kommissar Pett und ich gingen zur√ľck ins Amt (Sir W. Batten, der ebenfalls am Mittagsmahl teilgenommen hatte, war schon vorher gegangen).

Bis sp√§t im Amt. Ging zu Sir W. Batten, um √ľber gesch√§ftliche Dinge zu reden. Sir J. Mennes war bei ihm und ziemlich angetrunken, wie mir schien. Er nahm mich beiseite, um mir zu berichten, da√ü der Lordkanzler, bei dem er heute war, ihm mitgeteilt habe, Sir W. Penn werde ein Gro√üsiegel erhalten, um gewisserma√üen mit ihm zusammen das Amt des Aufsehers zu bekleiden, da die zahlreichen Aufgaben des Amtsaufsehers f√ľr einen Mann allein nicht zu bew√§ltigen seien. Sir J. Mennes ist dar√ľber furchtbar aufgebracht und drohte, er werde den Posten hinschmei√üen. Und er schimpfte auf Sir W. Penn, wobei ich ihn nach Kr√§ften best√§rkte, da ich mit Genugtuung sehe, da√ü es mit ihrer Freundschaft nicht sehr weit her ist, denn er verfluchte ihn, w√ľnschte ihn zum Teufel und was nicht gar. Ich f√ľr mein Teil hoffe, da√ü ich in Zukunft von ihnen in Ruhe gelassen werde, sofern ich nur meine Arbeit gewissenhaft verrichte. Aber wie der alte Mann sich aufspielt und stolz verk√ľndet, er verstehe sein Gesch√§ft und zwar besser als so mancher andere, das sei doch gelacht, und das habe er auch dem Lordkanzler gesagt, und er werde nicht zulassen, da√ü man ihm vorwirft, er komme seinen Pflichten nicht nach. Obwohl jedermann wei√ü, da√ü er von seinem Gesch√§ft nicht mehr versteht als ein Kind. Aber sollen sie sich streiten, dann bin ich vor ihnen sicher. Ich hoffe nur, da√ü unsere Arbeit nicht darunter leidet.

Von dort ins Amt, dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.

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Sie wird unter uns noch f√ľr b√∂ses Blut sorgen.


/ Februar 26th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

26. Februar 1667

Aufgestanden und ins Amt gegangen und den ganzen Vormittag dort zugebracht. Erhielt ich eine Anfrage von Sir W. Coventry, die Registratoren betreffend, √ľber deren schlechte Arbeit ich mich beschwert hatte. Das beunruhigte mich, da ich bef√ľrchten mu√ü, da√ü W. Coventry denkt, ich h√§tte meinen Schwager Balty bevorzugt behandelt und zu diesem Zwecke die anderen schlecht gemacht. Aber ich werde mich in der Sache sehr wohl rechtfertigen k√∂nnen, nur belastet sie mich deswegen mehr, als es mir lieb ist. Nach Hause, wo ich Balty und seine Frau antraf, beide sehr herausgeputzt, was mir gar nicht gef√§llt, denn ich f√ľrchte, er gibt bereits zu viel Geld aus, statt lieber etwas beiseite zu legen. Nach dem Mittagessen wieder ins Amt, wo ich mit Lord Brouncker, Sir W. Batten und Sir J. Mennes zusammenkam, um Carkasse anzuh√∂ren, der sich zu den gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen √§u√üern sollte. Dabei lie√ü Lord Brouncker ihm gegen√ľber so viel Nachsicht walten, da√ü mir deutlich wurde, da√ü er keine redlichen Absichten verfolgt in dieser Sache, was mich sehr gegen ihn einnahm, aber ich √§u√üerte mich nicht dazu. Als er aufstand und seine pers√∂nliche Meinung zu dem Fall √§u√üerte und das Zimmer verlie√ü, sprach ich mich daf√ľr aus, da√ü wir vorerst kein Urteil f√§llen sollten, und vertagte die Sitzung. Ging sehr besorgt in meine Amtsstube, wo ich eine Reinschrift der gegen Carkasse vorgebrachten Anschuldigungen anfertigte, und gleich daneben seine Stellungnahme dazu. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett ‚Äď beunruhigt wegen der Sache mit Carkesse, denn sie wird unter uns noch f√ľr b√∂ses Blut sorgen.

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Zu Lord Sandwich, der jedoch ein Abf√ľhrmittel genommen hatte


/ Februar 25th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

25. Februar 1661

Am Morgen mit Sir W. Penn in der Kutsche zu Lord Sandwich, der jedoch ein Abf√ľhrmittel genommen hatte und deshalb unp√§√ülich war. Sir W. Penn ging fort, und ich suchte zusammen mit Lluwellyn Mr. Mount, den Zeremonienmeister, im Cockpit auf, wo er schon seit langem wohnt. Dort tranken wir etwas und gingen dann weiter zu W. Symons, der aber nicht da war. Seine Frau ‚Äď als gute Ehefrau ‚Äď war zu Hause. Wir a√üen daher etwas von der Nesselsuppe, die er f√ľr den Besuch von Freunden vorbereitet hatte und die sehr gut schmeckte. Wir blieben eine Weile dort und plauderten sehr vergn√ľgt und gingen dann zum gn√§digen Herrn, um zu Mittag zu essen. Lluwellyn erz√§hlte mir eine ganz k√∂stliche Geschichte von Mr. Blurton, seinem Freund, der mich vor drei, vier Tagen mit ihm zu Hause besucht hatte. Am selben Tag gingen die beiden noch ins Fleece beim Rathaus, wo Blurton (unter einem Vorwand) die Wirtin, eine sehr h√ľbsche Frau, an ihren Tisch holte. Und da Lluwellyn seinen Freund fortw√§hrend mit Doktor anredete, dachte sie, er sei ein Arzt und berichtete ihm ganz offenherzig von ihrer Krankheit ‚Äď irgendeinem Frauenleiden. Er empfahl ihr eine Arznei, und sie bat ihn, er m√∂ge es ihr doch vorbeibringen. Das tat er auch und betrachtete auch ihr Ding und untersuchte es. Er sagt, da√ü n√§chstes Mal werde er es gewi√ü nicht dabei bewenden lassen.

Nach dem Essen im Boot zum Amt, wo ich den ganzen Tag mit Sir W. Penn verschiedene Dinge erledigte. Dann gingen wir zu mir und aßen Hummer. Anschließend zu Bett.

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Den Pepys schon jetzt bestellen


/ Februar 24th, 2010 | Tolkemitt

Wer den kompletten Pepys schon jetzt bei Zweitausendeins bestellt, bekommt ihn zwar auch erst im August 2010, hat aber trotzdem mehrfachen Grund zur Freude:

Der Subskriptionspreis f√ľr 9 leinengebundene, mit wunderbaren Illustrationen versehene, fadengeheftete, auf altersbest√§ndigem Papier gedruckte B√§nde nebst einem “Companion”, die sogenannte “Berliner Ausgabe”, ist bei Eingang der Bestellung vor dem 24.August 2010 nur 129,90 ‚ā¨, statt dem normalen Preis von 169,90 ‚ā¨. Hier geht es zur Bestellung.

Der Besteller oder die Bestellerin kann sich aussuchen, ob er oder sie mit eigenem Namen oder dem Namen eines zu Beschenkenden im “Companion” der Berliner Ausgabe als Erstbezieher dieser Ausgabe genannt wird. Wenn Sie das nicht m√∂chten, dann sind Sie nat√ľrlich nicht dazu gezwungen. ¬†Wenn Sie es m√∂chten, dann m√ľssen Sie Ihre Bestellung noch vor dem 21. Juni 2010 abgeben, und zwar hier.

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Und ihr Aussehen gefällt mir nicht sonderlich


/ Februar 24th, 2010 | Haffmans Tolkemitt

24. Februar 1668

Aufgestanden und ins Amt, wo ich mein Tagebuch f√ľr die letzten drei Tage nachtrug. Gegen Mittag mit meiner Frau zur Neuen B√∂rse gefahren. Hielt unterwegs bei meinem Buchh√§ndler, lie√ü Kirchers ¬ĽMusurgia¬ę zum Binden da und kaufte √ľberdies ¬ĽL‚Äôillustre Bassa¬ę*¬†in vier B√§nden f√ľr meine Frau. Von dort zur B√∂rse, wo ich sie absetzte. Traf mich dort mit Dr. Gibbons dem Organisten, und er zeigte mir ein Orgelpositiv in der Wohnung des Dekans von Westminster, des Bischofs von Rochester, der dort wie ein m√§chtiger Pr√§lat residiert, obwohl er bei Hof gerade in Ungnade gefallen ist und sein Kammerherrnamt verloren hat. Ich sah auch seine Frau, √ľber die sich der Terrae Filius**¬†in Oxford einmal so lustig gemacht hat ‚Äď und zwei Kinder, von denen ein kleiner, sehr h√ľbscher Junge ihm √§hnelte, pummelig und schwarzhaarig. Ich sah mir die Orgel an, aber sie ist zu gro√ü f√ľr mein Haus, und ihr Aussehen gef√§llt mir nicht sonderlich, deshalb werde ich sie nicht kaufen. Von da wieder zur B√∂rse, wo ich ihn absetzte. Holte meine Frau und Deb ab und fuhr mit ihnen nach Hause. A√ü allein zu Mittag und fuhr dann mit ihnen zur Schauspielschule, wo wir noch nie gewesen waren. Der Saal und die Musik waren besser als erwartet, und auch die Schauspieler nicht schlecht, aber doch auch noch nicht gut. Ich war aber froh, es einmal gesehen zu haben, denn es lohnt sich, das unterschiedliche K√∂nnen der Schauspieler zu beobachten und wie sie durch √úbung und Erfahrung besser werden. Das St√ľck war schlecht, es hie√ü ¬ĽDie spanische Trag√∂die¬ę.***¬†Es waren auch ein paar muntere Leute im Publikum, die m√§chtig √ľber die schlechten Schauspieler spotteten, und manchmal konnte ich mich auch nicht zur√ľckhalten, obwohl es mir f√ľr sie leid tat. Dann nach Hause und noch eine Weile im Amt gearbeitet. Darauf nach Hause zum Essen. Ein wenig gelesen und dann zu Bett. Am Theatereingang wurde ich heute sch√∂n hereingelegt. Ich gab dem Burschen sechs Shilling f√ľr uns drei. Doch er lie√ü einen davon verschwinden und versicherte mir, ohne mit der Wimper zu zucken, ich habe ihm nur f√ľnf gegeben. Er sagte dies mit so ernster Miene, da√ü ich ganz √ľberrumpelt war und ihm, obwohl ich es besser wu√üte, einen weiteren Shilling gab. Zu Hause fand ich heute abend einen Brief von Kapit√§n Allen vor, dem fr√ľheren Verwalter der Seilerei in Chatham, dem ich damals sehr behilflich war, und aus alter Dankbarkeit teilte er mit, er habe geh√∂rt, man werde mir wohl vorwerfen, ich h√§tte 50l von Mason dem Holzh√§ndler angenommen, das habe dessen Frau verraten. Ich bin Kapit√§n Allen daf√ľr sehr dankbar, obwohl die Sache, wenn ich mich recht erinnere, so gar nicht stimmt. Es macht mir dennoch Sorgen, wenn mein Name in dieser Sache f√§llt vor allem, weil ich in anderen F√§llen wirklich Geschenke angenommen habe. Ich habe daher beschlossen, alle diese F√§lle genau zu untersuchen und mich auf den Tag einer m√∂glichen Anklage vorzubereiten.

*‚ÄěIbrahim, ou L‚Äôillustre Bassa‚Äú, umfangreicher Erfolgsroman von Madeleine de Scud√©ri.

**Offizieller Possenreißer und komischer Zeremonienmeister an der Universität.

***‚ÄěThe Spanish Tragedy, or Hieronymo is mad again‚Äú, ber√ľhmte elisabethanische Blankverstrag√∂die von Thomas Kyd.

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Mein Geburtstag. Ich bin jetzt 27.


/ Februar 22nd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

23. Februar 1660

Donnerstag. Mein Geburtstag. Ich bin jetzt 27.

Ein ziemlich sch√∂ner Morgen. Ich stand auf, und nachdem ich eine Zeitlang in meinem Arbeitszimmer geschrieben hatte, ging ich hinaus. Ins Amt, wo ich Mr. Hawley von meiner Absicht erz√§hlte, morgen nach Cambridge zu fahren. Mr. Fuller und auch Onkel Thomas kamen zu mir, und ich nahm sie mit, um etwas zu trinken und verabschiedete mich dann von meinem Onkel. Dann mit Mr. Fuller zu mir nach Hause, wo er mit mir a√ü und mir und meiner Frau sehr viele Geschichten aus den Zeiten des B√ľrgerkriegs erz√§hlte, als er gezwungen war, durch katholische L√§nder zu reisen &c. Er legte mir seine Papiere vor, doch ich hatte kein Geld, um ihn auszuzahlen. Wir trennten uns, und ich ging nach Whitehall, um mir das Pferd anzusehen, das Mr. Garthwayt mir morgen leihen will. Dann nach Hause, wo mich Mr. Pearse aufsuchte, um Zeit und Ort auszumachen, wo wir uns morgen treffen. Dann zur Westminster Hall, wo ich, nachdem das Parlament seine Sitzung beendet hatte, Mr. Crew traf, der mir erz√§hlte, da√ü der gn√§dige Herr mit 73 Stimmen zu einem der Staatsr√§te gew√§hlt worden sei. Mr. Pierpoint bekam die meisten Stimmen, 101, und er selbst kam danach mit 100. Er brachte mich mit dem Wagen nach Hause zusammen mit Mr. Annesley. Ich ging zur√ľck zur Halle, wo ich eine Weile in Mrs. Mitchells Laden mit ihr und Mrs. Mumford plauderte und ein, zwei Becher Bier trank wegen einer Wette, da√ü Mr. Prynne nicht in den Rat gew√§hlt werden w√ľrde. Nach Hause, wo ich dem gn√§digen Herrn die Neuigkeiten, die Wahl des Staatsrats betreffend, schrieb, und dann zu Bett.

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Zum Essen mit Lady Sandwich


/ Februar 22nd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

22. Februar 1662

Den ganzen Vormittag im Amt sehr besch√§ftigt, danach zum Essen zu Lady Sandwich. Von dort mit Mr. Moore zu Walpole, unserem Anwalt. Wir erfuhren, da√ü Godfrey niedertr√§chtigerweise ein Urteil gegen uns erwirkt hat wegen der 40l Schulden von Onkel Robert, was mich √§rgert. Kaufte dann zwei Kerzenst√§nder und ein H√§ngeregal f√ľr das Zimmer meiner Frau, dann anch Hause. Mr. Savill kam mit den Portr√§ts, die wir im E√üzimmer aufh√§ngten, das jetzt mit all den Bildern sehr h√ľbsch aussieht.

Am Abend schrieb ich Briefe an meinen Vater, in denen ich ihm unter anderem von dem ungl√ľcklichen Vorfall mit den zwei √§ltesten S√∂hnen von Lord Dorset berichtete: sie wurden, zusammen mit zwei S√∂hnen von Lord Belasyse und einem Junker namens Wentworth festgenommen, weil sie letzten Mittwoch bei Newington einen Lohgerber get√∂tet und ausgeraubt haben sollen. Sie sitzen alle in Newgate ein. Das betr√ľbt mich sehr, auch wegen des Kummers und der Schande, der jetzt √ľber ihre Familien kommt. Danach zog ich mir, weil ich stark erk√§ltet bin, warme Unterw√§sche an und ging ins Bett.

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Im Ringen avec la femme


/ Februar 22nd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

21. Februar 1665

Aufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt (mit starken Schmerzen im Zeigefinger der linken Hand, den ich mir im Ringen avec la femme que je gestern erwähnte, verstaucht habe). Zu Hause machte sich meine Frau mit ihrer Gesellschafterin fertig, um ins öffentliche Dampfbad zu gehen, nachdem sie die langen Wintermonate im Schmutz des Hauses verbringen mußte und sich vorgenommen hat, fortan besonders reinlich zu sein. Wie lange das währt, kann ich mir denken. Aß mit Sir W. Batten und seiner Frau zu Mittag, die in letzter Zeit sehr freundlich zu mir sind.

Darauf zur B√∂rse und von dort mit Mr. Waith in eine Gark√ľche und noch einmal zu Mittag gegessen und mich mit ihm √ľber die Lieferung von H√§ngematten unterhalten und √ľber den weit verbreiteten Mi√übrauch der Lohnscheine, der t√§glich zunimmt ‚Äď und auch √ľber den gro√üen Gewinn, den Mr. Fenn aus seinem Amt als Zahlmeister zieht, der (wenngleich er nur ein ¬Ĺ Prozent des ausgezahlten Betrags f√ľr sich verlangt, was leicht zu berechnen ist) ungehalten mit jedem Mann ist, der nicht freiwillig noch etwas drauflegt.

Darauf ins Amt und danach mit Lord Brounckers Kutsche nach Lincoln‚Äôs Inn Fields. Dort bis nach 10 Uhr abends mit Lady Sandwich (der gn√§digen Frau) geplaudert, √ľber anst√§ndige Haushaltsf√ľhrung und Ehem√§nner f√ľr ihre T√∂chter sowie √ľber den Luxus und den Sittenverfall unserer Zeit und andere Dinge mehr. Danach mit der Kutsche nach Hause. Noch eine Weile ins Amt, dann zu Abend gegessen und zu Bett.

Die gn√§dige Frau erz√§hlte mir, Lord Castlemaine sei aus Frankreich zur√ľck und will sich anscheinend mit seiner Frau auss√∂hnen.

Und die Damen am Hof trieben die kuriosesten Sp√§√üe: so verkleidete sich Mrs. Jennings, eine Ehrendame der Herzogin, vor einigen Tagen als Apfelsinenverk√§uferin und pries auf der Stra√üe ihre Waren an. Doch dann fiel sie hin oder etwas √§hnliches und man sah (obwohl es bereits Abend war) ihre sch√∂nen Schuhe und es war eine gro√üe Schande f√ľr sie.

Und weil solche Streiche und noch schlimmere bei ihnen an der Tagesordnung seien, werde keine von ihnen einen Mann abbekommen, und Lady Castlemaine hat im Scherz behauptet, ihre kleine Tochter, die keine zwei Jahre alt ist, werde noch als erste am Hof heiraten.

Heute schrieb Lord Sandwich mir von der Reede von Downs, daß er voraussichtlich noch in dieser Woche nach London kommen werde.

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Zur Schwachheit neigt, wie andere Menschen auch


/ Februar 22nd, 2010 | Haffmans Tolkemitt

20. Februar 1667

Aufgestanden und mit Sir W. Batten und Sir W. Penn in der Kutsche nach Whitehall gefahren. Er hatte f√ľr Sir W. Coventry eine seidene Bandschleife dabei, anl√§√ülich der Hochzeit seiner Tochter, und er sagte, da√ü er f√ľr uns auch welche habe, wir m√ľ√üten sie nur bei ihm abholen. Das √§rgerte mich, und bin ich entschlossen, sie nicht zu tragen, selbst wenn er sie mir bringen sollte, denn es ist eine Schande, wie armselig er die ganze Hochzeit ausgerichtet hat, er, der sonst immer so vornehm tut. Beim Herzog von York h√∂rten wir, da√ü Henry Harris von der herzoglichen Truppe krank sei, und alle waren des Lobes √ľber voll ihn, und man bewunderte ihn vor allem f√ľr seine Rolle als Kardinal.* Man redete auch davon, da√ü Banister, der Kapellmeister der 24 Streicher des K√∂nigs, w√ľtend auf den K√∂nig sei, weil dieser einen Franzosen zum Kapellmeister der Kammermusik ernannt habe ‚Äď wor√ľber sich der Herzog von York k√∂stlich am√ľsierte. Dann zogen wir uns in sein Zimmer zur√ľck, wo wir ausschlie√ülich √ľber die fehlenden Gelder sprachen, und welche Folgen das nach sich ziehen wird, und Sir W. Coventry sagte ganz offen, er w√ľnschte, seine K√∂nigliche Hoheit der Herzog h√§tten mit all dem nichts zu tun, damit die Schmach, mit der man uns gewi√ü √ľberziehen werde, nicht ihn treffe. Der Herzog seinerseits war sehr w√ľtend auf Sir G. Carteret, so w√ľtend, wie ich ihn √ľberhaupt noch nicht erlebt habe, denn Sir G. Carteret hatte einige Schiffsf√ľhrer nicht ausbezahlt, obwohl er versprochen hatte, dies am Montag zu tun. Ich denke, Sir G. Carteret tut sich keinen Gefallen mit seinem Verhalten. Er sollte sich lieber umgehend entscheiden: entweder er nimmt neue Kredite auf oder er sagt klipp und klar, da√ü er sich um die Geldbeschaffung nicht mehr k√ľmmern will, wozu er ja nicht verpflichtet ist.

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