Früh aufgestanden und zum gnädigen Herrn. Sprach kurz mit ihm und nahm dann bei Whitehall ein Boot nach Rotherhithe, überholte unterwegs aber die Kapitäne Cuttance und Teddeman und ging mit ihnen am Queenehithe-Anleger an Land, wo wir ein Wirtshaus aufsuchten und ein Fäßchen Austern aßen.
Weiter nach Rotherhithe, von wo aus ich mit Kapitän Cuttance zu Fuß nach Deptford ging. Beim Werftleiter Mr. Uthwayt trafen wir die beiden Sir Williams sowie Sir George Carteret, mit denen wir zu Mittag aßen. Obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, die Fastenzeit einzuhalten, überkam mich ein Heißhunger nach Fleisch, und so aß ich mit ihnen. Habe aber die feste Absicht, so wenig wie möglich zu essen.
Anschließend suchten wir Kapitän Badiley auf, bei dem wir viele alte Lagervorräte bei brennender Kerze versteigerten, und es war kurios, wie die zunächst geringen Gebote schließlich auf das Doppelte und Dreifache des ursprünglichen Preises stiegen.
Danach ging ich mit Sir W. Penn, Lady Batten und ihrer Tochter nach Rotherhithe zurück. Kehrten unterwegs im Halfway House ein. Als wir zur Barke zurückkehrten, stellten wir fest, daß Sir G. Carteret &c. schon längere Zeit auf uns gewartet hatten, was uns etwas unangenehm war.
Nach Hause und zu Bett.
So endet dieser Monat, ohne daß zwei wichtige Fragen geklärt wären, über die alles rätselt: Erstens, wen der König heiraten wird. Zweitens, mit welcher Aufgabe die Flotte, die wir jetzt ausrüsten und seefertig machen, betraut werden wird. Die meisten glauben, sie werde Kurs auf Algier nehmen, um gegen die Türken zu kämpfen, andere sagen, sie werde nach Ostindien segeln, um gegen die Holländer vorzugehen, die, wie man hört, eine große Flotte dorthin auf den Weg gebracht haben.
/ WeiterlesenAufgestanden und ins Amt, wo mich verschiedene Leute dienstlich aufsuchten. Gegen 11 Uhr zusammen mit Kommissar Pett zu Fuß zum Gildehaus der Bader und Wundärzte, die uns zu einem Vortrag samt einem Mittagsmahl eingeladen hatten. Man geleitete uns in den Hörsaal, und kurz darauf betrat der Gildemeister Dr. Terne mit Gefolge feierlich den Raum. Als sich alle gesetzt hatten, begann er mit seiner Vorlesung. Es war die Fortsetzung einer Anatomievorlesung über Nieren, Harnleiter und Glied – sehr interessant. Anschließend begaben wir uns in den Saal, wo bereits viele Ärzte versammelt waren. Das Mahl war vorzüglich, die Gesellschaft gut und gelehrt, viele Doktoren der Medizin waren anwesend, und man behandelte uns mit großem Respekt.
Tranken unter anderem auf das Wohl des Königs aus einem goldenen Pokal, den einst König Heinrich VIII. der Gilde geschenkt hatte. Es hängen Glöckchen daran, und man läutet mit ihnen, wenn der Pokal leer ist. Außerdem befindet sich im Saal ein herrliches Gemälde von Holbein, das den König zeigt und die Würdenträger der Gilde, die niederknien, um ihre Charta zu empfangen.
Nach dem Essen nahm Dr. Scarburgh einige seiner Freunde mit, um noch einmal die Leiche zu betrachten, und ich begleitete sie. Es war ein dicker Kerl, ein Seemann, der wegen Raubmords gehenkt worden war. Ich berührte die Leiche mit der bloßen Hand, die sich kalt anfühlte. Kein sehr schöner Anblick.
Sein Name war Dillon, und er stammte aus einer vornehmen Familie. Man hat alles darangesetzt, um ihn vor dem Galgen zu bewahren, aber in dieser Gerichtsperiode wurde er nun gehängt und zwar mit einer seidenen Schlinge (die er selbst geknüpft hat), nicht nur ehrenhalber, sondern weil die Seide weich und glatt ist und sich eng zusammenzieht und auf der Stelle tötet, das heißt: den Betreffenden erwürgt, wohingegen ein steifer Strick sich nicht so eng zusammenzieht, so daß der Betreffende länger lebt, bevor er zu Tode kommt. Doch die anwesenden Doktoren äußerten die Ansicht, daß Erhängen völlig schmerzlos sei, da es die Blutzirkulation unterbricht und den Betreffenden sofort seiner Sinne beraubt.
Gingen von dort in einen Nebenraum, wo die Leichen präpariert werden. Dort fanden sich die Nieren, Harnleitern, Glieder, Hoden, über die es heute in dem Vortrag ging. Auf meinen Wunsch hin demonstrierte Dr. Scarburgh sehr anschaulich das Steinleiden und das Verfahren der Steinoperation und beantwortete mir auch sonst viele Fragen, etwa wie der Samen ins Glied gelangt oder das Wasser durch die drei Häute oder Membranen in die Blase. Genauso hatte es mir seinerzeit der arme, verstorbene Dr. Jolliffe erklärt.
Ging sehr zufrieden zurück in den Saal, wo ich interessanten Gesprächen lauschte. Am Nachmittag dann zu einer Vorlesung über Herz und Lungen &c. Schließlich verabschiedeten wir uns, und Kommissar Pett und ich gingen zurück ins Amt (Sir W. Batten, der ebenfalls am Mittagsmahl teilgenommen hatte, war schon vorher gegangen).
Bis spät im Amt. Ging zu Sir W. Batten, um über geschäftliche Dinge zu reden. Sir J. Mennes war bei ihm und ziemlich angetrunken, wie mir schien. Er nahm mich beiseite, um mir zu berichten, daß der Lordkanzler, bei dem er heute war, ihm mitgeteilt habe, Sir W. Penn werde ein Großsiegel erhalten, um gewissermaßen mit ihm zusammen das Amt des Aufsehers zu bekleiden, da die zahlreichen Aufgaben des Amtsaufsehers für einen Mann allein nicht zu bewältigen seien. Sir J. Mennes ist darüber furchtbar aufgebracht und drohte, er werde den Posten hinschmeißen. Und er schimpfte auf Sir W. Penn, wobei ich ihn nach Kräften bestärkte, da ich mit Genugtuung sehe, daß es mit ihrer Freundschaft nicht sehr weit her ist, denn er verfluchte ihn, wünschte ihn zum Teufel und was nicht gar. Ich für mein Teil hoffe, daß ich in Zukunft von ihnen in Ruhe gelassen werde, sofern ich nur meine Arbeit gewissenhaft verrichte. Aber wie der alte Mann sich aufspielt und stolz verkündet, er verstehe sein Geschäft und zwar besser als so mancher andere, das sei doch gelacht, und das habe er auch dem Lordkanzler gesagt, und er werde nicht zulassen, daß man ihm vorwirft, er komme seinen Pflichten nicht nach. Obwohl jedermann weiß, daß er von seinem Geschäft nicht mehr versteht als ein Kind. Aber sollen sie sich streiten, dann bin ich vor ihnen sicher. Ich hoffe nur, daß unsere Arbeit nicht darunter leidet.
Von dort ins Amt, dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett.
/ WeiterlesenAufgestanden und ins Amt gegangen und den ganzen Vormittag dort zugebracht. Erhielt ich eine Anfrage von Sir W. Coventry, die Registratoren betreffend, über deren schlechte Arbeit ich mich beschwert hatte. Das beunruhigte mich, da ich befürchten muß, daß W. Coventry denkt, ich hätte meinen Schwager Balty bevorzugt behandelt und zu diesem Zwecke die anderen schlecht gemacht. Aber ich werde mich in der Sache sehr wohl rechtfertigen können, nur belastet sie mich deswegen mehr, als es mir lieb ist. Nach Hause, wo ich Balty und seine Frau antraf, beide sehr herausgeputzt, was mir gar nicht gefällt, denn ich fürchte, er gibt bereits zu viel Geld aus, statt lieber etwas beiseite zu legen. Nach dem Mittagessen wieder ins Amt, wo ich mit Lord Brouncker, Sir W. Batten und Sir J. Mennes zusammenkam, um Carkasse anzuhören, der sich zu den gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen äußern sollte. Dabei ließ Lord Brouncker ihm gegenüber so viel Nachsicht walten, daß mir deutlich wurde, daß er keine redlichen Absichten verfolgt in dieser Sache, was mich sehr gegen ihn einnahm, aber ich äußerte mich nicht dazu. Als er aufstand und seine persönliche Meinung zu dem Fall äußerte und das Zimmer verließ, sprach ich mich dafür aus, daß wir vorerst kein Urteil fällen sollten, und vertagte die Sitzung. Ging sehr besorgt in meine Amtsstube, wo ich eine Reinschrift der gegen Carkasse vorgebrachten Anschuldigungen anfertigte, und gleich daneben seine Stellungnahme dazu. Dann nach Hause zum Abendessen und zu Bett – beunruhigt wegen der Sache mit Carkesse, denn sie wird unter uns noch für böses Blut sorgen.
/ WeiterlesenAm Morgen mit Sir W. Penn in der Kutsche zu Lord Sandwich, der jedoch ein Abführmittel genommen hatte und deshalb unpäßlich war. Sir W. Penn ging fort, und ich suchte zusammen mit Lluwellyn Mr. Mount, den Zeremonienmeister, im Cockpit auf, wo er schon seit langem wohnt. Dort tranken wir etwas und gingen dann weiter zu W. Symons, der aber nicht da war. Seine Frau – als gute Ehefrau – war zu Hause. Wir aßen daher etwas von der Nesselsuppe, die er für den Besuch von Freunden vorbereitet hatte und die sehr gut schmeckte. Wir blieben eine Weile dort und plauderten sehr vergnügt und gingen dann zum gnädigen Herrn, um zu Mittag zu essen. Lluwellyn erzählte mir eine ganz köstliche Geschichte von Mr. Blurton, seinem Freund, der mich vor drei, vier Tagen mit ihm zu Hause besucht hatte. Am selben Tag gingen die beiden noch ins Fleece beim Rathaus, wo Blurton (unter einem Vorwand) die Wirtin, eine sehr hübsche Frau, an ihren Tisch holte. Und da Lluwellyn seinen Freund fortwährend mit Doktor anredete, dachte sie, er sei ein Arzt und berichtete ihm ganz offenherzig von ihrer Krankheit – irgendeinem Frauenleiden. Er empfahl ihr eine Arznei, und sie bat ihn, er möge es ihr doch vorbeibringen. Das tat er auch und betrachtete auch ihr Ding und untersuchte es. Er sagt, daß nächstes Mal werde er es gewiß nicht dabei bewenden lassen.
Nach dem Essen im Boot zum Amt, wo ich den ganzen Tag mit Sir W. Penn verschiedene Dinge erledigte. Dann gingen wir zu mir und aßen Hummer. Anschließend zu Bett.
/ WeiterlesenWer den kompletten Pepys schon jetzt bei Zweitausendeins bestellt, bekommt ihn zwar auch erst im August 2010, hat aber trotzdem mehrfachen Grund zur Freude:
Der Subskriptionspreis für 9 leinengebundene, mit wunderbaren Illustrationen versehene, fadengeheftete, auf altersbeständigem Papier gedruckte Bände nebst einem “Companion”, die sogenannte “Berliner Ausgabe”, ist bei Eingang der Bestellung vor dem 24.August 2010 nur 129,90 €, statt dem normalen Preis von 169,90 €. Hier geht es zur Bestellung.
Der Besteller oder die Bestellerin kann sich aussuchen, ob er oder sie mit eigenem Namen oder dem Namen eines zu Beschenkenden im “Companion” der Berliner Ausgabe als Erstbezieher dieser Ausgabe genannt wird. Wenn Sie das nicht möchten, dann sind Sie natürlich nicht dazu gezwungen.  Wenn Sie es möchten, dann müssen Sie Ihre Bestellung noch vor dem 21. Juni 2010 abgeben, und zwar hier.
/ WeiterlesenAufgestanden und ins Amt, wo ich mein Tagebuch für die letzten drei Tage nachtrug. Gegen Mittag mit meiner Frau zur Neuen Börse gefahren. Hielt unterwegs bei meinem Buchhändler, ließ Kirchers »Musurgia« zum Binden da und kaufte überdies »L’illustre Bassa«* in vier Bänden für meine Frau. Von dort zur Börse, wo ich sie absetzte. Traf mich dort mit Dr. Gibbons dem Organisten, und er zeigte mir ein Orgelpositiv in der Wohnung des Dekans von Westminster, des Bischofs von Rochester, der dort wie ein mächtiger Prälat residiert, obwohl er bei Hof gerade in Ungnade gefallen ist und sein Kammerherrnamt verloren hat. Ich sah auch seine Frau, über die sich der Terrae Filius** in Oxford einmal so lustig gemacht hat – und zwei Kinder, von denen ein kleiner, sehr hübscher Junge ihm ähnelte, pummelig und schwarzhaarig. Ich sah mir die Orgel an, aber sie ist zu groß für mein Haus, und ihr Aussehen gefällt mir nicht sonderlich, deshalb werde ich sie nicht kaufen. Von da wieder zur Börse, wo ich ihn absetzte. Holte meine Frau und Deb ab und fuhr mit ihnen nach Hause. Aß allein zu Mittag und fuhr dann mit ihnen zur Schauspielschule, wo wir noch nie gewesen waren. Der Saal und die Musik waren besser als erwartet, und auch die Schauspieler nicht schlecht, aber doch auch noch nicht gut. Ich war aber froh, es einmal gesehen zu haben, denn es lohnt sich, das unterschiedliche Können der Schauspieler zu beobachten und wie sie durch Übung und Erfahrung besser werden. Das Stück war schlecht, es hieß »Die spanische Tragödie«.*** Es waren auch ein paar muntere Leute im Publikum, die mächtig über die schlechten Schauspieler spotteten, und manchmal konnte ich mich auch nicht zurückhalten, obwohl es mir für sie leid tat. Dann nach Hause und noch eine Weile im Amt gearbeitet. Darauf nach Hause zum Essen. Ein wenig gelesen und dann zu Bett. Am Theatereingang wurde ich heute schön hereingelegt. Ich gab dem Burschen sechs Shilling für uns drei. Doch er ließ einen davon verschwinden und versicherte mir, ohne mit der Wimper zu zucken, ich habe ihm nur fünf gegeben. Er sagte dies mit so ernster Miene, daß ich ganz überrumpelt war und ihm, obwohl ich es besser wußte, einen weiteren Shilling gab. Zu Hause fand ich heute abend einen Brief von Kapitän Allen vor, dem früheren Verwalter der Seilerei in Chatham, dem ich damals sehr behilflich war, und aus alter Dankbarkeit teilte er mit, er habe gehört, man werde mir wohl vorwerfen, ich hätte 50l von Mason dem Holzhändler angenommen, das habe dessen Frau verraten. Ich bin Kapitän Allen dafür sehr dankbar, obwohl die Sache, wenn ich mich recht erinnere, so gar nicht stimmt. Es macht mir dennoch Sorgen, wenn mein Name in dieser Sache fällt vor allem, weil ich in anderen Fällen wirklich Geschenke angenommen habe. Ich habe daher beschlossen, alle diese Fälle genau zu untersuchen und mich auf den Tag einer möglichen Anklage vorzubereiten.
*„Ibrahim, ou L’illustre Bassa“, umfangreicher Erfolgsroman von Madeleine de Scudéri.
**Offizieller Possenreißer und komischer Zeremonienmeister an der Universität.
***„The Spanish Tragedy, or Hieronymo is mad again“, berühmte elisabethanische Blankverstragödie von Thomas Kyd.
Donnerstag. Mein Geburtstag. Ich bin jetzt 27.
Ein ziemlich schöner Morgen. Ich stand auf, und nachdem ich eine Zeitlang in meinem Arbeitszimmer geschrieben hatte, ging ich hinaus. Ins Amt, wo ich Mr. Hawley von meiner Absicht erzählte, morgen nach Cambridge zu fahren. Mr. Fuller und auch Onkel Thomas kamen zu mir, und ich nahm sie mit, um etwas zu trinken und verabschiedete mich dann von meinem Onkel. Dann mit Mr. Fuller zu mir nach Hause, wo er mit mir aß und mir und meiner Frau sehr viele Geschichten aus den Zeiten des Bürgerkriegs erzählte, als er gezwungen war, durch katholische Länder zu reisen &c. Er legte mir seine Papiere vor, doch ich hatte kein Geld, um ihn auszuzahlen. Wir trennten uns, und ich ging nach Whitehall, um mir das Pferd anzusehen, das Mr. Garthwayt mir morgen leihen will. Dann nach Hause, wo mich Mr. Pearse aufsuchte, um Zeit und Ort auszumachen, wo wir uns morgen treffen. Dann zur Westminster Hall, wo ich, nachdem das Parlament seine Sitzung beendet hatte, Mr. Crew traf, der mir erzählte, daß der gnädige Herr mit 73 Stimmen zu einem der Staatsräte gewählt worden sei. Mr. Pierpoint bekam die meisten Stimmen, 101, und er selbst kam danach mit 100. Er brachte mich mit dem Wagen nach Hause zusammen mit Mr. Annesley. Ich ging zurück zur Halle, wo ich eine Weile in Mrs. Mitchells Laden mit ihr und Mrs. Mumford plauderte und ein, zwei Becher Bier trank wegen einer Wette, daß Mr. Prynne nicht in den Rat gewählt werden würde. Nach Hause, wo ich dem gnädigen Herrn die Neuigkeiten, die Wahl des Staatsrats betreffend, schrieb, und dann zu Bett.
/ WeiterlesenDen ganzen Vormittag im Amt sehr beschäftigt, danach zum Essen zu Lady Sandwich. Von dort mit Mr. Moore zu Walpole, unserem Anwalt. Wir erfuhren, daß Godfrey niederträchtigerweise ein Urteil gegen uns erwirkt hat wegen der 40l Schulden von Onkel Robert, was mich ärgert. Kaufte dann zwei Kerzenständer und ein Hängeregal für das Zimmer meiner Frau, dann anch Hause. Mr. Savill kam mit den Porträts, die wir im Eßzimmer aufhängten, das jetzt mit all den Bildern sehr hübsch aussieht.
Am Abend schrieb ich Briefe an meinen Vater, in denen ich ihm unter anderem von dem unglücklichen Vorfall mit den zwei ältesten Söhnen von Lord Dorset berichtete: sie wurden, zusammen mit zwei Söhnen von Lord Belasyse und einem Junker namens Wentworth festgenommen, weil sie letzten Mittwoch bei Newington einen Lohgerber getötet und ausgeraubt haben sollen. Sie sitzen alle in Newgate ein. Das betrübt mich sehr, auch wegen des Kummers und der Schande, der jetzt über ihre Familien kommt. Danach zog ich mir, weil ich stark erkältet bin, warme Unterwäsche an und ging ins Bett.
/ WeiterlesenAufgestanden und den ganzen Vormittag im Amt (mit starken Schmerzen im Zeigefinger der linken Hand, den ich mir im Ringen avec la femme que je gestern erwähnte, verstaucht habe). Zu Hause machte sich meine Frau mit ihrer Gesellschafterin fertig, um ins öffentliche Dampfbad zu gehen, nachdem sie die langen Wintermonate im Schmutz des Hauses verbringen mußte und sich vorgenommen hat, fortan besonders reinlich zu sein. Wie lange das währt, kann ich mir denken. Aß mit Sir W. Batten und seiner Frau zu Mittag, die in letzter Zeit sehr freundlich zu mir sind.
Darauf zur Börse und von dort mit Mr. Waith in eine Garküche und noch einmal zu Mittag gegessen und mich mit ihm über die Lieferung von Hängematten unterhalten und über den weit verbreiteten Mißbrauch der Lohnscheine, der täglich zunimmt – und auch über den großen Gewinn, den Mr. Fenn aus seinem Amt als Zahlmeister zieht, der (wenngleich er nur ein ½ Prozent des ausgezahlten Betrags für sich verlangt, was leicht zu berechnen ist) ungehalten mit jedem Mann ist, der nicht freiwillig noch etwas drauflegt.
Darauf ins Amt und danach mit Lord Brounckers Kutsche nach Lincoln’s Inn Fields. Dort bis nach 10 Uhr abends mit Lady Sandwich (der gnädigen Frau) geplaudert, über anständige Haushaltsführung und Ehemänner für ihre Töchter sowie über den Luxus und den Sittenverfall unserer Zeit und andere Dinge mehr. Danach mit der Kutsche nach Hause. Noch eine Weile ins Amt, dann zu Abend gegessen und zu Bett.
Die gnädige Frau erzählte mir, Lord Castlemaine sei aus Frankreich zurück und will sich anscheinend mit seiner Frau aussöhnen.
Und die Damen am Hof trieben die kuriosesten Späße: so verkleidete sich Mrs. Jennings, eine Ehrendame der Herzogin, vor einigen Tagen als Apfelsinenverkäuferin und pries auf der Straße ihre Waren an. Doch dann fiel sie hin oder etwas ähnliches und man sah (obwohl es bereits Abend war) ihre schönen Schuhe und es war eine große Schande für sie.
Und weil solche Streiche und noch schlimmere bei ihnen an der Tagesordnung seien, werde keine von ihnen einen Mann abbekommen, und Lady Castlemaine hat im Scherz behauptet, ihre kleine Tochter, die keine zwei Jahre alt ist, werde noch als erste am Hof heiraten.
Heute schrieb Lord Sandwich mir von der Reede von Downs, daß er voraussichtlich noch in dieser Woche nach London kommen werde.
/ WeiterlesenAufgestanden und mit Sir W. Batten und Sir W. Penn in der Kutsche nach Whitehall gefahren. Er hatte für Sir W. Coventry eine seidene Bandschleife dabei, anläßlich der Hochzeit seiner Tochter, und er sagte, daß er für uns auch welche habe, wir müßten sie nur bei ihm abholen. Das ärgerte mich, und bin ich entschlossen, sie nicht zu tragen, selbst wenn er sie mir bringen sollte, denn es ist eine Schande, wie armselig er die ganze Hochzeit ausgerichtet hat, er, der sonst immer so vornehm tut. Beim Herzog von York hörten wir, daß Henry Harris von der herzoglichen Truppe krank sei, und alle waren des Lobes über voll ihn, und man bewunderte ihn vor allem für seine Rolle als Kardinal.* Man redete auch davon, daß Banister, der Kapellmeister der 24 Streicher des Königs, wütend auf den König sei, weil dieser einen Franzosen zum Kapellmeister der Kammermusik ernannt habe – worüber sich der Herzog von York köstlich amüsierte. Dann zogen wir uns in sein Zimmer zurück, wo wir ausschließlich über die fehlenden Gelder sprachen, und welche Folgen das nach sich ziehen wird, und Sir W. Coventry sagte ganz offen, er wünschte, seine Königliche Hoheit der Herzog hätten mit all dem nichts zu tun, damit die Schmach, mit der man uns gewiß überziehen werde, nicht ihn treffe. Der Herzog seinerseits war sehr wütend auf Sir G. Carteret, so wütend, wie ich ihn überhaupt noch nicht erlebt habe, denn Sir G. Carteret hatte einige Schiffsführer nicht ausbezahlt, obwohl er versprochen hatte, dies am Montag zu tun. Ich denke, Sir G. Carteret tut sich keinen Gefallen mit seinem Verhalten. Er sollte sich lieber umgehend entscheiden: entweder er nimmt neue Kredite auf oder er sagt klipp und klar, daß er sich um die Geldbeschaffung nicht mehr kümmern will, wozu er ja nicht verpflichtet ist.
Von dort zum Schatzamt, wo die Schreiber tatsächlich die Kerbhölzer für mich vorbereitet hatten, obwohl Aschermittwoch war. Fuhr daher mit der Kutsche zurück nach London zu Sir R. Vyner, wo ich 100l erhielt. Ich nahm das Geld und bezahlte davon meine Gebühren bei den Schreibern und ging dann mit ihnen ins Leg in der King Street und ließ Wein für alle kommen. Einer war dabei, der das Schiff beschafft hatte, mit dem der König damals von Brighton aus geflohen war. Der König hatte ihm dafür später eine Leibrente von 200l per annum zugewendet, aber die Zahlung ist eingestellt worden. Als Entschädigung hat er jetzt um ein Prisenschiff gebeten. Der arme Mann hat seit vier Jahren kein Geld erhalten und nagt am Hungertuch und muß noch befürchten, daß man ihm die Leibrente besteuert. Er wußte viele interessante Einzelheiten von der Überfahrt des Königs zu berichten, was sehr unterhaltsam war, aber doch zeigt, daß auch ein König ein gewöhnlicher Mensch ist, voller Makel, und zur Schwachheit neigt, wie andere Menschen auch. Dann mit meinen Kerbhölzern nach Hause. Nahm einen Imbiß zu mir und fuhr anschließend mit meiner Frau in der Kutsche nach Lincoln’s Inn Fields. Von dort ging sie zu ihrem Bruder und ich mit Lord Belasyse zum Lordkanzler. Lord Belasyse erzählte mir, daß es der König von Frankreich gewesen sei, der sich gegen Den Haag als Verhandlungsort ausgesprochen habe, da ihm der Vorrang vor den Holländern gebühre, und so sollen die Verhandlungen also in Paris geführt werden, und Gott allein weiß, was jetzt aus dem Frieden werden soll. Er erzählte mir auch (ganz im Vertrauen), daß er sicher sei, daß die Friedensverhandlungen zwischen Spanien und uns abgebrochen worden seien. Aber um zu verhindern, daß der König von Frankreich über Flandern herfalle, dürfe das nicht bekannt werden. Er glaubt, daß der Herzog von York zum Oberbefehlshaber der spanischen Truppe und zum Statthalter von Flandern ernannt werden würde, wenn Frankreich gegen Flandern ziehen sollte und wir mit den Spaniern verbündet wären. Außerdem sagte er, daß wir den Spaniern in Westindien mit unseren Kaperern sehr großen Schaden zugefügt haben, worüber sie sich bitterlich beklagen, und es ist in der Tat eine Schande, daß dem kein Einhalt geboten wird. Schließlich kamen wir beim Lordkanzler an, und ich schilderte ihm unsere Geldsorgen. Er hörte mich sehr ruhig an und sprach dann sehr freundlich mit mir, konnte aber keine Abhilfe in Aussicht stellen. Er wies vielmehr auf die Abrechnungen von Povey hin, von dem er sonst eine recht hohe Meinung zu haben schien, aber nicht so heute. Er sagte, daß unsere Zahlungsschwierigkeiten allein daher rührten, daß wir zuviel Geld ausgegeben hätten. Ich bin aber der Ansicht, daß dies eher auf den König zutrifft. Dann fort. Holte meine Frau ab, die mir erzählte, daß ihr Bruder sich und seine Frau neu eingekleidet habe, was ich gar nicht gern höre, denn es dürfte ihn viel Geld gekostet haben. Von dort nach Hause und kurz ins Amt. Dann nach Hause zum Abendessen. Mrs. Turner leistete uns Gesellschaft. Die arme Frau tut mir leid, aber sie ist doch auch eine gerissene Person. Wie ich, hält sie die freundliche Art von Sir W. Penn für bloße Heuchelei, und von Lord Brouncker erzählte sie sehr erstaunliche Geschichten, und auch daß die Leute sich an seine Geliebte, Mrs. Williams, mit Geschenken wenden. Machte mich, nachdem sie fort war, wieder an meine Tanger-Abrechnungen, die ich zum Abschluß brachte, da ich heute im Schatzamt die neuen Kerbhölzer erhalten hatte. Nachdem ich mit allem fertig war, zu Bett.
* Wohl als Kardinal Wolsey in Shakespeares „Heinrich dem Achten“.